I eat boys like you for breakfast
I eat boys like you for breakfast
Der spontane Auftritt mit Lee tat mir irgendwie auf eine andere Art und Weise gut. Vielleicht weil er mich darin bestätigte, dass andere Menschen sich von meiner kreativen und offenen Art anstecken ließen. Oder weil es einfach der Moment war, in dem wir auf der Bühne connecten. Unsere auffälligen Haare im Scheinwerferlicht leuchteten. Nach dem die letzten Töne verklungen waren hatte Lee mich noch einmal in eine herzliche Umarmung gezogen und sich für den Moment bedankt. Vielleicht würden wir das jetzt öfter tun, wenn wir mal am selben Ort, zur selben Zeit spielen würden.
Als ich von der Bühne schlenderte lief ich direkt in Naits Arme. Mein Freund war von seinem Platz auf der Equipment Kiste aufgestanden und hatte sich an den Rand der Bühne gestellt.
„Cooler Auftritt, aber die Wette hast du verloren“, begrüßte er mich und ließ sein Handy zurück in seine Hosentasche gleiten. Er musste den Auftritt eben gefilmt haben.
„Sieht so aus. Leugnen kann ich es auch nicht wenn du einen Videobeweis hast“, seufzte ich dramatisch, ehe mein Seufzten zu einem Lachen wurde.
„Können wir das öfter machen? Uns wo rein schleichen und schauen obs auffällt?“, fragte ich ihn mit diesem aufgeregten Funkeln in den Augen. Dieser eine Tag wusch gerade wirklich einen großen Teil der Last weg, die mich die letzten Wochen über heruntergedrückt hatte. Auch wenn mir bewusst war, dass sie wiederkommen würde. Gerade war nicht der Moment um sich darüber zu beklagen. Ich wollte es genießen, dieses leichte Gefühl.
„Ohman, du hast einen so schlechten Einfluss auf mich“, lachte Nait und fuhr sich mit den Fingern durch die Haare. Hatte allerdings ebenfalls ein aufgeregtes Funkeln in den Augen. Den würde er diese Seite an mir, diese Seite am Leben, nicht auch irgendwie lieben dann würde er es kaum lange mit mir aushalten.
„Fällt dir früh auf“, spottete ich und nahm seine Hand, zog ihn an mich und bewegte mich zusammen mit ihm zur Musik, die immer noch laut von der Bühne kam. Nait lachte überrascht auf, ließ sich allerdings direkt darauf ein. Auch ihm schien heute eine Last von den Schultern gefallen zu sein.
„Hmh, ich freu mich jetzt schon auf unsere nächsten Konzerte. Schade das sie erst im neuen Jahr sind. Wie soll ich es bis dahin aushalten?“, fragte ich ihn mit einem dramatischen Unterton in der Stimme.
„Ich weiß auch nicht. Kommt ja nur so was wie Thanksgiving und Weihnachten. So ganz kleine Feste“
„Du hast den wichtigsten vergessen. Halloween“, lachte ich und löste mich etwas von Nait, um ihn wieder ansehen zu können.
„Halloween wiegt für dich mehr als Thanksgiving und Weihnachten?“, jetzt klang Nait ungläubig. Doch ich zuckte nur grinsend mit den Schultern.
„Yeah? Wenn du keine heile Familie hast dann sind diese zwei Feiertage nie so... so cool. Sie wurden erst schön als ich Coby kennengelernt hab. Aber Halloween war schon immer cool“, erklärte ich ihm und er schien es direkt zu verstehen.
„Ich glaube dieses Jahr wirst du alle drei Feiertage lieben. Meine Mom lässt sich das Thanksgiving Dinner nicht nehmen und Weihnachten auch nicht“, meinte er und in seiner Stimme lag dabei eine Wärme, die mir sofort dieses „zu Hause“ Gefühl gab.
♪
Nait und ich waren bis zum Ende des Konzertes hinter der Bühne geblieben und waren danach noch etwas mit der Band, dessen Name ich mir endlich merken konnte, um die Häuser gezogen. Es war lustig gewesen und war einer dieser Abende, die man noch lange in Erinnerung behalten würde. Einfach wegen den Menschen.
Mittlerweile ging die Sonne langsam auf und die Stadt wechselte von ihrem Nachtmodus in ihren geschäftigen Arbeitsmodus. Doch noch war es zu früh für viele Menschen. Während ich noch voller Energie war und summend auf ein teuer aussehendes Gebäude zu steuerte, gähne Nait leise und lehnte sich müde an meine Seite. Ihm sah man die durchgemachte Nacht viel mehr an als mir. Er war allerdings auch schon früher aufgestanden als ich.
„Das ist nicht der Weg nach Hause“, gähnte Nait, als er einen Blick nach oben warf und das große Gebäude vor uns betrachtete.
„Nope, ist zu weit weg. Das hier war näher und ich schulde dir noch Pancakes“, weihte ich ihm ein und öffnete die Tür für ihn. Dirigierte ihn ins Innere des teuren Apartment Komplexes. Nickte dem Security zu nickte, der den Eingang bewachte. Dieser musterte uns kurz, nickte dann allerdings zurück und ließ uns ohne Probleme zu den Aufzügen.
„Sagte er nicht die wäre für Notfälle?“, gähnte Nait, als ich eine Schlüsselkarte hervorzog und an den Aufzug hielt, dessen Türen sich direkt öffneten.
„Ist mein müder Freund und Hunger kein Notfall?“, scherzte ich und dirigierte Nait in den Aufzug. Welcher amüsiert Schnaubte.
„Glaub kaum. Hast du ihm geschrieben?“
„Warum? Er pennt doch eh um die Uhrzeit“, tat ich es ab und grinste frech.
„Ist ne Frühstücksüberraschung, weil ich ihn lange nicht gesehen hab“, fügte ich hinzu und wartete darauf, dass sich die Aufzugtüren wieder öffneten.
Bryce Apartment lag tatsächlich dunkel und still vor uns. Mein Bruder schien tatsächlich noch zu schlafen.
„Entweder er wird sich freuen uns zu sehen, oder er schmeißt uns raus“, scherzte Nait mit einem leichten Grinsen.
„Yeah finden wir es raus. Aber erst Mal legst du dich aufs Sofa während ich Frühstück mache“, wies ich ihn an und führte ihn zu Bryce großen Sofa. Auf das Nait sich mehr als dankbar legte und es sich gemütlich machte.
„Wenn ich einschlafe, weck mich einfach auf“, murmelte er noch, schon mehr schlafend als wach.
„Nope schlaf erst Mal“, murmelte ich leise und strich noch mal durch seine Haare, ehe ich summend in die offene Küche ging, die ans Wohnzimmer angrenzte. Man sah der Küche an das sie nicht oft benutzt wurde. Hoffentlich hatte er überhaupt etwas zu Essen da. Während ich Kaffee machte und Nait auf dem Sofa schlief lauschte ich in die Stille der Wohnung. Wie konnte Bryce nur in so einer stillen und sterilen Umgebung leben, ohne durch zu drehen? Ich musste wirklich etwas an seinen weißen Wänden ändern.
Kaum war der Kaffee, aus der teuren Designer Maschine, in meine Tasse gelaufen setze ich mich damit an den Tresen. Atmete tief durch und ließ die Müdigkeit langsam in meinen Knochen zu. Es war diese schöne Art von Erschöpfung die sich in mir breit machte. Diese Erschöpfung, die man nach eben solchen Nächten spürte. Und tatsächlich genoss ich auch kurz die Stille. Atmete den Duft des Kaffees ein. Nur wurde mein stiller Moment sehr plötzlich unterbrochen. Nicht durch Nait, der wieder wach wurde (der war so erschöpft, den würde ich erst Mal nicht wieder wach bekommen), oder durch Bryce der überrascht ins Wohnzimmer kam. Nein, tatsächlich tapste eine fast nackte Frau aus dem Schlafzimmer meines Bruders. Sie trug nichts weiter als eines seiner großen Hemden und wirkte noch ganz verschlafen. (Uhhh mit dieser Option hab ich nicht gerechnet)
Mein Bruder hatte heute Nacht also Damenbesuch gehabt und irgendwie kam mir diese Szene aus meiner Jugend bekannt vor. Wie oft war ich da früh Morgens wieder gekommen, während Bryce im Bett seinen Spaß gehabt hatte. Neugierig beobachtete ich die brünette Frau, die weder mich noch den schlafenden Nait zu bemerken schien. Gähnend fuhr sie sich mit ihren langen Fingern durch die offenen Haare. Was sie auf eine sehr ästhetische Art und Weise tat. Zugegeben, Bryce hatte keinen schlechten Frauen Geschmack. Sie kam noch etwas näher zur Küche, stoppte dann allerdings plötzlich und starrte mich an. Überraschung spiegelte sich in ihren verschlafenen Augen wieder und ihr Blick wanderte ein mal komplett über mich.
„Hey“, begrüßte ich sie mit einem frechen Grinsen und legte meinen Kopf schief.
„Kaffee oder ein Glas Wasser?“, fragte ich sie und rutschte vom Hocker auf dem ich saß. Sie starrte mich immer noch überrascht an, lachte dann allerdings kurz auf.
„Wasser“, beantwortete sie meine Frage schlicht und setze sich zu mir an den Tresen. Beobachtete wie ich ihr ein Glas Wasser einschenkte und es vor ihr abstellte. Mich wieder an meinen Platz setze.
„Du bist sein Bruder richtig?“, fragte mich die brünette Frau plötzlich, sie hatte ihre Hände um das Glas Wasser gelegt, machte allerdings keine Anstalten daraus zu trinken. „
„Yeah, Jack. Und du bist, seine Geliebte?“, fragte ich sie neugierig. Wenn sie wusste das ich sein Bruder war, dann war sie nicht die erste Nacht hier. Was sie schlagartig interessant machte. Den Bryce hatte keine Frau in seinem Leben erwähnt. Wobei, zugegeben wir hatten die letzten Wochen wenig Kontakt. Ich war mit trauern beschäftigt und er mit Arbeit.
„Geliebte?“ Ihr Lachen klang hell und sie schüttelte leicht den Kopf.
„Ich glaube er würde nicht mal nach Jahren das Wort Liebe benutzen. Dafür ist das noch zu frisch. Sagen wir mal so, wir gehen zusammen Essen und landen dann meist in seinem Bett“, erklärte mir die, mir immer noch, unbekannte Frau.
„Klingt nach meinem Bruder“, schlussfolgerte ich und trank einen Schluck Kaffee. Betrachtete sie weiterhin. Ihre warmen braunen Augen, ihre zarten Gesichtszüge und der Knutschfleck am Hals, der wohl von Bryce kam.
„Ich bin übrigens Celeste“, stellte sie sich dann endlich vor und reichte mir mit einem Lächeln die Hand. Amüsiert betrachtete ich ihre schmale Hand, ehe ich eine meiner Hände von meiner Tasse löste und ihre ergriff.
„Nett dich kennenzulernen. Ich bin Jack und das auf dem Sofa ist mein Freund Nait“, stellte ich uns, jetzt auch offiziell, vor.
„Ich weiß. Bryce redet ab und zu von euch“, meinte sie und ließ meine Hand wieder los.
„Wirklich? Süß, hätte letzten Jahr nie damit gerechnet das er mal von mir spricht“, scherzte ich, ehe ich sie wieder neugierig ansah.
„Was machst du so? Bist du auch in seiner Welt der Anzüge und Aktien unterwegs?“, fragte ich sie, woraufhin sie lachend den Kopf schüttelte.
„Nein, ich bin Schauspielerin. Bisher noch keine all zu bekannte, aber ich hab einige gute Rollen gehabt und spiele bald in einem neuen Disney Film mit“, erzählte sie mir dann.
„Fuck, Bryce hat sich eine Disney Prinzessin geangelt?“, entkam es mir. Was Celeste ebenfalls zum Lachen brachte.
„So in etwa“, stimmte sie mir zu.
„Baby wo....“, kam es da plötzlich mit rauer Stimme aus Richtung Schlafzimmer. Bryce trat, noch sichtlich müde, und in seinen Morgenmantel gehüllt aus dem Zimmer. Hielt allerdings inne als er mich in seiner Küche sitzen sah. Nait auf dem Sofa schien er noch nicht bemerkt zu haben.
„Jack? Was zur Hölle machst du hier? Es ist kurz vor Sieben Uhr an einem Mittwoch“, fragte er mit gerunzelter Stirn und wirkte gleichzeitig ein wenig ertappt. Was wohl daran lag, dass ich mit seiner „Freundin“ an einem Tisch saß.
„Guten Morgen Brycy“, begrüßte ich ihn breit grinsend.
„Naja, Naity war müde und ich schulde ihm wegen na Wette noch Pancakes, deswegen sind wir hier. Auch weil ich dich überraschen wollte. Und jetzt unterhalte ich mich nett mit deiner hübschen Disney Prinzessin“ Bryce stöhnte bei meinen Worten ertappt auf und fuhr sich mit den Fingern durchs Gesicht.
„Das... was hab ich eigentlich auch erwartet wenn ich dir einen Schlüssel für mein Apartment gebe?“, brummte er und setze sich neben Celeste, die ihn amüsiert ansah.
„Ich mag deinen Bruder. Er ist erfrischend und kann gutes Wasser zapfen“, scherzte sie, woraufhin mein Bruder brummend seine Lippen zu einem Lächeln verzog.
„Trotzdem hätte ich ihn dir gern... anders vorgestellt. Mit mehr an“
„Ohh glaub mir, ich bin froh das du überhaupt was trägst. Bei ihr wäre es mir egal, aber bei dir? Ich bin schon in Therapie und Jax hat schon genug zu tun“ Meinen Worten folgte ein dramatisches Seufzten und ein leidender Blick zu meinem Bruder.
„Ich finde es erfrischend jemanden aus deiner Familie so kennenzulernen, anstatt bei einem steifen Abendessen. Jetzt musst du immerhin zugeben, dass es mehr zwischen uns ist als nur belanglose Essen und Sex“, meinte die zierliche Frau mit den braunen Augen und lächelte meinen Bruder zuckersüß an. (Uhh, sie hatte also Feuer.)
Bryce wirkte erneut ein wenig ertappt bei ihren Worten. Yeah, jetzt konnte er es schlecht leugnen.
„Und jetzt kennt sie den wichtigsten Teil deiner Familie. Der Teil der wirklich zählt“ Erneut zuckte ein freches Grinsen über meine Lippen.
„Wobei ein Teil davon tief und fest auf dem Sofa schläft“, ergänzte ich meine eignen Worte. Celeste drehte leicht ihren Kopf und betrachtete denn schlafenden Nait auf dem Sofa.
„Ich hatte erst etwas Sorge, ich würde nicht mit deinem Bruder auskommen, oder müsste versuchen mit einer zickigen Freundin von ihm auskommen zu müssen. Aber ich denke, mit ihm werde ich mich gut verstehen. Er wird immerhin keine Paranoia bekommen ich würde mit seinem Freund im Bett landen, nur weil ich besser als sie aussehe“, meinte sie dann nachdenklich. Bryce stöhnte leise auf und sah mich entschuldigend an, legte allerdings auch seinen Arm um ihre Taille.
„Oh wow, klingt als hättest du schon deine Erfahrungen gemacht“, lachte ich leise und rutschte vom Hocker. Wand mich erst Mal dem Kühlschrank zu, den ich schuldete meinem Freund noch ein Frühstück.
„Vielleicht ein wenig. Es ist nicht leicht als hübsche Frau“, gab sie schmunzelnd zu, während Bryce mich skeptisch dabei beobachtete wie ich Lebensmittel aus dem Kühlschrank und anderen Schränken nahm.
„Ich hab ne Wette gegen Nait verloren und jetzt schulde ich ihm Pancakes. Deswegen sind wir überhaupt hier. Und da du nicht allein bist, mach ich eben noch mehr als geplant“, erklärte ich meinem verwirrten Bruder amüsiert. Welcher nur ein ergebenes „Na wenn du meinst“, von sich gab.
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