Wish somebody tell me I'm fine
Wish somebody tell me I'm fine
„Ich kann das nicht trinken, dass ist eklig“, beschwerte ich mich bei Jax, während ich in die Tasse Kaffee starte die er mir gegeben hatte. Die schwarze Flüssigkeit sah aus wie reine Dunkelheit, den Jax hatte auf alles verzichtet. Keine Milch. Kein Zucker. Nicht meinen geliebten Vanille Sirup.
„Ich hasse schwarzen Kaffee“, fügte ich fast schon schmollend hinzu und rutschte im Sitz seines Autos etwas nach unten.
„Trink ihn, der wird dich wieder mehr beleben. Sieh es als Karma an das du jetzt ekligen Kaffee trinken musst“, seine Stimme klang viel zu amüsiert über mein Leid.
„Das ist Folter. Tierquälerei. Gegen die Menschenrechte“, murrte ich übertrieben, nahm allerdings einen kleinen Schluck davon und verzog mein Gesicht. Vielleicht tat mir der schwarze Kaffee gut, aber schmecken tat er fürchterlich.
„Stell dich nicht so an, Prinzessin“, jetzt lachte Jax mich tatsächlich aus, während er mich nach Hause fuhr.
„Wäre ich eine Prinzessin wärst du netter zu mir“, brummte ich schmollend und trank noch einen kleinen Schluck von dem Teufelsgebräu das er Kaffee nannte.
„Sei dir da mal nicht so sicher“, lachte er, ehe seine Stimme wieder etwas ernster wurde.
„Muss ich mir Sorgen machen wenn du gleich wieder zu Hause bist? Oder kann ich darauf vertrauen, dass du Nait an dich ran lassen wirst?“
„Vertrauen“, beantwortete ich seine Frage zu seiner Zufriedenheit.
„Sicher? Versprochen?“, harkte er dennoch noch mal nach.
„Versprochen“, stöhnte ich genervt und deprimiert. Trank noch einen kleinen Schluck. Es wurde nicht besser mit dem Geschmack.
„Gut“ Jax schien endlich zufrieden damit zu sein und bog in die Auffahrt zu meiner Villa ein.
„Trink aus“, kommandierte er dann und wäre ich nicht so im Eimer, hätte ich mich gewehrt. Doch so trank ich den Rest Kaffee tatsächlich aus und verzog angewidert mein Gesicht.
„Ich trink nie wieder Kaffee bei dir, du Monster“, murrte ich und schielte aus dem Fenster zum Haus. Sah das Licht darin leuchten, obwohl es schon so spät in der Nacht war.
Was ich nicht wissen konnte, Jax hatte bereits mit Nait geschrieben. Hatte ihn darüber informiert was bei mir los war und somit die ersten Wogen geglättet. Damit Nait gleich für mich da sein konnte und nicht erst überrascht, verärgert oder enttäuscht reagierte. (Oh das würde aber noch kommen. Als ob Naity mir nicht um die Ohren hauen wird, dass er meine Aktion scheiße fand. Aber eben nicht direkt)
Dennoch fühlte ich mich komplett miserabel, als wir parkten und Jax ausstieg. Ich seine leere Tasse in den Becherhalter stellte und überlegte wie ich mich drücken konnte. Tja, nur ließ Jax es nicht so weit kommen. Er öffnete meine Autotür und sah mich auffordernd an.
„Na komm du gehörst ins Bett. In dein eigenes Bett“, meinte er sanft. Kurz zögerte ich noch, kam dann allerdings zu dem Entschluss das es eh nichts brachte und stieg aus. Vergrub meine Hände in den Ärmeln meines Hoodies und folgte Jax schweigend zur Tür. Wo er stehen blieb und mich auffordernd ansah.
„Machst du auf? Oder soll ich klingeln und alle wecken?“, fragte er, nachdem ich ihn einen Moment verwirrt angestarrt hatte.
„Achja“, murmelte ich dann und friemelte meinen Haustürschlüssel aus meiner Hosentasche. Schloss unter Jax Blick die Tür auf und biss fest auf meine Unterlippe. Es machte mich nervös und mir wurde erneut etwas schlecht.
„Du schaffst das“, riss Jax mich aus meinen Gedanken und legte seinen Arm um meine Schultern, schob mich somit sanft ins Innere. Doch ich fühlte mich nicht so als würde ich es schaffen. Ich fühlte mich schuldig und erschöpft und.....
„Hey, ich hab mich schon gefragt wann du wieder kommst“, plötzlich tauchte Nait aus dem Wohnzimmer auf. Er trug lockere Kleidung und schien so verdammt erleichtert zu sein mich zu sehen. Etwas das mich härter traf, als wenn er wütend auf mich zu gestürmt wäre. Eigentlich wollte ich etwas sagen, doch ich brachte keinen Ton heraus. Meine Kehle war wie zugeschnürt und meine schlechtes Gewissen erdrückend.
Nait wechselte einen kurzen Blick mit Jax, der ihm zu nickte. So unsicher mein Freund auch sein konnte, in solchen Momenten war er es nie. Oder er ließ es sich nicht anmerken. Den er kam auf mich zu und nahm mich fest in den Arm. Drückte mich an sich und sorgte so dafür, dass ich nicht mehr stark sein konnte. Ich schlang meine Arme um ihn, vergrub mein Gesicht an seiner Halsbeuge und weinte. Einfach so. Nait strich mir sanft durchs Haar. Hielt mich einen Augenblick schweigend, ehe er laut ausatmete und mich nur noch fester an sich drückte.
„Hey alles gut. Du bist okay. Ich bin hier und halte dich. Wir reden drüber wenns dir besser geht“, sprach er mit leiser Stimme zu mir. Und auch wenn er vielleicht wütend auf mich war, oder enttäuscht von mir war. In diesem Moment zeigte er es nicht. Er tat genau das Richtige und war einfach für mich da.
„Es tut mir leid....“, brachte ich dann doch mit zitternder Stimme hervor. Drückte ihn noch etwas fester an mich.
„Ich bin ein Idiot.... ein betrunkener Idiot... was mir noch mehr leid tut“, sprach ich weiter und spürte wie Nait leicht an meinen Haaren zog.
„Schon, aber mein Idiot“, murmelte er und strich versöhnlich über meinen Nacken.
„Ich hab ihn dafür schon unter die kalte Dusche gesteckt und schwarzen Kaffee trinken lassen“, schmunzelte Jax ehe er sich zur Tür umdrehte.
„Ich denke ich kann euch allein lassen. Du machst das schon Nait. Ich meld mich morgen mal. Dein Freund hat versprochen, dass er ernsthaft mit mir redet und keine dummen Termine mehr vorschiebt“
„Ich werde ihn morgen daran erinnern, wenn er so tut als hätte er einen Blackout“, schmunzelte Nait und sah Jax noch einmal dankbar an, ehe er sich etwas von mir löste und mir die Tränen von den Wangen wischte.
„Und wir beide gehen jetzt ins Bett“, richtete er das Wort wieder an mich und führte mich sicher in Richtung Treppe. Hoch ins Schlafzimmer.
„Ist alles gut zwischen uns?“, fragte ich ihn mit leiser Stimme, als wir im Schlafzimmer kamen. Nait seufzte leise, setze mich auf dem Bett ab. Sein musternder Blick traf mich.
„Ja ist es. Auch wenn ich aufgewühlt bin. Aber darüber reden wir Morgen“, beschwichtigte er mich. Schenkte mir ein ehrliches Lächeln. Okay, damit konnte ich leben.
♪
Mein Morgen fing überraschend sanft an. Geweckt wurde ich irgendwann vom herrlichen Duft eines Kaffees und Naits Wärme neben mir. Mein Magen fühlte sich tatsächlich okay an, nur mein Kopf schmerzte auf wirklich üble Art und Weise. Weswegen ich meinen Kopf murrend im Kissen vergrub.
„Guten Morgen“, drang Naits Stimme durch das Kissen zu mir. Als nächstes spürte ich seine Hand auf meinem Kopf.
„Wie geht’s dir?“
„Mies“, nuschelte ich ins Kopfkissen und drehte mich dann etwas, um es noch einmal verständlich und ohne Kissen im Mund zu wiederholen. Sah dabei ganz vorsichtig zu ihm hoch. Mein Freund saß neben mir im Bett und wirkte zwar nicht direkt wütend, aber etwas verspannt. Auch ich setzte mich jetzt langsam auf und griff nach der Tasse auf meinem Nachttisch. Setze sie an meine Lippen und verzog bereits beim ersten Schluck mein Gesicht.
„Schwarzer Kaffee?“, jammerte ich leidend und sah Nait entsetzt an. Auf dessen Gesicht ein Schmunzeln zu sehen war. Er nahm wortlos seine Tasse vom Nachttisch, trank einen Schluck und reichte sie mir dann.
„Sorry, muss ich verwechselt haben“, log er eiskalt und sah mich unschuldig an. Wir wussten beide, dass er sie nicht vertauscht hatte.
„Das war Absicht“, murrte ich und tauschte die Tasse mit dem ekligen Kaffee, gegen Naits Tasse mit meinem süßen Kaffee aus.
„Vielleicht“, gab er schulterzuckend zu, ehe ein tiefes Seufzen seine Lippen verließ.
„Warum hast du nicht mit mir gesprochen? Oder mit jemand anderem? Man J, wir haben doch alle geahnt das es dir mies geht. Aber was sollen wir, soll ich, den tun wenn du nichts sagst und alles abstreitest?“ Die Worte flossen nur so aus ihm heraus und er stellte seine Tasse ab, um sich verzweifelt mit den Händen durchs Gesicht zu fahren.
„Ich meine ich bin froh, dass du bei Jax gelandet bist, aber hättest du eher etwas gesagt oder dir helfen lassen dann hättest du jetzt keinen Kater. Den du nur so nebenbei wirklich verdient hast“, zum Ende hin schnaubte er verärgert und sah mich wirklich verärgert an.
Ein Blick den ich von ihm nicht gewohnt war und der mich zusammenzucken ließ. Mich aber auch an Jax Worte erinnerte, dass meine Mitmenschen diese Gefühle haben durften und ich sie aushalten musste. Weswegen ich getroffen einen Schluck Kaffee trank und seinen Ärger über mich ergehen ließ.
„Ich weiß“, gab ich leise zu. Schielte erneut zu Nait, der mich aus verengten Augen ansah. Oha, er war noch nicht am Ende seiner Rede angekommen.
„Ich hab dir den Raum gegeben den du vielleicht gebraucht hast, aber das nächste Mal gebe ich ihn dir vielleicht nicht mehr. Dann zwing ich dich dazu mit mir zu reden“
„Vielleicht solltest du das tun. Ich liebe meine Freiheit, aber bei so was schadet sie mir eher“, gab ich reuevoll zu und trank noch einen Schluck. Rutschte dann näher an Nait heran und lehnte meinen Kopf an seine Schulter. Schloss meine Augen und sammelte kurz meinen verkaterten Mut zusammen.
„Ich wollte keinem auf die Nerven gehen und nicht schon wieder wegen... dem selbem Problem wie immer hinfallen. Ich wollte das es schneller geht. Meine Wunden schneller heilen, aber das tun sie nicht. Und dann wollte ich nichts zwischen uns kaputt machen. Wollte keinen enttäuschen, weil ich nicht so weit bin wie ich selbst gern wäre. Und dann... hab ich mich betrunken und in Jax Blumentopf gekotzt“, versuchte ich ihm zu erklären. Hoffte wirklich darauf das er es verstehen würde.
„Du bist echt dämlich“, waren seine nächsten Worte und dann spürte ich wie Nait mir fest gegen den Kopf schnippte.
„Durch deine dämliche Aktion bin ich enttäuscht von dir, aber doch nicht darüber das du einfach mehr Zeit brauchst und es dir, verständlicherweise, wieder schlechter geht“, schimpfte er, zog mich dann allerdings wieder enger an sich und seufzte laut.
„Und ich bin so, so froh, das es nur Alkohol war und du zu Jax gegangen bist. Dir hätte ich alles zugetraut. Nächstes Mal mach einfach eher den Mund auf. Sag was, oder schreib, zeichne, oder was auch immer. Aber rede“ Worte mit denen er mir ein Lächeln ins Gesicht zauberte.
„Ich werds ehrlich versuchen. Versprochen“
„Wehe wenn nicht. Dann schmeiß ich dich höchst persönlich aus dem Schlafzimmer, schmeiß den Vanille Sirup weg und versteck deine Kopfhörer“, drohte er mir an.
„Autsch, das würde mich treffen“, gab ich reuevoll zu und löste mich von Nait, stellte meine Tasse wieder auf den Nachttisch und kuschelte mich wieder in meine Decke und mein Kissen. Meine Kopfschmerzen waren wirklich übel und eigentlich wollte ich noch etwas im Bett bleiben. Warten bis mein Kopf sich nicht mehr anfühlte als würde er platzen.
„Oh nein, du legst dich nicht mehr hin. Wir beide stehen jetzt auf und du kommst mit Joggen“, stellte Nait klar und zog mir die Decke vom Körper, wofür er von mir einen mehr als entsetzten Blick abbekam.
„Das kannst du mir nicht antun, Naity. Ich bins nicht mehr gewohnt einen Kater zu haben, mein Kopf explodiert. Ich bin froh das mir nicht mehr schlecht ist“, versuchte ich ihn für mein Leid zu erweichen. Doch bei Nait stieß das auf Stein. Er schüttelte den Kopf und stand auf, nahm meine Decke so weit mit, dass ich nicht mehr herankam.
„Na, ich kann dich aktuell ja nicht allein lassen. Und ich wollte Joggen gehen und etwas für meine Gesundheit tun. Dann musst du jetzt wohl oder übel mit“, erklärte er mir und verschwand bereits im Ankleidezimmer, um sich Sportsachen anzuziehen.
„Kannst du mich nicht lieber anschreien?“, fragte ich ihn gequält und blieb einfach im Bett liegen.
„Nope. Wir machen Sport und reden“, rief er aus dem Ankleidezimmer und im nächsten Moment landete eine Jogginghose und ein T-Shirt auf dem Boden vor dem Bett. Eindeutig für mich, damit ich mich anziehen konnte.
„Du kannst so ein Monster sein“, beschwerte ich mich leidend und hoffte inständig er würde doch noch Mitleid mit mit mir bekommen.
„Jap, wenn mein Freund so ein Idiot sein kann, dann kann ich ein Monster sein. Jack, ich werd kein Mitleid mit dir bekommen. Nicht ein Stück. Also schwing deinen Arsch aus dem Bett und steh es durch. Oder wie hast du es damals geschafft mit Kater auf der Bühne zu stehen?“, neckte er mich, als er angezogen aus dem Ankleidezimmer kam. Mich spöttisch ansah.
„Keine Ahnung. Da war ich wahrscheinlich schon wieder auf irgendwas drauf uns habs nicht gemerkt?“, seufzte ich, stand allerdings langsam auf und machte mich daran mich anzuziehen.
„Könnte sein. Ich sollte mal die andern Fragen“, schmunzelte er und fügte dann etwas versöhnlicher hinzu:
„Wir holen vorher auch was zum Frühstück okay? Pancakes? Oder willst du was Herzhaftes?“
„Solange es nicht wieder schwarzer Kaffee aus der Hölle ist, nehm ich alles“ Jax Kaffee hatte wirklich traumatische Spuren in mir hinterlassen. (Und nein, ich übertreibe nicht an dieser Stelle. Probiert seinen Kater-Kaffee mal und sagt mir danach das der nicht eklig war.)
♪