For I have found the only one
For I have found the only one
Naits erzwungene Sporteinheit tat meinem Körper tatsächlich ganz gut. Was wohl auch viel daran lag das wir an der Küste entlang liefen und die salzige Meerluft mir einfach gut tat. Die meiste Strecke waren wir schweigend nebeneinander hergelaufen. Jeder hing seinen Gedanken nach. Bis Nait an einer Bank stoppte und sich für eine Pause setzte. Ich ließ mich neben ihm nieder und atmete laut aus.
„Ich hab vergessen wie anstrengend Sport mit Kater ist“, scherzte ich, doch Nait seufzte nur leise. Ging nicht auf meinen Scherz ein.
„Weiß du, ich hab grad viel nachgedacht. Darüber was ich dich fragen soll. Wie wir über gestern reden sollten. Und ich weiß, dass dir bewusst ist wie scheiße das war. Damit muss ich dich nicht mehr quälen. Außerdem wird Jax das noch genug auseinander nehmen“, fing er an und fuhr sich mit den Fingern durch die Haare. Ich spürte das es ihm schwer viel Worte zu finden. Wie ein kleiner Spalt zwischen uns, dessen Existenz mich wahnsinnig machte.
„Erst wollte ich dich fragen was dich aufgehalten hat mit mir zu reden. Aber das hast du mir gestern eigentlich schon gesagt. Dann wollte ich darüber reden, warum ich nichts getan habe“
„Warum hast du nichts getan?“, harke ich nach und kratze leicht über meinen Handrücken. Rutschte ein wenig näher an ihn, sodass sich unsere Knie berührten.
Nait runzelte seine Stirn. Ließ sich ein wenig Zeit mit seiner Antwort, doch dann seufzte er tief und sah auf unsere Knie.
„Ich denke, weil ich Angst hatte. Ich wusste warum du so bist. Ich wusste es, verdammt und ich hatte Angst weiter zu bohren. Nicht weil ich dich nicht verletzen wollte, sondern weil ich Angst vor der Antwort hatte. Angst davor was deine Antwort mit mir machen würde. Coby war bisher immer präsent, klar. Aber anders, als er es jetzt ist. Sein Todestag hat ihn auch für mich noch mal anders real gemacht. Ich hab noch mal anders gemerkt was er dir bedeutete hat, immer noch bedeutete und wie sehr er dich geprägt hat. Ich weiß das du über euer Kennenlernen geschrieben hast, aber ich hab es nicht über mich gebracht es zu lesen. Weil ich Angst davor hatte eifersüchtig zu werden. Einfach weil du immer sagst er ist dein Seelenverwandter. Fuck, du hast ihn so sehr geliebt. Und mich...“, redet er sich plötzlich von der Seele. Seine Worte sorgten für einen Kloß in meinem Hals. Den es war so offensichtlich gewesen und ich hatte es nicht gesehen. Weil ich mit mir selbst beschäftigt war.
„Und dich liebe ich auch. Auf eine andere Art und Weise, eine.... gesündere wenn ich... ganz ehrlich sein soll“, für den riesen Kloß in meinem Hals klang meine Stimme überraschend fest.
„Nait, du bist nicht mein Seelenverwandter“, jetzt sah ich von meinen Händen in seine Augen. Legte meine Hand auf sein Knie, anstatt mir weiter den Handrücken zu zerkratzen.
„Und das ist okay. Das ist gut, weil sonst wäre das zwischen uns anders. Würde vielleicht genau so ablaufen wie mit Cob“, ich hielt kurz inne, um die Richtigen Worte zu finden.
„Ich glaube man kann mehr als auf eine Art lieben. Mehrere Personen gleichzeitig Lieben. Und die Liebe die ich für Cob hab und hatte ist eine andere als zu dir. Das eine war eine Liebe zum Überleben. Zum nicht wahnsinnig werden. Zwischen zwei verlorenen Seelen, die einander gefunden haben. Die füreinander bestimmt waren. Und die Liebe zu dir ist wie ein wachsen. Wie ein Baum, der mich nicht zum Leben braucht, aber der durch mich erblüht. Eine Liebe zum Wachsen und zum standhalten“, versuchte ich ihm zu erklären und hoffte er verstand worauf ich hinaus wollte.
„Du kannst euch nicht vergleichen und du musst nicht eifersüchtig werden. Egal was du ließt“, schob ich hinterher und strich von seinem Bein, zu seiner Hand die auf seinem Oberschenkel lag. Ergriff seine Hand, um sie fest zu drücken. Nait ließ mich machen, schwieg einen Moment lang, ehe er etwas dazu sagte.
„Ich verstehe langsam wirklich warum du ihn so sehr gebraucht hast. Warum diese eine Konstanz in deinem Leben so wichtig geworden ist. Und ich werde es lesen und ihn entweder vor Eifersucht hassen, oder mich auch in ihn verlieben. Aber ich will den Anfang eurer Geschichte von dir hören“, jetzt drückte er ebenfalls meine Hand. Sah mich endlich richtig an.
„Also ist meine Frage die ich mir überlegt habe, wie habt ihr euch kennengelernt?“ Schweigend erwiderte ich seinen Blick. Jetzt ließ ich seine Worte sacken. Doch dann bildete sich ein freches Grinsen auf meinen Lippen.
„Ohh du wirst den Kerl genau so lieben wie ich. Okay, ich erzähl es dir“, stimmte ich zu und legte meine Stirn etwas in Falten. Überlegte wo ich anfangen sollte.
„Okay also wir waren damals 16 Jahre alt und ich habs kaum noch zu Hause ausgehalten. Weswegen ich mich oft und gern am Sunset aufhielt. An dem Abend Ende August wollte ich ein Konzert im Roxys sehen....“, begann ich ihm dann zu erzählen.
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Es direkt aus Jacks Mund zu hören machte es für Nait auf eine Art und Weise greifbar, die er kaum für möglich gehalten hatte. Als hätte ein Puzzle, dass er versuchte zusammenzusetzen, endlich ein verständliches Bild bekommen. Jack erzählte ihm von seinem ersten Treffen mit Coby. Davon wie sie zusammen ins Roxy eingebrochen waren, um ein Konzert anzusehen. Was wirklich überraschend gut zu dem Bild passte, dass Nait eh schon von den Beiden hatte. Zwischendurch spürte er einen kleinen Stich der Eifersucht in sich. Nicht direkt wegen Jacks Worten, sondern wegen seinem Blicken, dem was zwischen den Worten und Zeilen mitschwang. Doch es war erträglicher als Nait erwartet hatte. Und er hatte sich lange, sehr lange, den Kopf darüber zerbrochen. Hatte die Situation förmlich zerdacht und alle möglichen Szenarien durchgespielt.
Als Jack am Ende seiner Erzählung angekommen war, spürte Nait den Blick des Musikers auf sich. Forschend und fast schon vorsichtig. Als schien er erraten zu wollen wie Nait dazu stand. Was er jetzt fühlte oder dachte.
„Grad bist du für mich unlesbar“, stellt er dann fest und fuhr sich mit den Fingern durch die Haare.
„Also red mit mir“, schob er hinterher, als Nait immer noch schwieg.
„Ich weiß nicht was ich denken soll, oder sagen“, gab er dann zu und schüttelte leicht seinen Kopf.
„Es fühlt sich an wie das öffnen eines ganz neuen Kapitels. Eines das auch unsere Beziehung beeinflusst“, begann Nait und runzelte seine Stirn.
„Was nichts schlechtes sein muss“, argumentierte Jack und Nait konnte seine aufkommende Unruhe spüren.
„Das gehört zu mir und das wusstest du von Anfang an. Lass das nicht zu einem Problem werden, weil es eigentlich keines ist“, Jacks Stimme war überraschend fest als er das sagte. Sich aus der angespannten Situation löste, in dem er aufstand und sich streckte.
Nait beobachtete ihn dabei, doch dann schlich sich ein leichtes Lächeln auf seine Lippen, als der andere sich zu ihm drehte und ihm grinsend die Hand hinhielt.
„Also beenden wir deinen unfairen Gewaltmarsch noch? Ich wollte nicht meinen ganzen Tag mit joggen verbringen. Eigentlich wollte ich deprimiert im Bett liegen und mich über meinen Kater beschweren. Aber das ist ins Wasser gefallen“, scherzte er und zog Nait, der seine Hand ergriffen hatte, mit einem kräftigen Ruck zu sich hoch.
„Hast du verdient“, verteidigte Nait sich.
„Absolut nicht. Kein Stück. Ihr habt mich schon gezwungen schwarzen Kaffee zu trinken“, warf Jack empört ein und verschränkte seine Finger mit denen von Nait. Der andere musste wirklich froh darüber sein, dass trotzdem alles irgendwie gut war.
„Hast du auch verdient“, grinste Nait jetzt und lief neben Jack her, der seine Hand ganz fest hielt. Ihn nicht los lassen wollte.
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Seit ich aus der Klinik zurück gekommen bin hatte ich eines gelernt, entweder es interessierte keinen wenn ich spät Abends, oder wie in diesem Fall früh Morgens, wieder nach Hause kam. Oder es interessierte jeden und löste direkt einen Streit aus. Je nachdem ob Chrishell im Haus war oder nicht. Als ich nach dem Abend, der mit Coby auf dem Dach geendet hatte, nach Hause kam war die Sonne bereits wieder aufgegangen. Wir hatten die ganze Nacht geredet und Musik gehört. Ein wenig wie früher mit Bryce am Strand. Wir waren geblieben bis die Sonne aufging und Coby meinte das er jetzt echt ins Bett müsste. Sonst würde er direkt auf dem Dach einschlafen. Eine Option die ich freiwillig gewählt hätte, wenn ich gewusst hätte was zu Hause los war.
Es fing eigentlich ganz ruhig an. Ich schloss fast lautlos die Haustür auf und schlich mich ins Haus, das groß und still vor mir lag. Nicht mal James oder Eliza waren wach. Romain war, so weit ich mich erinnerte, auf einer Geschäftsreise und somit nicht im Haus. Und auch Chrishell schien nicht da zu sein. Jedenfalls sagte mir das mein Bauchgefühl. Ich hatte mit der Zeit ein Gespür dafür entwickelt, wann die Hexe im Haus war und wann nicht. Also führte mich mein erster Weg in die Küche. Ich war hungrig und wollte nicht mit knurrendem Magen ins Bett gehen. Nachdem ich einen kurzen Blick in den Kühlschrank geworfen hatte, fiel meine Wahl dennoch auf eine große Schale Cornflakes. Immerhin kaufte Eliza mir immer eine Packung, da ich der Einzige im Haus war der dieses süße Zeug zum Frühstück, oder zwischendurch, aß. Ich setze mich an den Marmortresen der Küche und fing an zu essen, schaute dabei auf mein Handy und scrollte ein paar Nachrichten durch. Überlegte ganz kurz Coby ein Foto meines Essens zu schicken, weil wir uns auch über unsere Lieblings Cornflakes unterhalten hatten. Nur dann würde er was von der Küche sehen und wie sollte ich ihm das erklären, dass allein diese Küche wohl mehr kostete als sein gesamter Besitzt? Eigentlich hatte ich auch noch gar keine Lust über meine Lebensumstände zu reden. Wobei, er würde es mir eh nicht glauben, es war so absurd wenn man mal drüber nachdachte.
Und während ich beim essen meinen Gedanken nachhing betrat plötzlich jemand die Küche. Oder eher gesagt, lief eine junge Frau an mir vorbei zur Kaffee Maschine. Sie trug lediglich ein Hösschen und ein viel zu großes T-Shirt, dass sehr wahrscheinlich meinem Bruder gehörte. Er musste es also ausgenutzt haben das niemand zu Hause war. Sie schien mich nicht zu bemerken, den sie bediente in aller Ruhe die Maschine und stand dabei so mit dem Rücken zu mir, dass ich freien Blick auf ihren Arsch hatte. So ganz wusste ich nicht was ich davon halten sollte. Die Aussicht war nicht übel, aber sie haute mich auch nicht um. Noch während ich überlegte ob ich mich bemerkbar machen sollte, betrat mein Bruder die Küche. Auch er trug ebenfalls nur Unterwäsche und schien mich ebenfalls nicht zu bemerken. Den sein Blick lag fest auf seiner Eroberung. Gespannt verfolgte ich ihn mit dem Blick. Beobachtete wie er auf die zuging und seine Arme von hinten um sie schlang. Woraufhin sie zu kichern begann. Doch als er anfing ihren Hals zu küssen, beschloss ich mich doch lieber bemerkbar zu machen. Ehe sie in der Küche etwas begannen, dass ich absolut nicht bei meinem Bruder beobachteten wollte.
Also aß ich sehr geräuschvoll weiter. Ließ meinen Löffel dabei mit Absicht gegen die Schüssel klacken und konnte beobachten wie beide überrascht zusammenzuckten. Die junge Frau quickte überrascht auf und drehte sich aus Bryce Armen heraus, um mich anzustarren. Blanke Überraschung lag dabei in ihrem Blick. Auch Bryce drehte sich zu mir um. Jedoch lag in seinem Blick weniger Überraschung, eher wirkte er sehr genervt von meiner Anwesenheit. (Hatte ich schon erwähnt wie sehr unsere Beziehung im Keller war? Wie sehr Bryce sich verändert hatte? Zwischen dem Jungen der mich nachts in seinem Bett schlafen ließ und der jetzt vor mir stand lagen WELTEN!)
„Oh, was machst du den hier? Ich dachte du wärst weg“, begrüßte er mich mit einer kühle in der Stimme, die mich immer noch traf. Zu seiner Begleitung gewannt meinte er:
„Das ist nur Jack, der Junge den wir aufgenommen haben“ Yeah, Bryce nannte mich nicht mehr Bruder. Warum genau weiß ich nicht, wahrscheinlich hatten seine Eltern ihm in meiner Abwesenheit eingetrichtert das „Bruder“ in Bezug auf mich zu den verbotenen Wörtern gehörte. Was nichts daran änderte, dass diese Bezeichnung wehtat und mich triggerte. Besonders in meinem müden Zustand. Die Zeiten in denen ich etwas hatte über mich ergehen lassen waren längst vorbei.
„Und wer ist deine Begleitung? Nur die Schlampe die du heute Nacht abgeschleppt hast?“, konterte ich mit erhobener Augenbraue und ließ meinen Blick über die arme junge Frau gleiten, die das Pech hatte zwischen die Fronten zu geraten.
„Die letzte war hübscher“, provozierte ich ihn und spürte direkt seinen wütenden Blick auf mir. Die Dame schnappte bei meinen Worten beleidigt nach Luft und schlang ihre Arme um ihren Körper.
„Wie bitte?“, fragte sie nach. Und noch ehe Bryce etwas sagen konnte klärte ich sie auf.
„Na du bist weder die Erste noch die Einzige, noch wirst du die Letzte sein. Ein Fick und meistens wars das. Ich wette ihr wart schick Essen, er hat dich von zu Hause abgeholt und war ein richtiger Gentleman. Dann hat er dich mit nach Hause genommen und ihr hatte ne heiße Nacht und gleich setzt er dich vor die Tür. So läuft das immer“, meinte ich unbeeindruckt und rutschte von meinem Hocker. Ließ meine leere Schüssel auf dem Tresen stehen und schnappte mir die Packung Lucky Charms.
Bryce Wut spürte ich noch während ich die Küche unbeeindruckt verließ. Gleich würde er versuchen ihr zu erklären das ich irre war, unrecht hatte und sie was besonderes war. Nur damit er sie noch mal ins Bett bekam, ehe er sie wirklich vor die Tür setze und nie mehr anrief. Tja, er wollte nichts mehr von mir wissen, aber ich hatte schnell gelernt wie mein Bruder jetzt tickte. Was er heimlich hinter dem Rücken seiner Eltern tat. Vielleicht war das meine Art ihm durch die Blume zu sagen wie sehr mich sein Verhalten verletzte. In dem ich zurück verletzte und yeah, okay ich spielte mit unfairen Mitteln. Nur wenn ich Fair spielte verlor ich jedes Mal. Eben weil auch meine Gegner nicht fair spielten. Seit Romain mich ohne meine Zustimmung in die Klinik gebracht hatte, hatte ich aufgegeben irgendwas von meiner „Familie“ zu erhoffen. Selbst Bryce hatte ich irgendwie aufgegeben. Oder versuchte mir das einzureden. Und noch während ich mit meinem Essen nach oben in mein Zimmer ging, tippte ich eine Nachricht an Jacoby. Fragte ihn ob wir uns heute Abend wieder am Roxy trafen. Den ich hatte absolut keine Lust diesen Abend zu Hause zu verbringen. Ich würde schlafen, mich danach fertig machen und wieder verschwinden. (Vielleicht floh ich auch unterbewusst ein wenig vor der erneuten Konfrontation mit Bryce. Den die würde hässlich werden.)
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