LNCrawler

And I can't hide

Harlekin — www.fanfiktion.de · All chapters

And I can't hide

Jacoby meinte das mit dem Vorspielen tatsächlich tot ernst. Ich hatte es ehrlich gesagt für einen Scherz seiner Seits gehalten aber.... yeah er wollte es durch ziehen.

„Du spinnst“, kommentierte ich seinen Vorschlag trocken und fuhr mir mit den Fingern durch die wirren braunen Haare.

„Im ernst du spinnst komplett“, wiederholte ich meine Worte trocken.

„Yeah, aber das scheinst du an mir zu mögen“ Er zuckte mit den Schultern, hatte allerdings dieses besondere Funkeln in den Augen. Ach fuck, damit bekam er mich vom ersten Moment an. (Würde sich übrigens nie ändern. Für dieses Funkeln in seinen Augen würde ich immer wieder alles geben.)

„Oder hast du ne bessere Idee?“, fragte er mich dann, wissend das ich keine haben würde. Weswegen ich nur das Gesicht verzog und ihm gegen den Arm boxte.

„Du spielst ziemlich unfair, weißt du das eigentlich?“

„Schon, ja. Habs ein paar mal gehört. Aber von dir bedeutet es mir noch mehr“, scherzte er, ehe er mich auffordernd ansah.

„Alsoooo...“, meinte er erneut, wobei er das Wort extra in die Länge zog.

„Alsoooo ziehen wirs durch“, beendete ich seinen Satz, wobei ich ebenfalls das Also besonders in die Länge zog. Ihn damit imitierte.

Und ehe er noch etwas dazu sagen konnte stieß ich die Tür zu dem schicken Musikladen auf und schritt hinein. Coby hatte die Idee gehabt unser „Vorspiel“ hier zu veranstalten. Aus einem ganz einfachen Grund. Es mangelte uns tatsächlich an Instrumenten. Seiner Gitarre war eine Saite gerissen und er hatte kein Geld für eine Neue. Meine Gitarre hatte Romain beschlagnahmt, da ich erneut für Ärger in der Schule gesorgt hatte. Er hatte gemerkt das ich Hausarrest recht einfach umgehen konnte, also ging er dazu über mir Dinge als Strafe wegzunehmen die mir wirklich wichtig waren. Sprich meine Gitarre oder meinen Ipod. (Arg, dieser.... dieser... denkt euch einfach eine passende Beleidigung!)

Ihr seht also, es fehlte uns tatsächlich an Mitteln. Und wo waren ein Haufen Instrumente den man gratis ausprobieren konnte? Genau, in einem Musikladen. Cobys Idee war etwas verrückt und gleichzeitig komplett genial. (Verrückt das es mal eine Zeit in unserem Leben gab in dem wir keine Instrumente zur Hand hatten. Jedenfalls verrückt wenn ich an unsere zukünftige Sammlung denke.)

„Wow so viel Auswahl“, murmelte Jacoby, der mir in den Laden gefolgt war. Wir sahen uns einen Moment lang um und waren beide kurz etwas eingeschüchtert. Ich meine wir waren immer noch 16 Jahre alt. Auch wenn wir schon viel durch hatten.

„Also was willst du hören damit ich in deine Band komme?“, fragte ich meinen Kumpel und erinnerte ihn damit direkt wieder an den Grund warum wir überhaupt hier zwischen all den auf Hochglanz polierten Instrumenten standen. Jacoby fuhr sich nachdenklich mit den Fingern durch die Haare.

„Gute Frage so weit ging mein Plan nicht. Probieren wir n paar Gitarren aus?“, meinte er dann einfach und ging auf eine teuer aussehende schwarze Fender Stratocaster zu. Schon in diesem Moment konnte ich den prüfenden Blick des Inhabers auf uns spüren, dem es nicht zu passen schien das zwei wie wir hier waren. Wahrscheinlich weil wir beide aussahen als könnten wir uns keine von den Dingern hier je leisten. Ha, wenn er wüsste wer mein Vater war würde er uns die Füße küssen. (Oder wenn wir erst Mal berühmt sind!) Aber allein der Gedanke daran ekelte mich so an, dass ich meinen Mund verzog. (Nicht der Gedanke berühmt zu sein versteht sich. Der Gedanke daran mit dem Geld meines Erzeugers zu prahlen... wer bin ich? Bryce?) Diese Karte würde ich wirklich nie im Leben ausspielen. Lieber würde ich sterben.

„Ich glaube der Inhaber hackt dir die Finger ab wenn du es wirklich wagst DIE in die Finger zu nehmen“, kicherte ich, als ich bei ihm angekommen war. Jacoby schielte zu dem Typen hinter dem Tresen, der uns immer noch ganz genau beobachtete, hinüber.

„Uhh stimmt“, grinste er und strich andächtig über die Saiten. Was er provozierend langsam tat.

„Was kannst du blind spielen und wovon kenne wir beide den Text?“, fragte er mich dann und nahm die teuer aussehende Gitarre aus ihrem Ständer um sie per Kabel mit einem Verstärker zu verbinden. Nachdenklich leckte ich über meine Lippen während ich ihn dabei beobachtete. Wir hatten noch nie zusammen gespielt und er legte es direkt drauf an. Spannend. Verrückt. Ich liebte es. Also ging ich im Kopf unsere typische Playlist durch, die wir uns stets durch meine Kopfhörer anhörten.

„ Given Up oder Bleed It Out , beides von Linkin Park“, meinte ich dann und sah ihn prüfend an. Wir hörten oft Linkin Park zusammen und ihre Songs spielte ich zur Zeit gern auf meiner Gitarre nach. Vielleicht weil ihre Texte mir aktuell sehr akkurat aus der Seele sprachen.

Jacoby überlegte kurz ehe er zustimmend nickte.

„Given Up bekomm ich hin“, stimmte er mir dann überzeugt zu. Mit einer leichten Verbeugung reichte er mir die teure Gitarre. Mit einem leisen Lachen nahm ich sie ihm ab und hängte sie mir um, sie war schwerer als meine alte Akustik Gitarre zu Hause, oder als die E-Gitarre die ich bei Maddox gespielt hatte. Aber es fühlte sich gut an. Unter dem fassungslosen Blick des Inhabers, der wahrscheinlich kurz davor war uns raus zu werfen, spielte ich testend die Saiten an. Sie war perfekt gestimmt und in meinen Fingern sammelte sich direkt das mir bekannte Kribbeln. In meinem Magen begann es ebenfalls zu kribbeln. Etwas das ich noch nie in der Form gespürt hatte, aber tatsächlich sammelte sich Aufregung in meinem Magen. Wie Elektrizität floss sie durch meine Adern. Und ehrlich ich erwartete nicht groß etwas, als ich die ersten kräftigen Töne von Given Up anschlug. Ich meine, wie sollte mein neuer Freund musikalisch mit mir mithalten? Tja, dachte ich. Und dann öffnete dieser verfickt talentierte Typ den Mund und haute mich mit seiner Stimme und der Energie darin komplett um.

Machte MICH sprachlos.

„Waking in s swaet again

Another day's been laid to waste

Im my disgrace

Stuck in my head again

Feels like I'll never leave this place

There's no escape

I'm my own worst enemy!“

Seine Stimme hatte nicht nur eine Energie die ich bisher bei noch keinem anderen gehört hatte, nein, allein die Art und Weise wie er sang löste etwas in mir aus. Das Raue. Die Rohe Energie dahinter und die Emotionen die mich trafen wie ein Vorschlaghammer. Er gab sich Mühe wie Chester zu singen, was ihm überraschend gut gelang, aber da war noch mehr. Fuck, er hatte mich nach den ersten paar Zeilen komplett von sich überzeugt. Ein gelöstes Lachen drang aus meinem Mund ehe ich spielend leicht den Einstieg zu ihm fand. Meine kraftvolle Stimme sich mit seiner mischte und fuck.... es war perfekt. Es war wie ein Vibe den wir beide direkt gefunden hatten. Nicht perfekt synchron, aber so nah dran dafür das wir zum ersten Mal zusammen spielten. Gerade ich, der sonst einen fick auf andere gab, schaffte es ohne große Probleme mich an diesen irren Typen zu orientieren und anzupassen. Und dieser irre Einzelgänger passte sich im Gegenzug mir an, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Wir fanden die Mitte, ohne groß Suchen zu müssen. Jeder passte sich dem Anderen ein Stück weit an.

I've given up!

I'm sick of feeling!

Is there nothing you can say?!

Take this all away

I'm suffocating!

Tell me what the fuck is wrong... with me?

Unsere Stimmen mischten sich. Klangen harmonischer als ich je gedacht hätte und erwähnte ich schon die Gänsehaut die ich am ganzen Körper hatte? Die er zu haben schien? Wir sahen uns für einen Moment tief in die Augen. Wissend, dass der andere gerade genau das selbe dachte. Wir das selbe spürten. Und dann zog der Inhaber dieses schicken Ladens plötzlich das Kabel aus der Gitarre und unterbrach unseren spontanen Jamm abgrubt.

„Okay nette Vorstellung Jungs und jetzt verpisst euch, wenn ihr eh nichts kaufen wollt“, brummte er und schwenkte das Klinkenkabel hin und her. Jacoby starrte ihn einen Moment sprachlos an, ehe er sich beschwerte:

„Hey, was soll der Scheiß?! Hier ist grad Geschichte passiert“

„Schon klar sagen alle obdachlosen Punks die hier rein kommen“, schnaubte er und sah mich mahnend an. Also hob ich beschwichtigend meine Hände und trennte mich, schweren Herzens, von dieser herrlichen Gitarre.

„Okay, okay kein Stress wir gehen schon“, lenkte ich ein. Der Moment steckte mir noch in den Knochen und meine Fingerspitzen fühlten sich immer noch an als würden sie vibrieren. Jacoby sah mich kurz sprachlos an, dass ich einfach so nachgab. Doch dann hob er ebenfalls beschwichtigend seine Hände, ehe er sie in seine Hosentaschen schob.

„Sind schon weg. Kommst du, Jacky?“, fragte er mich locker und schlenderte bereit Richtung Ausgang.

„Klar“, grinste ich und winkte dem Besitzer noch mal zu.

„Sind schon weg. Haben nur diese geilen Instrumente bewundert. Aber Kunst scheint hier nicht gewollt zu sein“, sagte ich mit einem lauten und theatralischen Seufzten, während ich ihm rückwärts folgte. Dabei plötzlich an einen Ständer mit Gitarrensaiten stieß und ihn somit umstieß. Die Tütchen mit den verschiedenen Saiten landeten allesamt auf dem Boden und ich konnte fast in Zeitlupe beobachteten wie der Typ dem der Laden gehörte im Gesicht einen ungesunden Rotton annahm.

„Sorry ich räum das wieder auf“, rief ich ihm sofort zu und hockte mich hin, begann damit die Dinger vom Boden aufzusammeln.

„Verpisst euch, ihr scheiß Nervensägen!“, brüllte er plötzlich wütend und kam auf mich zu, um das selbst zu erledigen. Entsetzt riss ich meine Augen auf und stand eilig auf. Rannte Jacoby hinterher, der fast die Türen erreicht hatte.

„Sorry noch mal und danke!“, rief ich dem Typen noch zu, ehe wir mit lauten Beleidigungen seinerseits, den Laden verließen.

Kaum betraten wir den rettenden Boden der Straße brachen wir in lautes Lachen aus. Ich griff nach seinem Ärmel und zog ihn eilig hinter mir her, eine Straße weiter und somit auch aus Sichtweite des Ladenbesitzers.

„Fuck das war ne komplett irre Aktion!“, lachte Jacoby, der sich gegen eine Hauswand lehnte und mit den Fingern durch die Haare strich. Er hatte nicht nur dieses Funkeln in den Augen sondern auch ein breites Grinsen.

„Wow, Einfach wow, was war das? Du bist so was von in meiner, unserer, Band“, grinste er breit und schüttelte ungläubig den Kopf. Mit diesem Ergebnis hatte wohl nicht mal er gerechnet.

„Das war fucking Magie in Noten!“, stimmte ich ihm breit Grinsend zu und zog dann etwas aus meiner Hoodietasche. Legte dem überraschten Jacoby einige Päckchen der Saiten in die Hand.

„Wusste nicht welche dir gerissen ist. Aber mit Glück ist die richtige dabei“ Jacoby starrte kurz ungläubig auf meine Diebesbeute, ehe er noch etwas ungläubiger als vorhin mit dem Kopf schüttelte.

„Du überrascht mich immer wieder. Fuck, danke. Hab nicht von dir erwartet das du ein Dieb bist“

„Na, würde es eher als Karma bezeichnen, dafür das er uns gestört hat“, erklärte ich ihm und lehnte mich an die Wand neben ihm. Rutschte daran etwas herunter, bis ich auf dem kalten Boden saß.

„Und ich wollte dir ne Freude machen“, fügte ich hinzu und sah zu ihm hoch. Spürte seinen intensiven Blick auf mir. Kurz schwieg er, ehe er seine Hand auf meinen Kopf legte und durch meine weichen Haare wuschelte.

„Willkommen in Below Zero , mein diebischer Freund“

Tja, jetzt hatten wir wohl richtig offiziell eine Band gegründet. Der Grundstein für Harlekin war gelegt worden.

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