Is it real, am I going insane?
Is it real, am I going insane?
Wenn ihr an eine psychiatrische Klinik denkt, was habt ihr da für ein Bild vor Augen. Ich frage dies, weil ich weiß wie sehr sich die Realität von Filmen unterscheiden kann. Was für ein Bild von diesen Orten vermittelt wurde und teilweise noch vermittelt wird. Und vielleicht solltet ihr meine Erzählung auch nicht gerade, als Maßstab für so etwas nehmen. Den was mich von den meisten unterschied, die dort landen. Ich hatte mich weder dazu entschieden, noch ging es um mich. Es ging darum, die Realität meines Dads zu bestätigen und eine Ausrede zu haben warum sie versagten. Den sonst müssten sie sich eingestehen, dass SIE große Schuld an meinem Zustand hatten. Oh, wie würde das nur in das perfekte Bild der Whitleys passen?
Eben.
Gar nicht.
Naja, was soll ich sagen. Nach meinem „Angriff“ auf Chrishell, der gar keiner gewesen war, ging alles verdammt schnell. Romain sah sich in der Pflicht zu Handeln und seine Familie zu schützen. Chrishell tat alles dafür Mitleid zu bekommen und mich schlecht dastehen zu lassen. Und Bryce? Mein schützender Bruder, stand zwischen den Stühlen. Er sorgte sich um mich, verstand allerdings nicht die gesamte komplexe Situation. Zum Teil auch, weil Mommy und Daddy ihm befielen sich von mir fernzuhalten. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits zu viel Zeit mit unserem Vater verbracht und vieles von ihm unterbewusst übernommen. Und in unserer Beziehung hatte es immer häufiger gekrieselt. Er stand nicht mehr ohne wenn und aber hinter mir. Er sah mein Benehmen kritisch, nur sah er leider nicht weiter. Oder er traute es sich nicht mehr. Vielleicht weil unser Vater ihm sehr deutlich klar gemacht hatte in was für einer Welt ER lebte. Was ER einmal übernehmen sollte und was das alles bedeutete. Klar das Bryce seine strahlende Zukunft nicht für einen Bruder wegwerfen wollte, den er nicht so lange kannte wie sein Erbe. Tja, so sieht die harte Realität eben aus.
Es dauerte keine Woche ehe Romain „den richtigen Platz“ für mich gefunden hatte. Kontakte und Geld schienen alles zu regeln, den andere Menschen in diesem Land warteten ihr gesamtes Leben lang auf so einen „richtigen Platz“. In der gesamten Woche ging es mir miserabel. Körperlich und psychisch. Ich war im Grunde erneut in meinem Zimmer eingesperrt. Sollte den Kontakt zu anderen meiden. Normal hätte ich diese Anweisung längst ignoriert und hätte mein Ding durchgezogen. Nur ging es mir so mies, dass ich einfach im Bett blieb. Nicht fähig war groß aufzustehen. So hatte sich meine Mom also an vielen Tagen in ihrem Leben gefühlt. Wenigstens verstand ich sie jetzt ein wenig besser. Maddox erkundigte sich nach mir, jedenfalls hatte Eliza mir das erzählt. Die einzige Person die Kontakt zu mir haben durfte. Doch Chrishell hatte ihm erzählt es ginge mir nicht gut. Womit er sich zufrieden gegeben hatte. Oder nach harken hatte nichts gebracht. Naja, ich hatte eh nicht die Kraft dazu mir auch noch dazu Gedanken zu machen.
Am meisten traf es mich, dass Bryce sich wirklich von mir fernhielt. Ich fühlte mich so unglaublich verraten von ihm. So verdammt allein gelassen, dass ich einfach aufgab. Er hatte all das hier erträglicher gemacht und jetzt war auch er weg. Im Nachhinein weiß ich, dass er mich ab und zu besucht hat. Nur schlief ich zu diesem Zeitpunkten immer. Ich schlief in dieser einen Woche so verdammt viel. Als Bryce mir diese Tatsache vor einigen Wochen erzählte musste ich erst mal heulen. Fuck, hätte das mein fünfzehnjähriges Ich nur gewusst. Aber er wusste es nicht.
Also zurück zu meiner Frage vom Anfang. Egal ob eure Vorstellung einer solchen Klinik düster und grau ist, oder lichtdurchflutet und steril. Das Gebäude in dem man mich wegsperrte war hell, lichtdurchflutet, mit langweiligen Landschaftsbildern gehangen und genau so ein zum Kotzen vor Geld strotzender Ort, wie das gesamte Leben der Whitleys. Die Klinik war natürlich besonders renommiert. Man wartete Monate, Jahre auf einen Platz. Außer man besaß das nötige Kleingeld und kannte sich untereinander. Den hey, natürlich kannte mein Dad einen der Chefärzte hier. Woher? Absolut keinen Plan. Wie man meinen Vater sympathisch finden kann, ist mir im übrigen ebenfalls ein Rätsel. An dem Mann ist nichts sympathisch.
Natürlich war es Romain persönlich der mich als „besorgter Vater“ hin fuhr. Chrishell hatte es nicht über sich gebracht mich zu verabschieden. Der Schock saß noch zu tief, oder sie hätte sich einfach nicht das zufriedene Grinsen verkneifen können. Wer weiß, vielleicht hätte mein Vater die ganze Geschichte die sie ihm aufgetischt hat ja hinterfragt, wenn er sie nicht geschockt weinend, sondern breit grinsend gesehen hätte. Das Chrishell sich nicht verabschiedete war mir im Grunde komplett gleichgültig. Doch das Bryce es nicht tat, oder tun konnte, dass saß. Romain hatte nämlich James aufgetragen an dem Tag mit Bryce weg zu fahren. Keine Ahnung welchen Grund sie hatten, oder was Romain Bryce erzählt hatte. Es war klar, dass er nicht wollte das Bryce sich verabschiedete und erneut Sympathie für mich entwickelte. Den wie wir alle wissen, stören Gefühle nur in der Welt von Romain Whitley.
Ich war müde, erschöpft und fühlte mich komplett leer, als wir an diesem grauen Morgen ins Auto stiegen. Immerhin hatte er mich dazu gezwungen zu duschen. Was mir unglaublich schwer gefallen war. Den meine Glieder fühlten sich tonnenschwer an, mein Kopf so als wäre kein Hirn sondern Watte in ihm. Und wieder fühlte es sich an, als würde ich aus einem sicheren Umfeld gerissen werden. Mit nichts weiter als einer Sporttasche als Gepäck und in einen gemütlichen Hoodie gehüllt, saß ich also erneut im Auto meines Vaters. Mittlerweile hatte ich mich an die schweigenden Fahrten gewöhnt. Wollte sie sogar, den ich hatte absolut keine Kraft mich mit ihm zu unterhalten. Nur war heute einer dieser verfluchten Tage, an denen er mit mir sprechen wollte. Keine Ahnung warum es unbedingt heute sein musste. Er konnte unmöglich ein schlechtes Gewissen wegen der ganzen Sache haben. Oder?
Jedenfalls atmete er laut aus, als wir auf dem Highway angekommen waren. Die Klinik lag etwas außerhalb von L.A. ca. 1 Stunde Fahrt entfernt.
„Jack, ich bin mir sicher das man dir dort helfen kann“, begann er, in einem für ihn untypischen Tonfall. Ergo, nicht ganz eiskalt. Träge drehte ich meinen Kopf zu ihm, ersparte mir allerdings die Worte. Den wie sollten sie mir da jetzt bitte helfen?
„Es ist eine sehr gute Klinik. Ich kenne Dr. Strange schon lange und er kann wahre Wunder bewirken“, sprach er weiter. Nur kamen seine Worte wie träger Schleim in meinem Kopf an. Warum sagte er solche Dinge. Er wollte mich los werden. Dafür zahlte er verdammt viel Geld. Also warum sprach er von Wunder und helfen?
(Wenn ich mittlerweile über diesen Moment mit meinem Vater nachdenke, mit dem Wissen das ich noch bekommen würde, dann denke ich wollte er mir in diesem Moment tatsächlich helfen. Auf die eine Art, die er konnte. Mit Geld. Vielleicht weil er meiner Mutter nie helfen konnte. Vielleicht weil ich ihr so verdammt ähnlich sah, ihr charakterlich ähnlich war. Den fuck, mein Vater hatte meine Mutter wirklich mal geliebt. Und der Schmerz ihres Verlustes, das Wissen, dass aus ihnen eh nie etwas geworden wäre, dass setzte ihm zu. Und der Mann wusste von Tag eins an, dass er es nicht aushielt mich nahe bei sich zu haben. Also schob er mich so weit von sich, wie er nur konnte. Weil er es nicht ertrug. Tragisch, aber realistisch gesehen... eine egoistische Tat.)
Den Rest der Fahrt habe ich nur als verschwommene Masse in Erinnerung. Ich war zu müde um mir irgendetwas einzuprägen. Ich weiß noch wie wir ankamen und ausstiegen. Wie der viel zu weiße Kies unter meinen Schuhen knirschte, der Wind in den Blättern all der Bäume rauschte und ich mich fragte wieso zur Hölle ich nicht einfach wegrannte. Achja, ich war zu müde dafür. Das ich meine Sporttasche tragen konnte glich schon einem Wunder. Und dann betraten wir dieses moderne, freundliche und zum kotzen helle Gebäude. Fuck, ich wollte so wie ich mich grad fühlte lieber in einen grauen und düsteren Bunker verschwinden, anstatt mir Bilder von Stränden an einer freundlich Beigen Wand anzusehen. Aber naja, hier gings ja wie schon gesagt nicht um mich. An das Gespräch mit meinem Dad und Dr. Strange in seinem edlen Büro erinnere ich mich nicht mehr. Ich weiß nur noch das ich schweigend auf meinem Sessel saß und meine Hände in den langen Ärmeln meines Hoodies vergraben hatte. Es spielte eh keine Rolle was ich sagte. Mein Schicksal war besiegelt. Romains Worte würden eh mehr Gewicht haben als meine eigenen. Also warum die Mühe? Niemand hört einem Verrückten wirklich zu. Etwas das ich hier lernen würde und das mich lange begleiten würde. Solange bis mein verrückter Seelenverwandter mir diese Meinung entreißen würde und sie in Grund und Boden stampfen würde. Aber an diesem Punkt sind wir noch nicht angekommen.
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Richmond, die Hauptstadt von Virginia gehört zu den ältesten großen Städten von Amerika. Wusstet ihr das? Ich auch nicht. Erst als Hanako diesen Fakt im Bus droppte erfuhr ich davon. Die Frau liebte das Reisen und sie liebte Fakten zu den Städten zu denen wir reisten. Wie Jerry. Der hatte auch immer Reiseführer studiert und sich gefreut wenn etwas mit Autos vorkam. Der Nürburgring in Deutschland gehört somit immer noch zu seinen Favoriten. Dort bei Rock am Ring zu spielen war eine so verdammt große Ehre. Würden wir im übrigen immer wieder tun. Aber ich schweife ab. Hier geht’s um Richmond in Virginia. Hier hatten wir eine weitere unglaubliche Show gespielt und hatten zudem das Privileg noch einen weiteren Tag in der Stadt verbringen zu dürfen. Als kurze Pause. Als Belohnung. Zum Luftholen.
Also gestaltete jeder den Tag ein wenig für sich. Hardin zum Beispiel damit auszuschlafen. Gale damit einfach am Pool des Hotels zu entspannen. Hanako und Sebastian wollten die Stadt erkunden und zusammen Essen gehen. Ergo hatten die beiden ein Date und einfach mal Zeit nur für sich. Etwas das wohl besonders Hanako brauchte, die es zwar nicht störte nur unter Männern zu sein, aber dennoch. Manchmal scheinen Frauen das wohl einfach mal zu brauchen. Dave war froh über den freien Tag, den er in Ruhe mit Arbeit verbringen konnte. Und was taten Nait und ich? Wir hatten uns ebenfalls dazu entschieden die Stadt zu erkunden. Allerdings nicht ganz allein, sondern im Schlepptau mit Johnny, der zum einen auch gern die Stadt sah und zum anderen ein Auge auf uns hatte. Sicher ist sicher, auch wenn ich nichts befürchtete. Uns störte es allerdings auch nicht.
Aktuell saßen wir zu dritt in einem altmodisch angehauchten Café und ließen uns Cupcakes und Kaffee schmecken. Mein Handy lehnte dabei am Serviettenspender, sodass die Kamera mich gut einfing. Nait legte fragend den Kopf schief, als er mich dabei beobachtete und sich wohl fragte was das schon wieder werden sollte. Johnny hingegen schmunzelte nur vor sich hin. Doch schon im nächsten Moment lachte Nait laut auf, den ich startete einen Videoanruf mit unserer Haushälterin Mrs. Martha Hudson. Die wenige Augenblicke später abnahm.
„Jack, was soll diese Störung zur Teezeit?“, begrüßte mich die ältere Frau auf ihre typische Art und Weise. Ein wenig genervt, aber gleichzeitig auch warm und ein wenig mütterlich.
„Martha“, begrüßte ich sie breit grinsend.
„Ach ich wollte nur fragen wie es Bel und Amy geht“, kam ich direkt zum Grund meines Anrufes. Absurd, aber ich vermisste meine Samtpfoten seit heute Morgen irgendwie sehr. Vielleicht weil ich innerlich sehr aufgewühlt war. Nicht wegen den Auftritten, die retteten mir komplett den Arsch. Eher wegen den letzten Kapiteln die ich nachts geschrieben hatte und von denen ich Nait noch erzählen musste. Nur nicht jetzt.
Mrs. Hudson seufzte belustigt auf und stellte ihre Tasse Tee zurück auf den Tisch.
„Oh den geht es sehr gut. Sie scheinen meine dauerhafte Anwesenheit zu genießen. Amy liebt es mit meinen Wollknäueln zu spielen und Bel schläft auf meiner Rheumadecke“, scherzte sie. Was mich herzlich zum Lachen brachte. Den auch wenn Mrs. Hudson schon über 60 Jahre alt war, so war sie keine typische alte Frau.
„Schon klar. Ich dachte Stricken sei etwas für alte Schachteln. Machst du nicht lieber Kreuzworträtsel?“, neckte ich sie.
„Die sind wichtig um fit im Kopf zu bleiben“, stimmte Johnny mir zu und lehnte sich kurz ins Bild, um die alte Dame mit einem Lächeln zu begrüßen.
„Wie Recht sie haben Johnny. Ich muss fit bleiben“, stimmte sie ihm zu, wechselte dann allerdings wieder das Thema.
„Den Katzen geht es wirklich gut. Amy trinkt gut und ist putz munter. Und Bel ebenfalls. Er scheint euch zu vermissen den er schläft oft in eurem Bett. Aber mach dir keine Sorgen Jack, ihr seit ja bald zurück“, beschwichtigte sie mich. Ich wusste das beide Katzen bei ihr in guten Händen waren und Mrs Hudson nichts dagegen hatte solange wir nicht da waren, bei uns zu Hause aufzupassen. Ohne sie wären schon Coby und ich kläglich eingegangen.