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We were born for greatness

Harlekin — www.fanfiktion.de · All chapters

We were born for greatness

Kapitel 1. 199X

Es ist schwer zu sagen, wann meine Liebe zur Musik genau angefangen hat. Ihren Ursprung gefunden hat. Sie war irgendwie immer schon da. Teil von mir und meiner DNA. Als hätte Granny Chynthia es an meine Mom Alice vererbt und sie an mich. Vielleicht fand sie ihren Ursprung schon im Mutterleib, als meine Mom selbst Musik hörte und die alten Jazz Titel ihrer Mom mitsang. Oder ich entdeckte sie, als ich als kleiner Junge das Radio und die kleine Plattensammlung meiner Mom für mich entdeckte. Oder vielleicht auch als ich das erste Mal einen abgefuckten Typen am Straßenrand mit einer Gitarre sah. Der mit dieser rauen „Ich hab schon viel erlebt“ Stimme, einfach für ein bisschen Geld spielte. Oder wie bereits erwähnt, vielleicht war es auch schon immer ein Teil von mir. Ein Charakterzug.

Warum auch nicht. Ich bin immerhin, egal wie man es dreht und wendet, kein Normalzustand.

Und mein Leben war schon immer chaotisch. Aber stets begleitet von Musik. Wahrscheinlich wird das hier eine Geschichte, die euch zum Heulen bringen wird. Warum auch nicht, bringt sie mich auch regelmäßig. Ich hab viel gewonnen, aber auch verdammt viel verloren. Das hier wird nicht nur meine Geschichte, sondern auch die all der Menschen, die mich begleitet haben. Die Geschichte meines besten Freundes und Seelenverwandten, der sie leider nicht mehr selbst aufschreiben kann. Und die Geschichte meiner ersten Familie, meiner Band. Harlekin.

Also.... „This is Harlekin“ .

Und ich bin „Born to be a Hollywood Harlekin“ .

Wo fängt man eigentlich an, wenn man so was schreibt? Hm, wahrscheinlich ganz am Anfang. Also vor meiner Zeit. Denn ich glaube mein Anfang, ist der Anfang der unglücklichen Liebe zweier Menschen. So ganz genau weiß ich nicht wann sich meine Eltern im Großen L.A. getroffen haben. Meine Mom hat nie wirklich was dazu gesagt und ich tue einen Teufel meinen „Vater“ jetzt danach zu fragen. Jedenfalls war sie hübsch, jung und verträumt und er.... ein Arschloch. Anders kann ich es wohl nicht sagen. (Oder will.) Eigentlich war mein Vater zu der Zeit schon längst verheiratet und Vater eines Sohnes. Doch das schien ihn nicht wirklich aufzuhalten. Die Untreue meines Vaters könnte wohl selbst ein Buch füllen. Und hey, vielleicht waren sie für eine Weile auch so was wie glücklich. Geheim glücklich. Und dann kam ich dabei raus. Das Ende ihrer geheimen Beziehung, der Alptraum meiner Stiefmutter und der Anfang vom Ende meiner Mutter. Aber an diesem Punkt sind wir noch nicht. Ich wollte euch eigentlich von meiner ersten bewussten Erinnerung an Musik erzählen. Mal davon abgesehen, dass meine Mom ständig am Singen war und meine Granny auch, war es glaube ich eine Platte von „The Cure“ die mein kleines Ich fesselte und faszinierte. Ich kannte die Plattensammlung meiner Familie bereits in und auswendig. Granny liebte Jazz und Mom trug ihre Leidenschaft weiter. Aber eben nicht nur. Und irgendwann kam sie mit einer Platte von „The Cure“ wieder. Es handelte sich dabei um ihr erstes Album „Three Imaginary Boys“. (Und nein fuck, so alt bin ich nicht, aber Mom hatte ein Faible für Zeug das älter war als sie. Siehe meinen Vater.)

Und irgendwas an ihrem Sound faszinierte mich von der ersten Note an. Es war so anders als den Jazz, den ich gewohnt war. Es war, als würde sich in meinem fünfjährigen Hirn eine ganz neue Welt aufmachen. Wie eine Explosion, oder der Urknall. Und von da an suchte ich im Radio nach allem, was lauter, anders und cool war. Und ihr müsst wissen, ich bin in dieser krassen Zeit vor Internet aufgewachsen. In meiner Kindheit gab es kein WhatsApp oder son Zeug. Kein Instagram und TikTok auf dem man neues Zeug innerhalb von Sekunden fand und einem Überfluss ausgesetzt war. Ne man, ich hatte noch Kassetten, ohne dass sie Retro waren. Und naja, ich war klein, fasziniert von Musik und wir hatten kein Geld für viel neues Zeug. Also kaufte meine Mom oft gebrauchte Sachen und dadurch eher ältere Platten und Kassetten. Und vielleicht war ich damals ein kleiner Langfinger. Jedenfalls erinnere ich mich daran mit 6 Jahren oder so eine Kassette von Blink-182 aus dem Plattenladen in unserer Nachbarschaft geklaut zu haben. Ich wollte es sooo sehr haben, weil eine Katze auf dem Cover war und das Album „Cheshire Cat“ hieß. Damals wie heute war „Alice im Wunderland“ mein Lieblingsbuch und wenn klein Jack dann auch noch Musik findet, die so heißt, dann MUSS er sie haben.

Als Granny mich damals fragte, wo ich die neue Kassette den herhabe, sagte ich glaube ich so was wie „In einer Kiste auf der Straße“ gefunden. Es kam immerhin nicht selten vor das jemand hier eine Kiste mit altem Zeug (überwiegend Müll seien wir mal ehrlich) auf die Straße stellte. Selbst wenn sie ahnte das ich log, sie hinterfragte es nie. Wie damals, als ich mit 4 Jahren mein Lieblingsstofftier, einen Tiger, geklaut hatte. Vielleicht wäre es ihre Aufgabe gewesen mir ein Moralisches Vorbild zu sein, mir zu zeigen was richtig war und was nicht, den Mom war schon immer miserabel dabei. Vielleicht wegen den Drogen, die sie, seit ich denken konnte konsumierte. Aber naja... das ist ein anderes Kapitel meines Lebens, dass noch dramatisch und düster genug wird. Konzentrieren wir uns wenigstens für einen Moment auf die Jahre meines Lebens, die unbeschwerter Sonnenschein waren. (Oder sich aus meiner kindlichen Sicht, wenigstens so angefühlt haben.)

Ich erinnere mich an viel Musik, das alte Theater in dem meine Granny immer noch arbeitete und dass mich so fasziniert hat das wir Jahre später, unsere ersten Cover Fotos für Showbiz darin aufnahmen. Es war alles okay. Ich meine yeah, wir hatten nie viel Geld und unterbewusst hab ich das wohl auch gespürt, aber es war okay. Mom las mir abends vor und wenn sie es nicht konnte, dann tat es Granny. Wenn ich nicht schlafen konnte, dann hörte ich leise mit meinem Walkman (Fuck, dass was in meiner frühen Kindheit mein Heiligtum) Musik. Ich war zu klein, um die Probleme zu sehen die um mich herum existierten. Zu taub für die Mutter-Tochter-Streits meiner Granny und Mom. Zu unwissend für die Grausamkeit der Welt. Und das Thema „Vater“ war in meiner Welt nicht existent. Er war nicht da und wie sagt man so schön „Aus den Augen, aus dem Sinn“.

Und da wir ein altes Klavier im Wohnzimmer stehen hatten, lernte ich schon früh darauf zu spielen. Granny zeigte es mir und war glaube ich die stolze Granny der Welt, als ich mein erstes super einfaches Lied spielte. Fuck, ist das alles lange her. Ich meine ich bin jetzt nicht alt ALT, aber mit Mitte Zwanzig von seiner Kindheit zu erzählen ist doch schon lange her. Man ist eben keine sweet sixteen mehr. (Ohamn wird das wild, wenn wir erst mal da angekommen sind.)

Jedenfalls nahm ich von klein auf schon diesen besonderen Vibe mit den L.A. zu dieser Zeit an jeder Ecke verstrahlte. Skater auf den Straßen, wilde Rockstars die dauerhaft für Skandale sorgten. Blink-182 die nackt in ihrem Musikvideo auf MTV liefen und niemand sich was dabei dachte. Die Welt fühlte sich wirklich okay an, auch wenn sie das nicht war. Wie gesagt wir hatten nie viel Geld und auch wenn man es als Kind nicht direkt bewusst weiß, man merkt es. Im Essen, in den sorgenvollen Blicken der Mutter, wenn sie in den Kühlschrank schaut. In den Kommentaren von Granny wenn Mom ihr Geld anderweitig ausgab. Am Ende waren wir alle wohl einfach machtlos und gefangen. Ich, weil ich einfach zu klein war. Mom, weil fuck ne Sucht komplette Scheiße ist (glaubt mir ich weiß, wovon ich da rede) und Granny, weil sie irgendwo auch nur eine alte kranke Frau war.

Eigentlich ist es schon verrückt das ich trotzdem dahin gekommen bin, wo ich aktuell stehe. Wenn ich meine Anfänge so lese, sie reflektiere dann... fuck hätte auch alles echt anders kommen können. Aber ist es nicht. Aktuell (also in dem Moment, in dem ich das hier gerade schreibe) geht’s mir gut. In einem anderen Zustand könnte ich das hier wahrscheinlich auch nicht zu Papier bringen. Also seien wir alle mal kurz froh und dankbar dafür, dass es mir gut geht. Ist nicht selbstverständlich.

♫

Manchmal wacht man morgens mit einem Kater auf und diesmal meine ich doch tatsächlich die Art die Miaut und schnurrend auf deinem Bauch liegt. Und manchmal wacht man neben einer leeren Bettseite auf, jedenfalls wenn man der Part in einer Beziehung ist, der gern ausschläft. Aber manchmal gibt es auch diese Tage, da wacht man mit einem Kater auf und nicht neben einer leeren Bettseite, sondern neben einem sehr attraktiven Typen. Dessen blonde Haare wild auf dem Kissen verteilt liegen und der sich noch tief schlafend an einen selbst kuschelt. Das ist tatsächlich zu meiner Lieblings Art geworden aufzuwachen. Egal wo. Solange Nait der Mensch neben mir ist, bin ich komplett fein damit. Wobei, ich bin schon vor einer Weile aufgewacht aber einfach liegen geblieben. Es ist viel zu kuschelig neben Nait und bei meinem Kater Bel im Bett. Diese ruhigen Momente sog ich im Moment wieder wie ein Schwamm auf. Immerhin ist das Leben als Rockstar ansonsten wild und laut genug. Jedenfalls ist es bei mir so.

„J?“, brummte Nait plötzlich verschlafen neben mir und riss mich so aus meinen Gedanken.

„Guten Morgen“, begrüßte ich ihn mit einem sanften Lächeln auf den Lippen. Wie von selbst fand meine Hand ihren Weg weg von meinem Laptop, an dem ich bis eben leise gearbeitet hatte, bis hin zu Naits weichen Haaren. Ein genießender Laut entkam ihm, als ich durch seine Haare strich.

„Was machst du da?“, fragte er gähnend, als er es geschafft hatte seine Augen zu öffnen und sein Blick auf das offene Textdokument auf meinem Laptop lag. Wie selbstverständlich scrollte ich vom Ende ganz nach oben damit er von Anfang an lesen konnte.

„Ich hab die Idee mein Leben aufzuschreiben noch nicht verworfen“, gestand ich ihm dann. Neugier setzte sich Nait ein wenig im Bett auf, um einen besseren Blick zu haben. Es war noch gar nicht so lange her, da war die komplette Band bei mir eingezogen und aus meiner Villa, war unser zu Hause geworden. Und in mir war der Gedanke gewachsen mein Leben auf Papier zu bringen. Besonders die Zeit mit Coby. Meinem Seelenverwandten mit dem ich damals mit 16 Jahren meine erste, sehr erfolgreiche, Band gegründet hatte. Lange, tragische Geschichte und die meisten sollten mit meinem struggle nach seinem Tod vertraut sein. (Wenn nicht, wie konnte euch das bitte entgehen?!)

„Sehe ich. Wow wann hast du das alles geschrieben?“, fragte Nait überrascht und schon viel wacher. Immerhin war aus dem anfänglichen Text, den ich vor einigen Tagen in mein Notizbuch geschrieben hatte, ein längerer Text geworden.

„Immer mal wieder zwischendurch, wenn ich Zeit und Luft hatte. Es ist bisher nicht mehr als der Anfang. Fühlt sich allerdings sehr gut an“, gestand ich ihm und spürte gleichzeitig, wie sich der kleine Kater auf meinem Bauch streckte.

„Wow, und dann sagst du einfach nichts?“, kurz klang Nait empört darüber, doch er war es nicht wirklich. Als würde so etwas unsere, noch recht frische, aber standhafte Beziehung erschüttern können.

„Du warst mit auspacken beschäftigt. Und damit dich fasziniert umzusehen“, verteidigte ich mich halbherzig und platzierte den Laptop kurzerhand auf seinem Schoß. Da ich jetzt keine Rücksicht mehr nehmen musste konnte ich genauso gut aufstehen und mir endlich einen Kaffee holen. Oder eher uns.

„Bleib liegen, ich geh kurz in die Küche. Mein Morgen Kaffee ruft mich schon“ Während ich mit ihm sprach, erhob ich mich aus dem Bett und streckte mich. Strich mir mit den Fingern durch meine grünen Haare, die diesen heißen gerade aufgestanden Look hatten. Und vielleicht hätte ich das Ganze nicht ganz so hm, in die Länge gezogen, wenn ich nicht Naits Blick auf mir gespürt hätte. Und allein an seinem sehnsüchtigen und faszinierten Blick, konnte ich seine Gedanken erraten. Er musste es wirklich nicht aussprechen. Ich wusste, was er dachte „Wow, der gehört mir?“. Und während ich mich auf den Weg nach unten in die Küche machte, gefolgt von meinem schwarzen Schatten in Form eines Katers, fing Nait an den Anfang meines Lebens zu lesen.