LNCrawler

Kapitel

Forbidden Blood — www.fanfiktion.de · All chapters

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Als er erwachte, wünschte er sich, er könne im Dunkeln sehen, dann würde er sie beim Schlafen beobachten können. Doch dieser Wunsch blieb ihm wohl vergönnt. Er öffnete den Sargdeckel und das dumpfe Licht der Fackeln erhellte den Raum.

Die beiden stiegen aus dem Sarkophag und klopften den Staub von ihren Kleidern.

"Wie unbequem ihr doch schlafen müsst", gestand die Blondine, als sie ihr Kleid vom Staub befreite.

"Diesen kalten, unnachgiebigen Stein würde ich nicht einmal einem Hund abieten."

Lestat fing leise an zu lachen. Wo sie recht hatte, hatte sie recht.

Sie machten sich auf den Weg zum Schneider, doch ihr Durst übermannte sie erneut.

"Diesmal sollten wir zu einer anderen Herde gehen. Dann glauben die Leute, dass ein Wolf sein Unwesen treibt", schlug er vor.

Valeria nickte, doch als sie diesmal eine Ziegenherde überraschten, bot sie ihm ebenfalls an, von der Ziege zu kosten.

Er rümpfte die Nase. "Was schmeckt euch so an menschlichem Blut?", fragte sie und sah ihn unverständlich an.

"Es hat einen ganz anderen Geschmack als das von Tieren. Und der Gedanke, eine schöne Frau zu beißen und dabei einen schönen Anblick zu genießen, erscheint mir angenehmer als ein lebendes Tier."

Die Blondine rümpfte die Nase und brachte zu Ende, was sie begonnen hatte. Danach wischte sie sich das Blut von den Mundwinkeln.

"Wenn es in einer Gegend nichts anderes als Landstreicher gäbe, dürftet ihr da auch nicht wählerisch sein", bemerkte sie und stand auf.

"Das gilt aber auch für euch", erwiderte Lestat.

"Tiere gibt es immer und überall. Menschen nicht."

Er gluckste. "Gutes Argument."

Sie holten ihre Kleidung ab und der Blondschopf legte einen kleinen Beutel Goldmünzen auf den Tisch.

Doch ihre frischen Kleider wollten sie nicht unbedingt anziehen, so dreckig, wie sie selbst waren.

Glücklicherweise kannte Lestat einen nahegelegenen See, sodass sie dort baden konnten.

"Dreht euch um", forderte die Blondine ihn auf, als sie dort waren.

Sie legte ihre Kleider ab und tastete sich langsam vor im kühlen Gewässer, bis sie mit einem Rauschen zu schwimmen begann.

Erst jetzt drehte sich Lestat um und sah ihr dabei zu, wie sie gemütlich ihre Bahnen schwamm, bis sie sich zu ihm umdrehte.

"Kommt ihr?"

Fast schon wie ein aufgeregter Schuljunge entledigte er sich seinen Kleidern und sprang ins Wasser.

Er schwamm zu ihr, während sie ihn ansah. Das Wasser war nicht annähernd so kalt, wie er es von damals in Erinnerung hatte.

Oder sie hatten einfach ein anderes Empfinden, was die Temperatur anging.

Die beiden schwammen im See herum und es fühlte sich für einen Moment so an, als sei alles so leicht.

Irgendwann hielt Valeria die Luft an und tauchte unter Wasser, tauchte jedoch wenig später wieder auf und strich sich die nassen Haare aus dem Gesicht. Lestat konnte nicht anders, als sie zu beobachten. Sie zog ihn immer wieder in ihren Bann, als würde sie ihn hypnotisieren.

Das Mondlicht warf seinen Schein auf das Wasser, das seine Oberfläche glitzern ließ. Die beiden sahen einander in die Augen.

Er konnte nicht anders, er musste es einfach tun. Lestat kam näher, legte seine Hände an ihre Wangen und küsste sie.

Es fühlte sich einfach richtig an. Für ihn war es wie eine Sucht und seit er ihr einen Kuss gestohlen hatte, umso mehr.

Als er ihn löste, bekam er eine Ladung Wasser ins Gesicht. Er sah sie erschrocken an, während sie neckisch grinste und davonschwamm.

Manchmal hatte er das Gefühl, dass er aus ihr nicht schlau werden würde und schwamm ihr hinterher, um sich für die Ladung Wasser zu rächen.

Doch irgendwann hielt sie an und drehte sich erneut zu ihm um. Die Wochen, die sie bereits unterwegs waren, weckten in ihr eine andere Seite, die sie lange zurückgehalten hatte. Sie hatte bemerkt, dass jemand den Weg in der Nähe vom See entlanglief und flüsterte:

"Taucht mit mir unter. Da ist jemand." Beide hielten die Luft an und tauchten sofort ab. Die Kleider am Ufer hatten sie dabei vollkommen vergessen.

Nach einer Weile tauchten sie jedoch wieder auf und schnappten nach Luft. Sie strich sich ihre Haare aus dem Gesicht und Lestat tat es ihr gleich. Für einen Moment sah sie ihn an, doch ihr Blick war anders als sonst.

Fast schon wie ein wildes Tier, das seine Beute im Visier hatte.

Diesmal war sie es, die die Initative ergriff und ihn küsste. Ihr Kuss war innig, gar fordernd.

Er konnte ihre weiche Haut ganz nah spüren und begriff, was in ihrem Kopf vorging.

Seine Arme schlangen sich um ihre schmale Taille und er erwiderte den Kuss.

Es war wie ein Tanz im Wasser, ein Tanz voller Leidenschaft, ein Funke, der endlich in ein Feuer übergehen wollte.

Weit und breit war keine Menschenseele mehr zu sehen. Er trug sie aus dem Wasser und brachte sie ans Ufer.

Vorsichtig legte er sie auf ihrem Kleid ab und wandte seine Augen dabei nicht von ihren ab.

Diese Unschuld in ihrem puppenhaften Gesicht, das rasende Herz, der schnelle Atem.

Lestat sah sie an. "Seid ihr euch sicher?", fragte er leise.

Die Blondine nickte und küsste ihn erneut.

Es war für ihn noch aufregender, zu wissen, dass sie vor ihm noch nie von jemand anderem berührt wurde.

Er spürte ihre zarte Porzellanhaut und ging behutsam mit ihr um. Fast wie eine zerbrechliche Puppe, bei der man sich nicht traute, sie anzufassen.

Seine Lippen wichen ihren, glitten ihren Hals entlang und er konnte ihre Wärme spüren.

Vorsichtig traute er sich weiter und bemerkte, wie sie leicht das Gesicht verzog.

Er beruhigte sie immer wieder mit seinen Lippen an ihrem Hals und auf ihren weichen Lippen.

Mit sanften, rhythmischen Bewegungen drang er langsam vor, seine Lippen ganz nah an ihrem Ohr.

Ihre Arme umschlangen seinen Rücken. Sie gab sich seinen Bewegungen hin, die Augen halb geschlossen.

Sie sah die dunklen Baumkronen und wie der dunkelblaue Nachthimmel sie erfüllte.

Wie immer wiederkehrende Wellen bahnte sich langsam etwas in ihr an. Ihr Körper spannte sich leicht an, ihre Finger begannen, sich in den Rücken des Blondschopfes zu bohren.

Sie versuchte, ihren Atem zu kontrollieren, was ihr aber nicht gelang. Lestat bekam es mit und passte sich an, bis ihr Griff lockerer wurde. Seine Bewegungen nahmen etwas an Geschwindigkeit zu, wurden fast schon energischer, bis auch er langsamer wurde.

Immer noch so über sie gebeugt, sah er ihr in die Augen, während sie wohl langsam wieder klar war.

Beide sprachen kein Wort, sondern verharrten noch lange so.

Ein weiterer Kuss brach das Schweigen und die Starre, in der sie waren.

"So hatte ich mich noch nie gefühlt", raunte sie leise.

"Geht mir genauso", pflichtete Lestat bei und fuhr mit einer Hand durch ihr langes Haar.

Doch als er aufstand und sich anzog, fiel ihm etwas auf.

"So wie es aussieht, war ich aber nicht euer erster."

Die Blondine hatte die Knie an sich rangezogen und sah ihn verwundert an.

"Doch, das wart ihr."

Er deutete auf das Kleid. "Es ist sauber."

Nun verstand sie, worauf er hinaus wollte. "Ich reite, seit ich klein bin. Angeblich kann da was passieren."

Lestat trug seine neue Kleidung und auch Valeria das neue Kleid.

"Wir sollten es riskieren und uns ein Anwesen zulegen, in dem wir leben können", schlug er vor.

"Ich glaube wohl kaum, dass euer Clan uns ewig jagen wird."

Das stimmte wohl. Seit Wochen hatten sie niemanden mehr gesehen.

Vielleicht hatten sie die Suche aufgegeben und dem Hausvorstand Bericht erstattet. Sie galt als verloren.

Es war ein weiter Weg, doch sie fanden schließlich ein kleines Anwesen, das sie abkauften.

Sie bauten sich tatsächlich etwas auf und bekamen von der Außenwelt nicht viel mit.

Lestat hatte einen bequemen Sarg anfertigen lassen, der nah bei ihrem Bett stand. So konnte er sie beim Schlafen beobachten,

bis sie ebenfalls wach war.

Aus den Wochen wurden Monaten und es schien, als hätten sie endlich ihr Glück gefunden.

Sie lebten zusammen, wenn auch nicht offiziell als Mann und Frau.

Beide bekamen voneinander, was sie suchten, jedoch meistens verwehrt bekommen hatten.

Lestat genoss diese Nächte, in denen er ihre weiche Haut spürte und ihren Körper zum Beben brachte. Wobei auch sie hin und wieder die Initiative ergriff. Alles wirkte perfekt.

Völlig außer Atem saß sie auf seinem Schoß und war fertig, aber glücklich. Er liebte ihr Lächeln und ihren Anblick, vor allem, wenn das Licht auf sie fiel.

Valeria war aufgestanden und zog ihr Unterkleid an, während Lestat schon auf dem Bett seine Stiefel anzog.

Er konnte nicht anders, als sie zu beobachten, mit dem Wissen, dass sie ihm allein gehörte.

Plötzlich trat jemand die Tür ein und einige Männer stürmten den Raum. Beide erschraken und Lestat breschte bereits vor, um sie anzugreifen, wurde aber von zwei Männern festgehalten.

Zwischen der Gruppe kam der Hausvorstand hervor, die die beiden musterte.

"Endlich haben wir dich gefunden."

Ihr Ton war so kalt wie immer und genauso kalt musterte sie auch Valeria, dann Lestat.

Sie ging langsam auf ihn zu und sah ihn hasserfüllt an.

"Bringt Valeria zurück nach Straßburg."

"Was sollen wir mit ihm hier machen, Hausvorstand?", wollte einer der Männer wissen.

"Er wird das Tageslicht wieder sehen. Das hat er bestimmt schon vermisst."

Lestat wehrte sich heftig, als er das hörte, doch die Männer zerrten ihn erbarmungslos nach draußen und banden ihn an einen Baum.

"Nein!", schrie Valeria und wollte sich losreißen, spürte jedoch den energischen Griff des Mitgliedes, dessen Pferd sie gestohlen hatten. "Ihr seid verwirrt, Prinzessin. Dieser Mann muss euch ziemliches Leid zugefügt haben. Kein Wunder, dass ihr verstört seid", spottete er und schubste sie in die Kutsche.

Der Hausvorstand folgte und die Kutsche verließ das Anwesen. Die Männer jedoch blieben noch. Vor allem der, dessen Pferd sie gestohlen hatten. Er grinste selbstgefällig unter seiner Kapuze und trat ihm ins Gesicht, woraufhin Lestats Nase gebrochen war.

"Das ist für mein Pferd. Ich werde es jetzt wohl töten müssen, nachdem ihr es mit eurem verdorbenen Blut besudelt habt."

Die anderen lachten nur und entzündeten Fackeln.

"Ihr habt uns etwas genommen, das ihr euch nie hättet wagen sollen, zu nehmen. Jetzt verliert ihr alles."

Mit diesen Worten warfen die anderen Männer die Fackeln ins Haus, das wenig später Feuer fing.

"Genießt das kommende Sonnenlicht. Es könnte euer letztes Mal sein", grinste er, bevor er mit den anderen davonritt.

"Das ist ein schlechter Scherz", knurrte Lestat und versuchte, sich aus den Seilen zu befreien, während im Hintergrund das Haus lichterloh brannte. Er konnte das Pferd im brennenden Stall wiehern hören und wie es in Panik versuchte, sich aus seinem Gefängnis zu befreien.

Mit Mühe und Not schaffte er es, sich zu befreien und eilte sofort zum Stall, um den Rappen zu retten.

Es herrschte eine unglaubliche Hitze und das Pferd war ganz aufgebracht.

Der Blondschopf griff nach seinem Halfter und führte es nach draußen. Kaum waren sie draußen, fiel der Stall in einem Flammenmeer hinter ihnen zusammen.

Lestat sah sich das alles mit an. Wie das, was er mit Valeria aufgebaut hatte, in Flammen aufging.

Anwohner eilten herbei und halfen ihm, das Anwesen zu löschen.

Zwischen verkohlten Überresten saß er nun, während der Rappen graste.

Dafür würden sie bezahlen, so viel war sicher. Doch erst musste er sich einen Plan überlegen.

Valeria sprach nicht ein einziges Wort in der Kutsche. Sie sah nur zu Boden.

Der Hausvorstand beobachtete sie.

"Ich wusste schon immer, dass du nichts als Ärger machst. Wir können von Glück reden, wenn wir dich noch an einen Mann bekommen!"

Sie schwieg. "Du hast doch nicht ernsthaft geglaubt, dass wir das durchgehen lassen."

"Ich wurde entführt", erwiderte die Blondine emotionslos.

"Als hätten wir nicht schon genug andere Probleme! Die politischen Spannungen in Straßburg haben sich so zugespitzt, dass wir Helenas Treffen mit dem Kaiser vertagen mussten!"

Sie wurde hellöhrig und hob den Kopf. "Was?"

"Es wird höchste Zeit, dass der Kaiser eine Frau an seiner Seite hat. Jetzt können wir uns wegen dir auch nochmal etwas einfallen lassen!"

Valeria sah aus dem Fenster. Sie dachte an die gemeinsame Zeit, die Flucht, den See, den Kuss, die Nächte ...

Ihre Hand glitt gedankenverloren zu ihrem Hals. Sie würde ihn nicht vor dem Morgengrauen retten können.

"Was auch immer zwischen euch war, hat nie stattgefunden. Und das Kleid werden wir auch los!", kommentierte der Hausvorstand.

"Soll ich etwa nackt auf der Straße herumlaufen wie meine Mutter einst?"

Ein Klatschen hallte durch die Kutsche. Die Blondine hielt sich die Wange.

"Sie ist kein Stück besser! Spielt sich auf und vollkommen verrückt, seit du und deine Geschwister auf der Welt sind!", zischte sie.

"Ich musste auch Opfer bringen! Ich habe es mir nie ausgesucht, Russland zu verlassen und deinen Großvater zu heiraten! Ich habe es mir nicht ausgesucht, Hausvorstand zu sein, nachdem mein Mann gestorben ist! Und dann muss ich noch sicherstellen, dass unsere Blutlinie gesichert ist und Alain nicht auch noch den Thron verliert wie deine Eltern! Aber hörst du ein einziges Mal, dass ICH mich beklage?"

Die Blondine sah mit finsterer Miene aus dem Fenster.

"Das ist ungerecht", sagte sie leise.

"Sie foltern und knechten uns, seit wir laufen können. Wir sollen beherrscht auftreten und den Mund halten. Aber egal, was wir auch tun: Es wird niemals gut genug sein. Nicht wahr?"

"Du bist dir deiner Pflichten nicht bewusst. Du denkst, das Leben ist nur ein Spaß und das, was wir haben, ist selbstverständlich! Wir werden die Suche ins Ausland verlegen. Maria ist in Wittelsbach gut aufgehoben und vielleicht begreifst du in einem anderen Land, wo dein Platz ist!"

Sie spürte den kalten Blick des Hausvorstandes auf sich ruhen, wollte aber nicht darauf eingehen.

In ihrem Kopf spielte sich alles wie ein Film ab. Die Nächte, in denen sie Lestats Lippen auf ihrer Haut spürte, wie er sie immer wieder zum Beben brachte, seine Hand in ihrem Haar.

Alles in ihr zog sich zusammen. Nichts davon würde sie je wieder empfinden.

Es folgten mehrere Zwischenstopps, um in den darauffolgenden Nächten ihre Reise fortzusetzen. Als sie endlich in Straßburg ankamen, war das Wetter grau und es regnete. Ihr Vater stand bereits in der Tür, als die Kutsche eintraf und sah traurig drein.

Als sich die Kutschentür öffnete, wartete Valeria nicht darauf, dass der Kutscher ihr seine Hand gab, sondern stieg geladen aus und stürmte ins Gebäude.

Ihr Vater ging zur Seite und ließ sie durch. Er konnte ihren Schmerz verstehen. Nun war auch der letzte Plan, sie glücklich zu sehen, missglückt.

Die Blondine ließ sich auf ihr Bett fallen und ließ alles raus, was sich während der Fahrt angestaut hatte.

Jetzt konnte sie nachvollziehen, wie ihre Mutter sich gefühlt hatte, die die ganze Zeit für verrückt erklärt wurde. Sie wollte nur noch hier weg, genau wie sie!

Doch dann hörte sie, wie langsam die Tür aufging und ihr Vater das Zimmer betrat. Sie wusste, dass es er war, da er die Tür behutsam wieder schloss.

Zunächst stand er nur da, dann ging er langsam auf das Bett zu und setzte sich neben sie.

"Es ist vorbei! Es ist alles verloren!", schluchzte sie mit einem sich aufbauenden Wutanfall.

"Ich weiß, mein Engel", beteuerte er ruhig und legte eine Hand auf ihren Rücken.

"Wir hatten ein Anwesen, wir hatten unser eigenes Leben und dann kamen sie!"

"Sie haben eure Spur verloren, jedoch nach wenigen Wochen wieder aufgenommen. Ich habe ihnen gesagt, dass du entführt wurdest."

"Der Hausvorstand will mich an jemanden im Ausland verheiraten! Ich werde euch alle nie wieder sehen!"

"Erst muss sie jemanden finden. Und wir sind nicht aus der Welt, Engelchen. Deine Mutter und ich werden dich besuchen kommen, wir werden dir Briefe schicken und Jako wird mit Sicherheit auch nach seiner Lieblingsschwester sehen. Immerhin hat er geholfen, die Kutsche aufzuhalten, als ihr geflohen seid."

Zum ersten Mal seit ihrem Gespräch hob Valeria den Kopf. Ihre Augen waren rot, so verheult, wie sie waren. "Was?"

"Ich habe ihn geschickt, dass er die Kutsche sabotiert. Wenn dein Bruder etwas kann, dann seiner kleinen Schwester helfen", erwiderte er mit einem sanften Lächeln.

Für einen Moment dachte sie nach. "Lestat wird hingerichtet ... Sie haben ihn an einen Baum gebunden, sodass er im Morgengrauen tot sein wird. Wie würdest du damit umgehen, wenn Mama sterben würde? Wenn du sie noch lieben würdest?"

Er sah sie verwundert an.

"Ich liebe deine Mutter immer noch wie am ersten Tag. Es sind die Umstände hier, die sie unglücklich machen. Sie glaubt, dass alles meine Schuld sei, weil sie mich heiraten musste, um den Frieden zwischen Frankreich und Spanien zu sichern. Mich hat auch niemand gefragt und doch habe ich mich sofort in sie verliebt, als ich sie zum ersten Mal sah."

Er holte ein kleines Büchlein hervor.

"Ich habe als junger Mann immer Gedichte geschrieben und deine Mutter war meine Muse. Ich habe sie ihr alle rezitiert, habe sie wie eine Göttin behandelt und es gefiel ihr. Aber eine Ehe unter diesen Umständen bedeutet nicht, dass man zusammen ein unbeschwertes Leben führen kann, vor allem, wenn man auch noch König war."

Er lächelte sie an.

"Aber die Antwort auf deine Frage wird dir nicht gefallen: Du musst weiterleben. Nicht, weil du jemanden verloren hast, den du liebst, sondern genau weil diese Person es zu der Zeit lebenswert gemacht hat."

Valeria kniete auf dem Bett und nahm ihm vorsichtig das Büchlein ab. Sie blätterte neugierig darin.

"... Oh du schöne Holde mein,

Wann werden wir wieder beisammen sein?

Unterm Mondschein schenk ich meine Liebe dir,

auf dass dein Herz erfüllt von mir ..."

Sie sah ihn an. "Das ist tiefgründig ... Und romantisch ..."

Er lächelte und zeigte ihr ein Medaillon, das er aus seiner Hosentasche kramte.

"Dieses Bild hat man mir damals zugeschickt, als verkündet wurde, dass mit ihrer Heirat die neugewonnene Freundschaft und der Frieden zwischen Frankreich und Spanien besiegelt werden würden. Dieses Gedicht hatte ich Tage vor ihrer Ankunft geschrieben."

Valeria war ihrer Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten, was man auch deutlich auf dem jungen Portrait von ihr sah.

Ihr Vater hauchte ihr einen Kuss auf den Kopf.

"Geh nicht zu hart mit dir selbst ins Gericht. Versuche, dein Leben zu leben und vergiss ihn nicht."

Mit diesen Worten verließ er ihr Zimmer.