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Der Schicksalsschlag

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Der Schicksalsschlag

„Kuina ist tot“

Zorro hatte das Gefühl, als würde sein Herz stehen bleiben, als Ren ihn diese Nachricht überbrachte.

Der grünhaarige Junge war mitten im Training, als sein älter Mitschüler auf ihm zukam um das Training zu unterbrechen.

Fassungslos starrte er in Ren´s Augen. Das war doch ein Witz? Aber nein … Ren hielt den Kopf gesenkt, seine Augen voller Trauer.

Er sprach die Wahrheit.

„Koshiro-sensei möchte, dass wir alle sofort unser Training unterbrechen!“ sagte er „Um Kuina zu ehren“

„Wie konnte das nur passieren?“ Aruna´s Mutter war entsetzt über diese Nachricht.

Aruna selbst weinte heftig.

„Sie ging zum alten Haus ihres Großvaters“ erzählte Yuki-san mit gesenktem Kopf und leiser Stimme.

„Sie wollte den Schleifstein für die Katana holen“ sprach sie weiter. „Als sie ihn hertragen wollte, ist sie die Treppe hinunter gestürzt. Das arme Mädchen hatte keine Chance. Sie hat sich den Kopf …“

Yuki-san sprach nicht weiter.

Aruna weinte noch immer heftig an der Seite ihrer Mutter.

„Ist schon gut“ sagte diese zu Yuki-san. „Ich verstehe, was passiert ist. Das arme Mädchen …“

Tief hingen die Wolken am Himmel, es regnete. Dennoch setzte sich vor dem Dojo der Trauerzug in Bewegung.

Koshrio, Arata und zwei Männer aus dem Dorf trugen den Sarg.

Direkt dahinter liefen Hazuki, Aruna und Aruna´s Mutter.

Dann kamen die Schüler.

Koshrio hatte Zorro in der ersten Reihe platziert.

„Du warst ihr bester Freund“ hatte er gesagt „Lauf so nah es geht bei ihr“

Hinter dem Jungen liefen die Schüler in zweier Reihen. Am Ende des Zuges liefen die Dorfbewohner.

Sie liefen am See entlang, bis hin zum Friedhof.

Es war fast so, wie vor ein paar Wochen. Als sie Kozaburo zu Grabe getragen hatten. Nur, dass es nicht Kuina war, die im Trauerkleidchen neben Hazuki lief, sondern Aruna.

Zorro konnte es noch immer nicht fassen. Er hatte seither auch kein Wort mehr gesprochen.

Die Beerdigung war vorüber.

Koshiro ordnete an, das die nächsten drei Tage kein Training stattfinden sollte.

Zorro wusste, dass Kuina nicht mehr da war. Dennoch lief er durch das Dojo und schaute in jeden Raum.

Seine Mitschüler ließen ihn in Ruhe. Sie wussten, dass er jetzt Zeit brauchte.

Nachdem der Junge in allen Räumen nachgesehen hatte, lief er hinaus in den Garten.

Auch dort blickte er sich um.

Am Gartenzaun … ein Schatten.

„Kuina?“ rief er und lief auf den Zaun zu.

„Ich wünschte, es wäre so, Zorro“ hörte er die Stimme von Aruna. Das Mädchen stellte sich auf eine Kiste, um über den Zaun blicken zu können.

„Ich wünschte, sie wäre jetzt hier und würde mit mir unter dem Kirschbaum sitzen. Wobei sie die Teeparty´s nicht wirklich mochte. Das hat sie nur ihrer Eltern zuliebe mitgemacht. Sie hat lieber mit euch trainiert und gekämpft“

Zorro antwortete nicht. Er blickte einfach nur Aruna an.

„Du weißt, das sie nicht zurück kommen wird, oder?“ fragte diese auf einmal.

Der Junge nickte.

„Ich weiß es“ sagte er und blickte betreten zu Boden „Und trotzdem … habe ich das Gefühl, sie ist hier noch irgendwo“

„Das ist sie sicher“ antwortete Aruna.

Zorro blickte zu ihr auf.

„Ich glaube auch daran, dass sie noch hier ist“ sagte das Mädchen. „Aber, wir können sie nicht mehr sehen.“

„Wie konnte sie nur sterben“ der Junge lehnte sich mit den Rücken gegen den Gartenzaun und ballte die Fäuste.

„Sie hat es nicht mit Absicht gemacht, Zorro“ sprach Aruna mit ruhiger Stimme.

„Aber, wir haben uns doch ein Versprechen gegeben“ jetzt sammelten sich Tränen in seinen Augen.

„Ein Versprechen?“ das Mädchen wunderte sich. „Davon hat sie nichts erzählt“

„Das haben wir aber“ schluchzte Zorro „Wir haben uns Versprochen, noch stärker zu werden. Einer von uns beiden … sollte der beste Schwertkämpfer der Welt werden. Das war unser Versprechen“

„Verstehe“ antwortete Aruna „Darum hat sie es nicht erzählt. Es war eine Sache, nur zwischen euch“

„Was soll nun aus dem Versprechen werden?“ Zorro wischte sich mit der Hand über das Gesicht. Noch genau hatte er Kuina´s Stimme im Kopf.

„Jungs heulen nicht“ hatte sie gesagt.

Plötzlich spürte er zwei warme Arme auf seinen Schultern.

Aruna hatte sich über ihn gebeugt, um ihn in den Arm zu nehmen.

„Ich sagte ja bereits, sie hat es nicht mit Absicht gemacht. Sie wollte uns nicht alleine lassen. Aber … es war eben ein Unfall“ sagte das Mädchen mit ruhiger Stimme, ließ Zorro dabei nicht los.

„Und euer Versprechen? Das gilt noch! Es liegt jetzt an dir, euer Versprechen zu halten! Enttäusche sie nicht“

Zorro sagte nichts mehr. Er kämpfte die Tränen nieder. Und … er war unendlich froh, dass Aruna hier war.

Sie hatte ja sowas von recht! Das Versprechen gilt noch! Es lag jetzt an ihm, das Versprechen zu halten!

Die drei Tage waren vorüber. Koshiro nahm das Training wieder auf.

Zorro sprach in seiner Gegenwart weiterhin kein Wort. Er konnte auch noch immer Kuina´s Anwesenheit spüren.

Doch … er fand sie nirgends.

Er wusste, dass er sie nicht finden konnte … dennoch schaute er sich immer wieder nach ihr um.

Er trainierte jetzt härter, als jemals zuvor.

Im Trainingskampf wurde er der Beste. Er besiegte die älteren Schüler. Er besiegte Arata.

Und, er bereitete sich darauf vor, seine eigene Schwerttechnik zu meistern. Die drei-Schwert-Technik. Dazu trug er beim Kämpfen immer ein Gewicht im Mund, welches er mit den Zähnen fest umschloss.

Das sollte ihn darauf vorbereiten, auf diese Weise einmal ein drittes Schwert führen zu können.

Seine Trainingstage wurden länger.

Die strecke seines Lauftrainings immer weiter.

Die Geschichte, die er benutze, immer schwerer.

„Du bringst dich noch um“ sagte Saga.

Doch Zorro winkte nur ab. Er hielt das aus. Außerdem … musste er jetzt für zwei trainieren.

Koshiro sah dem Treiben eine Weile schweigend zu. Dann beschloss er, das Ganze zu beenden.

Als Zorro eines Nachmittags im Garten wie besessen trainierte, ging er zu ihm.

Der Junge hörte sofort mit dem Training auf, als sein Meister auf ihn zukam.

Schwer atmend legte Zorro Schwerter und Gewichte zur Seite. Dann verbeugte er sich vor seinen Meister.

„Komm mit mir“ sagte Koshrio in einem Ton, der keine Widerrede duldete.

Koshiro führte Zorro in den Übungsraum des Dojo. Er nahm seinen Platz unter den Wandschrein der Götter ein und kniete nieder. Er schloss die Augen, es sah aus, als würde er zu den Göttern beten.

Zorro nahm seinen Platz ein, den er als Schüler hatte und kniete ebenfalls nieder.

Und wieder … hatte er das Gefühl, Kuina wäre auch hier.

Einen Moment lang schloss er die Augen, um sich genau auf dieses Gefühl konzentrieren zu können.

Dann öffnete er die Augen wieder und … entdeckte das Wado-Ichi-Monji. Koshiro trug es bei sich.

Sein Meister schien fertig mit seinem Gebet zu sein. Er hob den Kopf.

„Menschen sind gebrechliche Wesen, Zorro“ sagte er mit ruhiger Stimme. „Kuina war ein sehr willensstarkes Mädchen. Von klein auf hat sie im Dojo trainiert. Sie erreichte eine Stärke, bei der selbst die erwachsenen Schüler kaum mithalten konnten. Sie war talentiert. Aber genau das hat sie auch arrogant werden lassen. Das hast du ja schon am eigenen Leib erfahren. Zumindest, als du damals zu uns gekommen bist. Denn nachdem du hier warst, hat sich das deutlich gebessert. Dafür möchte ich dir danken, Zorro“

Der Junge antwortete nicht. Er saß weiterhin schweigend da und hörte zu, was sein Meister zu sagen hatte.

„Du bist durch dein hartes Training immer stärker geworden.“ sprach dieser nun weiter. „Und auch wenn man es auf den ersten blick nicht gemerkt hat, hat Kuina ihr Training angepasst. Sie wollte auf keinen Fall gegen dich verlieren. Doch sie musste sich auch damit abfinden, langsam zur Frau heran zu wachsen. Für eine Frau ist es im Kampf gegen einen Mann immer sehr schwer. Darum wollte ich nicht, dass sie sich so hineinsteigert. Ich wollte nicht, dass sie verletzt wird“

Zorro hörte weiterhin zu. Doch langsam … da kämpfte er gegen die Tränen.

Die ganze Sache schmerzte ihn zu tiefst.

„Ich bin nicht nur euer Meister Zorro, sondern auch ein gewöhnlicher Vater“ sprach Koshrio weiter. „Wenn ich dich in diesem Zustand sehe, schmerzt es mich zutiefst. Warum quälst du dich selbst so sehr?“

„Meister …“

Endlich. Koshrio atmete auf. Endlich sprach der Junge wieder mit ihm.

„Meister ich … ich muss es einfach tun. Kuina und ich … wir haben uns ein Versprechen gegeben“

„Ihr habt …?“ Koshiro blickte zu Zorro, der seine Tränen nicht länger zurück halten konnte.

„Ja“ schluchzte der Junge „Wir haben uns versprochen, das einer von uns der beste Schwertkämpfer der Welt werden wird. Darum … darum trainiere ich so verbissen. Ich tue es auch für sie. Ich werde sie auf keinen Fall enttäuschen! Ich werde so stark werden, dass mein Name bis in den Himmel vordringt. Ich werde es schaffen und der beste Schwertkämpfer der Welt werden! Nicht nur für mich, sondern … sondern …“

Zorro atmete tief durch und wischte sich die Tränen ab.

„Ich werde es für uns beide tun“ sagte er „Und das Versprechen halten“

Wieder viel sein Blick auf Wado-Ichi-Monji welches noch immer Kuina´s Aura in sich trug.

„Meister“ Zorro hielt den Kopf gesenkt. „Bitte … bitte geben sie mir ihr Schwert. Damit ich dieses Ziel erreichen kann“

Schweigen entstand.

Wieder liefen dem Jungen die Tränen aus den Augen.

Koshrio schien einen Moment lang zu überlegen. Dann lächelte er. Er nahm das Schwert in beide Hände und reichte es Zorro.

„Du kannst es haben“ sagte er „Ich vertraue dir Kuina´s Seele und ihre Träume an“

Jetzt war Zorro nicht mehr zu halten. Er begann zu weinen, wie ein kleines Kind.

„Zorro“ hörte er noch die Stimme seines Meisters, der ihn nun eine Hand auf die Schulter legte.

„Ab morgen werde ich dein Trainingspartner sein. Du wirst kontinuierlich stärker werden, ganz ohne diese Quälerei, die du dir die letzten Tage selbst angetan hast. Denn Kuina hätte nicht gewollt, dass du dich derartig quälst“

„Danke … Meister“

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Acht Jahte später.

Aus dem kleinen, wilden Zorro ist nun ein erwachsener Mann geworden. Ein disziplinierter Schwertkämpfer mit viel Talent, einer enormen Ausdauer und einer außergewöhnlichen Stärke.

Zuletzt ist es ihm gelungen, die drei-Schwert-Technik zu meistern.

Und …

Wie Ren damals, hat er für jede gemeisterte Technik ein Ohrring bekommen.

Mit drei Schwertern an seiner Seite kniete er vor Kuina´s Grab und zündete dort ein Raucherstäbchen an. Dann betete er.

Koshiro lächelte und kniete sich neben ihn.

„Kaum zu glauben, das es schon acht Jahre sind“ sagte er. „Ich habe dir alles beigebracht, was ich konnte. Nun ist es also soweit. Du bist bereit, das Dojo zu verlassen um in die Welt hinaus zu ziehen“

„Ja, Meister“ antwortete der Angesprochene und stand auf. „Ich werde gehen, um das Versprechen zu erfüllen“

„Ich verstehe“ antwortete Koshrio „Bedenke jedoch, dass das hier dein Zuhause ist. Du kannst jederzeit hierher zurückkehren“

„Ich danke dir, Meister“ Zorro schulterte seinen Rucksack. Gleich würde er losgehen.

„Zorro“ hörte er noch einmal die Stimme seines Meisters. „Pass auf dich auf“

„Das werde ich, Meister“

„Es ist also soweit“

Als Zorro am Dojo vorbei ging, stand Aruna vor dem Haus.

Nicht auf einer Kiste hinter dem Gartenzaun.

Auch Aruna war zu einer hübschen, jungen Dame heran gewachsen. Nachdem Kuina verstorben war, wurde auch ihr Vater etwas lockerer. Zwar durfte Aruna auch weiterhin nicht in das Dojo, aber sie durfte nun mit den Schülern reden.

„Ja“ antwortete Zorro, seine Hand steifte über den Griff des Wado-Ichi-Monji als würde er das Schwert streicheln.

Es fühlte sich an … als ob er mit Kuina gemeinsam ausziehen würde.

„Es ist schade, dass ihr nun alle weg seid“ meinte die junge Frau. „Erst ging Ren und vor einem Jahr Saga“

„Ich bin sicher, ich werde sie bald wieder sehen“ meinte Zorro „Sicher begegne ich ihnen irgendwo“

„Bestimmt“ Aruna lachte. Dann deutete sie auf das Wado-Ichi-Monji.

„Darf ich?“ wollte sie wissen.

Der junge Mann nickte. Auch Aruna legte ihr Hand auf den Griff des Wado-Ichi-Monji und streichelte das Schwert.

„Ich freue mich für euch, Kuina“ sagte sie „Eure Reise beginnt. Und eines Tages wird die ganze Welt wissen, dass du die beste Schwerkämpferin der Welt bist“

„Du meinst wohl, dass Lorenor Zorro sein Versprechen gehalten hat und zum besten Schwerkämpfer der Welt wurde“ verbesserte sie der junge Mann.

Aruna lachte.

„Ich werde auf diese Nachricht warten“ sagte die junge Frau „Machs gut Zorro. Vielleicht sehen wir uns eines Tages wieder“

„Das würde mich sehr freuen, Aruna“ antwortete Zorro.

Zorro lief am Meer entlang. Er wollte zum Hafen des Dorfes Shimotsuki. Dabei kam er an der Stelle vorbei, wo früher Kozaburo immer gesessen hatte.

Zorro ging zu dieser Stelle, blieb einen Moment stehen und blickte auf das Meer hinaus. Dann verbeugte er sich.

„Ich danke dir, alter Mann“ sagte er „Für all deine Unterstützung“

Ein letzter Blick auf den Hügel, wo das Dojo lag. Dann lief er weiter auf das Dorf zu.

Er erinnerte sich daran, wie er damals noch mit seinen Eltern hier gelebt hat. Und auch daran, wie er als Waisenjunge, als Vagabund gehaust hatte. Bis er zu Koshrio kam.

Daran, wie er Koshrio herausgefordert hatte. Und an seinen allerersten Kampf gegen Kuina., den er haushoch verloren hatte.

Wieder legte er die Hand auf Wado-Ichi-Monji.

„Lass uns gehen“ sagte er.

So begann seine Reise

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Ein wenig kurz aber was solls. Das war also das letzte Kapitel aus Zorro´s Kindheitsgeschichten. Dennoch noch nicht das Ende der Geschichte. Es kommen ja noch zwei Bonus Kapitel. Ein normal langes und ein etwas kleineres.

Wir lesen uns also nächsten Donnerstag noch einmal. Gemeinsam mit Jonny und Yosaku, falls die Beiden euch noch etwas sagen.

Also, bis dahin. Eure Mimi

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Puh, soweit sogut. Es ist fast geschafft.

Im letzten Kapitel der Kindheitsgeschichten wollte ich auf Kuina´s Tod eingehen. Es lief ein wenig anders, als im Anime. Im Anime ist sie, glaub ich, die Treppe beim Dorfschmied herunter gefallen weil sie ihr Schwert schärfen wollte.

Hier wollte sie halt den Wetzstein holen, den ihr Großvater nach seinem Tod hinterlassen hatte.

Die Szene in der Aruna Zorro tröstet gefällt mir besonders. Es war gut, Aruna hier mit einzubauen. So wie ich es gestaltet habe, muss man auch die Geschichte von Zorro und Aruna nicht gelesen haben. Hier ist sie einfach die Nachbarin und Kuina´s Freundin. Darum auch noch die Abschiedsszene mit ihr.

Auch das Gespräch mit Koshiro und Zorro, wo das Wado-Ichi-Monji übergeben wird, ist minimal anders aber noch an den Anime angelehnt.

Ich hoffe euch hat gefallen, was hier entstanden ist und wir lesen und nächste Woche zum Bonuskapitel „Der Piratenjäger“ wieder.

Liebe Grüße.