It's stupid they try to tell me I'm ruthless
It's stupid they try to tell me I'm ruthless
„Warum hab ich eigentlich noch nie etwas von Maddox gehört?“, versuchte Nait es zum bestimmt zehnten Mal an diesem Tag, mir mehr Infos über dieses Thema zu entlocken. Amüsiert über seinen süßen Versuch schüttelte ich meinen Kopf. Spielte stattdessen erneut die langsame Tonfolge, an der ich gerade im Wohnzimmer arbeitete.
„Weil er kein Teil meines Lebens mehr ist? Warte doch einfach ein wenig ab“, riet ich ihm, was Nait unzufrieden auf schnauben ließ. Immerhin hatte er die Antwort schon drei mal von mir bekommen.
„Und was ist aus ihm geworden?“, versuchte er es weiter. Setzte sich auf einen der freien Hocker am Tisch und beobachtete mich beim spielen.
„Glaube er ist in die Fußstapfen seiner Mom getreten und arbeitet für ein Modemagazin, oder führt es mittlerweile. Keine Ahnung. Wir haben seit Jahren keinen Kontakt mehr“, beantwortet ich wenigstens diese Frage von ihm. Sah dann kurz zu mein Handy, dass in diesem Moment vibrierte.
Nait folgte meinen Blick kurz und sah dann wieder zu mir hinüber. Doch er fragte nicht, wer mir geschrieben hatte. Warum sollte er auch? Wenn es ihn wirklich interessierte konnte er jederzeit selber nachsehen. Als würde ich auf meinem Handy etwas vor ihm verbergen. Ich hatte mich dazu entschieden, mich diesem geerdeten Typen zu öffnen und ihn in mein Leben zu lassen, da würde ich jetzt nicht bei meinem Handy eine Grenze ziehen.
„Wahrscheinlich Bryce. Schaust du kurz nach? Dann muss ich nicht aufstehen“, fragte ich ihn und schlug die Saiten erneut an. Nait atmete leise aus, erleichtert über meine Erlaubnis seine Neugier zu stillen (die er nur so nebenbei nicht brauchte, was er auch wusste. Aber ihr kennt Naity, er geht lieber auf Nummer sicher). Jedenfalls nahm dieser jetzt mein Handy und entsperrte es mit seinem Fingerabdruck. (Yeah, auch das hatte ich ihm zugestanden. Er kannte den Code und mittlerweile war auch sein Fingerabdruck eingespeichert. So wie meiner bei ihm. Der größte Vertrauensbeweis in unserer Handy besessenen Gesellschaft, oder?)
„Oh, Bryce hat tatsächlich geschrieben. Er kommt vorbei. Jetzt. Direkt nach seinem Meeting“, fasste Nait die Nachricht meines Bruders überrascht zusammen. Was ich ihm nicht verübeln konnte. Bryce hatte immer viel zu tun und unsere Treffen waren dann meist eher bei ihm, oder in einem Cafe' nahe seines Büros in dem wir uns in seiner Pause trafen.
„Yeah, hab ihn eingeladen. Dachte mein Bruder sollte nach Jahren auch mal sehen wo und wie ich lebe. Außerdem kann ich sein steriles Apartment nicht mehr sehen. Wenn ich da noch einmal hin muss, dann lauf ich mit Farbeimern Amok“, scherzte ich mit eine Funken Ernst in der Stimme. Kein Scherz würde ich wirklich tun, also das Amok laufen mit Farbeimern.
„Er war noch nie hier?“, Nait klang wirklich überrascht über diese Tatsache. Amüsiert hob ich meinen Blick von meiner Gitarre und sah meinen Freund an.
„Hast du vergessen, dass wir uns mal gehasst haben? Viele Jahre unseres Lebens lang? Bis vor kurzem? Als ob er mich dann hier besucht“ Eine Tatsache die Nait tatsächlich zu vergessen schien.
„Stimmt, da war ja was. Kann ich mir noch gar nicht vorstellen. Jedenfalls nicht wenn ich lese wie gut ihr euch mal verstanden habt“, murmelte der Blonde und stand vom Hocker auf, streckte sich kurz und sah an sich herunter. Er trug eine gemütliche Jogginghose und eines meiner alten Shirts.
„Wenn dein Bruder kommt sollte ich mich wohl umziehen“, überlegte er dann und an sich herunter.
„Naity, es ist nur Bryce. Nicht der Präsident. Nur weil mein Bruder unfähig ist sich gemütlich anzuziehen heißt das nicht das du in deinem eigenem zu Hause auch Hemd und Krawatte tragen musst“, jetzt stellte ich die Gitarre ab und stand auf. Kam zu ihm herüber und strich sanft über seine Seiten. Zog das Shirt das er trug etwas zurecht.
„Du siehst gut aus. Irgendwie heiß, weil die Jogginghose so herrlich tief sitzt. Aber wenn du dich wohler fühlst zieh dir ne Jeans oder so an. Spielt aber keine Rolle. Weil unser Haus, unsere Kleiderregel. Die nur im übrigen nicht existiert“, erinnerte ich ihn und küsste sanft seine Stirn. Er machte sich schon wieder viel zu viele Gedanken.
„Hör auf so viel drüber nachzudenken“, flüsterte ich leise und wich ein Stück von ihm zurück, fing an frech zu grinsen.
„Also wenn du mich kurz entschuldigst, ich muss was kaputtes oder so anziehen damit mein Bruder nicht plötzlich denkt ich wäre normal geworden“, lachte ich. Nait sah mich für einen kurzen Moment irritiert an, ehe er plötzlich anfing zu lachen.
„Was ist aus, es ist egal was wir tragen geworden?“, neckte er mich lachend.
„Häh, es ist Mr. CEO der uns besucht. Da muss man doch Klischees erfüllen“, scherzte ich weiter und zwinkerte ihm zu.
Am Ende hatten wir uns beide doch kurz umgezogen. Nait weil er meinem Bruder unmöglich in Jogginghose entgegen treten konnte und ich, weil ich meinem Bruder unmöglich in Klamotten ohne Löcher entgegen treten konnte. Er sollte nicht plötzlich denken ich hätte heile Hosen. (Ironischerweise trug ich immer bei unseren Treffen Jeans mit Löchern. Erst war es immer Zufall gewesen, doch mittlerweile achtete ich bewusst darauf. Einfach weil ich es lustig finde.)
Womit wir dann nicht gerechnet haben, war die Tatsache das auch noch andere zu Hause waren. Und mit anderen meinte ich Hardin. Der als es an der Tür klingelte, schneller war als wir und in seiner Flammen Badehose die Tür öffnete. (Zum Glück trug er die überhaupt. Er war mittlerweile teilweise dazu übergegangen sich nackt an den Pool zu legen. Damit er auch überall braun wurde. Was ich zum einen gut verstehen konnte, zum anderen war er so sebstbewusst bei dem Thema nackt sein, dass er dann auch oft nackt z.B. in die Küche ging um sich Getränke zu holen. Was Hanako und auch unsere Haushälterin regelmäßig Schrecken einjagte.)
„Häh, du bist nicht der Pizza-Mann“, stellte Hardin sehr intelligent fest, als er die Tür öffnete und er plötzlich vor Bryce stand. Der wie gesagt, grad aus einem Meeting kam und auch so gekleidet war. Dunkelblaue Anzughose, dazu passendes dunkles Hemd und eine Krawatte. Nait und ich standen noch im Wohnzimmer und hatten somit einen guten Blick auf die ganze Szene. Bryce ließ seinen Blick kurz irritiert über Hardins Outfit wandern. Ehe er doch tatsächlich anfing zu lachen.
„Nein ich bin nicht der Pizza-Mann. Hätte ich gewusst das wir eine Pool-Party veranstalten hätte ich mich noch umgezogen“, meinte er und trat an Hardin vorbei, der ihm lachend Platz gemacht hatte.
„Können auch ne nackte Pool-Party draus machen. Fehlen nur die anderen Gäste und die ein oder andere Dame im Knappen Bikini, oder ohne. Hanako würde mich allerdings im Pool ersaufen wenn ich sie frage“, meinte Hardin, der gerade die Tür hinter Bryce schloss.
„Schade, sie hat eine klasse Figur. Aber ich verstehe es und Sebastian hätte wohl auch etwas dagegen“, schmunzelte Bryce während er sich umsah. Direkt auf den ersten Blick feststellen musste, dass mein zu Hause sehr anders war als seines. Abgekürzt, meines hatte Identität und seines war die Vorlage aus einem Makler Katalog. Einen den Chrishell erstellt hatte und in den ich nie und nimmer einen Blick werfen würde.
„Ach, du kennst doch bestimmt ein paar die mit machen würden oder? Pool-Party in einer Rockstar Villa?“, grinste Hardin, der an Bryce vorbei tapste und wieder Richtung Pool ging.
„Vielleicht. Aber ich wollte es vermeiden, diese Nummern noch mal zu wählen“, gestand mein Bruder, dessen Blick jetzt auf Nait und mich im Wohnzimmer gefallen war.
„Jack, Nait schön euch zu sehen“, er klang tatsächlich ein wenig erleichtert darüber, so aus dem Gespräch mit Hardin heraus zu kommen. Er kam auf uns zu und machte eine ausladende Geste in den offenen Raum hinein.
„Wow, es sieht gemütlicher und ordentlicher aus als ich es mir vorgestellt habe“, fing er an, wobei sein Blick weiter durch den Raum huschte. Zu der kleinen Bühne, zu all den Bildern, den Erinnerungen und den gemütlichen Möbeln. Den Pflanzen die Hanako hier aufgestellt hatte.
„Wir haben auch eine klasse Hausdame und Hanako hat uns ziemlich gut im Griff, dass wir auch mal aufräumen“, erklärte Nait ihm und fügte noch verschwörerisch hinzu:
„Selbst Jack muss ab und zu mal aufräumen. Hanako hat ihn da besser im Griff als ich“ Mit einem ungläubigen Lachen setze sich mein Bruder auf das Sofa.
„Wirklich? Kann ich mir kaum vorstellen. Eliza, unser Hausmädchen früher, hat immer einen halben Nervenzusammenbruch bekommen wenn sie in seinem Zimmer war. Irgendwann sagte sie, sie würde da nicht mehr aufräumen, weil sie Angst hat vor dem was sie unter seinen Klamotten findet“, scherzte Bryce und warf mir einen belustigten Blick zu. Wann war mein verklemmter Bruder den bitte so locker geworden? Musste wohl tatsächlich von unserem neu aufgeflammten Kontakt kommen. Den der schien ihm so gut zu tun, dass er langsam den Stock aus dem Arsch zog den seine Eltern dort jahrelang platziert hatten.
Nait setzte sich zu ihm und auch ich ließ mich auf einem der Sessel beim Sofa nieder. Schnaubte spöttisch bei seinen Worten.
„War bei dir nicht anders, als du angefangen hast heimlich Mädels mit zu bringen“, erinnerte ich ihn daran, doch Bryce hob nur eine Augenbraue.
„Schon, aber ich hab meine Sachen selber aufgeräumt. Du hattest da alles liegen. Alte Klamotten, Zigaretten, was weiß ich noch alles. Du warst schlimmer als ich“, erinnerte er mich und fügte für Nait noch als Erklärung hinzu:
„Eliza mochte ihn wirklich weiß du. Doch seine Unordnung hat sie gebrochen“
„Kann ich mir gut vorstellen. Ordnung ist absolut nicht sein Ding“, stimmte Nait ihm doch tatsächlich zu. Wofür er von mir einen absolut empörten Blick kassierte. Bitte was hatte er da gesagt? (Yeah, okay er hatte komplett Recht. Dennoch. Empörend.)
„Was den? Ist doch so. Sieh dir doch mal deine Bettseite an. Reines Chaos“, neckte Nait mich weiter und fügte für Bryce noch hinzu:
„Er lässt manchmal auch seine Kaffeetasse im Badezimmer stehen. Ich meine wer nimmt seinen Kaffee mit ins Bad?“ Bryce lachte amüsiert auf und schüttelte leicht den Kopf über mich.
„Anscheinend tut mein Bruder das“, schmunzelte er und erhielt jetzt ebenfalls einen schockierten Blick von mir.
„Wer tut das nicht? Hallo? Das ist purer Alltagsluxus, nach dem Duschen einen warmen Schluck Kaffee zu trinken. Oder während ich versuche meine Haare zu bändigen“, verteidigte ich mich halbherzig.
„Alles schön und gut, würdest du die Tasse danach mit raus nehmen“, lachte Nait und erhob sich vom Sofa, sah fragend zu Bryce.
„Möchtest du etwas trinken? Kaffee? Tee? Was Kaltes?“, frage er meinen Bruder. Ersparte sich die Frage bei mir, da er meine Entscheidung bereits kannte.
„Ein Tee klingt tatsächlich angenehm. Habt ihr Earl Grey? Ohne Zucker und Milch“, fragte er mit einem leichten Lächeln. Nait wirkte kurz überrascht. Er hatte Bryce wohl nicht als großen Tee Trinker gesehen.
„Das kommt noch von James oder?“, fragte ich ihn und musste unwillkürlich bei der Erinnerung an den, mittlerweile ergrauten, englischen Butler meines Vaters grinsen.
„Er hat immer Earl Grey getrunken und uns auch immer wieder welchen zubereitet“, erinnerte ich mich. Bryce seufzte leise auf bei dieser Erinnerung.
„Ja. Jeden Tag um 5 Uhr goss er sich seinen auf die klassische Art und Weise auf. Der Duft meiner frühen Kindheit ist der Geruch dieses Tees. Ich trinke ihn immer noch gern, wenn ich mich entspannen möchte“, meinte er und Nait nickte verstehend.
„Dann schau ich mal was ich tun kann. Hanako hat einige Teesorten. Vielleicht ist deine darunter“, mit diesen Worten verschwand er in der Küche. Um mir und sich selbst Kaffee zu machen und Bryce einen Tee.
„Ich glaube nicht das Hanako meine Teesorte hat, aber solange es ein Earl Grey ist bin ich zufrieden“, meinte Bryce und wartet kurz bis Nait außer Sichtweite war.
„Es läuft immer noch sehr gut zwischen euch, oder täuscht mein Eindruck?“, fragte er mich ehrlich interessiert. Überrascht über seine Frage hob ich eine Augenbraue, lehnte mich dann allerdings ein wenig zu ihm nach vorne.
„Es läuft immer noch gut zwischen uns. Irgendwie, hm hat Nait mich auf diese positive Art und Weise im Griff. Er weiß instinktiv wie er mit mir umgehen muss“, weihte ich ihn ein, wobei ein liebevolles Lächeln an meinen Mundwinkeln zupfte. Ein Lächeln das sich auch auf Bryce übertrug.
„Das freut mich zu hören. Weißt du, früher hätte ich nie damit gerechnet das du derjenige von uns beiden bist der so viele gute und enge Freundschaften pflegt“, fing er plötzlich an. Ein Thema das ich wirklich nicht von ihm erwartet hatte.
„Yeah?“, fragte ich überrascht nach.
„In der Schule hattest du erst nur Maddox und das war hm, keine wirklich enge Freundschaft zwischen euch. Aber wenn ich dich jetzt so ansehe? Es gibt so viele Menschen in deinem Leben zu denen du eine gesunde Freundschaft pflegst. Jetzt bin ich derjenige von uns, der so etwas nicht hat“, gab er ehrlich zu und hatte dabei diesen Blick drauf, der aussagte wie sehr ihn das beschäftigte. Er hatte nur die Arbeit. Und ich? Ich hatte so viel mehr als nur das.
„Ist das gerade deine Art mir zu sagen das du einsam bist?“, riet ich grade heraus und sah aus dem Augenwinkel wie Nait mit einem Tablett wieder kam, auf dem drei Tassen und eine Schale mit Keksen stand. Bryce fuhr sich seufzend mit der Hand durchs Gesicht, was allein schon Antwort genug war.
„Vielleicht“, brummte er dann, ehe er sich bei Nait für den Tee bedanke und sich die dampfende Tasse nahm. Kurz den Duft inhalierte, eher er sich mit überschlagenden Beinen zurücklehnte.
„Wo wir gerade bei unserer Schulzeit waren“, griff er das Thema plötzlich wieder auf, nur anders als eben noch.
„Ich habe Maddox Price neulich durch Zufall getroffen. Es scheint ihm ganz gut zu gehen, jedenfalls sagte er das die Geschäfte wieder laufen, seit sie ihre Zeitschrift nicht nur als Print Medium führen. Sie sind stark in der online Welt vertreten. Sie haben auch immer wieder Artikel über dich und deinen Modegeschmack drin, wusstest du das? Meine Sekretärin ließt die Artikel gern und schwärmt dann über deinen Körper“, erzählte er mir, wobei seine Stimme zum Ende hin einen amüsierten Tonfall annahm.
Eine Information die mich frech Grinsen ließ und Nait eine Augenbraue heben ließ. Doch in seinem Blick funkelte dieses „Der gehört MIR“ Funkeln.
„Ach wirklich? Kann sein das Michael mich darüber mal informiert hat und ich sagte es sei fein, solange sie keinen Müll schreiben. Ich hoffe er weiß meinen Modegeschmack so sehr zu schätzen, wie er es verdient hat“
„Oh, sie schreiben sehr positiv darüber. Es fällt auch immer wieder das Wort experimentell oder so. Meine Sekretärin war übrigens sehr enttäuscht als ich ihr sagte du seist vergeben“, meinte Bryce und trank einen Schluck von seinem Tee, ehe er hinterher schob:
„Nach all dem was ihr in der Schule angestellt habt, hab ich nicht damit gerechnet das Maddox doch noch diesen Weg einschlägt. Ich hatte ihn immer eher hm, deinen Weg einschlagen sehen. Aber nicht den eines ernsthaften Studiums in der Medienbranche“