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But it's hard with all our history

Harlekin — www.fanfiktion.de · All chapters

But it's hard with all our history

Harlekin.

Da standen sie auf der kleinen Bühne und spielten zusammen vor keinem Publikum. Wenn man mal von der Crew absah, die ihre Arbeit kurz liegen gelassen hatte, um ihnen zuzusehen. Tony saß hinter Sebastians Schlagzeug, Jerry hatte Hanakos Gitarre in der Hand und Tobin Hardins Bass. Und Jack? Jack stand vorn auf der Bühne und hatte beide Hände um das Mikrofon gelegt. Sie sahen unfassbar gut zusammen aus, wie die Profis die sie waren. Wie eine Einheit und eine Band. Was sie auch gewesen waren, oder eigentlich noch waren. Naits Blick huschte von jedem Mitglied zurück zum grün haarigen Sänger. Der gleichzeitig vollständig und unvollständig wirkte. Den ihm fehlte in diesem Bild, in dieser Konstellation etwas. Oder eher Jemand.

Coby.

Leise atmete Nait aus. Er stand hinten am Bühnenrand und beobachtete sie einfach nur. Hatte eine Gänsehaut am gesamten Körper. Den diese Szene war tiefer, als sie aussah. Trug mehr Geschichte und Narben auf der Haut als man auf den ersten Blick sehen konnte. Seit Cobys Tod standen sie nicht mehr zusammen auf der Bühne und hatten Musik gemacht. Das hier, das war das erste Mal ohne ihn. Nait hatte angenommen, dass es Jack zerstören würde wenn er zusammen mit Harlekin auf einer Bühne stehen würde, doch gerade sah er nicht so aus. Er wirkte wie Therapie, wie das Heilen einer Familie. Und genau das war es auch. Sie waren eine Familie und auch wenn Nait wusste, dass er und alle anderen von Showbiz ebenfalls dazu gehörten, wirkte die Szene vor ihm verdammt privat.

Jacks kraftvolle Stimme füllte den leeren Raum, zitterte ganz leicht bei den Song Parts die eigentlich Coby hätte singen sollen. Nait spürte es und trotzdem stand er einfach nur da und starrte sie an. Fühlte sich ausgeschlossen und gleichzeitig als Teil davon. Den es waren ihre Instrumente, die sie nutzen. Es war ihr Sänger, sein Freund, der da vorne stand. Der seine alten Songs sang.

„Man merkt kaum das sie ne Pause gemacht haben. Ihr Vibe stimmt immer noch, auch wenn er unvollständig ist“, Sebastian lehnte sich neben Nait an eine der großen schwarzen Equipment Kisten. Auch sein Blick war auf die Bühne gerichtet.

„Tony ist noch mal ein ganz anderes Level als ich. So verdammt präzise. Das ist heftig“, fügte er anerkennend hinzu.

„Komplett. Ich wünschte ich hätte sie mal zusammen mit Coby live gehört. Auch wenn ich eventuell vor Eifersucht gestorben wäre“, seufzte Nait, dessen Blick erneut an Jack hing.

„Ich glaub es wäre nicht so schlimm gewesen wie du denkst. Ich glaube sogar das du auch ihm verfallen wärst und den beiden zusammen hilflos ausgeliefert gewesen wärst“, lachte Sebastian, obwohl das Thema wenig zum Lachen war. Doch es half.

Naits Wangen färbten sich allein bei dem Gedanken leicht rot.

„Hör auf damit. Das wär absolut nicht so gelaufen. Als ob ich zwischen die Beiden gekommen wäre“, wiegelte er ab.

„Ach zwischen ihnen gekommen wärst du bestimmt. Körperlich und emotional“, grinste Sebastian, der im nächsten Moment sprachlos von Nait angestarrt wurde. Den solche versauten Dinge sagte er nicht oft.

„Das... macht mich sprachlos. Ein Sex-Witz von dir“, murmelte Nait ungläubig. Auch etwas, um von diesem Thema abzulenken, dass ihn zum nachdenken brachte. Über Dinge die nie stattfinden würden. Die nie geschehen würden. Wurde dann allerdings von Jacks Gesang abgelenkt.

Why don't you carry me?

I can't move on

I can't live on

Carry me

Why don't you carry me?

I can't save me

I am crazy

„Als würde er damit direkt dich ansprechen und meinen“ Sebastian legte seine Hand auf Naits Schulter, der mit einem undefinierbaren Blick zu seinem Freund sah.

„Ich ahne was dieses Bild mit dir macht, aber wenn jemand Experte darin ist Dingen neue Bedeutungen zu geben und Alt und Neu zu verbinden dann Jack. Deswegen weiß ich, dass er Showbiz nicht für Harlekin eintauschen würde. Er würde uns eher vereinen und das wäre auf jeder Ebene eine Bereicherung“, Worte die bei Nait hängen blieben und ihn zum nachdenken brachten. Bisher hatte er nicht darüber nachgedacht was passieren würde wenn Harlekin sich wieder zusammenfinden würde. Einfach, weil er es für komplett ausgeschlossen gehalten hatte. Ohne das es jemand ausgesprochen hatte, hatte er angenommen, dass Harlekin mit Coby gestorben war. Doch das waren sie nicht. Das Bild das sich ihm dort auf der Bühne präsentierte sprach Bände.

„Schon, aber ich weiß nicht was es mit Jack machen wird. Harlekin war sein und Cobys Ding und ohne ihn?“, seufzte er. Sein Blick huschte kurz zu seinem Tattoo an seinem Handgelenk. Die zwei schwarzen Sterne die Jack ihm gestochen hatte.

„Ich denke es wird immer ihr Ding bleiben. Nur das der eine im anderen weiterlebt“, überlegte Sebastian, dessen Blick fest auf Jack gerichtet war.

„Was ein schönes Erbe ist wenn du mich fragst. Jack hat sich verändert. Ich hab mir neulich mit Dave ein paar alte Videos angesehen und mir ist da schon aufgefallen das Jack auf der Bühne einiges von Coby übernommen hat. Ich weiß nicht ob er es bewusst tut, oder unterbewusst“, schmunzelte der sonst so stille Drummer.

Sebastian sprach selten so viel an einem Stück, doch wenn er es tat dann hatte er meist recht mit dem was er sagte. Nait löste seinen Blick von den Sternen und sah zu seinem Freund hoch.

„Egal, es ist schön und ich glaube das es ihm gut tut. Weißt du, manchmal redet er so viel, aber über die wichtigen Dinge schweigt er dann. Da muss man bei ihm zwischen den Zeilen lesen“

„Und was liest du grad?“, fragte Sebastian ihn mit einem Lächeln.

„Das es ihm gut geht, auch wenn sein Herz schwer ist und er heulen könnte vor Freude und Vermissen. Und das er mich gleich braucht. Mehr als seinen süßen Kaffee“, Nait hatte geantwortet ohne groß darüber nachzudenken. Den wenn er in einer Sache verdammt gut geworden war, dann darin bei Jack zwischen den Zeilen zu lesen.

„Ich glaub auch das er dich gleich brauchen wird. Wahrscheinlich bei irgendwas versauten, um seine Gefühle zu sortieren“, scherzte Sebastian, wobei seine Stimme dennoch diesen warmen Klang trug.

„Diese Worte hätte ich eher von Hardin erwartet als von dir, aber okay“, lachte Nait und schüttelte den Kopf über Sebastian.

„Ach Hardin versucht grad eine der Bardamen herum zubekommen. Aber als ich eben zufällig in seine Nähe kam hatte ich den Eindruck sie will lieber ihren Job machen, anstatt mit ihm zu flirten“

Plötzlich legte sich eine schwere Stille über den gesamten Raum. Jack hatte aufgehört zu singen und auch die anderen hatten ihre letzten Töne gespielt. Jeder wirkte kurz ganz still und in sich gekehrt, ehe ihr Fokus sich auf Jack zu richten schien, der immer noch vorn am Mikro stand. Die zitternden Hände darum geschlungen und die Augen geschlossen. Nait wollte sich gerade in Bewegung setzen, um seinen Freund daraus zu holen. Doch Sebastians Hand auf seiner Schulter hielt ihn zurück.

„Lass ihn. Er braucht das“, raunte er leise. Und tatsächlich schien Jack diesen kurzen Moment zu brauchen. Langsam lösten sich seine Hände von Mikro. Er fuhr sich damit durch die wirren Haare, ehe sich seine zusammengesunkene Körperhaltung änderte und er den Kopf hob. Seine Hand zu seinem Herzen wanderte und dort verweilte. Nur für einen winzigen Moment, den im nächsten legte Jerry bereits seinen Arm um ihn und zog ihn lachend in eine Umarmung. Eine Geste die die Spannung direkt löste.

Tony streckte sich und stand dann auf, drehte sich zu Nait und Sebastian um. Grinste beide an als hätte er die ganze Zeit gewusst das sie da waren.

„Hey Sebastian, ich hab mir extra Mühe gegeben deine Sticks nicht kaputt zu machen. Aber ich glaube einer hat trotzdem eine Delle bekommen. Ich war an manchen Stellen zu vorschnell. Wir sind ein bisschen aus der Übung“, rief er ihm zu. Sebastian löste sich von der Equipment Kiste und kam auf den älteren Drummer zu.

„Aus der Übung? Hat man kaum gemerkt“, lächelte er und nahm Tony die Sticks ab, die ihm dieser hinhielt.

„Hey, da ist ja mein Fan Nummer Eins“, raunte ihm plötzlich eine Stimme ins Ohr, die ihm direkt einen wohligen Schauer über den Rücken jagte. Jack hatte sich von Jerry gelöst und war zu ihm herüber gekommen. Ein lockeres Grinsen auf den Lippen und einen Waldbrand in den Augen. Das eben hatte ihn alles andere als kalt gelassen. Nait konnte es klar und deutlich in Jacks blauen Augen sehen. Doch ehe er ihn fragen konnte wie es ihm ging, hatte der andere bereits seine Lippen auf seine gelegt und seine Hand hatte den Weg zu seinem Hinterkopf gefunden.

„Oh bitte keine Fragen, ich weiß nicht wie es mir geht. Ich will gerade auch nicht drüber nachdenken. Hilfst du mir, dass ich nicht mehr denken muss?“, Jacks leise und raue Stimme löste ein angenehmes Kribbeln in Naits Magengegend aus. Er würde einfach später fragen, oder Morgen. Jack so die Möglichkeit geben, seine Gedanken zu ordnen.

♫

Wisst ihr über wen wir bisher viel zu wenig gesprochen haben? Hm, denkt kurz nach. Es fällt euch bestimmt noch ein. Vielleicht denken wir auch an verschiedenen Personen und ich würde gern eure Antworten hören, aber leider ist das hier sehr einseitig. Also müsst ihr damit leben das wir über Chrishell sprechen. Yeah, sie ist nicht mein Lieblingsthema, aber sie hat mein Leben sehr beeinflusst und geprägt. Ich glaube mittlerweile, dass sie viel hinter ihrer Fassade versteckt. Viel Schmerz, viel Trauer und das sie sehr viel in ihrem Leben und ihrer Rolle als Ehefrau von Romain Whitley schlucken musste. Wie zum Beispiel, dass Wissen über all seine Affären. Es entschuldigt nicht ihr Verhalten mir gegenüber, es macht nichts besser oder ungeschehen, aber es erklärt es ein wenig. Ich will dieser Frau kein Mitleid geben, gab sie mir auch nie. Aber... ich möchte sie verstehen. Keiner wurde als herzloses Monster geboren. Wir wurden alle von der Gesellschaft, den Dingen die uns passiert sind und allem anderen Scheiß so geformt. Sogar sie.

Und hey, sie konnte eine gute Mutter sein, nur eben nicht für mich. Sie war einfach nicht in der Lage dazu, dass Kind einer anderen zu lieben wie ihr eigenes. Respekt an alle Mütter, alle Väter die dies schaffen. Den es muss schmerzhaft sein. Mittlerweile glaube ich sogar, dass Chrishell zu dieser Zeit sehr mit ihrem Leben und ihrer Rolle kämpfte. Vielleicht fragte sie sich des öfteren „ What was I made for? “ wie Barbie es in ihrem Film tat. Vielleicht war Chrishell einfach eine frühe Version von Barbie. In viele Rollen gedrückt, aber unsicher wozu sie eigentlich da war. Und hey, vielleicht fand sie sich selbst in ihrem Traum wieder, Maklerin zu sein. Den dort hatte sie das Sagen. Dort war sie nicht die Ehefrau die alles schlucken musste, sondern die Chefin die selbst entscheiden durfte. Urg, eigentlich wollte ich sie nicht in so ein gutes Bild schieben. Aber ich hatte gestern erst ein gutes Gespräch mit meinem Bruder über sie und unsere Kindheit und während wir gerade nach New York fliegen... hab ich einfach zu viel Zeit über seine Worte nachzudenken.

Konzentrieren wir uns also lieber wieder auf die Rolle die Chrishell in meinem Leben spielte. Die der bösen Stiefmutter. Welche sie Oskar reif spielte. Ich brachte viel Gebäck mit, viel Geschichte, die vor ihrer Familie spielte und damit kam sie nicht klar. Es war das Zusammenspiel davon, dass mich die Ruhe in diesem großen Haus irre machte und sie diese Ruhe liebte und schätze. Ich versuchte Räume mit Musik zu füllen, wenn ich in ihnen war. Sie versuchte sie mit Ruhe zu füllen, um ihre eigene wiederzufinden. (James nannte es mal so.)

Angefangen damit, dass ich es wagte den alten Plattenspieler im Wohnzimmer dafür zu nutzen „Satans Musik“ darauf zu spielen. Yeah, sie meinte damit genau das was ihr jetzt denkt. Alles was in Richtung Rock und Metal ging war für sie Satans Musik. Ich wagte es nicht die Platten meiner Mom, oder Granny darauf zu spielen, die ich mir mit meinem Taschengeld in einem Plattenladen nahe der Schule gekauft hatte. Zu sehr hatte ich das Gefühl sie waren unpassend für dieses Haus. Das eine kühle Atmosphäre versprühte. Vielleicht hatte ich auch einfach nur Angst daran zu zerbrechen wenn ich sie hörte. Und wer sollte mich dann auffangen? Mich halten?

Meist waren es kleine Gemeinheiten, spitze Worte und Bemerkungen die ich in Chrishells Nähe über mich ergehen lassen musste. Kommentare zu meiner Kleidung. Kommentare zu meiner Art zu sprechen. Den dadurch das ich in einem ganz anderen Umfeld als Bryce aufgewachsen war nutze ich andere Wörter als sie oder er es tun würde. Sprach hm, lockerer als sie. Manchmal waren es auch einfach nur Blicke die sie mir zuwarf. Wütend darüber das ich in ihre Welt eingedrungen war. Wütend darüber, dass ihr Ehemann mich gezeugt hatte. Mit einer anderen. Einer Frau die vielleicht hübscher gewesen war als sie. Talentierter. Besser. (Was sie auch war. Meine Mom Alice war ihr in allem überlegen. Vielleicht bin ich da aber auch sehr parteiisch.)

Das meine Mom sich umgebracht hatte spielte Chrishell also gut in die Karten und gab ihr das Gefühl ihr doch überlegen gewesen zu sein. Was sie mir oft sagte. Sehr oft. Ihr Lieblingssatz war unter anderem „Du bist genau so verkommen wie deine Junkie Mutter. Es würde mich nicht wundern wenn du auch irgendwann so endest wie sie“ Womit sie teilweise recht hatte und teilweise unrecht. Fakt ist, es tat weh. Sehr weh. Es tat in den ersten Wochen weh. Den ersten Monaten. Nach einem Jahr und nach 3 Jahren.

Besonders stark viel es mir auf wie sie mich behandelte, wenn der Vergleich mit Bryce direkt daneben war. Zum Beispiel schrieb ich eine gute Note in der Schule, was tatsächlich ab und an vorkam wenn ich mich anstrengte. (Ich bin nicht dumm, ganz und gar nicht. Aber ich war in der Schulzeit wenig motiviert mich für diesen Mist groß anzustrengen. Wofür? Ich wollte Musiker werden und nicht Anwalt oder Arzt. Da sind Noten so egal wie ein Kühlschrank in der Arktis. Und hey, ich kann dir komplette Geschichten einer Band, oder eines spannenden Ortes erzählen aber frag mich bitte niemals wie man eine Kurve berechnet.)

Jedenfalls wenn ich eine gute Note schrieb und es ihr zeigt war ihr Standard Kommentar dazu: „Hast du abgeschrieben? Naja, hätte besser sein können“, während Bryce für die selbe Note gelobt werden würde. Das er viel besser in der Schule war als ich muss ich nicht erwähnen oder? Harte Arbeit war schon immer sein Ding. Und wisst ihr was, Lehrer sind meist sehr faul. Sprich, Klausuren die sie über ein Thema in dem einen Jahrgang schreiben, werden sie im nächsten Jahr meist exakt genau so mit dem nachfolgenden Jahrgang schreiben. Tja, als ich das rausbekommen hatte bestand mein Lernen weniger aus Lernen und mehr aus Bryce Ergebnisse auswendig lernen. Clever oder?

Manchmal fühlte ich mich auch wie fucking Harry Potter bei den Dursleys. Den Petunia, ähhh ich meine Chrishell schickte mich gern in den Schrank unter der Treppe, ähh ich meine natürlich in mein Zimmer. Wenn Besuch kam. Wenn sie ihre Ruhe wollte. Wobei das Haus groß genug dafür war, dass wir uns eine Woche aus dem Weg hätten gehen können. Aber naja sie hatte eben das Handbuch für böse Stiefmütter gelesen, geschrieben von der bösen Königin aus Schneewittchen und der Ollen von Hänsel und Gretel. Da musste sie all ihre Tipps her haben. Ein Wunder das sie mich nicht im Wald aussetzte, oder mich mit einem Apfel vergiftete. Der gute Ruf, ihr versteht schon. Der hinderte sie wahrscheinlich daran. Und die Tatsache das es Straftaten waren.

Ich könnte jetzt viele kleine und große Situationen mit ihr aufschreiben und vielleicht tue ich das auch noch. Aber wir landen gleich und ich glaube das Kapitel reicht, um euch einen Einblick in mein Leben mit dieser (Achtung Sarkasmus) wundervollen Frau zu geben.

♫