Birds flyin' high, you know how I feel
Birds flyin' high, you know how I feel
Wir waren wieder in L.A. oder naja fast. Das Flugzeug landete gerade. Ich hatte die Nacht und meine kleine Krise dank Dave überstanden und saß wieder neben Nait der sich müde die Augen rieb. Danach landete sein Kopf mit einem gequälten Stöhnen an meiner Schulter.
„Ach man, ich hab doch Kopfschmerzen. Ich vertrag echt nichts“, jammerte er und rieb sich die Schläfe.
„Schade eigentlich, betrunken bist du echt niedlich. Und hattest den Mut mich vor hunderten Menschen, in einem Live Video zu küssen“, neckte ich ihn und erinnerte ihn somit an seine Aktion. Die ihm verdammt unangenehm war. Doch gleichzeitig huschte ein kleines Lächeln über seine Lippen. Er hatte noch nichts von meinem Mentalen Breakdown in der Nacht mitbekommen. Was erst mal so bleiben sollte. Wenigstens bis wir zu Hause waren.
„Sorry ich hatte eigentlich nicht vor uns...“, wollte er sich doch tatsächlich dafür entschuldigen. Schneller als er gucken konnte legte ich meine Hand über seinen Mund. Hinderte ihn somit daran weiter zu reden.
„Wehe du entschuldigst dich jetzt für das Highlight meines Abends“, tadelte ich ihn während wir landeten und Nait mich verblüfft ansah. Doch dann nickte er langsam und ich konnte das Lächeln unter meinen Fingern spüren, dass auf seinen Lippen lag.
„Ich meine, dass wurde eh schon vermutet und jeder der meint deswegen einen dummen Kommentar abzulassen wird von mir nieder diskutiert“, meinte ich grinsend und fügte noch hinzu:
„Und wenn das nicht hilft setzte ich unseren online Pitbull Ronnie auf sie an. Der bellt nicht der beißt direkt zu“, scherzte ich und jetzt lachte Nait wirklich. Tja, das Bild würde er wohl so schnell nicht wieder los werden.
„Das... okay ich versuche mir keine Gedanken zu machen“, versprach er mir dann.
♪
Noch am selben Abend stand ich vor einem kleinen Problem, oder eher der Frage, welche Baustelle ich zuerst anging. Nait meine letzten Kapitel zeigen und seinen Fragen standhalten, oder Jax antworten der tatsächlich auf meine Nachricht geantwortet hatte. (Eigentlich ziemlich dämlich von mir davon überrascht zu sein oder? Ich meine ich wollte ne Antwort von ihm und jetzt.. hatte ich eine und wusste nicht was ich tun soll. Versteh mich einer mal.)
Und weil ich so schnell keine Antwort auf diese Frage hatte, beschäftigte ich mich mit Bel und Amy. Spielte und kuschelte mit den Beiden und dachte darüber nach. Nur übersah ich dabei eine der wichtigsten Komponenten meines Problems. Naits Neugier und das Wissen, dass er ohne zu fragen an meinen Laptop ging und meine Kapitel las. Ich meine yeah, ich hab es ihm erlaubt. Wir haben lange drüber gesprochen und ich hatte ihm an die hundertmal gesagt das es wirklich okay für mich war. Also... tat er genau das. Er las noch am selben Abend meine neusten Kapitel.
Und als er mit diesem undefinierbaren fragenden Blick vor mir stand verkrampfte sich etwas in mir. Den ich wusste was ihm auf der Zunge lag, ehe er es überhaupt aussprach.
„Wir sollten wohl reden oder?“, stellte ich vorsichtig fest und mein Freund nickte langsam, als er sich zu mir setzte. Seine Hand wie von selbst anfing Amy zu kraulen. Er schien nach den richtigen Worten zu suchen. Die er nicht zu finden schien.
„Ich kann da noch nicht drüber sprechen“, fing ich plötzlich an, atmete tief ein und aus. Ich wollte mich vor diesem Gespräch drücken, wollte abhauen aber würde ich das tun, dann würde etwas bei mir und Nait Risse bekommen. Und zwar das Wertvollste das wir besaßen. Unser Vertrauen ineinander.
„Das... soll nicht zu einem Geheimnis werden über das wir nicht reden, oder von dem du nichts weißt..“, versuchte ich langsam und sah ihn vorsichtig an. Hoffte das er verstand.
„Kannst du warten bis ich so weit bin?“, fragte ich ihn vorsichtig und biss fest auf meine Lippe. Schmeckte mein eigenes Blut in meinem Mund. Nait ließ sich Zeit mit seiner Antwort, doch dann lehnte er sich an mich.
„Du forderst viel damit ein, aber ja ich warte bis du so weit bist“, sogar jetzt war seine Stimme warm vor Liebe und Vertrauen. (Wie hatte ich ihn noch mal verdient?)
„Ich weiß.. und ich weiß was du denkst und...“, doch weiter konnte ich nicht sprechen. Meine Stimme brach einfach ab.
„Ich weiß“, sagte er leise und traurig. Er schien mal wieder zwischen den Zeilen zu lesen. Schien es zu verstehen. Und kurz schwiegen wir einfach. Mit all dem ungesagten zwischen uns. Doch dann räusperte ich mich. Ich musste aus diesem Gefühl raus kommen, sonst würde ich wieder fallen.
„Ich hab Jax auf Insta gefunden und geschrieben. Um mich zu bedanken und zu verfluchen. Und dann hab ich ihn zum Kaffee eingeladen und weißt du was? Er hat geantwortet und ich weiß nicht was ich tun soll“, erzählte ich ihm dann einfach von meiner Misere. Ich musste unbedingt wieder mehr mit ihm reden. Nait sah mich kurz blinzelnd an. Wegen dem Themenwechsel und wegen meinen Worten. Und dann fing er plötzlich an zu Lachen.
„Das... dein ernst? Du schreibst ihm und bist überfordert wenn er antwortet? Jack das... was dachtest du passiert? Das er DICH ghostet? Jeder würde dir antworten“, lachte er und schüttelte über mich den Kopf.
„Nein im ernst ich hab nicht an die Option gedacht das er antwortet. Was soll ich den jetzt tun?“, fragte ich ihn lachend. Fuck, tat es gut mit ihm zu lachen.
„Du hast ihn zum Kaffee eingeladen, was denkst du solltest du dann tun, wenn er ja sagt? Hast du nachgesehen was er geschrieben hat?“, erkundigte er sich und musste bei meinem ertappten Blick erneut lachen.
„Nein noch nicht. Ich hab mich davor gedrückt“, gab ich grinsend zu und beobachtete ihn.
„Ich sollte nachsehen oder?“, fragte ich langsam nach, wofür Nait mir gegen den Arm boxte. Nicht fest aber zustimmend.
„Solltest du. Jetzt“
Jax M.
02.09 11:26
„Ist nicht wahr, Jack Napier
erinnert sich an mich?
Ich erinnere mich noch
sehr gut an den kaputten
fünfzehnjährigen Jungen.
Hätte nur nie damit gerechnet
das du dich je bei mir bedankst.
Krass.
Es ist okay das du mir das sagst.
Vielleicht war es nicht gerade
verantwortungsvoll von mir
einem so jungen Menschen
so etwas zu erzählen.
Das tut mir leid.
Aber deine Einladung zum
Kaffee nehme ich gern an.
Wie könnte ich auch zu der
Einladung meines berühmten
Namensvettern nein sagen? ;D
Wann hat dein Terminkalender Lücken?“
Nait schaute neugierig auf mein Handy während ich die Nachricht las und leicht auf meiner Lipper herumkaute. Ich wusste ehrlich gesagt nicht was ich fühlen sollte. Jax fühlte sich an wie jemand aus einem anderen Leben. Und gleichzeitig war dieses andere Leben dennoch meines.
„Ob du es hören willst oder nicht, ich glaube im Nachhinein wird es dir gut tun mit ihm zu sprechen. Wie mit Bryce und so wie ich es verstanden hab, war Jax nicht der Böse“, kommentierte Nait es ungefragt. Dennoch war ich dankbar für seinen Einwand. Den vielleicht war es genau der Schubs den ich brauchte.
„Meinst du?“, murmelte ich und spürte direkt seinen ernsten Nait Blick auf mir.
„Ich weiß es, Jacky. Du musst dich damit auseinandersetzen, sonst machst du dich kaputt“, lautete sein hartes aber wahres Urteil. Was mich kurz schmollend den Mundwinkel verziehen ließ. Doch dann fing ich tatsächlich an zu tippen.
Jack
02.09 19:43
„Ich komme grad von einer
kleinen Tour wieder. Ergo, hab ich
aktuell recht viel Zeit.“
Tippte ich und hielt dann inne. Dachte darüber nach wo wir uns eigentlich treffen sollten. Bis mir das kleine Café einfiel in dem Nait und ich ab und zu Kaffee holten, wenn wir auf dem Weg zum Friedhof waren, um Coby zu besuchen. Und genau dieses kleine, urige Café mit der sympathischen Barista Madison, kam mir perfekt dafür vor.
„Hast du morgen irgendwann Zeit?
Bin flexibel.“
Tippte ich dann und fügte die Adresse des Cafés hinzu. Dann schickte ich die Nachricht ab und schielte zu Nait, der zufrieden lächelte.
„Gerade bin ich wirklich stolz auf dich“
„Du siehst trotzdem noch geschockt aus“, meinte ich mit einem Blick in seine Augen. Nait seufzte leise auf und erhob sich vom Sofa.
„Bin ich auch. Bestellen wir Pizza? Ich muss darauf erst mal was Essen“, meinte er und ich konnte mir das freche Grinsen nicht verkneifen.
„Willst du einen Drink dazu?“, ich hatte den Satz kaum beendet, da flog bereit ein Kissen in meine Richtung.
„Übertreib nicht. Sonst darfst du heute nicht bei mir im Bett schlafen“, drohte er scherzhaft. Eine Drohung die mich schockiert Luft holen ließ, auch wenn ich wusste das er sie niemals wahrmachen würde. Nicht wegen so was. Oder allgemein niemals.
„Oha, ich muss also jetzt drüber nachdenken was ich sage?“, neckte ich ihn weiter und bekam im nächsten Moment tatsächlich ein Kissen ins Gesicht. Was uns beide zum Lachen brachte.
„Jetzt hör auf mich zu ärgern“