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I'm the truth that you hide

Harlekin — www.fanfiktion.de · All chapters

I'm the truth that you hide

Unser Kuss hatte recht schnell seinen Weg ins Internet gefunden. Einerseits war unsere Szene noch nicht so ganz bereit dafür, andererseits ging es hier um mich und ich war noch nie gut darin Klischees zu erfüllen. Oder gewöhnlichen Ansprüchen zu genügen. Worauf ich eigentlich hinaus will, die Resonanz war positiver als gedacht und fiese Stimmen wurden kollektiv ignoriert. Und wenn man den Rückhalt seiner Musiker Freunde hatte, die kein großes Ding draus machten, dann drohte eh absolut keine Gefahr. Und selbst wenn, ich Verkaufe meine Musik und nicht meine variable Sexualität. Gelegentlich vielleicht auch meine Seele. Aber hey, wer tut das nicht? (Lest die AGB's Leute, ehe ihr sie blind akzeptiert. Oder habt ihr nie South Park gesehen?!)

Wie ich da plötzlich drauf komme? Naja, ich brauchte etwas zu tun während ich in allein in dem Café saß und auf Jax wartete. Madison hatte mir bereits meine übliche Bestellung an den Tisch gebracht. Und jetzt rührte ich in meinem Vanille Cappuccino herum und scrollte durch Sozial Media. Las die Kommentare und Post zu mir und Nait. Weder er noch ich, noch sonst einer aus unserem engeren Umfeld hatte etwas dazu gepostet. Sie ließen es alle einfach so für sich stehen. Machten weder ein großes Ding draus, noch gab es ein Statement. Wofür auch? Da war nichts wofür wir uns rechtfertigen mussten. Irgendwie war ich darüber verdammt erleichtert.

„Tatsache da sitzt Jack Napier und wartet auf mich“, riss mich plötzlich eine bekannte Stimme aus meinen Gedanken. Ich hatte diese Stimme ewig nicht gehört, doch ich erkannte sie dennoch. Sah von meinem Handy hoch zu Jax, der langsam an meinen Tisch kam. Es war gute Zehnjahre her, dass ich ihn zuletzt gesehen hatte. Seine kurzen Haare waren mittlerweile wieder länger und er trug sie zu einem lockeren Dutt gebunden. Auch der Ring in seiner Unterlippe war noch vorhanden. Dazu trug er eine schwarze Jeans und ein Bandshirt von Bring Me The Horizon.

„Yeah, dachtest du ich lade dich ein und kneife dann?“, scherzte ich und fuhr mir mit den Fingern durch die Haare. Ja sein Anblick löste viel in mir aus. Unterbewusst.

„Und du tauchst echt mit nem Shirt von BMTH bei mir auf?“, lachte ich dann, nur ein klein wenig Unsicher. Jax setzte sich auf den Stuhl mir gegenüber und zuckte mit den Schultern.

„Dachtest du ich küss dir so die Füße, dass ich in einem Shirt deiner Bands komme?“, fragte er gerade heraus. Ein schelmisches Lächeln auf den Lippen.

„Schön zu sehen, was aus dem kleinen Jungen geworden ist den ich Monatelang zu seinem Glück zwingen musste“, meinte er dann ehrlich, wirkte kurz selbst ein wenig unsicher. Für einen Moment schwiegen wir beide, schienen nicht ganz zu wissen was wir jetzt sagen sollten. Und ich erwischte mich dabei wie ich über meinen Handrücken kratzte.

„Diesen Tick hast du also immer noch“, stellte er fest und lächelte überrascht auf als Madison ihm eine Tasse Kaffee brachte und ebenfalls ein Stück Erdbeerkuchen.

„Werd ich wohl nie los“, gab ich dann mit einem Blick in meinen Kaffee zu. Sammelte mich kurz, ehe ich meinen Blick hob. Jax wieder direkt ansah.

„Was ist aus dir so geworden?“, fragte ich ihn, wirklich interessiert an seinem Leben.

Was meinen Gegenüber überrascht schmunzeln ließ. Er schien auch angespannt gewesen zu sein. Vielleicht weil er gedacht hätte ich würde ihn direkt Vorwürfe für das Offensichtliche machen. Doch das tat ich nicht. Also lehnte er sich, mit seinem Teller Kuchen in der Hand, zurück.

„Ich hab mein Studium von damals beendet und meinen Doktor vor einem Jahr gemacht“, fing er an und kurz brachte er mich damit aus der Fassung. Der Student von damals, der mich mit seinen unkonventionellen Methoden gequält hatte, hatte es wirklich so weit gebracht?

„Fuck, Respekt. Echt deinen Doktor?“, fragte ich überrascht nach und schneller als ich denken konnte.

„Klar. Ich hab mich darauf spezialisiert andere Wege als die der Medikation zu gehen. Weil ich mich immer mal wieder an so einen Typen erinnert habe, den Medikamente kaputt gemacht haben und der durch andere Dinge geheilt ist“, eröffnete er mir ganz ruhig. In seinem Blick lag jetzt etwas forschendes, aber auch ein warmes Funkeln.

„Ich hab dich geprägt?“, stellte ich überrascht fest und fühlte mich kurz wieder so unwissend wie mit fünfzehn.

„Natürlich hast du das. Wie könntest du nicht? Ohman, wenn ich dran denke was ich mit dir in der Klinik erlebt habe. Da kommt keiner ran“, lachte er auf und schob sich eine Gabel voll Kuchen in den Mund. Wartete kurz ab bis ich mich wieder gefangen hatte.

„Und willst du mir jetzt den verdienten Vortrag halten? Das ich dir nie so viel hätte beibringen dürfen? Oder soll ich erst fragen was aus dir geworden ist?“, fragte er mich und hob eine Augenbraue.

„Schätzte du weißt was aus mir geworden ist. Ich mach Musik“, grinste ich leicht und erwischte mich dabei, wie meine Finger erneut über meinen Handrücken kratzten.

„Tust du und das verdammt erfolgreich. Sogar nach einem solchen.... Tiefschlag“, meinte er und stellte seinen leeren Teller auf den Tisch. Bedachte mich immer noch mit diesem Blick.

„Yeah...“, fing ich langsam an, hielt kurz inne und atmete leise aus.

„Danke Jax. Für deine Hilfe damals und dafür das dein Wissen mich so lange vor na Überdosis gerettet hat. Ich bin trotzdem wütend darüber das ich es überhaupt habe aber“

„Aber eigentlich weißt du, dass du mir nicht die volle Schuld für deine Taten geben kannst und ich dir nur Werkzeug an die Hand gegeben habe und du selbst dafür verantwortlich bist, was du damit gemacht hast“, beendete er meinen Satz ernst. Jap, gerade sah man ihm den Doktortitel an.

„Yeah“, stimmte ich ihm widerwillig zu und verzog mein Gesicht. Leider hatte er wohl recht.

„Das du mir geschrieben hast zeigt wirklich das du dich damit auseinandersetzt. Das ist gut, du ziehst dich weiter aus dem Dreck“, meinte er ernst, doch plötzlich wurde seine Miene weicher.

„Hey, ich muss dir auch danken. Ohne dich wäre ich vielleicht wie Strange oder seine Kollegen geworden. Hast du eigentlich psychologische Unterstürzung an deine Seite?“, fragte er mich dann interessiert.

„Kommt drauf an, zählen Freunde und die Schwiegermutter? Oder ein Typ der selber ziemlich im Eimer ist? Ein Kater?“, ein leicht freches Grinsen breitete sich auf meinen Lippen aus. Wir beide kannten eigentlich die Antwort und anhand von Jax Gesichtsausdruck konnte ich ablesen das es nicht zählte.

„Nicht wirklich. Hast du keinen Professionellen Entzug gemacht?“, jetzt wirkte er ungläubig.

„Nein. Du kennst mich. Ist nicht mein Ding. Mein Manager wollte es, aber ich hab mich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt. Solange bis er mich unter die kalte Dusche gesetzt hat, mit Handschellen an sich gekettet hat und ich keine andere Wahl hatte“, erklärte ich ihm etwas kleinlaut.

„Junge, dass...“, stöhnte er und tat kurz so als würde er sich die Haare raufen. Und ich sank ein klein wenig in meinem Stuhl herunter.

„Aber du bist clean?“, harkte er nach und ich zuckte mit den Schultern.

„Yeah schon ne ganze Weile“

„Und wie geht’s dir damit? Denkst du oft an Drogen? Hast den Gedanken zu trinken?“, harkte er weiter nach. Und auch wenn er gerade den Doktor raus hängen ließ, fühlte ich mich nicht eingeengt. Vielleicht weil es Jax war der mir diese Fragen stellte. Vielleicht auch weil er absolut nicht wie ein Psychologe aussah.

„Überraschend gut tatsächlich. Ich denke nicht oft daran etwas zu nehmen und kaum ans trinken. Ich versuche viel mit meinen Freunden drüber zu reden. Hab mittlerweile meine Strategien entwickelt. Aber über meine Vergangenheit nachzudenken wühlt mich auf. Dann fangen die Dämonen an, an ihrem Käfig zu kratzen“, gestand ich ihm überraschend ehrlich und er nickte langsam.

„Wenn ich bei unseren Terminen kein Klischee Psychologen Outfit tragen würde, würdest du dann kommen und mit mir reden?“, fragte er nach, tastend und vorsichtig. Ich sah ihn schweigend an, nickte dann allerdings langsam.

„Wahrscheinlich. Solange du mich nicht unter kalte Duschen stellst, oder zum essen zwingst“, scherzte ich, versuchte somit meine Unsicherheit etwas zu verbergen. Doch Jax schien mit meiner Antwort zufrieden zu sein.

„Dann mein Lieber, nehme ich dich erneut unter meine Fittiche“

Er sagte es komplett ernst, einfach so. Weswegen ich ihn verdammt überrumpelt ansah.

„Bitte was?“, harkte ich deswegen verwirrt nach.

„Ich nehm dich wieder unter meine Fittiche“, wiederholte er und zuckte mit den Schultern als wäre es nichts.

„Sofern du das willst. Ist immerhin alles freiwillig, aber ich denke es würde dir gut tun. Professionelle Hilfe. Sonst könntest du wieder schnell von deinen Dämonen gefressen werden und wenn es die selben sind wie früher, dann bei Gott brauchst du mich früher oder später wieder“, er sagte es völlig ruhig und gelassen, aber auch völlig ernst. Und plötzlich hatte ich Hanakos Worte und Blicke im Kopf, die mir immer wieder ans Herz legten mir professionelle Hilfe zu suchen. Für den Fall der Fälle, als Prävention. Sie würde mich kastrieren wenn ich Jax professionelle Hand jetzt wegschlagen würde. Also biss ich auf meine Unterlippe, kratzte meinen Mut zusammen und versteckte meinen Stolz, als ich mich etwas über den Tisch lehnte und ihm meine tätowierte Hand hinhielt.

„Okay versuchen wir es“, stimmte ich ihm dann zu. Im nächsten Moment ergriff Jax meine Hand. Besiegelte es mit einem Handschlag.

„Krass, plötzlich betreue ich wieder den Chaosprinzen“, grinste er breit und ließ meine Hand wieder los. Lehnte sich wieder in seinem Stuhl zurück und ließ mich ein wenig perplex zurück.

„Du wirkst nicht grad sehr professionell“, murrte ich und lehnte mich ebenfalls wieder zurück.

„Würde ich so wirken, dann wärst du längst abgehauen“, stellte er klar und hatte damit leider auch recht.

„Da wir das geklärt haben, wie ist es so ein Rockstar zu sein? Und bekomme ich als dein ganz eigener Psychologe Konzertkarten? Du hast früher immer gesagt ich sei immer willkommen auf deinen Konzerten, wenn du es erst mal geschafft hast ohne vorher drauf zu gehen“, fragte er mich locker und erinnerte mich an meine Worte von damals. Die eher Scherz waren als ernst gemeint, aber hey ich hatte es tatsächlich geschafft ohne drauf zu gehen.

♪

Das überraschende Treffen mit Jax hatte mir auf eine absurde Art und Weise gut getan. Wir hatten uns noch viel über Musik, Bands die wir beide mochten und andere Themen unterhalten. Und Jax war etwas neidisch darüber wen ich mittlerweile alles so kannte. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass wir beide mit einem guten Gefühl wieder nach hause gingen. Er meinte noch er würde sich wegen einem weiteren Treffen bei mir melden und das ich mir Gedanken dazu machen sollte wo ich hinwollte. Er ließ mir also auch hier einen gewissen Freiraum, den er schien sich noch daran zu erinnern, dass ich ihn brauchte.

Als ich nach dem Treffen nach Hause kam wurde ich von Hanako und Nait empfangen, die so gar nicht neugierig im Wohnzimmer saßen. Kaum hatte ich meine Schuhe im Eingang zu meinem anderen paar Schuhe gekickt, spürte ich schon ihre vorsichtigen aber auch fragenden Blicke auf mir. Nait eher in Richtung besorgt und Hanako in Richtung abwartend. Noch ehe einer von ihnen etwas fragen konnte, fuhr ich mir mit den Fingern durch die Haare.

„Ich hab jetzt einen Psychologen und es lief im übrigen ziemlich gut. Also spart euch eure sorgenvollen Blicke“, beantwortete ich ihre Fragen ehe sie überhaupt gestellt werden konnte. Was beide sprachlos machte. Damit hatten sie jetzt wirklich nicht gerechnet.

„Du hast was?“, fragte Nait überrascht nach, doch ich konnte ihm nicht antworten den im nächsten Moment zog Hanako mich in ihre Arme.

„Na endlich nimmst du dir meine Worte zu Herzen. Ich bin stolz auf dich“, freute sie sich und drückte mich überschwänglich an sich.

„Bin ich der Einzige der sich fragt wen?“, warf Nait ein, schloss sich allerdings im nächsten Moment unserer Umarmung an.

„Jax“, beantworte ich seine Frage. Genoss einfach ein wenig Hanakos überschwängliche Umarmung und fügte noch erklärend hinzu:

„Er hat es bis zum Psychologen geschafft und meinte dann nimmt er mich wieder unter seine Fittiche“

„Dann versau es nicht Jack“, grinste Hanako, als sie sich von mir löste und sehr zufrieden mit mir aussah. Endlich hatte ich mir (gezwungener Maßen) ihren Rat zu Herzen genommen.