Half comedy, half killin' spree
Half comedy, half killin' spree
Manchmal ist Zeit wie Kuchen, am Morgen hat man sie noch und am Abend fehlt sie plötzlich. Jedenfalls, wenn man wie ich Kuchen zum Frühstück isst. Worauf ich eigentlich hinaus wollte, die letzten Wochen flogen nur so an mir vorbei. Ich dachte ich hätte wirklich viel Zeit, weil sie sich in meiner deprimierten Phase wie Kaugummi zog, aber naja das war ein Irrtum. Jetzt tickten die Zeiger der Uhr schneller als meine Augen ihnen folgen konnten. Mein geliebter Sommer war schon längst vergangen und auch mein geliebter Herbst zog dahin, um Platz für meinen ungeliebten Winter zu machen. Allerdings rückte dadurch auch Halloween näher. (Eines meiner absoluten Lieblingsfeste!)
Wir hatten als Band viel zu tun. Die bevorstehende Tour, Anfang des nächsten Jahres, musste vorbereitet werden. Setlisten dafür erstellt werden und dafür geprobt werden. Außerdem wurden wir gefragt bei einem ganz besonderen Halloween Event mit zu wirken. Hardin, Gale und ich hatten nicht eine Sekunde gezögert und direkt zugestimmt. Wir drei waren Feuer und Flamme für die Idee gewesen. Und dann rückten auch noch alle anderen Feiertage die so am Ende des Jahres auf einen zukamen näher. Diese Familienfeiertage die es zu organisieren galt. Oder eher, bei denen wir überlegen musste wie wir alles und alle unter einen Hut bekamen. Den die Menschen die ich als Familie bezeichnete waren in letzter Zeit enorm gewachsen.
Aber alles zu seiner Zeit. Bis zum November war es noch etwas hin und aktuell arbeiteten wir an dieser Halloween Sache. Im Detail handelte es sich um ein Eintages Festival an Halloween, dass ganz unter dem Stern des Horrors stand. Veranstaltet wurde das ganze von einer anderen Band, deren Songs immer wieder auf Horrorfilmen, oder anderen Gruseligen Dingen basierten. Und fuck, ich liebte ihre aufwendig inszenierten Musikvideos oder Bühnen Auftritte die manchmal eher ein absurdes Theaterstück waren. Das war genau mein Ding. Ich kannte die Band und besonders ihren Frontmann Spencer, noch von früher. Wir verstanden uns gut und teilten diese Leidenschaft für gruselige und okkulte Dinge. Als er mich fragte, ob meine Band nicht Lust hatte dort aufzutreten und eine geile Show abzuliefern war ich direkt Feuer und Flamme. Also war Showbiz jetzt Teil der Setlist vom ersten „Welcome To Horrorwood“ Festival von Ice Nine Kills. Veranstaltete wurde das ganze in einem heruntergekommen und eigentlich verlassenen Freizeitpark. (Dave sagte der Deutsche TÜV würde einen Nervenzusammenbruch bei dem Konzept bekommen. Aber wir waren in Amerika, also alles cool.)
Und so versank unser Oktober eigentlich so ziemlich in den Vorbereitungen dafür. Kostüme, Setlist, Bühnenbild. Ich nahm mich dem persönlich an und wie viel Spaß ich bei dieser Sache hatte muss ich nicht erwähnen oder? Dave, der als unser Assistent ebenfalls alle Hände voll zu tun hatte sagte nicht nur einmal „Ich sei völlig verrückt“.
„Und wie laufen die Vorbereitungen für alles?“, fragte Michael mich am Telefon.
„Ziemlich gut. Wir haben alle Hände voll zu tun mit Horrorwood und die Setlist für die Tour Anfang des Jahres steht auch komplett“, erzählte ich unserem Manager gut gelaunt. Mein Handy lag neben mir auf dem Tisch. Während wir telefonierten nahm ich die letzten Feinarbeiten an einem Teil unseres Bühnenbildes vor. Eigentlich lag es nicht in meiner Hand das zu machen. Eigentlich gab es dafür Leute. Aber naja, ich hatte die Zeit dafür, liebte es mich kreativ auszutoben und es lenkte mich an meiner Psyche ab, die immer noch ziemlich im Eimer war. Ich hatte zwar wieder mit dem Schreiben angefangen, doch es war nicht immer leicht. Also nahm ich diese Ablenkung mit Kusshand an.
„Hervorragend. Als die Anfrage von ihrem Label Fearless Records kam dachte ich mir schon das es euch gefallen wird“, ich konnte aus seiner Stimme sein Schmunzeln heraushören. Zur Zeit war Michael wirklich sehr zufrieden mit uns. Doch dann nahm seine Stimme einen etwas ernsteren Tonfall an.
„Und wie geht es dir? Du warst die letzten Wochen sehr ruhig und hast meine Anrufe eher zu Nait geschoben“ Bei seiner Frage hielt ich kurz inne. Verharrte mit der Spitze meines Pinsels, an der violette Farbe hing, auf dem Bühnenbild. Ich konnte aus Michaels Stimme sogar diesen leicht väterlichen Tonfall heraushören, den er bei dieser Art Fragen mir gegenüber oft annahm.
„Ich hatte die letzten Wochen ein wenig zu kämpfen. An Cobys... Todestag kam einiges hoch mit dem ich kämpfen musste. Viele Erinnerungen und alles. Ich hatte einen richtig üblen Tag mit darauffolgendem Kater“, gestand ich ihm und schloss kurz meine Augen. Ich wollte immerhin ehrlich zu ihm sein. Das hatte er verdient.
„Das war absolute Scheiße und ich hab darauf gelernt glaub mir. Dafür hat Nait gesorgt. Und mein neuer, alter Psychologe Jax. Ich hab mir also tatsächlich richtige Hilfe gesucht und arbeite an meinen Problemen. Aber naja, November und Dezember werden trotzdem hart das spüre ich. Deswegen nehm ich die Ablenkung für die Vorbereitungen zu Horrorwood grad mit Kusshand“ Michael schwieg kurz nach meinem Wortfluss, doch als er sich wieder gefangen hatte klang er tatsächlich... zufrieden und erleichtert.
„Es tut gut zu hören das du dir wirklich endlich richtige Hilfe gesucht hast. Und auch wenn ich es nicht gutheiße das du wieder getrunken hast, für deine Ehrlichkeit bin ich dir dankbar. Ich hab auch schon dafür gesorgt, dass bei der Tour kein Alkohol in euren Räumen ist. Ich dachte mir es kann nicht schaden, wenn ich das Risiko weiter verringere. Dir so etwas Last nehme“
„Danke Michael“, meinte ich und war wirklich dankbar dafür. Er bewies mal wieder wunderbar, dass bei ihm der Mensch vor dem Geld stand. Das Beides in dieser Branche eigentlich Hand in Hand ging.
„Selbstredend. Also ich muss weiter, ein Meeting. Meldet euch wenn ihr was braucht und viel Spaß an Halloween“, wünschte er uns noch, ehe er auflegte.
Kurz verharrte mein Blick noch auf meinem Handy, ehe ich mich wieder dem Bühnenbild widmete. Ein zufriedenes Grinsen über meine Lippen huschte. Ohhh das würde so cool werden.
♪
Etwas später am selben Tag versammelten wir uns als komplette Band im Keller in unserem Proberaum. Eigentlich wollten wir uns im großen Proberaum treffen, doch dann hatte tatsächlich die Gemütlichkeit und Faulheit von Hardin gesiegt der lieber zu Hause bleiben wollte. Also saßen wir jetzt gemütlich bei Kerzenschein, Pizza und Softgetränken zusammen.
„Die Kulissen sehen jetzt schon komplett krank aus“ Hardin wischte sich seine Hand an seiner Hose ab und sah komplett begeistert zu mir hinüber.
„Diese Mischung aus Irrenanstalt und Zirkus im verlassenen Freizeitpark ist der Shit. Ich wusste es ist ne gute Idee dich einfach machen zu lassen“, grinste er und griff sich das nächste Stück Pizza.
„Komplett cool. Ich komm noch nicht ganz drauf klar das Spencer uns gefragt hat“, fügte Gale hinzu, der eben so angetan von der ganzen Sache war wie Hardin.
„Jungs, konzentrieren wir uns wieder auf die Planung unserer Kostüme? Dafür sind wir eigentlich hier“, unterbrach Hanako die beiden amüsiert. Sie wechselte kurz einen Blick mit Nait, der neben mir saß und nur über die beiden Jungs schmunzelte.
„Ist so. Habt ihr euch Gedanken gemacht?“, fragte mein Freund in die Runde. Wissend, dass ich mir mehr als nur Gedanken gemacht hatte. Kaum hatte Spencer mir gesagt WO wir spielen würden hatte sich in meinem Kopf nicht nur ein passendes Bild dazu abgespielt. Auf meine Frage hin wie weit wir gehen durften, hatte Spencer nur gelacht und gesagt es dürfte nur keiner real drauf gehen. Er schien meinen Enthusiasmus in der ganzen Sachen wirklich zu Feiern.
„Klar haben wir uns Gedanken gemacht“ Es war wieder Hardin der das Wort, mit vollem Mund, an sich riss.
„Ich werd ein komplett upgefuckter Insasse sein. Hab schon voll den Plan dafür im Kopf. Und der heiße Bad Boy passt doch hervorragend zu mir oder?“, grinste er breit und sah in die Runde.
„Doch kann ich mir gut vorstellen, ist abgesegnet“, meinte Sebastian dann, der seinen Arm locker um Hanako gelegt hatte.
„Ich dachte ich geh als Teufel. Schön im Anzug und mit Zylinder“, weihte er uns dann ein und in meinem Kopf bildete sich direkt ein Bild zu. Es passte zu unserem stillen Drummer.
„Perfekt, ich wollte passend zum Thema als durchgedrehter Zirkus Direktor gehen“ Gale war der nächste der voller Begeisterung seine Idee mit uns teilte. Er sah begeistert in die Runde.
„Ich glaube das passt mega gut rein und Jack schafft das schon überall einen Rotenfaden durch zu ziehen“, fügte er voller Überzeugung hinzu. Immerhin wusste er bereits wie weit ich meine Finger in dieser ganzen Sache drin hatte.
„Easy hab schon voll den Plan“, meinte ich grinsend und sah zu Hanako hinüber, die mit einer ihrer langen Strähnen spielte. Sie drehte sie immer wieder um ihren Finger.
„Ich hab auch schon was. Lasst euch überraschen Jungs. Ich weiß nicht wie ich mein Kostüm beschreiben soll“ Sie lächelte geheimnisvoll und zuckte mit den Schultern.
„Es passt zum Thema Zirkus denke ich“, fügte sie hinzu und sah zu Nait der zustimmend nickte. Er schien ihr Kostüm bereits zu kennen.
„Gleiche gilt für mich. Ich glaube es passt gut zu Jacks Kostüm. Vielleicht ne Art Harlekin oder so“, meinte er und sah mich dann auffordernd an. Er war wohl nicht bereit mehr zu verraten.
„Bekomm ich es eher zu sehen, wenn ich nett Frage?“, fragte ich ihn mit diesem unverschämt charmanten Grinsen auf den Lippen.
„Nicht mal wenn du mir dafür einen bläst. Lass dich wie alle anderen überraschen“, lachte Nait und sorgte mit seinen Worten dafür das Gale und Hardin ihn ungläubig anstarrten.
„Hat unser kleiner Nait gerade wieder was versautes gesagt?“, fragte Gale, der sich weit zu Hardin gebeugt hat. Hardin schüttelte ungläubig den Kopf.
„Absolut. Wo hat er nur diese Worte her? Er sollte sich den Mund mit Seife auswaschen“, stimme Hardin dem Rothaarigen Sänger zu, ehe beide anfingen zu lachen.
„Haha sehr lustig. Ich bin genau so erwachsen wie ihr“, brummte Nait und lehnte sich leicht schmollend an meine Seite. Nur schwer konnte ich mein Lachen verkneifen.
„Schon, aber du sprichst sonst nicht vor versammelte Mannschaft davon das Jack dir einen blasen soll“, lachte Hardin und angelte sich eine Flasche Cola.
„Von ihm erwarte ich das total. Aber nicht von dir. Du warst unser reiner Nait mit der weißen Weste und plötzlich bist du genau so versaut. Fehlt noch das Sebastian anfängt uns ein Ohr abzulabbern anstatt seine Worte abzuzählen“, lachte er und hatte ein fettes Grinsen auf den Lippen. Er hatte wohl ebenfalls gefallen an Naits zum Vorschein gekommener Seite gefunden.
„Idiot“, brummte Nait nur, hatte allerdings auch ein Lächeln auf den Lippen.
„Jack als was gehst du?“, fragte er mich dann, um etwas davon abzulenken.
„Als dein moralischer Untergang“, sprach ich, ohne groß drüber nachzudenken meine Gedanken aus. Hatte dabei ein heißes provokantes Grinsen auf den Lippen. Erneut brachen Gale und Hardin in Lachen aus.
„Oh wow der war unerwartet gut“, lachte Gale und wischte sich bereits ein paar Lachtränen aus den Augenwinklen.
„Mehr muss ich gar nicht wissen. Reicht schon“, lachte er. Hardin bekam sich kaum noch ein vor Lachen. Zum Glück hatte er die Cola Flasche noch nicht geöffnet, den sonst befände sich jetzt auf dem Teppich ein großer Cola Fleck.
Selbst Hanako und Sebastian mussten lachen.
„Nicht dein Ernst, du Idiot“ Nait sah mich erst sprachlos an, ehe auch er lachen musste.
„Doch irgendwie schon. Ich bin noch nicht final fertig, aber es hat was vom Joker und einem Harlekin. Lasst euch überraschen, ich tus auch.“, erklärte ich ihnen dann mit einem aufgeregten Funkeln in den Augen. Ich hatte jetzt schon so viel Spaß an dieser ganzen Sache und dabei hatten wir noch nicht mal über unsere Bühnen Show gesprochen, die wir noch proben mussten.
„Ohgott das klingt wirklich wie mein moralischer Untergang“, lachte Nait und wedelte sich übertrieben Luft zu.
„Ich seh schon, unser Auftritt wird unvergesslich. Eine Mischung aus komplettem Wahnsinn, guter Comedy und nem musikalischen Amoklauf“
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