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I'm not listening, not anymore

Harlekin — www.fanfiktion.de · All chapters

I'm not listening, not anymore

Meine Zeit in der Klinik zog sich, stumpfte mich ab und gab mir das Gefühl keine Liebe verdient zu haben. Ich könnte jetzt noch ewig darüber rum heulen, aber wer will das bitte lesen? Die Zeit war scheiße und allein Jax machte sie so weit erträglich, dass ich mich nicht umbrachte. Seien wir mal ehrlich. Irgendwann dachte ich wirklich nie wieder nach Hause zu kommen. Und selbst wenn, was erwartete mich da? Strange hörte ich schon lange nicht mehr zu. Er hatte sich sein Urteil gebildet, hatte mich so weit bekommen das ich es ihm selbst glaubte und gab mir einen Haufen Medikamente. Yeah, ihm gebe ich viel Lieber die Schuld an meiner darauf folgenden Sucht, als Jax.

Ich verbrachte den kompletten Winter und den Anfang des Frühlings in der Klinik. Es war eine verdammt lange Zeit. Doch an einem unerwarteten Montag Morgen teilte mir Strange plötzlich mit, dass ich so weit stabil war das sie mich entlassen würde. Bitte was? Ich und stabil? In welcher Welt lebte er den bitte? Aber da die andere Option hier bleiben war, nahm ich dieses Geschenk fast schon dankbar entgegen. Ich konnte ja nicht wissen, dass es noch beschissener bei den Whitleys werden würde.

Meinen letzten Abend in der Klinik verbrachte ich zusammen mit Jax bei McDonalds. Er lud mich wie beim ersten Mal zum Essen und auf ein Eis ein. (Ohman, ich hab eigentlich echt große McDonalds Schulden bei dem Kerl. Ich sollte ihn mal einladen und es langsam wieder gut machen.)

Es war ein schöner Abend und ich fühlte mich tatsächlich gut. Wahrscheinlich weil ich irgendwie die Hoffnung hatte, das Bryce sich darüber freute mich wieder zu sehen. Eigentlich versteckte ich komplett meine Unsicherheit in dieser Sache. Den seien wir mal ehrlich, dass Einzige was passieren würde, wäre dass ich erneut eine für mich wichtige Person verlieren würde. Jax.

Am nächsten Morgen wartete ich vorn auf den Stufen der Klinik darauf abgeholt zu werden. Jax saß neben mir und wirkte... nicht ganz so gut gelaunt wie er es hätte sein sollen. Er schien es zu ahnen. Aber ich war blind für das kommende Unglück und freute mich einfach auf zu Hause. Absurd oder? Als endlich ein schwarzer Bentley anrollte wurde mir kurz übel. Kleine Zweifel keimten in mir auf. Die ich erfolgreich wieder zurückdrängte. Nein, jetzt würde alles besser werden. Bestimmt.

Abgeholt wurde ich (natürlich) nicht von meinem Vater, sondern von James. Der alle nötigen Unterlagen unterschrieb und meine Medikamente an sich nahm. Der höflich Lächelte und fragte wie es mir geht. Er schien nicht mehr zu wissen wie er mit mir umgehen sollte. War ich eine Gefahr? War ich verrückt? Schriftlich, yeah war ich. Und dann kam meine Verabschiedung von Jax. Fuck, dass viel mir tatsächlich schwer. Er umarmte mich ganz fest und wünschte mir alles gute. Und dann stieg ich in den Bentley ein und er verschwand aus meinem Leben. Ich hatte schon wieder einen mir wichtigen Menschen verloren. Nur merkte ich das erst einige Tage später. Auf der Rückfahrt führten James und ich unverfänglichen Smaltalk. Ich traute mich nicht, ihn zu fragen, was ich alles verpasst hatte. Den die Antwort wäre vieles gewesen. Ich hatte den Urlaub in Europa verpasst. Bryce 18ten Geburtstag. Er studierte mittlerweile irgendwas wichtiges für die Firma und unterstützte unseren Dad in eben dieser Firma. Chrishell wurde langsam erfolgreich mit ihrer Makler Sache und Eliza hatte gekündigt. Oh und Bryce hatte angefangen ein heimlicher Playboy zu sein. Ha, was eine Seite an meinem Bruder. Hat die jemand kommen sehen? Ich damals nicht. Und das zu hören gab mir immer mehr das Gefühl ihn verloren zu haben. An unwichtige Schlampen und Sex. Was ER damit kompensieren wollte sah ich zu der Zeit nicht. Sah ich erst JAHRE später.

Immerhin hatte sich das Haus nicht verändert. Als James mich in die Stille hineinführte, natürlich war niemand da, fühlte es sich genau so erdrückend an wir früher. Mein Zimmer hatten sie zum Glück in Ruhe gelassen. Aber was jetzt? Ich war zurück und hatte... nichts. Ich wusste nicht mal ob Maddox und ich noch Freunde waren. (Waren wir nicht. Ich war zu lange weg gewesen und er zu unloyal.) Jetzt war ich noch mehr den je, der Ausgestoßene der Whitleys und ihr dunkles Geheimnis. Der über den man nicht spricht. Der, der nie mit kommt. Der, der auf den Familienfotos nichts mehr zu suchen hatte. Und all das, plus diese scheiß Medikamente führten zu einer unglaublichen Wut in mir.

Ihr hört mir nicht zu?!

Ihr tut so, als gäbe es mich nicht?!

Ihr verschließt eure Augen vor mir?!

FICKT EUCH!

Dann höre ich euch auch nicht mehr zu!

Dann mach ich mein eigenes Ding!

Dann habt ihr mir nichts mehr zu sagen!

Das war der Beginn meines Weges der mich zum einen in die Hölle führte und zum anderen zu Coby. Den ich wollte so wenig Zeit wir möglich in dieser Villa verbringen. Tat ich es stritt ich mich nur mit jemanden. Meist Chrishell. Oft mit Bryce (Keine Sorge darüber schreibe ich noch ausführlicher, aber dafür fehlt mir grad die Kraft. Das tut immer noch weh.)

Und meine dämlichen Medikamente wollte ich auch nicht mehr nehmen. Jedenfalls nicht so wie Strange es gesagt hatte. Also nahm ich sie einfach nicht und tat damit etwas sinnvolles. Ich dealte damit. Durch Jax wusste ich was sie bewirkten und durch all die Dealer meiner Mom wusste ich was ich gefahrlos verlangen konnte und wie man das machte ohne direkt großen Ärger zu bekommen. Keine gute Kombi, oder Idee ich weiß, aber hey, so verdiente ich mir das Geld für meine erste eigene Gitarre. Und die liebe ich bis heute! (Und ich war gut in dem Mist, reden wir nicht drüber was mir DAS für Ärger einbringen würde und was das noch alles mit sich ziehen wird. Stellt euch einfach mal einen wütenden und peinlich berührten Romain vor, der seinen ungewollten Sohn auf dem Polizeirevier abholen muss. Allein dieser Anblick rechtfertigt mein Verhalten. Und jetzt tut nicht so, als hättet ihr meine Kriminelle Energie nie gespürt.)

♫

Mit einem leises ausatmen klappte Nait den Laptop seines Freundes zu. Er musste einige Male tief durch atmen, ehe er sich erlaubte Jacks Worte Revue passieren zu lassen. Die Kapitel rund um Jacks Klinikaufenthalt hatten ihn immer wieder zu kleinen und großen Pausen gezwungen. Nicht nur einmal hatte er tief Luft holen müssen. Ja, er verstand seinen Freund. Fühlte mit ihm und sah Details die einiges in Jacks Verhalten erklärten. Doch davon zu lesen war dennoch etwas anders. Traf ihn auf eine Art und Weise, die ihn erschaudern ließ. Auch weil er wusste, was als nächstes kam. Und wenn Nait ganz ehrlich war, dann hatte er ein wenig Angst vor dem was als nächstes kommen würde. Jack würde über Coby schreiben. Über die guten und die schlechten Dinge. Über seinen Seelenverwandten und jemanden der ihn so nachhaltig geprägt hatte, wie Nait es bei sich selbst für kaum möglich hielt. Würde ihn das doch treffen? Eifersüchtig machen? Und was würde es gleichzeitig mit Jack machen? Würde er es aushalten? Gerade war Nait noch dankbarer für Jaxs plötzliche Anwesenheit in Jacks Leben.

Den wie sollte er allein all das auffangen?

„Ich wusste das da viel kommen würde, aber er schafft es immer wieder noch einen drauf zu setzen“, stöhnte er leise auf und raufte sich kurz die Haare, ehe er den Laptop auf den Tisch legte und aufstand. Eigentlich hatte er heute einen Termin mit Dave, bei dem sie über die Details für die anstehenden Festivals im Winter sprechen wollten und über einige andere wichtige Dinge, die die Band betrafen. Doch jetzt fühlte Nait sich kaum in der Lage dazu sich darauf zu konzentrieren. Aber den Termin absagen wollte er auch nicht und vielleicht war Dave genau der richtige Gesprächspartner für ihn. Vielleicht sollte er auch mal mit den anderen Jungs von Harlekin sprechen und ihre Einschätzung dazu hören. Zu dem was kommen würde.

Nur wenig später fand Nait sich bereits in Deboras Café wieder. Dave hatte den Ort vorgeschlagen, halb weil er zwischen seinem und dem zu Hause von Nait lag und zum andern sehr wahrscheinlich, weil ihr Assistent auf den Kuchen von Debora stand. Was Nait ihm keinesfalls übel nehmen konnte. Ihr Kuchen war so gut, dass er Gale versprechen musste später einige Stücke für alle mit zu bringen.

„Hey Nait, schön dich zu sehen“, strahlte die Frau mit dem mittlerweile dicken Babybauch, ihn vom Tresen aus an. Sie kam direkt herum und umarmte ihn zur Begrüßung.

„Hey Debora, geht’s dir gut?“, begrüßte er sie ebenfalls lächelnd.

„Immer doch. Mir und dem Baby geht’s hervorragend. Aber Tony bekommt jedes Mal Schnappatmung und Panik wenn ich kurz aus der Puste bin. Er hat sorge, dass das Baby jeden Moment kommt“, lachte sie und warf Tony einen kurzen vielsagenden Blick zu, der gerade mit einem frischen Kuchen aus der Küche kam.

„Aber auch nur, weil sie sich nicht so schont, wie eine Frau in ihrem Zustand es tun sollte“, verteidigte sich der Drummer und stellte den Kuchen hinter die Glasscheibe des Kuchentresens. Erst dann kam er zu ihnen hinüber, um Nait zur Begrüßung ebenfalls zu umarmen.

„Ich bin schwanger, nicht krank und ich spüre wenn was nicht geht. Also vertrau mir und meinem Gefühl“, tat Debora Tonys Sorge ab und führte Nait zu einem Tisch am Fenster.

„Dave sagte ich soll euch den hier frei halten. Er kommt bestimmt gleich“

„Wäre ein Wunder wenn der Mann mal zu spät kommen würde“, schmunzelte Tony und machte sich daran, schon mal zwei Stücke Kuchen auf Teller zu legen und frischen Kaffee aufzusetzen.

„Stimmt, er kommt immer mindestens 10 Minuten zu früh“, erinnerte sich Nait, als er Platz nahm. Er fühlte sich mittlerweile auch ohne Jack angekommen und willkommen bei dessen Freunden. Nein, dessen Familie. Kurz musste Nait erneut an Jacks Kindheit denken und an den Mangel einer richtigen Familie in ihr. Es wunderte ihn kein bisschen mehr, dass der chaotische Sänger seine engsten Freunde als Familie bezeichnete. Oder das Jack, seine Mom so sehr liebte. Er hatte nie so eine liebende Mom gehabt wie Nait.

„Tony?“, hörte er sich da plötzlich selbst sagen. Tony sah ihn fragend an, als er mit zwei Tellern Kuchen und zwei Tassen Kaffee zurück zum Tisch kam. Sich dann einfach dazu setze.

„Ja?“, fragte dieser und sah Nait eben so fragend an.

„Kann ich dich kurz etwas Fragen? Zu Jack?“, fing Nait dann langsam an und ertappte sich dabei, wie er auf die Sterne an seinem Handgelenk starrte.

„Immer doch. Gehts darum, dass er seinen Geburtstag mal wieder nicht feiern will?“ Tony lächelte leicht, schien allerdings auch zu merken das Nait wirklich etwas auf der Seele brannte.

„Nein, darum tatsächlich nicht. Die Diskussion hab ich schon verloren und verstanden das er, warum auch immer gerade er, seinen eigenen Geburtstag nicht so gern feiert“, schmunzelte Nait. Es hatte ihn wirklich überrascht als Jack ihm das gesagt hatte.

„War schon immer so. Geburtstage von anderen liebt er, aber seinen eigenen? Keine Chance. Das war immer einer der Tage, an denen Coby sich ihn gekrallt hat und sie den ganzen Tag einfach weg waren“, erinnerte sich der Drummer mit einem Kopf schütteln.

„Eigentlich geht’s darum, ob du denkst das es ihm gut geht? Du kennst ihn länger als ich“, eröffnete Nait ihm dann. Legte gleichzeitig seine Hände, um seine Tasse Kaffee damit diese beschäftigt waren. Tonys Miene wirkte kurz überrascht, ehe er sich am Kinn kratzte und über die Frage nachzudenken schien.

„Ich denke für all das, geht’s ihm gut. Ich hab ihn schon in vielen Situationen erlebt in dem es ihm wirklich mies geht und aktuell geht’s ihm meiner Einschätzung nach gut. Aber er verdrängt wieder etwas. Weil er über viel Redet, aber über das was ihn beschäftigt ist er sehr Wortarm. Das ist er immer wenn er nicht weiß was er sagen soll. Und sonst weiß er auch immer was er sagen soll. Ich glaube wir müssen alle ein bisschen auf ihn aufpassen. Der September wird hart für ihn und er wird nicht drüber reden wollen. Also müssen wir ihn vielleicht ein wenig dazu zwingen drüber zu reden. Ich hab tatsächlich neulich mit Jerry und Tobin drüber gesprochen und wir sind alle zu dem Entschluss gekommen, dass Jack schon klar kommen wird, aber wir als Familie für ihn da sind. Auch wenn er total genervt davon sein wird. Er wird uns alle brauchen und es in den wenigsten Momenten sagen können“, erklärte Tony ihm nachdenklich und mit einem gewissen Ernst in der Stimme. Aber auch mit einem Nachdruck darin, der Nait sagte das er nicht allein mit diesem Gepäck war. Das da viele Leute in seinem Umfeld waren, die diese Last ebenfalls mittragen konnten. Vielleicht sogar besser und geübter tragen konnten als er selbst.

„Jack schreibt über seine Zeit in der Klinik und das ist für mich hart zu lesen. Seine Machtlosigkeit. Seine deprimierenden Gedanken. Sein erster Selbstmord Versuch und das Gefühl nie anzukommen. Das lässt mich noch mal anders auf ihn schauen und das ist hart. Weil ich in einem heilen Umfeld aufwachsen bin“, erklärte Nait dem Älteren mit trauriger Stimme. Spürte im nächsten Moment wie Tony ihm eine Hand auf die Schulter legte.

„Das war auch immer der Teil, der für mich schwer nachzuvollziehen war. Bei Beiden. Ich komme auch aus einer recht heilen Familie. Jerry und Tobin auch und zu verstehen, dass nicht jeder so ein Glück hatte war schwer. Es gab viel Streit am Anfang bei uns, weil wir drei nicht immer alles nachvollziehen konnten, was Jack und Coby gefühlt haben. Wir wussten, dass man sich nach einem Streit wieder verträgt. Jack ist bei einem Streit komplett durchgedreht, weil er gelernt hat das man sich danach nicht verträgt. Vergeben und vergessen war für ihn ein Kampf. Und für Coby war es unglaublich schlimm versetzt zu werden. Wenn wir mal ne Bandprobe verschoben haben, drehte er fast durch, weil er dachte das wars. Weil er gelernt hat das die Leute dann nicht wieder kommen“, weihte ihn der Harlekin Drummer ein. Sein Lächeln hatte etwas melancholisches angenommen. Aber auch etwas stolzes.

„Und jetzt ist Jack so weit, dass er gelernt hat das nach einem Streit nicht die Welt unter geht. Ich glaube also, dass wir da sein müssen, aber eben auch nicht alle allein sind. Weder er. Noch du. Und dann wird das schon“, beendete er seinen Monolog. Gab Nait damit viel zum nachdenken, aber auch ein gutes Gefühl. Es würde schon werden.

„Sorry, dass ich zu spät bin. Der Verkehr hat mich übel erwischt“, platze plötzliche Dave in ihr Gespräch und ließ sich gestresst auf den anderen freien Stuhl fallen.

„Zu spät? Du bist auf die Minute pünktlich“, lachte Tony beim Blick auf die Uhr. Doch der andere winkte nur ab.

„Ne man, 5 Minuten eher sind pünktlich. Passend kommen ärgert meinen inneren Deutschen“, erklärte er sich und sah verdammt dankbar zum Stück Kuchen, das schon auf ihn wartete.

„Allerdings hält der beim Anblick des Apfelkuchens die Klappe. Du und deine wundervolle Frau seit mal wieder meine Rettung“, grinste er dann und entspannte sich direkt ein wenig.

„Wie geht’s dir Naity?“, war seine nächste Frage. Sie würden einfach später zum Geschäftlichen kommen.