Silver spoon in daddy's jeans
Silver spoon in daddy's jeans
Maddox in meinem Leben zu haben hatte eine unerwartete Komponente mit sich gebracht. Seit ich bei den Whitleys wohnte hatte ich keine Gitarre mehr. Doch da mein neuer Freund ebenfalls reich war UND seine Familie ihn liebte besaß er eine. Um genau zu sein besaß er eine E-Gitarre, die er zwar nicht spielen konnte, aber unfassbar cool fand. Leider fehlte es ihm an Talent und Geduld das Instrument richtig zu lernen. Was nicht bedeutete, dass er nicht bemüht drum war es zu lernen und super cool damit zu werden. Kaum war mein Hausarrest zu Ende lud Maddox mich zu sich nach Hause ein. Ich sollte ihm das Gitarre spielen bei bringen. Bryce freute sich richtig darüber, dass ich so gut Anschluss gefunden hatte. Er schien die stille Hoffnung zu haben, dass mich die Strafe von Dad wieder auf den richtigen Weg geführt hatte. Ergo stieg ich am heutigen Tag nach der Schule nicht in den Bentley der Whitleys ein, sondern in den Mercedes der Familie Price. Maddox wurde allerdings nicht von einem Butler abgeholt, sondern von seiner Mom, die gerade von der Arbeit kam. Zuvor hatte sie seine kleine Schwester von der Schule abgeholt.
Seltsam wie unterschiedlich sich sein reich, zu meinem neuen reich, anfühlte. Seine Mom war wie Chrishell eine gut gekleidete Frau, die aussah als wäre sie direkt aus dem Film „Der Teufel trägt Prada“ entsprungen. Doch im Gegensatz zu Chrishell war seine Mom Miranda mir nicht abgeneigt. (Ich weiß, ich weiß sie heißt genau so wie die ikonische Chefin. Was denkt ihr den woher ich die Inspiration für diesen Vergleich habe?) Sie freute sich darüber, dass ihr Sohn einen Freund gefunden hatte. Vielleicht war auch sie einfach neugierig auf den Jungen, den die Whitleys aufgenommen hatten. Und wahrscheinlich war ich ganz anders als sie vermutet hatte. Man könnte jetzt meinen, dass die Familie Price zu einem Safe Place für mich werden würde. Doch auch ihre Welt und ihre moderne Villa in den Hollywood Hills wurde nie zu einem Ort an dem ich mich wohlfühlte. Ich vermisste Eds Plattenladen. Unsere alte Wohnung und meine Feuertreppe. Das zu Hause der Familie Price war ein (Alp) Traum in weiß. Nicht ganz so pompös wie das Haus der Whitleys, aber dennoch beeindruckend. An den Wänden hingen Model Fotos aus der Zeitschrift, bei der Maddox Mom arbeitete. Auch hingen viele Modezeichnungen an den Wänden. Alles Kleider in denen sich kein normaler Mensch gut hätte bewegen können.
Nach einem kurzen Snack in der Traumküche jeder Hausfrau, hatten Maddox und ich uns in sein Zimmer zurückgezogen. Der Junge hatte alles von dem ich früher nur träumen konnte. Großes Bett, ein eigener Fernseher im Zimmer mit Konsolen. Eine beeindruckende Spiele Sammlung und eine CD Anlage, die ich lieben lernte. Doch was mich am meisten beeindruckte, war seine Gitarre mit Verstärker. Ein Traum für mich, ein It-Piece für meinen Kumpel.
„Also wie lern ich das Baby hier zu spielen?“, fragte Maddox mich scherzhaft, nachdem ich mich in seinem Zimmer umgesehen hatte. Mit einem leisen Lachen ließ ich mich auf seinem Sofa nieder und strich über die Saiten seines Babys. Allein das sorgte für ein erwartungsvolles Kribbeln in meinen Fingerspitzen. Viel zu lange hatte ich keine mehr in den Händen gehalten.
„Ich dachte du bist schon Profi“, zog ich ihn auf, weil er genau das erst heute einer Klassenkameradin erzählt hatte.
„Na gegen die Spießer in unserer Schule bin ich das. Jetzt hör auf so gemein zu sein und zeig mir was du kannst, Trouble“, schnaubte er und setzte sich neben mich auf das Sofa. Legte seine Füße auf seinen kleinen Tisch.
Nervös strich ich noch mal über die Saiten. Immerhin hatte ich schon etwas länger nicht gespielt. Doch dann stand ich auf, schloss den Verstärker an und setzte mich wieder. Alles unter Maddox neugierigen Blick. Als ich die ersten Töne anschlug verzog ich leicht mein Gesicht.
„Fuck, die ist total verstimmt“, meinte ich und setzte mich etwas aufrechter hin, fing an sie nach Gehör und dem was Rat mir erklärt hatte, zu stimmen.
„Ist sie das?“, fragte mein Kumpel überrascht. Ihm schien es kaum aufgefallen zu sein. Wofür er von mir einen entsetzten Blick bekam.
„Komplett. Hörst du nicht wie schief das g klingt?“, murrte ich und schlug sie zum Beweis erneut an. Drehte dann am Wirbel, bis sich der Ton richtig anhörte.
„Dachte das muss so klingen“, gab Maddox ertappt zu und kratzte sich am Kopf. Beobachtete dabei wie ich die Saiten erneut anschlug und sie direkt um einiges besser klangen.
„Und das hast du von einem Punk gelernt?“, fragte er mich ungläubig, als könnte er es nicht fassen das ich wirklich mehr Ahnung hatte als er.
„Yeah, scheint als ob richtige Erfahrung und Übung mehr bringen als YouTube Videos“, zog ich ihn spöttisch auf.
„Scheint fast so“, erwiderte Maddox grinsend und lehnte sich im Sofa zurück. Unsicher biss ich mir auf die Lippe, als ich anfing zu spielen. Einen der Song bei denen ich mich recht sicher fühlte, da ich ihn verdammt oft mit Rat zusammen gespielt und gesungen hatte. So war meine Wahl auf „Heart-Shaped Box“ von Nirvana gefallen.
Maddox, der wohl nicht damit gerechnet hatte das ich es wirklich SO drauf hatte riss überrascht seine Augen auf. Aus dem Augenwinkel sah ich wie er etwas sagen wollte. Seinen Mund allerdings wieder zuklappe, als ich anfing dazu zu singen. Mein Talent und meine Stimme schienen ihn zu überraschen.
„Fuck, Trouble kann das wirklich“, stieß er ungläubig aus. Er schien mich zu mögen, doch in einigen Dingen traute er mir dennoch nichts wirklich zu. Wahrscheinlich weil sich Maddox grundsätzlich für besser als alle anderen hielt und vielleicht auch ein bisschen, weil er mit der Meinung erzogen wurde das Armut direkt dumm bedeutet. Ein Vorurteil, gegen das ich in jeder Form verstieß und dies merkte er immer mehr. Vielleicht würde unter dieser Tatsache einmal unsere Freundschaft leiden. Aber noch waren wir nicht an diesem Punkt. Noch waren wir an dem Punkt, an dem Maddox begeistert von meinem Talent war und es von mir lernen wollte. (Spoiler, er war und blieb ein miserabler Gitarrist.)
„Fuck Trouble, wie machst du das? Heftig und ich versuch das mit YouTube Tutorials hin zu bekommen und versage, weil die Typen da alle miese Lehrer sind“, lachte Maddox und nahm mir vorsichtig die Gitarre ab, nachdem ich den Song beendet hatte. Er nahm sie so, wie ich es eben getan hatte und versuchte seine Finger genau so zu legen wie ich es getan hatte. Nur war er noch lange nicht so geübt wie ich, weswegen das Ganze sehr ungelenk aussah.
„Deine Finger sind ganz steif, lockere sie“, lachte ich auf, als ich ihn dabei beobachtete und lehnte mich ohne groß darüber nachzudenken zu Maddox hinüber. Legte meine Finger auf seine und schob sie an die richtigen Positionen, nahm ihm etwas seiner Steifheit.
„Und jetzt spiel die Saiten an. Hör wie sie klingen, damit du ein Gefühl dafür bekommst“, riet ich ihm und lehnte mich wieder zurück. Maddox schielte von seinen Fingern zu mir und dann wieder zurück. Schlug dann allerdings nacheinander die einzelnen Saiten an.
„Klingt besser als vorher. Was hast du noch so drauf?“, fragte er mich neugierig, während er sich weiter an der Gitarre versuchte.
„Ich kann Klavier spielen. Hab ich von meiner Granny gelernt bevor ich lesen und schreiben gelernt hab“, erzählte ich ihm und machte es mir noch weiter auf dem Sofa gemütlich. Es war nicht übel bei ihm. Lockerer als bei mir zu Hause.
„Echt? Krass. Wie kamt ihr an ein Klavier? Ich dachte ihr wart voll arm“, fragte er nach, ohne wirklich darüber nachzudenken. Leicht verzog ich mein Gesicht bei seinem Tonfall. Maddox schien mein früheres Leben als eine Art Abenteuer zu sehen.
„Granny hat im Theater gearbeitet. Ich denke daher hat sie es. Aber genau weiß ich es nicht. Es war schon vor mir da“, murmelte ich und streckte meine Hand aus, um seine Haltung zu korrigieren. Was Maddox tatsächlich über sich ergehen ließ.
„Muss seltsam für dich sein, plötzlich aus diesem trostlosen Leben raus zu kommen und einer von uns zu sein oder?“, Maddox schmunzelte und versuchte sich an einer Tonfolge. Mein Blick zuckte bei seiner unbedachten Frage von seinen Fingern hoch in sein Gesicht. War es das? War mein altes Leben trostlos gewesen? Oder war dieses Leben hier trostlos, wenn ich an all die Farbe dachte die mein Leben früher hatte.
Ein großer Kloß bildete sich in meinem Hals. Ich vermisse es. So sehr, dass ich keinen einzigen Ton herausbekam. Was Maddox jedoch nicht zu bemerken schien. Den dieser redete einfach weiter.
„Ich hab übrigens gar keine Lust Freitag diese Mathe Arbeit zu schreiben. Ich check das Thema einfach so gar nicht. Hoffentlich sitz ich neben jemand der das Thema kann und hoffentlich kann ich dann abschreiben“, meinte er, wobei er sich mehrfach verspielte, da er sich nicht mehr auf seine Finger konzentrierte.
„Yeah das Thema in Mathe ist Mist“, murmelte ich leise und zog meine Knie an meine Brust. Legte meinen Kopf auf meinen Knien ab und beobachte Maddox weiter beim spielen. War mit den Gedanken jedoch völlig wo anders.
♫
Wisst ihr, ich liebe es zu träumen. Sofern es keiner dieser mich zerstörenden Alpträume ist. Aber wenn es ein schöner Traum ist, warum nicht? Ich liebe es einfach, dass Träume alles möglich machen. Wie ich drauf komme, dass ich Träume liebe? Hm, ich hatte einen sehr schönen Traum, nachdem ich morgens neben Nait eingeschlafen war. Einen mit Nait, der in mir dieses warme Gefühl ausgelöst hat. Dieses Gefühl begleitete mich noch beim aufwachen, irgendwann gegen Mittag. Zu meiner größten Überraschung saß Nait immer noch neben mir im Bett. Er hatte es sich in Jogginghose gemütlich gemacht und schaute auf dem Tablet eine Doku. Noch ganz verschlafen rieb ich mir den Schlaf aus den Augen und rutschte näher an meinen Freund. Legte meinen Kopf auf seinen Schoß und seufzte genießend auf, als dieser seine Hand auf meinen Kopf legte.
„Sieh an wer wieder wach ist. Gut geschlafen?“, fragte er mich mit einem sanften Lächeln in der Stimme. Richtete sogar seinen Blick von der Geschichtsdoku, auf mich.
„Hmh“, murmelte ich, ehe mein Blick zum Bildschirm wanderte.
„Was guckst du da? Das alte England?“, fragte ich ihn mit vom Schlaf rauer Stimme.
„Ist verdammt spannend. England hatte zu der Zeit als Weltmacht überall seine Finger drin. Und vom Königshaus sollte ich gar nicht erst anfangen“, erzählte er während er durch meine leicht verschwitzten Haarsträhnen strich.
„England ist ziemlich cool, ich liebe es da Konzerte zu spielen“
„Ich freu mich schon darauf, wenn wir in London auftreten. Dann brauchen wir genügend Zeit, damit ich die Stadt erkunden kann. Allgemein freu ich mich so auf Europa. Das Land hat einen ganz anderen Vibe. So viele verschiedene Länder, so viel Kultur, so viele Unterschiede und das Essen erst“, schwärmte er verträumt und wickelte sich eine meiner Strähnen um den Finger. Was leicht an meiner Kopfhaut ziepte.
Jetzt drehte ich meinen Kopf in seinem Schoß zu ihm nach oben, sah hoch in sein Gesicht. Er würde das Essen lieben und all die Städte durch die wir reisen würden. Und kurz, ganz kurz flackerte das Bild von Coby in mir auf, wie aufgeregt dieser vor unserer ersten Europa Tour gewesen war. Wie scharf er darauf gewesen war mit mir die Städte zu erkunden. Begeistert davon war neue Leute kennenzulernen. Und kurz spielte ich mit dem Gedanken Nait davon zu erzählen. Doch meine Lippen verließ kein Wort. Ich blieb stumm. Nicht weil ich mich nicht mehr traute ihm von Coby zu erzählen, weil wenn nicht Nait wem dann? Sondern vielleicht eher, weil es mich traurig machte und daran erinnerte das ich auch seine Geschichte aufschreiben wollte. Etwas das ich so sehr wollte und gleichzeitig Angst davor hatte was es mit mir anstellte. Den dieses ganze Thema hatte viel Potenzial mich hart zu treffen. Sehr hart zu treffen. Und irgendwie wollte ich nicht die unbekümmerte Ruhe zerstören die grad in mir wohnte. Noch nicht jedenfalls.