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And these memories take me away

Harlekin — www.fanfiktion.de · All chapters

And these memories take me away

Ich muss kein Geheimnis daraus machen, dass es etwas mit mir gemacht hat mit meiner alten Band zu spielen oder? Das hat glaube ich sogar der unsensibelste Typ aus der Bühnencrew gecheckt. Nur, was hatte es mit mir gemacht? Außer einen Waldbrand in meinen Gedanken auszulösen, der mich allerdings nicht verbrannte. Danach hatte Nait den Brand in mir gelöscht, oder sagen wir zu einem Lagerfeuer geformt. Auf die effektivste Art und Weise. Jedenfalls bei mir. Musik und Sex. Und einem Vanillekaffee danach, den Dave mir gemacht hatte. (Der Kaffee vor dem Auftritt war wie ein Ritual für uns. Seine stille und achtsame Art mir zu helfen mich zu fokussieren.)

Musik war schon immer wie ein Funken für mich, der ein Feuer auslöste. Manchmal war ich das Feuer und manchmal war ich der Funke. Durch diesen ungeplanten Auftritt von Harlekin fühlte ich mich wie das Feuer und gleichzeitig wie der Funke. Nur war mein Feuer durch Nait nicht in die zerstörerische Richtung abgedriftet. Und während ich und Nait mit intimen Dingen beschäftigt gewesen waren, hatten sich meine Jungs von Harlekin in den natürlichen Vibe von Showbiz integriert. Sprich, Jerry checkte seine Kamera und das dazugehörige Equipment noch mal. Tobin hatte sich zur Bühne verzogen und checkte noch mal die Technik und den Sound, wobei Dave ihm behilflich war und Tony saß bei den anderen in der Garderobe und verbreitete eine beruhigende und lockere Stimmung. Die besonders Gale und Hardin nötig hatten. Wie schafften meine Jungs es eigentlich nach so einem Moment so gut damit klar zu kommen? Fuck, auch das war etwas das ich an ihnen liebte und unterbewusst vermisst hatte. Professionelle Routine. Es beschäftigte sie, aber sie konnten damit umgehen und ich war mir sicher wir würden noch darüber sprechen.

Wäre Coby in diesem Moment hier gewesen, hätte er sich eben so gut zwischen allen anderen zurecht gefunden.

„Soll ich deine Haare noch mal machen? Immerhin hab ich sie auch mutmaßlich zerstört“, riss Nait mich aus diesem Gedanken. Er nahm meine Hand und zog mich mit zu einem freien Stuhl, drückte mich darauf hinunter.

„Ich weiß ja nicht. Ich steh auf den Look den du mir verpasst hast“, grinste ich, ließ ihn dennoch mit seinen Fingern durch meine Haare fahren. Die wirren Strähnen etwas zurecht legen. (Muss ich noch sagen, dass er es tat weil er wusste das Coby vor Auftritten immer meine Haare gemacht hatte? Das er es tut um mir dieses Ritual wieder zu geben? Aus Liebe zu mir? Ach fuck, ich liebe den kleinen Golden Retriever so sehr. Manchmal muss das einfach raus.)

„Der steht dir auch verdammt gut, aber vielleicht solltest du nicht zu gefickt aussehen. Nicht ehe ich es nach dem Konzert wiederholt habe“, murmelte Nait laut genug das ich ihn hören konnte, aber nicht alle anderen. Worte, die er früher nie laut ausgesprochen hätte. Doch ich gab ihm den Mut dafür. Die Sicherheit.

„Hmh, sieh an wie versaut da jemand geworden ist“, raunte ich zurück und legte meinen Kopf in den Nacken, um zu ihm hoch zu sehen. Griff in seinen Nacken und zog ihn so zu mir nach unten. Forderte erneut einen Kuss ein, der ihm an meinen Lippen zum Lächeln brachte. Und der mich erneut erdete.

Langsam war der Moment gekommen, an dem sich der Platz vor der Bühne füllte. Menschen strömten herein und verbreiteten gute Laune. Hinterließen eine aufgebrachte Stimmung, die mich packte ohne das ich direkt zwischen ihnen stand. Alles lief routiniert ab. Was zum großen Teil daran lag, dass die Showbiz Crew aus vielen der alten Harlekin Leuten bestand und diese schon ein eingespieltes Team waren. Gleich würden wir auf die Bühne gehen. Wir waren bereits verkabelt und meine In-Ear-Kopfhörer baumelten an meinem Ohr herum. Es war tatsächlich das erste Mal, dass ich diese neuen Kopfhörer trug. Und nennt mich ruhig sentimental, aber auf dem linken war das Showbiz Logo und auf dem rechten das Harlekin Logo. So war der Linke auch Schwarz mit einem dunkel Roten Logo und der Rechte dunkel Violett mit einem goldenen Logo. Aber hey, dass bin ich. Sentimental, zerrissen, klammernd. Warum sollte ich auch Dinge los lassen die mir gut tun? Man muss nicht immer die Vergangenheit streichen, ausblenden oder vergessen. Man kann sie auch einfach als Teil von sich und seiner Geschichte ansehen. Und genau das tue ich. (Vergessen ist was für Loser. Damit klar zu kommen ist die wahre Kunst. Lacht über meine Sentimentalität, aber staunt über meine Stärke.)

Plötzlich war da wieder die aufgeregte Unruhe die mich packte. Die Aufregung und Vorfreude gleich auf diese Bühne zu gehen. Fuck, wie ich dieses Gefühl liebe. Ich werde es auch noch mit Hundert Jahren lieben. Hinter der Bühne wuselten alle geschäftig und etwas gestresst durch die Gegend. Und ich? Ich bewegte mich summend zu der Musik, die vor unserem Auftritt spielte. Die letzten Sekunden fühlten sich unglaublich lang an. Sebastian lockerte noch mal seine Gelenke mit Übungen die Tony ihm gezeigt hatte. Hardin wippte unruhig hin und her. Gale hatte seine Augen geschlossen und atmete tief ein und aus. Eine Übung die er von mir gelernt hatte. Und Hanako checkte noch mal ihr Aussehen. Nicht weil sie so eitel war, sondern weil sie wollte das es perfekt war. (Oder ist Eitelkeit und Perfektionismus in dem Fall das Gleiche?) Und Nait? Der knetete nervös seine Hände und stand nah bei mir. Süß wie nervös er war, dafür das er nicht mal auf die Bühne ging.

Und dann ging alles plötzlich ganz schnell. Wir bekamen das Signal auf die Bühne zu gehen. Die Musik hatte sich verändert und kündigte unseren Auftritt an. Das Publikum jubelte aufgeregt. Die anderen schritten bereits auf die Bühne, begrüßten das Publikum. Doch da ich meinen großen Auftritt wollte, bildete ich das Schlusslicht. Bevor ich jedoch auf die Bühne ging, legte ich meine Hand an Naits Wange, hielt ihn so kurz fest und küsste ihn. Wir tauschten einen kurzen Blick, ehe sich ein Lächeln auf seine Lippen legte und ich ihn los ließ, um den anderen auf die Bühne zu folgen.

In einer fließenden Bewegung steckte ich die Kopfhörer richtig in meine Ohren und hob danach zur Begrüßung meine Hand. Wurde von einem jubelnden und gut gelaunten Publikum begrüßt. Wieder wanderte meine Hand kurz zu meinem Herzen, ehe ich sie kurz Richtung Himmel regte. Eine Geste die das Publikum teilweise erwiderte und mit zustimmenden Jubel kommentierte. Den viele wussten, oder spürten einfach an wen sie ging. Was mich verdammt rührte und ich nichts gegen das breite Lächeln auf meinen Lippen unternehmen konnte. Genau in dem Moment, als ich vorn bei der Bühne ankam ertönte Gales Stimme, die die ersten Worte von Showbiz ankündigten. Es war nicht mal eine Frage gewesen, dass wir mit diesem Song starteten. Es war beschlossene Sache. Und ich weiß, einige von euch denken ich würde den Platz auf der Bühne gnadenlos an mich reißen. Immer im Rampenlicht stehen. Wenn ihr das denkt, dann habt ihr vergessen das ich schon immer zu zweit auf der Bühne stand. Und immer wieder mit verschiedenen Künstlern eine Bühne teile. Bei meinen Songs, oder bei ihren. Ich war präsent und da, aber ich gab Gale auch den Raum den er verdiente. Bewegte mich zur Musik und feuerte das Publikum an, bis mein Part kam. Und der Moment, an dem die ersten Worte über meine Lippen kam fühlte sich an wie pure Energie. Es war der Funke, der von mir ausging und bei meinen Bandmitgliedern und dem Publikum einen Brand auslöste.

„ So they kill another dream

Feed on my self-esteem

Well hey kids, this is Showbiz “

Als mein Blick dabei zu Gale wanderte sah ich sein fettes Grinsen auf seinem Gesicht. Auch er bewegte sich zur Musik. Durch die vielen Proben mit mir, war er was das angeht schnell lockerer geworden und hatte sich einiges von mir abgeschaut. Wir wurden immer besser darin uns auf den anderen abzustimmen und zu improvisieren. Es passierte noch nicht automatisch wie mit Coby, aber wir konnten die Blicke und Gesten des anderen bereits viel besser deuten. So dass wir kurz beieinander einschlugen, ehe Gale wieder den Hauptgesang übernahm und ich mich gesanglich im Hintergrund hielt. Dafür weit vorn an den Bühnenrand ging und mich einfach etwas zum Publikum hinunter beugte. Hände griff die mir entgegen gestreckt wurden und Blicke erwiderte. Nicht weil es gute Bilder abgab, oder so. Sondern weil ich Lust dazu hatte. Weil ich das Bedürfnis danach spürte und dem nachging. Das Jerry Fotos davon schoss war allerdings dennoch ziemlich cool.

„NEW YORK!“, zerschnitt meine Stimme das Stimmengewirr der Menschenmasse vor uns, als die letzten Töne des Songs verhallten. Ich stand immer noch am Bühnenrand und fuhr mir mit einer Hand durch meine wirren Haare, die durch die Scheinwerfer und das intensive Grün förmlich leuchteten.

„FUCK, tut es gut wieder hier zu sein und gleichseitig zum ersten Mal hier zu sein“, rief ich und erntete laute Zustimmung von seitens des Publikums. Gale war grinsend an meine Seite gekommen und legte seinen Arm um meine Schulter.

„Unfassbar das wir vor kurzen noch in kleinen Clubs gespielt haben und plötzlich sind wir hier“, fügte er hinzu und formte mit seinen Fingern ein Herz als Dank. Welches zu seiner Überraschung direkt von vielen erwidert wurde und sich Hände die zu Herzen geformt waren in die Luft gereckt wurden. Eine Geste die auch mich breit zum Grinsen brachte. Meine Akkus komplett auffüllte und mir Energie gab, die ich auf der Bühne rauslassen konnte. Den wenn ich eines wirklich konnte, dann war es diesen Funken der Musik an andere weiterzugeben. Mit meiner Stimme, meiner Musik und auch meiner Energie auf der Bühne. Ein Funke, der uns als Band mit dem Publikum verband und sich anfühlte als wären wir alle eine verbundenen Einheit. Jedenfalls für diesen Moment.

♫

In meiner Jugend gab es drei Ereignisse, die mein Leben komplett gewandelt und geprägt haben. Zum einen der Tod meiner Mom Alice und die damit einhergehenden Veränderungen durch die Familie Whitley. Zum anderen Cobys Auftauchen in meinem Leben, was ich bis heute für Schicksal halte. Den fuck, was wäre ohne ihn damals aus mir geworden? Ich will es mir nicht mal vorstellen. Nur gibt es davor noch ein Ereignis, über das ich nicht gern spreche und selten erwähne. Was mich jedoch stark geprägt hat und bis heute diverse Spuren und Einflüsse auf mein Leben hat. Alle die eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen wissen davon, oder haben es wenigstens schon mal gehört. Aber eigentlich wissen nur meine Jungs von Harlekin mehr darüber. Coby allein die ganze Geschichte und Details darüber. Oh, und Bryce weiß davon. Immerhin war er ein Teil davon und erlebte es hautnah mit. Und... dieser Abschnitt veränderte unsere Beziehung, prägte sie so sehr das wir Fremde füreinander wurden. Für viele Jahre.

Vielleicht ist gerade nicht der richtige Moment, um darüber zu schreiben. Aber wenn alle um mich herum schlafen, alles ruhig ist, dann werde ich nachdenklich. Denke über solche Dinge nach. Eigentlich sollte ich jetzt selbst tief und fest schlafen. Vor wenigen Stunden noch stand ich in New York auf der Bühne. Ich bin müde, erschöpft und trotzdem findet mein Kopf gerade keine Ruhe. Weil es, auch wenn ich es leugnen will, kleine Wunden in meiner Seele aufgerissen hat. Aber das ist etwas was aktuell niemand wissen muss. Also nutze ich die Stille unseres Nightliners auf dem Weg nach Philadelphia, dafür meine Gedanken schriftlich etwas zu ordnen. Also wo, hm, fange ich an?

Ah, bevor ihr über meinen Bruder Bryce fluchen werdet möchte ich noch ein paar schöne und positive Erinnerungen mit ihm teilen. Und seine Geduld für mich loben. Den er wurde nie müde darin sich die Zeit für mich zu nehmen die ich brauchte. Oder die Unterstützung. Ich glaube von meinen Alpträumen zu der Zeit habe ich schon mal geschrieben. Yeah, die hielten sich sehr lange und wurden erst mit Cobys Auftauchen in meinem Leben wirklich weniger. Eine stabile Konstante in diesen Träumen war ich selbst. Oder eher eine boshafte sarkastische Version meiner Selbst, die mich an den Rand des Wahnsinns brachte. Die böse, zynische Stimme in meinem Kopf die immer da war, aber nachts auf Hochtouren lief und mir viel zu reale Alpträume brachte. Jedes mal wenn mich einer dieser Träume weckte und seine Schatten tief über mir hingen. Einfach nicht verschwinden wollten, dann ging ich zu Bryce ins Zimmer und schlich mich in sein Bett. Ich meine yeah, ich war kein kleiner Junge mehr und er auch nicht, aber fuck ich brauchte diese Geborgenheit die ich selten (fast nie) in meiner Kindheit gehabt hatte. Den selbst wenn ich früher bei einem Alptraum zu Mom ins Bett gehuscht war, kam es dann selten vor das sie mir das Gefühl gab beschützt zu sein. Doch Bryce? Der war der geborene Beschützer. Wie eine Massive Wand die all diese scheiß Träume von mir abwehrte.

Doch er war nicht nur Nachts bei Alpträumen mein Beschützer, sondern auch manchmal in der Schule. Auch wenn er mich da mittlerweile öfter vor mir selbst beschützen musste als mich vor anderen. Den erinnert ihr euch an die Sache mit dem Bleistift? Das brachte mir Respekt ein. Meine kleine Rebellen Gang mit Maddox bekam noch ein paar Mitglieder. Mitläufer, die einfach cool fanden was wir taten, was wir für Musik hörten und das wir uns nicht vorbildlich an die Regeln hielten. Und ich war der Anführer. Eine Rolle die mir in dem Alter verdammt viel Spaß machte. Ich meine, wer findet es nicht cool zu sagen „Wetten du traust dich nicht Dr. Davis seine Unterlagen vom Schreibtisch zu klauen“und dann tut jemand genau das? Eine Macht die man mir eventuell nicht in diesem Alter und äh Zustand hätte geben sollen. Aber hey, es war für mich ne lustige Zeit. Wer mich dann immer auf den Boden der Tatsachen zurück geholt hatte war nicht Maddox, sondern Bryce. Welcher mir sehr effektiv auf die große Bruder Art den Kopf wusch. Oder mir den Arsch rettetet wenn er mich vor den Lehrern in Schutz nahm und abstritt das ich etwas gewesen war, da ich zu dem Zeitpunkt bei ihm gewesen war. Was ich nicht war. Mein wohlerzogener Bruder konnte einfach verdammt gut Lügen. Musste er von unserem Vater gelernt haben. Den der konnte auch Lügen ohne mit der Wimper zu zucken.

Auch Musikalisch hatte ich eine gute Zeit mit Bryce. Er mochte meine Musik nicht wirklich, aber er gab sich Mühe zu verstehen was ich an ihr gut fand. Also hörte er sich geduldig alles an was ich zu Musik, Bands und allem drum und dran zu sagen hatten. Nicht selten saßen wir auf meinem unordentlichen Bett, jeder von uns einen Kopfhörer im Ohr und er hörte sich meine immer wechselnden Lieblingssongs auf seinem Ipod an. (Bryce bekam seinen Ipod übrigens nie wieder. Der ist bis heute bei mir und hat mein Leben in gewissen Phasen meines Lebens gerettet.) Auch hörte er sich alles an, was ich ihm auf Maddox E-Gitarre vor spielte. Er gab meinem Leben zu der Zeit einen gewissen Schutz und ich glaube ich gab seinem weißen Leben Farbspritzer und Träume die über Geld und Macht hinaus gingen.

Ein Moment ist bis heute fest in meinen Erinnerungen verankert. Ein total banaler Moment, aber irgendwie legte er im Nachhinein auch so einige Grundsteine für viele Dinge. Für uns beide. Ich glaube ich war damals 14 Jahre alt und er somit 17. Ich wohnte an diesem Zeitpunkt schon über ein Jahr in diesem weißen perfekten Knast in Form einer Villa. Eines Abends, als ich kurz nach Mitternacht zitternd und von einem Alptraum geplagt zu Bryce ins Bett schlüpfte schlug dieser etwas ungewöhnliches vor.

„Wollen wir runter zum Strand gehen? Ich glaube ich hab dir noch gar nicht meinen geheimen Weg dorthin gezeigt“, meinte mein Bruder viel zu wach für diese Uhrzeit. Doch mir kam diese Ablenkung gerade recht. Also schlüpften wir in Jogginghose und Hoodie und schlichen uns leise aus dem Haus. Draußen im Garten der Villa wehte uns der kühle Wind des Ozeans entgegen. Den der Palast der Whitleys lag direkt an der Küste mit einem anscheinend geheimen Zugang zum Strand darunter. Natürlich handelte es sich dabei um einen Privat Strand an dem das normale Volk nichts zu suchen hatte. Ergo, hatten wir ihn komplett für uns. Bryce zeigte mir den versteckten Weg zwischen den steilen Klippen entlang. Was Nachts ein schwierigerer Weg war als Tagsüber, aber wir kamen heile und ohne Kratzer unten an.

Der Moment, als meine Schuhe im weichen Sand versanken, mir die salzige Luft des Ozeans ins Gesicht blies und ich das ruhige Rauschen der Wellen hörte, fühlte sich so an als wäre ich gerade aus einem Gefängnis ausgebrochen und würde endlich frei sein. Dieser Moment war damals so intensiv, dass mir glaube ich die Tränen kamen. Bryce und ich setzen uns in den Sand und dann tat mein Bruder etwas das ich niemals von ihm erwartet hatte. Er holte ein Feuerzeug aus der Tasche seines Hoodies und einen Joint. Ironisch, dass mein Bruder, der in Zukunft so strikt gegen Drogen sein würde, mir den ersten Joint meines Lebens gab. Klar, ich hatte bei Mom öfter welche gesehen und gerochen, war damals oft von Gras umgeben gewesen. Aber ich hatte nie selbst einen Zug genommen. Hatte bisher komplett die Finger davon gelassen. Doch in diesem Moment, mit dem was in meinem Kopf los war? Da nahm ich ihn. Nahm einen Zug und spürte wie sich meine wirren und lauten Gedanken in Zuckerwatte verwandelten und ich mich endlich entspannen konnte. Unbewusst führte er mich damit auf diesen Weg, der mich fast umgebracht hätte. Wobei, Bryce gab mir nur Gras. Meine Sucht nach dem härteren Zeug hat einen anderen Ursprung, einen anderen Grund und andere Täter. In diesem Moment wollte mein Bruder mir einfach nur helfen. Vielleicht auch sich selbst helfen und entspannen. Den er stand unter enormen Leistungsdruck. Immerhin sollte er mal Dads Firma übernehmen.

Wir kamen danach öfter an den Stand und rauchten zusammen. Genossen den Moment, der sich wie eine kurze Auszeit, wie eine Flucht anfühlte. Manchmal tranken wir dort auch zusammen etwas Alkohol. Was Jugendliche eben so hinter dem Rücken ihrer Eltern tun. Aber es war nicht bedenklich. Nicht Ursprung unserer Probleme. Es war wie eine fucking Therapie zweier Jugendlicher, die in einem goldenen Käfig wohnten. Damals war Bryce anders. Und vielleicht versteht ihr immer mehr, wieso es mich damals so traf als die Beziehung zu meinem Bruder in die Brüche ging. Er war der erste Mensch in meinem Leben, der mich beschützte. Der einen Jungen beschützte, von dem man annahm er bräuchte keinen Schutz. Er würde sich selbst schützen können. Weil er laut war. Wild war. Anders war. Das ich genau diese Geborgenheit und Sicherheit, diesen Schutz von jemanden brauchte das sah nur Bryce. Nicht mal Maddox, mein damaliger bester Freund, sah das. Bryce schaute tiefer und stoppte nicht bei der Fassade. Maddox schaffte es nie wirklich hinter meine Fassade zu schauen. Ein Grund warum unsere Freundschaft nicht hielt.

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