Can't drink, can't drug, can't drown'em away
Can't drink, can't drug, can't drown'em away
Egal wie viele Menschen sich gleichzeitig an einem Ort befinden können. Egal von wie vielen Menschen man umgeben sein kann, man kann sich dennoch einsam fühlen. Vielleicht hätte es mir damals geholfen mir ein Zimmer mit jemand anderem zu teilen. Dann wäre ich gezwungenermaßen nicht allein. Aber das gab es hier nicht. Hier hatte jeder ein Einzelzimmer und ich wurde somit weiter zur Einsamkeit gezwungen. An diesem Ort gab es kein Gras das mich von meinen Gedanken und Gefühlen ablenkte. Ich konnte meinen Gedanken kaum entkommen, schlimmer als zuvor. Ehrlich gesagt fühlte ich mich so kraftlos, dass ich nicht mal groß Kraft hatte zu trinken. Zum Glück hatte Eliza mir Bryce Ipod und meine Kopfhörer eingesteckt. Den hier hatte ich wirklich nichts weiter als Musik.
Nachdem mein Vater mich hier abgegeben hatte wurde mir kurz alles gezeigt. An viel erinnere ich mich nicht, den ich passte nicht wirklich auf. Wollte eigentlich nur endlich meine Ruhe haben und wieder in ein Bett. Ich weiß aber noch, dass die typischen Gemeinschaftsräume dabei waren. Nur edler und schicker als normal. Und nach 30 Minuten oder so, zeigten sie mir endlich mein Zimmer in das ich mich zurückziehen konnte. Sie sagten zwar was von Mittagessen um 13 Uhr, aber naja, ich hatte keinen Appetit also auch keine Lust da aufzutauchen. Das Dr. Strange von Anwesenheitspflicht sprach war mir genau so egal wie die Farbe der Bettwäsche. (Ich glaube sie hatte ein Jahreszeit angepasstes helles Orange oder so.)
Kaum hatte sich die Tür zu meinem Zimmer geschlossen, stellte ich meine Sporttasche auf den Boden und schlurfte zum Bett. Es fühlte sich an, als hätte ich erneut einen absoluten Tiefpunkt in meinem Leben erreicht. Wieder allein. Wieder abgeschoben. Also tat ich das Einzige zu dem ich aktuell in der Lage war. Ich verkroch mich mit dem Ipod in meinem Bett, zog die Decke über meinen Kopf und hörte Musik. Damals wollte ich nicht zugeben wie sehr mit Bryce Schutz und bloße Anwesenheit fehlte, aber fuck er fehlte mir. Gleichzeitig war ich davon überzeugt, dass ich diese Strafe hier verdient hatte. Eingesperrt zwischen Menschen die genau so irre waren wie ich. Zu kaputt waren für die normale Gesellschaft. Ich weiß, ich weiß, dass hier war ein Ort um Menschen wie mir zu helfen. Aber es fühlte sich kein Stück so an und würde sich nie so anfühlen. Irgendwann war ich in einen tiefen Schlaf gesunken. So verschlief ich das Mittagessen und wahrscheinlich auch das Abendessen. So genau wusste ich es nicht mal. Geweckt wurde ich jedenfalls plötzlich von einer lauten Stimme. Wahrscheinlich sprach die Pflegerin in ganz normaler Lautstärke, aber für mich war es unerträglich laut.
„Mr. Napier sie haben die Mahlzeiten verschlafen“, tadelte mich die resolut wirkende Frau in ihren Vierzigern. Meine Kopfhörer waren beim Schlafen aus meinen Ohren gerutscht, sodass ich sie klar und deutlich hören konnte. Nur wollte ich sie nicht hören. Ich zog meine Decke wieder über meinen Kopf und rollte mich zusammen.
„Jack, nicht Mr. Napier“, murrte ich zurück und es war ein Wunder, dass sie mich durch die Decke überhaupt hörte.
„Nun gut, Jack“, fing sie, zu meinem Leidwesen, erneut an zu sprechen.
„Ich bringe ihnen ausnahmsweise das Abendessen aufs Zimmer. Immerhin ist das ihr erster Tag. Ab Morgen haben sie zu den Mahlzeiten zu erscheinen“, sprach sie und entlockte mir ein genervtes Stöhnen. Ich hatte keine Lust mehr auf Regeln, auf diese erdrückende Struktur dieser Elite. Jaja, es sollte mir Halt geben, Sicherheit und eben diese ach so wichtige Struktur. Aber ich wollte sie nicht. Ich wollte nur meine Verdammte Ruhe und meine Freiheit zurück. (Bis heute sind Struktur und ich im hm, ewigen Streit. Es ist eine Hassliebe bei uns. Irgendwie brauche ich so was wie Struktur in meinem Leben, sonst drehe ich irgendwann durch. Und gleichzeitig halte ich sie kaum aus. Fühle mich erdrückt von ihr und komme auch ohne sie gut zurecht. Ich sag ja Hassliebe.)
Das Abendessen, bestehend aus Rührei und Brötchen, rührte ich weder am Abend noch am nächsten Morgen an. Ich blieb einfach in meinem Bett liegen. Bis am Morgen jemand in mein Zimmer kam und die Vorhänge, die ich gestern schon fest zugezogen hatte, aufriss und das helle Licht des Morgens hinein ließ.
„Guten Morgen, die Sonne scheint. Zeit zum aufstehen, Zähne putzen und Duschen“, dröhnte mir eine viel zu laute Stimme im Ohr. Ich wollte nicht aufstehen, ich wollte nicht unter die Dusche. Ich wollte einfach nur im Bett bleiben. Also zog ich mir erneut die Decke über den Kopf und vergrub mich in ihr. Allerdings nur so lange bis sie mir gewaltsam vom Kopf gerissen wurde und ich ohne den Schutz meiner Decke im Bett lag. Meinen Kopf auf meinem Plüschtiger, den Eliza mir ebenfalls wohlwollend mit in die Tasche gesteckt hatte. Ein klein bisschen Heimat an diesem fremden Ort.
„Karen hatte Recht, da hilft nur Decke wegziehen und dran bleiben“, stellte der junge Mann belustigt fest, der mich in seiner weißen Uniform betrachtete.
„Verpiss dich und lass mich in Ruhe“, knurrte ich dem schwarz Haarigen entgegen und richtete mich etwas auf, um nach meiner Decke zu greifen, die er allerdings nur weiter von mir weg hielt.
„Nein, ich werde dafür bezahlt dir auf den Sack zu gehen. Also entweder du stehst freiwillig auf und gehst duschen, oder ich trag dich unter die Dusche. Aber dann ist das Wasser auch eiskalt“, stellte er direkt klar. Wenig beeindruckt von der Drohung murrte ich ein paar üble Schimpfworte und rollte mich einfach wieder zusammen. Sie würden mich doch nicht wirklich so behandeln oder? Ich gehörte doch jetzt zu dieser reichen Elite, dessen Füße man küssen sollte
Yeah, doch sie taten es. Weil mein liebevoller Vater Dr. Strange die schriftliche Zusage gegeben hatte zu tun was nötig war. Weil er dafür scheiße viel Geld zahlte und weil er die Elite war und ich... naja, ich eben war, wer ich schon immer gewesen war. Ich fluchte immer noch vor mich hin, als der Typ plötzlich seine Arme um mich schlang und mich einfach aus dem Bett hob. Überrascht davon erstarrte ich im ersten Moment komplett. Hing wie ein Sack Mehr über seiner Schulter. Tjy, er war stark und ich wog zu diesem Zeitpunkt wirklich nicht viel. Sprich, hatte er keine Probleme damit mich tatsächlich ins angrenzende Bad zu tragen.
„Lass mich runter?“, jammerte ich verzweifelt und trommelte auf seinen Rücken. Was ihn kaum störte.
„Erst in der Dusche“, stellte er klar und ließ mich im nächsten Moment tatsächlich runter. In der offenen Glasdusche. Dann trag er einen Schritt zurück und machte seine Drohung wahr. Er stellte die Dusche auf Eiskalt und machte sie an. Ich war so geschockt darüber, dass ich nicht mal zusammenzuckte als mich das eiskalte Wasser traf. Binnen von Sekunden meine Kleidung durchnässte und mich frösteln ließ. Doch als der Schock erst mal richtig bei mir angekommen war sank ich in mir zusammen und kauerte mich auf dem Boden der Dusche zusammen. Ließ es einfach über mich ergehen, während ich meine Arme um meine Knie schlang und meinen Kopf auf ihnen ablegte. Ich hatte eh keine Kraft mich groß zu wehren.
Ich musste alles in allem verdammt bemitleidenswert ausgesehen haben. Den der Typ hockte sich zu mir und machte das Wasser gnädigerweise aus.
„Ich bin übrigens Jax, Kurzform von Jaxton. Also sind wir beide Namensbrüder“, stellte er sich vor. Leicht hob ich meinen Kopf an und starrte ihn an. Meine Haare hingen mir nass ins Gesicht und hinterließen Tropfen auf meiner Haut. Doch ich sagte nichts dazu. Ich brauchte all meine Kraft um jetzt nicht zu heulen. Was absurd war, den gleichzeitig fühlte ich mich unglaublich leer. Jax seufzte leise auf und erhob sich wieder, um ein Handtuch zu nehmen. Er legte es auf meinen Kopf und begann damit meine Haare abzutrocknen.
„Du bist teilnahmsloser als ich dachte. Jedenfalls bei dem was Dr. Strange über dich erzählt hat. Weißt du, während deiner Zeit hier hast du eine Vertrauensperson an deiner Seite, die dich unterstützt. Außerhalb der Ärzte versteht sich. Bei dir hab ich das übernommen. Also wenn du was brauchst, was nicht okay ist oder sonst etwas, dann wende dich an mich“, erklärte mir der junge Mann Mitte Zwanzig, während er meine Haare abtrocknete.
„Ich bin noch recht neu hier“, sprach er dann weiter und legte mir ein weiteres Handtuch um die Schultern, wickelte mich darin ein.
„Und du noch recht jung. Aber ich denke das wird noch werden“, lächelte er und hielt mir seine Hand hin, um mir aufzuhelfen. Mein Blick wanderte langsam von seinem Gesicht, mit dem Freundlichen Lächeln und dem kleinen silbernen Ring an der Lippe, zu seiner Hand. Doch ich ergriff sie nicht. Mir fehlte die Kraft und der Wille dazu.
„Verstehe“, murmelte Jax daraufhin und fuhr sich mit den Fingern durch die kurzen Haare, ehe er mich einfach wieder hoch hob. Mich in der Dusche zu lassen war also keine Option für ihn.
„Ich bin noch Student weißt du und mach das hier als Nebenjob. Ich studiere Psychologie und Chemie“, weihte er mich ein. Was mich nicht weniger hätte interessieren können. Wobei mir dieser Typ im Laufe meiner Zeit hier viel zu viel über seine beiden Fächer beibringen würde. Den er war eigentlich ein ziemlicher Nerd, fasziniert von Drogen und Medikamenten. Von ihrer Wirkung und ihren Einsatzgebieten. Er meinte es nie böse, konnte nicht wissen was er mir mit seinem Wissen für Fluch und Segen zu gleich sein würde. Tja seine Faszination und Dr. Strange Einsatz von Medikamenten war bei mir ist so ziemlich der Grundstein für meine spätere Sucht.
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Wisst ihr was ich wirklich an den USA liebe? (Ich weiß, ich weiß, es gibt auch zur Zeit zu hassen bei uns, aber darum geht’s nicht okay?) Ich liebe daran, dass es überall coole Orte gibt. Das irgendwo immer jemand die geniale Idee hatte etwas zu tun, was noch keiner getan hat und sich dachte „Yes, DAS genau DAS setz ich jetzt in die Tat um“ und dann tun sie es. So kommt es zum einen dazu, dass dieses Land gefüllt ist mit coolen und einzigartigen Orten und wir gleichzeitig Attraktionen haben wie „Das größte Garnknäuel der Welt“, oder „Ein Gebäude in Form eines Korbes“. Wir waren auf dem letzten Stopp unserer kleinen Tour. Zum einen freute ich mich wieder auf mein zu Hause, doch zum anderen, würde ich damit auch meine erstklassige Ablenkung verlieren. Eine die ich gerade wirklich brauchte. Und auch wenn es schwer gewesen war, hatte ich Nait im Bus auf der Fahrt nach Charlotte, eine Großstadt in North Carolina, mein letztes Kapitel gezeigt. Hatte es ihn lesen lassen, während wir gemeinsam über meine Kopfhörer Musik gehört hatten. Ein Ritual, dass mir Halt gab. Seine Mimik hatte sich während des Lesens immer wieder geändert. Mitfühlend, überrascht, traurig und an der Stelle an der Jax mich unter die Dusche gestellt hatte, hatte er tatsächlich gelacht. Doch wir hatten noch nicht wirklich drüber gesprochen. Vielleicht weil wir im Bus mit all den anderen waren, vielleicht aber auch weil Nait die Sorge hatte das ein Gespräch mich fertig machen würde und ich dann nicht mehr in der Lage sein würde heute Abend aufzutreten. In einer wirklich coolen Location.
Den irgendjemand hatte die Idee gehabt eine verlassene U-Bahn Station zu einer Konzertlocation umzubauen. Und fuck, ich liebte alles an dieser Idee. Es gab keine klassische Bühne und wir wären direkt am Publikum, wären ein Teil davon. Spielten mitten zwischen ihnen und der Sound war der Hammer. Hallender als normal, einfach etwas besonderes. Dave und ich waren uns direkt einig gewesen, dass Showbiz dort spielen musste. Vor einer kleineren Menge als bei den anderen Konzerten, aber hier ging es um Spaß und Musik und nicht um Geld. Michael war erst etwas skeptisch gewesen, doch als Dave anschnitt was es für eine perfekte Kulisse für eine Live Aufnahme des Konzertes war, hatten wir ihn. Vielleicht auch ein wenig, weil ich kreative Narrenfreiheit bei unserem Manager hatte. Die hatte ich mir wirklich hart erarbeitet und verdient!
Also war es beschlossene Sache wir würden dort spielen und das ganze Filmen. Auch alle anderen waren direkt Feuer und Flamme für die Idee gewesen. Und jetzt standen wir mit all unserem Zeug hier in dem alten Tunnel und sahen uns um. Bestaunten die Grafits an den Wänden, die teilweise mit Farbe gesprüht waren die im Schwarzlicht des Tunnels leuchtete. Ergo, sah es verdammt cool aus. Und das geschäftige Wuseln und Arbeiten um mich herum lenkte mich fast so gut von all meinen Gedanken ab, wie Nait es tat. Welcher aktuell neben mir auf dem Boden saß, mit dem Rücken, so wie ich, an die Wand gelehnt und der Crew beim aufbauen zusah. Ein angenehmes Schweigen lag zwischen uns während Nait die Crew beobachtete und ich ein paar Nachrichten auf meinem Handy tippte. Meinen Kopf dabei an seine Schulter gelehnt hatte. Und genau dabei kam mir ein Gedanke. Okay Gedanke war zu viel des guten. Sagen wir mal, es war ein Impuls. Und genau diesem Impuls ging ich direkt nach und machte still und heimlich ein Selfie von mir und Nait in dieser Position. Welches ich tatsächlich ohne große Erklärung postete. Darunter stand einfach nur:
„Recharge energy for to night ♥“
Nait und ich. Wer es sehen wollte sah es und wer blind dafür sein wollte, der sollte wegsehen. Aber ich hatte nicht vor meine Beziehung zu Nait zu verheimlichen. Vielleicht würde ich es erst mal tatsächlich so handhaben wie mit Coby. Einfach leben und aufs Bauchgefühl achten und das sagte mir gerade, dass ich diesen Moment zwischen mir und Nait mit allen teilen sollte.