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Have Mercy on the Criminal

Harlekin — www.fanfiktion.de · All chapters

Have Mercy on the Criminal

Ich glaube ich hab mich an dem Punkt genug davor gedrückt DIESEN Punkt in meinem Leben zu beleuchten. Ich meine, was soll schon schlimmes passieren? Außer das es mich kurz bedrückt und Nait beim Lesen tief Luft holen muss? Noch weiß ich ja nicht mal, ob außer ihm und mir jemand all das hier zu lesen bekommt. Also, yeah wenn DU das hier gerade ließt, dann hab ich offensichtlich diesen mutigen Schritt gemacht. (Bekomme ich dafür kurz Applaus? Ein anerkennendes Kopfnicken? Irgendwas? Nein? Ja?.... Danke!)

Mein Lebensjahr zwischen 14 und 15 lässt sich mit einem Wort beschreiben. Chaotisch. Wenn wir noch rebellisch hinzufügen und eine Priese „Mir ist alles scheiß egal“ mit rein kommt dann yeah, haben wir mich mit 15 Jahren perfekt getroffen. Musik war immer noch das wichtigste in meinem Leben. All meine Unsicherheiten versteckte ich weiterhin, oder mehr den je, hinter respektlosen Sprüchen und Chrishell schwört sie hätte wegen mir graue Haare bekommen. Sogar Romain konnte mich nicht mehr ignorieren. Die Schule verzweifelte an mir, Maddox liebte das Chaos das wir als Trouble and Mess verbreiteten, aber auch ihm ging ich immer öfter, immer wieder zu weit. Ich war kein Schläger. Niemand der auf Kleineren und Schwächeren herum tritt. Aber die großen Arschlöcher die dies taten bereuten es wenn ich in der Nähe war.

Bryce hatte immer größere Schwierigkeiten mich zu schützen. Meine Taten zu rechtfertigen. Aber mal ganz ehrlich, da gab es nicht viel zu rechtfertigen. Ich war wütend, auf Chrishell und Romain die mich aus ihrem Leben streichen wollten. Ich war angepisst von unseren Lehrern, die uns alles beibrachten aber nicht das was wir lernen mussten. Ich war wütend auf Mom, die mich allein gelassen hatte. Ich war angefressen von Bryce der es so viel besser hatte als ich. Und ich war genervt von Maddox, der mein einziger Freund war und es doch wieder nicht war. Der einfach zu oberflächlich für mich war. Der mich schreien sah, aber nicht hörte. Der meinen Schmerz spürte, aber es cool hielt. Ach fuck, er ließ mich am lebendigen Leib an meinem eigenen Feuer verbrennen, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.

Dazu kam das Gras an das Bryce mich geführt hatte, an das ich durch meine Herkunft zu leicht ran kam und von dem ich hoffte, es würde den Schmerz erträglicher machen. Yeah, alles zusammen keine gute Kombi. Es kam immer öfter vor, dass ich für einige Tage oder eine ganze Woche von der Schule verwiesen wurde. Ich muss nicht erwähnen, was das für eine große Schande für meinen Vater war oder? Er hasste es. Und seine Strafe in solchen Fällen war es mich mit zur Arbeit zu schleppen und dann an andere abzugeben. So sollte ich auf den Boden der Tatsachen zurück kommen und lernen was Arbeit war. Sollte die Flausen aus meinem Kopf los werden und wenigstens noch was lernen. Und es wirkte. Ich hasste es in seiner Firma. Das große moderne Gebäude war mein Alptraum (die hatte ich übrigens immer noch. Heftiger als zuvor. Realer.) Dort landete ich immer wieder bei verschiedenen Untergeben meines Vaters, die es wohl verdient hatten auf mich aufzupassen. Was diese armen Schweine wohl dafür verbrochen hatten?

Mal saß ich 8 Stunden lang bei einer seiner Sekretärinnen und musste Akten sortieren, kopieren und Kaffee kochen. Oh, ich wette die hatte was mit meinem Dad und wollte ihn dann erpressen. Und als Strafe für ihren gescheiterten Versuch hatte sie mich an der Backe. Mal saß ich auch bei einem jungen Anwalt, den mein Dad vielleicht einfach so leiden lassen wollte. Der Typ war engagiert und ehrgeizig. Bei ihm musste ich ähnliches machen wie bei der Sekretärin, aber das brachte mir einen Kontakt ein der mir noch Jahre später juristisch immer wieder den Arsch retten sollte. Außerdem lernte ich bei ihm tatsächlich ein bisschen was. Und das kleine Kriminelle Genie in mir fand es praktisch zu lernen wo die Schlupflöcher in unseren Gesetzen sind. Man weiß ja nie wofür das mal gut ist. Ab und an landete ich auch bei der IT Abteilung. Wo ich ehrlich gesagt am liebsten war. Nachdem ich verstanden hatte, dass dort nicht nur langweilige Nerd saßen und wie man diese wenigen Ausnahmen davon überzeugte mir cooles Zeug auf dem PC zu zeigen, wurde meine Zeit dort um einiges spannender. Ich meine, vieles was sie mir da zeigten verstand ich nicht so ganz, aber einige Tricks hab ich dennoch mit genommen.

Oh, wenn ich WIRKLICH richtig Mist gebaut hatte musste ich übrigens dem Hausmeister helfen. DAS war die schlimmste Arbeit überhaupt. Den der Typ war ein bisschen wie die Fusion vom Hausmeister aus Scrubs und Argus Filch. Aber er schien mich irgendwie zu mögen. Den der Mann zeigte mir wie man Getränkeautomaten austrickste und so bekam ich immer gratis Getränke. Was wahrscheinlich seine Art war meinem Dad, seinem arroganten Boss, eines auszuwischen. Die Rache des kleinen Mannes eben.

Die Stimmung zu Hause wurde immer dicker. Die Stimmung in der Schule wurde immer angespannter. Die Beziehung zwischen mir uns Bryce immer... schwieriger. Meine Stimmungsschwankungen zwischen Zerstörung und Selbstzerstörung, wurden immer extremer. Und hey, mittlerweile verstehe ich wie schwer das zu ertragen gewesen sein muss. Wie schwer es ist einen Jungen zu ertragen, der andere verletzt und dann heulend zusammenbricht, weil er sich selbst so sehr verletzt. Was ich tat. Psychisch und Physisch. Meine Verletzungen versteckte ich gut, weihte nur Bryce ein. Nicht mal Maddox wusste davon, oder sah es. Und wenn er es sah, dann sprach er es nie an. Ich war Trouble für ihn. Die Personifizierung von Ärger und Chaos. Und dann gab es noch James, der sich wirklich Mühe gab. Der mir zeigte wie man boxte, etwas das er in seiner Jugend in London getan hatte. Er gab dieses Wissen an mich weiter, in der Hoffnung es würde mein Ventil werden. Doch das wurde es nicht. Ich wurde nur besser darin im Kampf gegen andere zu siegen. Auch Eliza war auf ihre Art und Weise für mich da. Sie wusste nicht was sie tun sollte, oder gar tun konnte. Also tat sie das, was sie ausrichten konnte. Sprich, meine Verletzungen und Schnitte versorgen und mich an schweren Tagen dazu bringen etwas zu essen.

Tja, und dann ging ich zu weit.

Ich hatte schon immer einen Drang zum Dramatischen. Wirklich, Dramatik steht mir gut und ich weiß sie zu tragen. Ich ging schon oft zu weit, überschritt Grenzen und verschob sie. Und mit 15 dachte ich nichts und niemand könnte mir mehr etwas anhaben. Ha, als ob. Wenn du wüstest kleiner Jacky. Aber lasst ihn selbst diese Erfahrung machen.

Es war an einem warmen Herbst Tag im September. Ein stinknormaler Samstag im Hause Whitley. Romain war nicht da. Bryce ebenfalls nicht. Er begleitet unseren Vater bei einer Firmen internen wichtigen Sache. James, als treuer Butler, hatte sie gefahren. Nur Chrishell und ich waren im Haus. Und zufällig zur gleichen Zeit am selben Ort. Der Küche. Sie hatte wie so oft schlechte Laune. Vielleicht weil der Friseur ihre Frisur versaut hatte. Vielleicht weil mein Vater sie mal wieder betrogen hatte. Vielleicht hatte sie auch einfach schlecht geschlafen. Jedenfalls war sie wie immer herzallerliebst gemein zu mir.

„Du stinkst erbärmlich nach dieser Droge“, mit diesen Worten begrüßte sie mich als ich barfuß in die Küche tapste. Allein diese Worte ließen mich überlegen direkt wieder umzudrehen. Doch ich hatte Hunger und ging ohne etwas zu sagen an ihr vorbei zum Küchenschrank. Ich wollte mir eine Packung Lucky Charm nehmen und verschwinden. Doch sie ließ mich nicht. Ihr schnauben klang abfällig.

„Wie deine nutzlose Mutter. Ein Junkie. Und das in meinem Haus“ Worte die mich kurz innehalten ließen. Wenn sie so von meiner Mom sprach, triggerte sie jedes verdammte Mal etwas in mir. Ließ mich erstarren und entfachte die Wut, die ich mit „dieser erbärmlichen Droge“ ersticken wollte.

„Red nicht so über sie“, meine Stimme war leise und zitterte leicht vor unterdrückter Wut. Ich wollte doch nur was essen. Warum musste sie jedes Mal Salz in eine meiner unzähligen Wunden reiben.

„Ich kann über diese Schlampe reden wie ich will. Immerhin betörte sie meinen Ehemann und hat dich geschickt, um unsere Familie zu zerstören“, sprach sie und kaum erreichten ihre abfälligen Worte meine Ohren hielt ich erneut inne. Meine Hand krampfte sich um die Packung Cornflakes die ich aus dem Schrank ziehen wollte und ich drehte mich zu ihr um. Verletzt, wütend und... bittend sie würde aufhören. Chrishell betrachtete mich abfällig, die perfekt manikürten Nägel um ihre Tasse Kaffee gelegt.

„Mag sein das Romain einen Fehler gemacht hat. Doch es ist meine Aufgabe als seine Frau diesen Fehler zu korrigieren“, rief sie mir ins Gedächtnis und auf ihren Lippen breitete sich ein süffisantes Lächeln aus. Sie sah meinen Schmerz und er gefiel ihr. All ihren Hass auf meine Mutter projizierte sie auf mich.

„Du machst nur Probleme. Deine emotionalen Ausbrüche sind peinlich und ich weiß nicht wie lange das noch tragbar ist“, reizte sie mich. Im Nachhinein bin ich fest davon überzeugt, dass sie bereits einen Plan verfolgte und nur noch der letzte Tropfen fehlte. Nur fiel dieser heftiger aus als sie dachte.

Plötzlich löste ich meine verkrampfte Hand um die Packung Cornflakes. Welche auf den weißen Marmorboden fiel und dessen bunter Inhalt sich auf den Fliesen verteilte.

„Wie lange das noch tragbar ist? Als hätte ich es mir ausgesucht hier zu sein“, fuhr ich sie an und fuhr mir mit den Fingern durch die Haare, ehe ich sie leicht in meinen weichen Strähnen vergrub und an ihnen zog. Chrishell machte mich wahnsinnig. All ihre Kommentare über die Jahre. Alles.

„Ach sieh dich doch an, Jack. Wie die Mutter. Es ist nur eine Frage der Zeit. Romain sieht es nur noch nicht und Bryce schützt dich“, seufzte sie und machte eine wegwerfende Handbewegung. Und genau da knallte eine Sicherung bei mir durch. Einfach so. (Wenn ich mich so daran erinnere fühle ich immer noch die brennende Wut von damals. Ob sie wohl je verschwindet?)

Ich kam auf sie zu. Nicht bösartig, aber für Chrishell schien es bedrohlich zu sein. Den sie ging einige Schritte rückwärts und ließ vor Schreck ihre Tasse Kaffee fallen. Die mit einem lauten Klirren auf dem Marmorboden zersprang.

„Ich bin also wie meine Mom? Du kanntest sie nicht mal. Weißt nichts über sie“, fuhr ich sie an und schüttelte verständnislos meinen Kopf. In diesem Moment wollte ich ihr nicht wehtun, ich wollte sie erschrecken. War verzweifelt und gefangen in den Gefühlen mit denen niemand mir richtig half. Es war eine komplette Kurzschlussreaktion, als ich mich auf den Boden hockte und eine der größeren Glasscherben vom Boden aufhob. Den Chrishell trank ihren Kaffee immer aus einer Glastasse. Sah moderner und cleaner aus. Ich wischte die Reste des Kaffees an meiner Hose ab und erhob mich wieder. Stand direkt vor ihr. Sah in ihre vor Schreck weit aufgerissenen Augen.

„Wenn ich wie meine Mom bin, dann wirf mich doch raus“, als ich sprach fühlte es sich an, als wäre ich jemand anderes. Als würde ich mich selbst von außerhalb beobachten und zusehen was dieser Typ tat, der wie ich aussah. Er, ich, hielt die Scherbe an meine Handfläche. Sah ihr dabei fest in die Augen.

„Aber das kannst du nicht. Weil du nichts zu sagen hast. Muss scheiße sein, so in deiner Haut“, raunte ich spöttisch, während ich die Scherbe ohne mit der Wimper zu zucken über meine Handfläche zog. Mir in die Haut schnitt, nicht tief genug das es bedrohlich war. Doch es blutet augenblicklich und muss in diesem Moment für Chrishell unfassbar bedrohlich ausgesehen haben. Den sie sagte kein einziges Wort. Die Frau war vor Schreck erstarrt und starre auf das rote Blut, dass über meine Hand lief und auf den Boden tropfte.

„Jetzt bin ich wie meine Mom, hm“, spottete ich und zog einen weiteren Schnitt nahe meines Handgelenkes. Mom hatte sich mit zwei tiefen Schnitten an den Handgelenken, den Pulsadern, umgebracht. Als Chrishells Blick auf mein Handgelenk wanderte und den überraschend tiefen Schnitt sah, erblasste sie noch etwas mehr. Sie schubste mich zur Seite und rannte. Sie rannte auf ihren viel zu hohen Highheels vor mir davon. Ließ mich mit dem Chaos das ich angerichtet hatte allein in der Küche zurück.

Einen Moment lang sah ich ihr nach. Bisher hatte ich den Schmerz durch das Adrenalin nicht gespürt. Doch jetzt brach er über mir zusammen. Das brennen meiner Wunden. Das emotionale Feuer. Ich sank auf den kalten Boden und ließ die blutige Scherbe fallen. Schlang die Arme um meine Beine und zog sie an mich. Heiße Tränen suchten ihren Weg über meine Wangen und mischten sich am Boden mit meinem Blut. Mit dem Kaffee von Chrishell. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich zu weit gegangen war. Das es Grenzen gab, die große Konsequenzen mit sich zogen. Das war der letzte verdammte Tropfen der fehlte um ihnen einen richtigen Grund zu geben mich „in professionelle Hilfe“ zu geben.

Es war Eliza, das Hausmädchen, die wenige Minuten später geschockt in die Küche gestürmt kam und sich um mich kümmerte. Die meine Wunden reinigte und verband. Die das Chaos beseitigte. Das alles ohne mir Vorwürfe zu machen. Sie war geschockt ja, aber sie kümmerte sich. Und dann brachte sie mich in mein Bett und machte mir eine heiße Schokolade. Setze sich zu mir und ließ ruhige Musik laufen. Vielleicht war sie in dem Moment die Einzige, die erkannt hatte das ich gerade einen verdammten emotionalen Zusammenbruch hatte. Den Romain würde es nicht als solchen ansehen. Nicht nachdem was Chrishell ihm erzählte. Und Bryce? Der verbrachte mittlerweile zu viel Zeit in der Nähe unseres Vaters. Er stand zwischen den Stühlen, war irgendwie auf meiner Seite und dennoch war er zu geschockt darüber als das er es ertragen konnte. Vielleicht war das der erste Moment, in dem mein Bruder verstand das ich zu kaputt für seine Welt war. Dabei hätte ich ihn jetzt mehr den je gebraucht.

Fuck, ich hatte ihn wirklich gebraucht. Aber keiner hatte Erbarmen mit einem Verbrecher.

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