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I'm doing my thing

Harlekin — www.fanfiktion.de · All chapters

I'm doing my thing

Nach meiner Aktion mit dem Korn Shirt in der Schule, war ich meinen Ruf als „armer Waisenjunge“ ziemlich schnell los. Ich rückte aus dem Schatten von Bryce. Bei manchen war ich jetzt „Der Freak“ und ihre Eltern hielten sie wohl dazu an sich von mir fernzuhalten, doch für andere wurde ich dadurch so richtig interessant. Einfach weil ich anders war, mich Dinge traute an die sie nicht mal nachts dachten. Sie checkten recht schnell, dass ich kein Musterschüler wie Bryce war oder werden würde. Nein, ich war der spannende Junge der anders aufgewachsen war als sie. Der die Musik liebte, die ihre Eltern ihnen verbot. Es brachte mir neue Bekannte (keine Freunde, im Grunde hatte ich in der Zeit keinen einzigen richtigen Freund außer meinen Bruder und Maddox) und neue Probleme. Den natürlich gab es unter meinen neuen Mitschülern auch welche, die mich genau deswegen als perfektes Opfer ansahen und hey wenn so ein Muskelberg wie Lionel entschied dir eine rein zu hauen, dann kannst du nicht viel dagegen tun.

Bryce war sich unsicher, was er zu meinem neuen so schnell erlangten Ruf halten sollte. Er mochte es irgendwie, doch seine Erziehung sagte ihm auch oft genug, dass er mich auf den Weg der Tugend zurück holen musste. Er half mir den anspruchsvollen Schulstoff aufzuholen, doch mich sozial zu integrieren hatte er aufgegeben. Das schaffte ich schon allein. Auf meine Art.

Tatsächlich fand ich so etwas wie einen Freund in meiner Klassenstufe. Er trug den Namen Maddox, hörte allerdings eher auf den Namen Mess. Ebenfalls eines der „schwarzen“ Schafe der Schule. Ich hatte mir innerhalb weniger Wochen den Spitznamen Trouble erarbeitet. Sodass wir als Trouble and Mess ziemlich gut zusammen passten. Maddox gehörte zur Fraktion des neues Geldes. Seine Mutter hatte eine leitende Position bei einem bekannten Modemagazin und sein Vater war mit seiner neu gegründeten Firma durchgestartet. Ergo hatten seine Eltern ihr Geld nicht geerbt, sondern selber verdient. Sie wollten das auch ihr ältester Sohn diese Mentalität des „hart Arbeitens“ vertrat, doch in seiner Jugend hatte Maddox wenig Lust darauf. Er sorgte lieber etwas für Ärger, besonders bei den Kids die zum alten Geld gehörten. Doch da ich weder „neues“ noch „altes“ Geld war, war ich direkt von Interesse für ihn. Auch weil wir den gleichen Musikgeschmack hatten, den wirklich nicht so viele an unsere Schule hatten. Unser erstes Treffen, ein paar Tage nach meinem Angriff auf die Schuluniform war allerdings so eine Sache für sich.

Ich war in den Pausen immer noch viel bei Bryce und seinen Kumpels. Doch da Maddox so was wie der Erzfeind von Lionel war, konnte dieser sich mir so nicht nähern. Er wartete also ab, bis ich allein war. Ich saß zu der Zeit gern auf den Stufen einer Seitentreppe und hörte Musik. Ich hatte Bryce seinen Ipod ab gequatscht und verbrachte jede freie Minute in der Schule damit Musik zu hören und mich mental auszuklinken. Den erinnert ihr euch an meine miserable Schlafsituation? Yeah, ich war zu der Zeit ständig Müde und Augenringe gehörten zu meinem Image. Doch an diesem Tag blieb ich nicht allein. Maddox setze sich zu mir auf die Stufe und zog mir einen Kopfhörer aus den Ohren, um zu hören was ich gerade hörte.

„Dein Ernst Alter? Linkin Park?“, spottete er und schüttelte seinen Kopf, sodass seine schwarzen gewellten Haare leicht hüpften. Angepisst drehte ich meinen Kopf zu ihm und seufzte laut auf.

„Dein Ernst Alter? Du redest mit mir? Tust du sonst auch nie“, schoss ich zurück und riss Maddox meinen Kopfhörer aus der Hand. Doch dieser lachte nur laut auf und hob entwaffnet seine Hände.

„Klar, Trouble. Man redet über dich und du bist einer der wenigen hier, die gute Musik hören“, erwiderte er und sah auf meinen Ipod.

„Was hast du da noch so drauf? Wenn meine Alten nicht da sind hör ich zur Zeit echt viel Limp Bizkit“, meinte er dann locker. Weckte so tatsächlich mein Interesse an ihm.

„Yeah? Hätte ich nicht von dir gedacht“, fing ich an und suchte tatsächlich einen Song der Band heraus, hielt ihm auffordernd den Kopfhörer wieder hin während die erste harten Klänge von „Break Stuff“ aus ihm drang. Maddox nahm ihn entgegen und steckte sich das kleine Ding wieder ins Ohr. Wippte leicht mit seinem Fuß mit während der Song lief.

„Das ist gute Musik“, meinte er dann und grinste mich breit an. Traf dabei auf meinen skeptischen Blick.

„Nicht? Dachte meine schwarzen Haare und mein Fickt-Euch-Alle Blick wären eindeutig“ Jetzt war ich derjenige der spöttisch auflachte. Ich hatte Maddox ehrlich gesagt nie wirklich beachtet und ihn zu schnell in die Schublade „Reiches arrogantes Kind“ gesteckt.

„Nope, der Blick ist nicht bei mir angekommen. Musst du noch mal vor dem Spiegel üben“, zog ich ihn auf, jedoch fehlte meiner Stimme die Schärfe die sie sonst oft besaß. Schmollend sah Maddox mich an.

„Im Ernst? Was dachtest du wie ich zu meinem Spitznamen Mess gekommen bin?“, er klang tatsächlich etwas beleidigt.

„Keine Ahnung, seh ich aus als würde ich mir darüber Gedanken machen?“, stellte ich die Gegenfrage und zuckte mit den Schultern. Die Wahrheit war einfach, dass es mir bisher komplett egal gewesen war. Ich hatte andere Probleme.

„Ne man. Du siehst müde aus“, stellte Maddox mit einem kurzen Blick auf mich fest. Kurz schwiegen wir, die Stille zwischen uns wurde von Chester Benningtons beeindruckender Stimme beim Song „One Step Closer“ gefüllt, ehe Maddox das Wort wieder ergriff.

„Die Whitleys haben dich aufgenommen oder? Es gehen voll viele Gerüchte rum und du hängst oft bei Bryce rum. Hab gesehen wie sein Butler euch bringt und abholt. Bist du echt im Ghetto aufgewachsen?“, er klang nicht anklagen, sondern einfach nur neugierig. Klar, dass schien eine komplett andere Welt für ihn zu sein. Eine Welt, die er aus dem Fenster eines Autos sah, allerdings keinen Kontakt dazu hatte.

Bei seiner Frage verkrampfte sich kurz alles in mir und meine Finger kratzten nervös über meinen Handrücken. Das hatte mich noch keiner hier gefragt. Ehrlich gesagt, hatte noch keiner meiner Mitschüler etwas privates über mich wissen wollen.

„Yeah bin ich“, fing ich dann an und biss leicht auf meine Lippe, als ich meinen Kopf zu ihm drehte. Die Neugier in Maddox Augen sah.

„Krass. Wie ist es da so? Das ist ein Teil der Stadt in dem ich noch nie war“, erzählte er und rückte noch etwas näher zu mir. So nah, dass sich unsere Knie leicht berührten. Irritiert sah ich ihn an, wie sollte es da schon sein? Was wollte dieser Junge hören, der in einer Villa in den Hollywood Hills wohnte? Er würde sich doch bestimmt wieder von mir abwenden wenn ich ihm erzählte, wie ich aufgewachsen war. Aber, was hatte ich schon zu verlieren?

„Wie es da ist? Lauter und Dreckiger als hier“, fing ich an und kaute immer noch auf meiner Lippe herum.

„Es ist immer was los. Irgendwo ist ne Party, ne Schlägerei oder was anderes los. Gleichzeitig sind die Leute entspannter. Nicht so in Hektik und jeder hat ne Geschichte zu erzählen. Die Leute sagen was sie denken“, begann ich ihm zu erzählen. Gespannt lauschte Maddox mir.

„An vielen Ecken sitzen Obdachlose, oder Leute die nicht nach Hause wollen. Ich hab zum Beispiel das Gitarre spielen von einem Punk am Straßenrand gelernt“, erzählte ich ihm und plötzlich spürte ich Maddox Hand auf meinem Knie, sah seine Begeisterung in seinen Augen.

„Echt? Du kannst Gitarre spielen? Und das hast du vonem Punk gelernt? Wie cool, meine Eltern würden mich nie in die Nähe von jemanden lassen der auch nur annähernd so aussieht“, lachte er und schien tatsächlich komplett fasziniert davon zu sein.

Auf meiner alten Schule, war ich einfach nur der Freak gewesen. Mit meiner Herkunft und Familiengeschichte einer von vielen. Es ging so vielen dort wie mir. Doch hier? Zwischen all den reichen Kids war ich damit etwas besonderes. Der spannende Junge, der aus einer anderen Welt kam. Der Geschichten zu erzählen hatte.

„Yeah er hieß Rat“, erzählte ich weiter und scannte forschend seine begeisterte Mimik, ehe ich weiter erzählte:

„Ich hab mich einen Sommer lang jeden Tag mit ihm getroffen und wir haben meist Nirvana gespielt“, Maddox schien immer noch begeistert von meinem Leben zu sein.

„Wow, ich wünschte ich könnte einen Sommer lang tun und lassen was ich will. Wir waren letzten Sommer in Europa und ich musste mir jedes noch so öde Museum geben“, stöhnte Maddox auf und jetzt war ich es der ungläubig auflachte.

„Du warst in Europa und hättest tauschen wollen? Fuck, ich würde gern mal nach Europa. Du siehst die Welt und heulst rum? Ich war nicht mal groß aus L.A. raus“, gestand ich ihm. (Wisst ihr, mit den Whitley machte ich tatsächlich auch ein zwei Urlaube in Europa und lernte die Kultur kennen. Als Jugendlicher echt zum kotzen, wenn einen nur die Musik und Club Szene interessiert. Doch auf der ersten kleinen Europa Tour von Harlekin hab ich Cob und die anderen Jungs auch in das ein oder andere Museum geschleppt. Okay yeah, oft hatten wir noch Restalkohol im Blut und es war ein wenig ironisch gemeint, aber cool war es trotzdem).

„Dafür kennst du die Stadt wahrscheinlich besser als ich. Als ob mich meine Eltern hier überall hin lassen“, beschwerte er sich grinsend bei mir und wechselte dann einfach das Thema, als „Nirvana“ aus den Kopfhörern drang.

„Kannst du den Song auch spielen?“, fragte er mich gespannt und tat so als würde er Gitarre spielen. Komplett falsch und peinlich. Aber ich mochte diese Seite von Maddox. Mess and Trouble hatten offiziell Freundschaft geschlossen.

♫

„Hey hey, lang nichts von dir gehört. Rufst du an um mir zu sagen, dass ich mir lieber einen Hund zulegen sollte? Oder liegt dir was auf deinem dunklen Herzen?“, begrüßte ich Ronnie, kaum das sein Name auf dem Display meines Handys aufgetaucht war. Überrascht davon, dass ich innerhalb von einem einzigen Leerzeichen abgenommen hatte fiel Ronnies Antwort allerdings anders aus.

„Campst du neben deinem Handy?“, fragte er mich verblüfft, ohne ein Wort der Begrüßung.

„Klar. Hab die Rufbereitschaft von Willard für dich übernommen“, scherzte ich und stellte ihn auf laut, um mein Handy wieder neben mich aufs Bett zu legen.

„Dein Ernst?“, murrte Ronnie missmutig. Jedoch konnte ich sein leichtes Grinsen aus seiner Stimme heraushören.

„Nein man. Ich hatte es grad in der Hand, weil ich einen Song gewechselt hab“, klärte ich ihn schmunzelnd auf und fuhr mir mit den Fingern durch die Haare.

„Es ist echt spät. Was gibt’s?“, fragte ich ihn aufmerksam, da es bereits weit nach Mitternacht war. Doch Ronnie, wäre nicht Ronnie wenn er direkt sagen würde weswegen er anruft.

„Warum bist du so spät eigentlich noch so munter und am Musik hören?“, fragte er stattdessen im Plauderton, womit er komplett meine Aufmerksamkeit geweckt hatte.

Doch ich ließ mich auf sein Spiel ein.

„Ich schreibe grad ein bisschen. Spontane Motivation. Und um Nait nicht zu wecken, der schon schläft bin ich in Cobs Zimmer ausgewandert und hör da Musik beim schreiben. Alsooo?“, erklärte ich ihm, wusste allerdings schon das er sich jetzt daran festbeißen würde um Zeit zu schinden. Der Mann war manchmal kompliziert. Dabei hatte er mich angerufen und nicht ich ihn.

„Du schreibst? An Songs oder woran? Und wann hörst du auf im Zimmer eines Toten zu chillen?“, fragte er mich, jedoch ohne Wertung in seiner Stimme.

„An der Geschichte meines Lebens. Vielleicht bekommst du ne private Lesung wenn du nett fragst und es Kuchen gibt“, lachte ich leise auf und klappte meinen Laptop zu, der auf meinem Schoß lag.

„Und ich werde nie aufhören in seinem Zimmer zu chillen. Warum sollte ich? Wenn ich diesen Toten geliebt habe? Ihn vermisse und die Atmosphäre hier mich beruhigt und inspiriert? Also kein Grund zur Sorge. Es geht mir gut. Würde ich hier depressiv sitzen müsstest du dir Gedanken machen. Aber das tue ich nicht“, beruhigte ich ihn zum Ende hin. Den ich konnte mir seine Gedanken und damit verbundene Sorgen denken. Wobei vielleicht war auch er gerade derjenige von uns, der depressiv irgendwo saß und ich mir Sorgen machen sollte.

„Okay fein dann respektiere ich das“, seufzte er und ich konnte hören wie er sich hinsetzte.

„Warum rufst du mich an und nicht Willard?“, fragte ich ihn plötzlich und machte es mir auf dem Bett etwas gemütlicher. Lehnte mich mit einem der großen Kissen ans Bettende. Fuck, wie oft hatte ich so mit Coby hier gesessen? Und auch gerade fühlte es sich an, als wäre er bei mir. Als würde er Ronnie eben so aufmerksam zuhören wie ich. Ronnie stieß seine angehaltene Luft aus.

„Keine Ahnung man, weil man mit dir besser über Gefühle und Gedanken reden kann als mit ihm“, gestand er mir dann. Er klang als wäre das eine nervige Erkenntnis für ihn, mir zauberte es allerdings ein Grinsen auf die Lippen. Wir kannten uns zwar schon wirklich lange, doch unsere Beziehung hatte sich seit meinem Absturz und Kampf wieder ins Leben deutlich vertieft. Fast so, als würde er mich jetzt richtig anerkennen und akzeptieren. Nicht nur musikalisch, sondern vor allem menschlich. Vielleicht weil ich ihn unerwartet in mein Leben zurück geholt hatte und mein neues Leben ihn so herzlich bei sich aufgenommen hatte.

„Naw, so was süßes hast du noch nie zu mir gesagt. Gehts dir so mies, Großer?“, schlussfolgerte ich und sah abwartend auf mein Handy. Vielleicht legte er jetzt auf, oder er verfluchte mich, oder...

„Keine Ahnung wie es mir geht. Es ist viel los bei mir und ich kann meinen Scheiß grad schwer sortieren“, fing er tatsächlich an zu erzählen. Verwirrt runzelte ich meine Stirn. Besonders schlau wurde ich noch nicht von seiner Aussage.

„Und jetzt stehst du wieder am Rand eines tiefen Loches?“, versuchte ich ihn dazu zu bringen weiter zu erzählen. Wenn er schon sagte, man könnte mit mir gut über Gefühle sprechen dann musste ich mich wohl kaum zurückhalten.

„Ich bin mir nicht sicher. Vielleicht ist da wieder ein Loch in das ich fallen könnte“, fing er an, stöhnte dann allerdings genervt auf.

„Ach fuck man, warum ist Liebe eigentlich so kompliziert? Ist die bei dir und Nait auch so kompliziert? Oder war sie das bei Coby? Und machst du dir auch ständig viel zu viele Gedanken zu etwas, bis dein Kopf platz?“, fragte er mich dann genervt von sich selbst. Ließ mich damit neugierig aufhorchen.

„Es geht also um die Liebe?“, schlussfolgerte ich, gab ihm allerdings keine Zeit dazu etwas zu sagen.

„Bei Nait ist es hm, einfach und irgendwie unkompliziert, obwohl ich und meine Umstände ständig kompliziert sind. Wir sind einfach verdammt ehrlich zueinander. Also wirklich. Ich glaube ich hab kein Geheimnis vor ihm, dass ich bewusst geheim halte“, überlegte ich und fuhr mir nachdenklich mit den Fingern durch die Haare.

„Und bei Cob, hm wir waren auch echt ehrlich miteinander. Was da aber mehr Arbeit war. Ich hab eher Sachen geheim gehalten als er. Er hat davon nie viel gehalten und mich direkt auf Sachen angesprochen“, erzählte ich Ronnie überraschend locker, auch wenn ein trauriges Lächeln meine Lippen zierte.

„Und aus der anderen Perspektive kann ich dir sagen, dass man manchmal einfach nicht weiß wie man Sachen ansprechen soll. Ständig denkt man, es ist nicht der Richtige Zeitpunkt, oder man verliert was man liebt wenn man die hässliche Wahrheit zugibt. Was bei mir damals viel Psychischer Scheiß war. Nicht Moms Tod, oder die Sache mit der Klinik und Dad, sondern das was in meinem Klopf wirklich vor sich geht. Weißt du was ich meine? Cob hat denke ich Kleinigkeiten gesehen, sie gespürt und dann einfach gefragt, weil ich ihm wichtig war. Aber ohne mir das Gefühl zu geben, dass er dann abhaut. Das hat mir viel Druck genommen. Mir geholfen über fast jeden Scheiß reden zu können, der in meinem verrückten Kopf vor sich geht und das hat uns näher gebracht. Zu dem gemacht was wir bis zum Ende hin waren“, erzählte ich ihm komplett ehrlich sodass Ronnie kurz schwieg. Über meine Worte nachzudenken schien.

„Außer über seinen Tod. Darüber sprichst du nie. Nicht direkt“, tastete er sich langsam vor, sprach aus was ihm gerade durch den Kopf ging. Vielleicht als Ablenkung, damit ich nicht merkte was ihn wirklich beschäftigte. Ich schluckte, als seine Worte über diese gut verschlossene Tür kratzten.

„Yeah, darüber kann ich noch nicht sprechen. Irgendwann werde ich darüber schreiben. Aber noch kann ich das nicht. Und das ist okay. Das braucht Zeit“, ich konnte selbst den zittrigen Ton meiner Stimme hören.

„Sorry“, murmelte er und schien es wirklich ernst zu meinen.

„Kein Ding“, meinte ich und wischte kurz über meine Augen.

„Ich glaube Liebe ist eigentlich ziemlich unkompliziert und in dem wir zu viel drüber nachdenken, machen wir sie erst kompliziert. Aber du rufst mich doch nicht echt an, um über Liebe zu reden oder?“, lachte ich mit rauer Stimme. Am anderen Ende der Leitung konnte ich ihn murren hören. Es gefiel ihm nicht wirklich, dass ich da wohl etwas auf der Spur war. Nur was? Ärger im Paradies, von dem er mir so viel textete?

„Wahrscheinlich hast du recht. Danke. Ich geb dir beim nächsten Mal einen Kaffee aus“ Er schien wieder aufzustehen und auch seine Stimme klang ein wenig leichter als noch zuvor.

„Hmh, ich werde dich daran erinnern und festnageln. Und wehe du machst mit ihr Schluss ehe ich sie kennengelernt habe. Sie klingt nach einer Person die ich unbedingt kennenlernen muss“, auch meine Stimme klang wieder etwas fester als eben noch. Was Ronnie zum Lachen brachte, nur schwang in seinem Lachen etwas mit das ich beim besten Willen nicht deuten konnte.

„Vor dem Moment hab ich schon Angst. Wenn du sie kennenlernst“, scherzte er und wechselte dann plötzlich das Thema.

„Im übrigen, ich würde dir wirklich raten dir einen Hund zu holen. Wenn dein kleines Kätzchen erst Mal groß ist und merkt das es euch nicht braucht werdet ihr nur ihre Sklaven werden“, lenkte er das Thema auf etwas lockeres. Er musste sich wohl noch etwas ablenken ehe er über meine Worte nachdenken würde. Alles andere wäre bei Ronnie wohl auch einfach zu... einfach.