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So we are not going home

Harlekin — www.fanfiktion.de · All chapters

So we are not going home

Alice. So hieß meine Mom und bis heute glaube ich das sie wie die berühmte Roman Figur Alice im Wunderland verloren ging. Nur war ihr Wunderland ein von Drogen geschaffener Ort und der nette Hutmacher eigentlich ihr Dealer. Nachdem meine Granny verstorben war änderten sich viele Dinge in meinem Leben. Der Sepia Filter wurde immer grauer und die Sonne meiner Kindertage verschwand hinter dicken Wolken. Zuerst hörte Mom auf mir vorzulesen. Klingt banal, aber für mich war das damals eine harte Veränderung. Also musste ich selber lesen. Was ich viel tat. Den die Flucht in andere Welten lag mir ebenfalls im Blut. Egal ob durch Musik, oder ein Buch. Das Lesen ist bis heute einer meiner Leidenschaften zu denen ich immer wieder zurück kehre.

(Ich weiß ich weiß, keiner von euch erwartet das von mir. Aber auf Tour habe ich immer mindestens ein Buch mit. Was sollte ich sonst während den endlos langen Busfahrten tun?)

Oft lieh ich mir damals Bücher aus der Bücherei aus. Sie war einige Straßen von unserem Haus entfernt und so musste ich immer mit dem Bus fahren, oder den weiten Weg laufen. Bewaffnet mit meinem Rucksack und dem Willen nicht zu Hause sein zu wollen. Den entweder war ich dort komplett allein, da Mom keine Ahnung wo war, oder noch schlimmer... sie hatte Besuch. Und ich hasste ihren Besuch. Den das waren allesamt Arschlöcher. Keine Ahnung ob sie von Natur aus so waren, oder ob die Drogen sie dazu machten. Aber sie hatte zu der Zeit diesen einen Freund. Rob. Wenn Rob vorbei kam, dann nur mit einer Tüte Pillen und weißen Zeug für sich und meine Mom. Dann saßen sie im Wohnzimmer und warfen sich die Dinger ein. Mom, komplett verloren und Rob sich dessen bewusst. Er hasste Kinder, ergo mich. Und das ließ er mich spüren. Mit Worten, mit Schlägen, nicht oft aber das ist auch keine Entschuldigung und vor allem damit das er mich raus warf. Er wollte allein sein mit Mom. Da störte ich nur. Die ersten Male war ich am Boden zerstört darüber und wusste nicht wohin mit mir. Also saß ich auf der Feuertreppe und wartete ab. Mit einem Buch, mit meinem Walkman oder einfach komplett allein. Doch das Warten wurde mir bald zu blöd und so lernte ich dazu. Zum einen, dass ich mir was zu Essen mit nehmen sollte und zum anderen das es keinen interessierte ob ich da wartete oder weg war. Und hey, ich bin der Sohn meiner Mutter, der Enkel meiner Granny und somit liegt mir ein gewisser Drang nach Freiheit im Blut. Also nahm ich mir etwas zu Essen mit, meist was Süßes ich war immerhin ein Kind, und ging auf Abenteuer.

Zu der Zeit lernte ich auch meinen Freund Hades kennen. Er war ein großer schwarzer Kater der gern auf der Feuertreppe entspannte. Und Essen liebte. So wurden wir Freunde. Ich fütterte ihn mit Schinken und er begleitete mich auf meinen Streifzügen durch die Nachbarschaft. Oder saß mit mir auf der Feuertreppe und passte auf. Er war ein ruhiger Kater, der immer diesen gewissen genervten Blick drauf hatte. Der allein durch seine Größe und Farbe irgendwie bedrohlich wirkte, doch eigentlich war er ein Softie. Und mein bester Freund. Den, naja ich war zu der Zeit ein recht einsames Kind. Soziales lag mir nicht sonderlich und für die anderen Kinder hier war ich der Komische der immer mit seinem Walkman und Kopfhörern durch die Gegend lief. Oh und der Sohn der Junkie Frau, von der man Abstand nehmen sollte. Wir lebten jetzt nicht im besten Viertel von L.A. aber auch hier wollten Mütter ihre Kinder beschützen.

Naja, es gibt schlimmeres als einen Kater zum Freund zu haben oder? Und ab und an spielte ich auch mit den anderen Kinder. Nur entstand dabei nie eine richtige Freundschaft.

Einer dieser Nachmittage blieb mir besonders im Gedächtnis hängen. Es war mitten im Sommer, ich hatte Sommerferien und somit viel zu viel Freizeit. Unbeaufsichtigte Freizeit um genau zu sein. Also wartete ich nicht mehr darauf aus der Wohnung geschmissen zu werden, sondern ging einfach von allein. Dabei nutze ich nie die Tür, sondern schlüpfte immer durch das Wohnzimmerfenster auf die Feuertreppe. (Yeah ich weiß, eine Angewohnheit die ich bis heute beibehalten habe.)

Wie jeden Nachmittag wartete Hades bereits auf mich. Er saß auf den Metallstufen der Treppe und sonnte sich. Und wie jeden Nachmittag gab ich ihm seine verdiente Scheibe Schinken. So lief es immer zwischen uns ab. Er wartete, ich kam und fütterte ihn und dann gingen wir los. Er kam auch nicht jedes Mal mit, aber irgendwann tauchte er immer bei mir auf. Es war einer dieser Tage gewesen, an denen er direkt mit kam. Wir streiften also zu zweit durch die Hinterhöfe und Gassen von L.A. Suchten nach einer Beschäftigung, oder neuen Freunden. Das war auch die Zeit, in der ich mich am Taschendiebstahl versuchte und gar nicht mal so mies darin war. Immerhin brauchten wir auch was zu Essen. Und für Essen braucht man Geld. Doch an diesem Nachmittag landete ich auf einer der belebteren Straßen. Ich beneidete gerade ein paar Kids die mit ihren Rädern am Eisstand standen und sich eine Abkühlung holten. Sie hatten gerade alles was ich auch wollte. Ein cooles Rad, Freunde und ein Eis. Doch dann wurde ich von etwas abgelenkt. Eher gesagt von jemanden. An einer Hauswand saß ein ziemlich heruntergekommener junger Mann. Blaue Haare die wohl mal ein Iro gewesen waren, auffällige Klamotten und eine Gitarre. Auf der er angefangen hatte Nirvana zu spielen. Und das war noch so viel cooler als ein Rad, Freunde und ein Eis.

Ich setzte mich einfach zu dem Typen an die Hauswand und bewunderte ganz offen sein Gitarren Spiel. Bis dahin konnte ich nur Klavier spielen, aber eine Gitarre war noch viel cooler. Besonders wenn sie so alt und mit Stickern beklebt war wie seine.

„Das ist voll cool. Wie heißt der Song?“ Ich war noch nie sonderlich zurückhaltend gewesen, also hatte ich den Typen direkt mit Fragen bombardiert. Welcher irritiert auf das Kind neben sich gesehen hatte und dann lachen musste. Im Ernst er lachte über mich. Wahrscheinlich war das Ganze eben so ein Sonderfall für ihn gewesen wie für mich. Aber es war cool.

„Danke man. Der Song heißt Lake Of Fire. Von Nirvana. Du weißt schon von dem Typen der sich umgebracht hat.“ Erklärte er mir dann und bis dato war Nirvana oder „Der Typ der sich umgebracht hat“ noch kein Thema für mich gewesen. Als Kind bekommt man einfach so viel weniger davon mit, was in der Welt um einen herum passiert. Also gab mir der Typ mit der Gitarre eine kurze Einführung in das Leben und in das zu schnelle Ende von Kurt Cobain. In dem Alter konnte ich es noch nicht so ganz verstehen, aber es beeindruckte mich wirklich. Doch was noch viel cooler war, danach legte er mir seine Gitarre auf den Schoß.

„Willst du mal spielen?“ Fuck, das war mein erster persönlicher Kontakt mit einer Gitarre. Ich kannte ihren Klang, ich hatte sie schon öfter bewundert wenn sie in einem Laden ausgestellt waren. Aber eine in den Händen hatte ich noch nie. Also strich ich komplett fasziniert über das Holz. Wanderte mit meinen Fingern weiter zu den Saiten und das Kribbeln in meinen Fingerspitzen das ich dabei spürte ließ mich nie wieder los. Manchmal kribbeln sie bis heute wenn ich über die Saiten einer Gitarre streiche. Die ersten Töne die ich ihr dann entlockte waren grob, unbeholfen und schief. Aber sie waren ehrlich und von mir selbst gespielt. Mit meinen eigenen kleinen Händen. Also reine Kunst. Jedenfalls in meinen Augen. Damals. Mit keine Ahnung 9 Jahren oder so.

Der blau Haarige Typ lachte als ich die ersten Töne spielte. Doch er schien meine Bewunderung dahinter zu spüren und vielleicht war er der erste Mensch der mein Talent erkannte. Diesen Funken Rockstar in mir sah, der mit den Jahren einen Waldbrand ausgelöst hatte. Jedenfalls schickte er mich nicht direkt wieder weg, sondern fing an mir zu erklären wie ich die Gitarre richtig halten sollte. Zeigte mir wie man die Saiten richtig anschlug. Mitten auf dem Gehweg in L.A. Zwei Fremde die durch Musik verbunden wurden. Vielleicht ziehe ich das auch einfach an. Alle wichtigen Menschen in meinem Leben hab ich durch die Musik gefunden. Sie ist mein bester Weg mich auszudrücken und Soziale Kontakte zu knüpfen.

Den ersten Song den ich von ihm lernte, oder er versuchte mir zu zeigen war „Where Did You Sleep Last Night“. Ebenfalls ein großer Song von Nirvana. Seit sie Unplugged bei MTV aufgetreten waren wurden ihre Song oft nur mit einer Gitarre gespielt. Und nach Kurts tragischen Tod wurden sie noch mehr zur Stimme einer ganzen Generation. Und von dieser Generation, dieser Stimme, lernte ich.

Nach diesem Nachmittag trafen wir uns häufiger. Ich weiß ehrlich gesagt bis heute nicht wie er richtig hieß. Er war ein Punk, der das Leben nahm wie es kam. L.A. war nur ein Zwischenstopp für ihn. Er nannte sich selbst Rat, also nannte ich ihn auch so. Dafür kannte er auch meinen Namen nicht. Er nannte mich einfach Kiddo. Und hey damit war ich komplett cool. Nach diesem Nachmittag wurden meine Sommerferien ziemlich aufregend. Statt einer Scheibe Schinken für Hades nahm ich jetzt noch zusätzlich ein Sandwich für Rat mit und wir trafen uns am Ort unseres ersten Treffens. Und hey, ich weiß was ihr denkt aber es war nichts komisches daran. Er war 16 oder 17 oder so. Für mich in dem Alter also schon Erwachsen. (Rückblickend... aus meiner Sicht als Erwachsener... fuck er war selbst noch n Kind.)

Seine alte Gitarre war also die auf der ich spielen lernte. Meist sahen unsere Treffen tatsächlich so aus, dass ich mir die Finger wund spielte und er Tipps gab und das Sandwich aß das ich ihm mit brachte. Dabei erzählte er immer mal wieder von seinem Leben auf der Straße. Wahrscheinlich hatte er auch einfach niemanden zum reden, so wie ich. Doch ich erzählte ihn nie von meiner Mom und der Situation zu Hause. Bis ich eines Mittags an unserem typischen Treffpunkt auftauchte und ein blaues Auge hatte. Moms Dealer hatte es mir verpasst, als ich seiner Meinung nach zu frech zu ihm war. Ha, dieser Pisser konnte nur nichts ab.

Jedenfalls war Rat richtig schockiert, als er mich so sah.

„Fuck Kiddo, was ist passiert?“ Hatte er gefragt und erst wusste ich tatsächlich nicht ganz was er meinte. Zu dem Zeitpunkt meines Lebens war Gewalt irgendwie normal geworden. Nur waren meine Blauen Flecken meist an unauffälligeren Stellen. Und als ich checkte was er meinte hatte ich ihn direkt wieder schockiert, den ich hatte nur mit den Schultern gezuckt und mich mit den Worten:

„Moms Dealer hat mich geschlagen. Nichts wildes.“ Zu ihm gesetzt. Immerhin war ich zum Gitarre spielen hier. Nicht zum über meine Probleme reden. Im Nachhinein ist es schon.... fraglich das Rat sich nie fragte warum ein Kind jeden Tag von früh bis spät mit ihm abhing.

Er legte jedenfalls seine Hand auf meine, die bereits wieder an seiner Gitarre lag und hatte mich nach Wochen unserer Freundschaft zum ersten Mal gefragt, was bei mir zu Hause los war. Auch wenn er durch das Wort Dealer schon eine gewisse Ahnung gehabt haben muss. Hades lag wie so oft auch bei diesem Gespräch neben mir und scannte die Umgebung ab. Damals hatte ich Rat alles erzählt. Vielleicht weil er nach langer Zeit der Einzige war der mir zugehört hatte. Wirklich zugehört hatte. Der verstehen konnte was bei mir zu Hause los war. Den ganz ehrlich? Es musste auch einen Grund geben warum er auf der Straße lebte. Vielleicht waren unsere Geschichten ähnlich. Ich erzählte ihm also von Moms Sucht, von den Leuten die bei uns zu Hause ein und aus gingen, ihrem Dealer der mich schlug, von Rob der mich rauswarf und davon das ich ziemlich allein war. Ich glaube ich wollte damals nicht weinen, aber ich tat es. Und Rat schien mich zu verstehen und nahm mich in den Arm. Fuck, ich hab dem Typen eigentlich wirklich was zu verdanken. Vielleicht hätte ich ohne ihn nie meine Liebe zur Gitarre entdeckt. Oder meine liebe zu bunten Haaren und der Punk Mode. Aber was wohl noch schwerer wiegt als all das, ich hatte jemanden zum reden. Jemanden der damals wenigstens ein bisschen auf mich aufgepasst hat. Als Rat nach den Sommerferien einfach ohne ein Wort verschwunden war, war ich am Boden zerstört. Eine ganze Woche lang wartete ich jeden Tag an unserem Treffpunkt auf ihn. Doch er kam nie wieder. War einfach verschwunden und ich wieder allein. Ohne menschlichen Freund. Ohne Gitarre. Bis heute würde ich gern wissen wo er hin ist und ob er überhaupt noch lebt. Also wenn du das hier mal lesen solltest Rat, danke für alles. Und melde dich, ich hab seit unserem letzten Treffen viel zu erzählen. Und einiges auf der Gitarre dazu gelernt.

♫

Fuck, ich hatte ewig nicht mehr an Rat gedacht. Und wenn ich ewig sage, dann meine ich wirklich ewig. Dabei war er für einen Sommer lang der wichtigste Mensch in meinem Leben. Und hatte mir nebenbei auch noch das Gitarre spielen beigebracht. Meine Finger hingen über den Tasten meines Laptops und mein Blick lag nachdenklich auf meinen Worten. Die Geräusche aus der Küche um mich herum nahm ich gar nicht richtig wahr. Das Klappern der Töpfe war schon längst zu einer Hintergrundmusik für mich geworden geworden.

„Hast du es dir eigentlich noch mal überlegt?“ Hanakos Stimme drang durch das Klappern der Töpfe zu mir durch. Dennoch brauchte ich kurz, um ihre Frage in meinem Kopf zu ordnen. Ich hatte mich am frühen Abend zu ihr in die Küche gesetzt, um noch ein bisschen zu schreiben. Irgendwie hatte ich ihre natürliche Ruhe gesucht, die sie stets ausstrahlte.

„Was hab ich mir noch mal überlegt?“ Stellte ich nach einem kurzen Moment des Nachdenkens die Gegenfrage. Sah sogar von meinen Worten zu ihr hoch. Hanako lehnte mit einem belustigten Schmunzeln an der Küchenzeile.

„Die ganze Therapiesache über die wir gestern gesprochen haben.“ Erinnerte sie mich mit sanfter Stimme. Ließ mich dabei allerdings nicht aus den Augen. Sie hatte das Ganze Thema gestern erneut angeschnitten. Nicht unbegründet wie ich leider zugeben musste. Auch wenn es mir aktuell verdammt gut ging, dass konnte sich schnell wieder ändern. Der ausschlaggebende Grund war allerdings etwas anderes. Unser Manager Michael Gold hatte uns gestern die freudige Nachricht überbracht das wir noch einige Konzerte vor uns hatten und was noch viel besser war, uns Last Minute noch bei den Winterfestivals in Europa untergebracht hatte. Was bei allein Bandmitgliedern zu viel Freude führte, den sie waren noch nie in Europa gewesen. Und ja okay, dass würde kalt werden und ich war eigentlich keine Winterperson. Aber die Festivals waren schon ziemlich cool. Harlekin hatte sie vor einigen Jahren ebenfalls mitgenommen und es war eine wirklich coole (und kalte, mein Gott war das teilweise kalt gewesen) Erfahrung gewesen.

Doch Hanako hatte durch all die Freude eine wirklich verständliche Sorge geäußert. Wie würde es meinen Kampf mit dem Alkohol und den Drogen ergehen, wenn ich umgeben von Alkohol war. Den machen wir uns nichts vor, auf Festivals waren die Wenigsten nüchtern. Und Alkohol allgegenwärtig. Eben so wie Drogen.

„Ehrlich gesagt hab ich es verdrängt.“ Gestand ich ihr nach einem kurzen Moment des Schweigens. Vorsichtig schielte ich über den Rand meines Bildschirms und traf auf ihren tadelnden Blick. Jap, die Frau hatte uns alle mehr oder weniger im Griff. Auch mich.

„Du solltest dir allerdings darüber Gedanken machen, Jack. Das wird nicht einfach für dich werden und vielleicht ist es hilfreich sich noch mal Hilfe zu suchen. Tipps zu holen was du in brenzligen Situationen tun kannst.“ Versuchte sie mich erneut für ihre Idee zu begeistern. Nur leider war ich immer noch fest der Meinung so etwas nicht zu benötigen. Ergo verzog ich trotzig mein Gesicht.

„Das wird schon. Die letzten Male hab ich es auch geschafft.“

„Ja, weil du andere Baustellen hattest und es bei dem einen Auftritt auch keinen Alkohol gab.“ Schnaubte sie und schüttelte den Kopf über mich.

„Ich verstehe, dass du schlechte Erfahrungen gemacht hast nur heißt das nicht das alle so sind. Du solltest dem Ganzen eine Chance geben. Lieber früher als zu spät.“

„Ich schreibe. Das ist meine ganz eigene Therapie. Genau wie die Musik. Ich brauche niemand externen der mir erklärt was ich fühle.“ Sie meinte es nur gut und sie hatte einen wirklich guten Punkt, nur... war ich was Therapiesachen anging wirklich gebrandmarkt. Was niemanden wundern sollte wenn man vom eigenen Vater, gegen den eigenen Willen, dazu gezwungen wird eine Therapie zu machen und der eigene Vater viel Geld dafür bezahlt das dabei das Ergebnis raus kommt was er will. Jetzt kam sie zu mir herüber und legte sanft ihre Hand auf meine Schulter.

„Ich weiß und ich weiß das diese Dinge dir gut tun. Aber ich denke das wird auf lange Sicht nicht reichen. Vertrau mir da ein bisschen. Und glaub mir bitte, ein guter Therapeut sagt dir nicht was du fühlst sondern hilft dir selber darauf zu kommen. Frag meinen Vater wenn du mir nicht glaubst.“ Versuchte sie mich zu überzeugen. Und was sollte ich dagegen schon sagen? Immerhin war ihr Dad wirklich einer und hatte allem Anschein nach viel Ahnung von seinem Gebiet. Dennoch sträubte sich alles in mir.

„Hanako bitte, lass einfach gut sein. Ich brauch niemanden dafür.“ Versuchte ich es erneut und sah bittend zu ihr hoch. Doch die schwarz Haarige Frau hinter mir hob nur ihre Augenbraue.

„Niemanden? Jack bei aller Liebe, du hast Coby gebraucht. Du brauchst uns alle. Du brauchst Nait. Das du niemanden dafür brauchst ist gelogen und das du so was nicht brauchst auch. Die Wahrheit ist, dass ihr euch schon früher hättet Hilfe holen müssen. Du dir viel eher hättest Hilfe holen müssen. Nur weil es grad gut läuft heißt das nicht, dass es immer so laufen wird. Ich will dich noch lange bei uns haben, also bitte versuch es. Ich helfe dir auch jemand passenden für dich zu finden. Ich lass dich damit nicht in Ruhe. Den Fehler machen wir nicht noch mal, okay.“ Autsch. Das hatte gesessen. Weil es wahr war. Wortlos starrte ich sie an. Unfähig etwas darauf zu sagen, den leider hatte sie Recht. Und das wusste sie.