LNCrawler

All the small things

Harlekin — www.fanfiktion.de · All chapters

All the small things

Es gibt einen Aspekt in meinem Leben den ich bisher kaum beleuchtet habe. Ich weiss selbst nicht so ganz, warum ich ihn bisher so ausgelassen hatte. Jedenfalls nach dieser ganzen Klinik Geschichte. Aber naja, es ging mir eigentlich nicht besser. Ich versteckte es nur mehr als zu vor. War besser darin geworden mir nichts anmerken zu lassen. Und ich sprach nicht mehr darüber. Wo ich zu vor wenigstens noch versucht hatte Bryce zu erklären was mit mir los war, schwieg ich jetzt einfach. Hielt die Alpträume nachts im Bett einfach aus. Spielte meine eigene Panik in manchen Momenten einfach herunter. Focht jeden Kampf komplett alleine aus. Den nicht mal mehr Jax war Teil meines Lebens und konnte etwas tun, um mir zu helfen.

Und Coby? Naja, wir kannten uns erst kurz und ich wollte ihn nicht direkt vertreiben. Wir kamen gut miteinander aus. Unsere Treffen waren locker und leicht. Ich wollte diese Leichtigkeit nicht mit meinen Problemen zerstören. Zum Teil auch, weil ich fest der Meinung war das mich eh keiner Lieben, oder lange ertragen konnte. Das ich immer wieder Panikattacken hatte verschwieg ich also. Ebenso das ich mich immer wieder selbst verletzte. Ich weiss mittlerweile nicht mal mehr genau wieso ich das tat. Manchmal war der Druck so groß, dass ich nicht wusste wohin mit meinen Gedanken und Emotionen. Manchmal fühlte es sich wie eine Strafe an. Immerhin war ich selbst schuld an meiner Lage. Oder? Es waren also diese kleinen und großen alltäglichen Kämpfe die mich erschöpften und an manchen Tagen komplett die Energie raubten. So wie an diesem Tag. Eigentlich wollten Coby und ich zusammen überlegen wie wir das mit der Band, die wir vor wenigen Tagen erst offiziell gegründet hatten, angehen wollten. Aber mir fehlte komplett die Kraft. Die Nacht war wieder ein Kampf gewesen und der Schultag danach war kein Stückchen besser gewesen. Ich wollte nur meine Ruhe und hoffte vielleicht insgeheim etwas, diese bei Coby zu finden. Ohne ihm erklären zu müssen was los war. Den dann würde er wahrscheinlich recht schnell das Weite suchen. Dachte ich zumindest.

Wir hatten uns am Nachmittag nach der Schule bei einem Plattenladen verabredet. Wollten einfach etwas chillen und Ideen sammeln. Den eigentlich standen wir mit verdammt wenig da. Ich hatte meine Akustik Gitarre, Coby seine alte E-Gitarre, die dank mir wenigstens neue Saiten hatten. Aber viel war es nicht. Allerdings hatten wir eine Menge Talent, einen großen Traum und viel Kreativität. Und einen gewissen Wahnsinn. Tatsächlich allerdings im guten Sinne. Dennoch war meine Stimmung so ziemlich im Keller, als ich bei dem Plattenladen ankam. Jacoby lehnte bereits an der Fassade, sein schwarzer Rucksack stand auf dem Boden neben ihm. Kaum sah er mich die Straße entlang kommen hellte sich seine Miene auf, und auf seinen Lippen breitete sich ein breites Grinsen aus.

"Hey", begrüßte er mich und beobachtete wie ich zu ihm kam. Ein kleinen Grinsen schlich sich dann doch auf meine Lippen. Vielleicht lag es an seiner Aura, oder daran das ich ihn einfach mochte.

"Hey", erwiderte ich etwas träge und lehnte mich neben ihn an die Mauer. Fuhr mir mit den Fingern durch die Haare.

"Du siehst müde aus. Scheiß Tag gehabt?", fragte er mich ohne Umschweife. Fuck, wann hatte mich zuletzt jemand wirklich interessiert danach gefragt ob ich einen scheiß Tag hatte? Woran erkannte er es? An meinen Augenringen, die eigentlich immer da waren und nicht mehr gehen wollten? Oder an meiner Stimmung. Jacoby schien da sehr feinfühlig zu sein.

"Yeah, schlecht geschlafen und dann auch noch der übliche Stress in der Schule", gestand ich ihm müde. Warum sollte ich ihm auch dahingehend was vor machen? Er sah es mir an, es zu verschweigen hatte also keinen Sinn.

"Brauchst du einen Kaffee?", fragte er mich dann einfach und stieß sich in der Wand ab. Griff sich seinen Rucksack und Schwang ihn sich auf den Rücken.

"Na komm ich geb dir einen aus", lockte er mich mit einem schelmischen Grinsen.

"Einen Kaffee?", harkte ich nach. Bisher hatte ich tatsächlich noch nie Kaffee getrunken. (Ich weiss, ich weiss es gibt tatsächlich eine Zeit ohne Kaffee in meinem Leben.... heftig oder? Ich meine eigentlich ist Kaffee aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken und nach Wasser mein absolutes Lieblingsgetränk! Ich kann mir auch kein Leben mehr ohne Kaffee vorstellen. Also begann meine Kaffee Liebe durch Coby.)

"Oha du hast also noch nie Kaffee getrunken", stellte er amüsiert fest und steuerte auf ein kleines Cafè zu, dass auf der Gegenüberliegenden Straßenseite lag. Mit schnellen Schritten holte ich zu ihm auf. Überlegte kurz zu Lügen, um cooler zu wirken.

"Nope bisher nicht. Ist das so gut wie viele behaupten? Oder eine große Lüge der Gesellschaft?"

"Komplett zurecht so gehypt. Vertraue mir", er drehte sich etwas zu mir und zwinkerte mir zu. Blieb dann vor dem ToGo Fenster stehen und sah mich kritisch an.

"Hmmm, du siehst mir nicht aus wie ein Liebhaber von schwarzen Kaffee. Du siehst eher aus wie ne Naschkatze. Okay, okay ich weiss was du bekommst" Jacoby hatte seinen Kopf schief gelegt und sein Blick wanderte einmal komplett über mich. Blieb dann an meinem verwirrten Blick hängen und nickte noch mal nachdrücklich.

"Yeah ich weiss wie ich dir als deinen ersten Kaffee bringe", meinte er noch mal und trat ans Fenster heran. Dabei lehnte er sich etwas weiter vor um der Dame am Fenster seine Bestellung zu zuflüstern. Skeptisch beobachtete ich ihn dabei. Kurze Zeit später drehte er sich mit zwei Kaffeebechern zu mir um. Als wäre es der fucking heilige Gral reichte er mir einen der Becher.

"Bitteschön", er verneigte sich kurz, als wäre es wirklich was besonderes. Allein damit entlockte er mir ein raues Lachen.

"Danke du Spinner. Und was ist das jetzt genau?", fragte ich ihn misstrauisch. Doch Jacoby grinste nur und trank scheinheilig einen Schluck von seinem Kaffee.

"Probier", meinte er nur. Misstrauisch schnupperte ich an dem Getränk. Es roch eigentlich ganz gut. Also zuckte ich mit den Schultern und probierte einfach.

Mein erster Schluck Kaffee war tatsächlich nicht so bitter wie erwartet. Auf meiner Zunge breitete sich direkt ein angenehmer und vor allem süßer Geschmack aus. Unter dem vollen Aroma des Kaffees mischte sich der Geschmack von Milchschaum und einem Hauch Vanille. Nur, naja ich war 16 Jahre alt und hatte noch nie Kaffee getrunken. Also konnte ich das volle Aroma des Kaffees nicht ganz so wertschätzen wie ich es heutzutage tat. Es war der Vanille Geschmack der mich komplett überzeugte. Ich liebte schon immer fast alles was nach Vanille schmeckt, oder riecht. Damit bekam man mich schon immer. Was Jacoby damals nicht wissen konnte. Und dennoch wählte er es unbewusst für mich aus. Er selbst trank seinen Kaffee weniger süß. (Ich glaube seine Liebe zum Espresso hab ich schon mal erwähnt oder? Er wollte mich immer davon überzeugen das Espresso der überlegende Kaffee war, aber naja, absolut nicht mein Fall. Nur betrunken bekam ich seinen Espresso herunter.)

„Schmeckt tatsächlich gut“, gab ich nach einem Moment zu, in dem er mich einfach nur gespannt angestarrt hatte.

„Ha! Ich wusste es. Du magst es süß“, grinste er und regte bestätigend seine Faust in die Höhe. Schielte dabei zu mir und traf auf meinen spöttischen Blick. Meine Trübe Stimmung verschwand Stück für Stück. Einfach durch ihn. Und er musste sich nicht mal groß dabei anstrengen.

„Cool, jetzt wo deine Gewitterwolken im Kopf abgezogen zu sein scheinen, wie stellen wir das mit der Band an?“, fragte er mich und kam damit zum eigentlichen Grund unseres Treffens. Nachdenklich nippte ich an meinem Kaffee.

„Können wir bei dir proben? Oder hast du n Plan wo wirs tun könnten? Ich meine deine Gitarre ist n Anfang und ich...“, kurz hielt ich inne. Sollte ich ihm von meinen Song Ideen erzählen?

„Und du?“, harkte er neugierig nach.

„Und ich arbeite schon etwas länger an Songs. Sie sind noch komplett roh, aber ein Anfang“, weihte ich ihn dann ein und rechnete schon fast mit abwertenden Worten. Mit Spott, oder Ablehnung. So wie ich es gewohnt war durch die Whitleys und mein schulisches Umfeld. Doch Jacoby sah mich komplett begeistert an.

„Fuck echt? Die musst du mir unbedingt zeigen. Dann arbeiten wir zusammen daran“ Er war wirklich begeistert von dem Gedanken.

„Ich hab ein paar Text Zeilen, aber keine Melodien. Das fällt mir verdammt schwer“, gestand er mir und fuhr sich mit den Fingern durch die Haare.

„Ist auch echt nicht leicht. Ich hatte in der Klinik zu viel Zeit. Hab mich da ran getastet“, erzählte ich ihm locker. Erst im Nachhinein fiel mir auf, dass ich die Klinik erwähnt hatte. Jacoby schien es zu registrieren, doch anhand meiner Reaktion darauf fragte er nicht weiter nach. Stattdessen grinste er breit.

„Cool. Denke wir können bei mir proben. Jedenfalls solange wir Andy nicht auf den Sack gehen. Wenn er uns rauswirft haben wir ein Problem“, lachte er und trank einen Schluck von seinem Kaffee.

„Dann sollten wir ihm lieber nicht auf den Sack gehen“, murmelte ich grinsend. Jacoby hatte es wirklich mit Kleinigkeiten geschafft meine Laune zu heben und meinen Tag zu retten. Und dabei waren wir noch nicht mal im Plattenladen gewesen. Dort würde sich meine Laune noch etwas mehr heben. Allein schon weil ich mit Jacoby zusammen Musik hören konnte und über Bands diskutieren konnte. Was wir solange tun würden, bis der Besitzer uns rauswarf. Oder wir was kaufen würden. Während wir immer wieder davon träumen selbst mal eine Platte in so einem Laden stehen zu haben.

Ich liebte es, zusammen mit ihm zu träumen. Und unsere Träume zu verwirklichen.

♫

Es ist immer wieder faszinierend, wie schnell sich ein Platz mit Menschen füllen kann. Nach unserem Gespräch hatte ich Nait noch ein bisschen den restlichen Park gezeigt. Wir mussten unbedingt noch mal wieder kommen. Den die Zeit reichte kaum aus ihm die Highlights zu zeigen. Auf dem Rückweg vom Riesenrand, waren wir direkt einigen Fans in die Arme gelaufen. Eine Tatsache die mich nicht im geringsten störte. Ich liebte es immer noch, mit unseren Fans zu reden, Fotos zu machen und die Menschen kennenzulernen die es überhaupt möglich machten das ich meinen Traum leben konnte. (Ich weiß es ist UNMÖGLICH, aber ich versuche mir trotzdem jeden Namen zu merken, immerhin hab ich euch verdammt viel zu verdanken. Und manchmal reicht auch einfach die Bemühung dahinter meinen Fans näher zu sein.)

Jedenfalls, kamen wir dadurch etwas spät in unserer Garderobe an. Die anderen hatten bereits angefangen sich zu verkleiden und zu schminken, oder von Hanako schminken zu lassen.

„Ihr seit spät dran. Habt ihrs geklärt?“, krachte Gale direkt mit der Tür ins Haus, als wir die Garderobe betraten. Er hatte sich bereits in sein Zirkusdirektor Kostüm, bestehend aus einem roten Mantel mit dazu passender Hose und einem schwarzen Zylinder, geworfen. Alles wirkte alt und abgenutzt. Nicht direkt gruselig, aber es passte zur Atmosphäre die wir auf die Bühne bringen wollten. Auch Hardin trug bereits sein ehemals weißes Insassen Kostüm. Nur war dieser aktuell damit beschäftigt sich selbst etwas zu schminken, oder eher viel Kunstblut zu verwenden.

„Haben wir“, bestätigte Nait mit einem Lächeln und sah ihn mit diesem Blick an, als würden sie damit alles gesagt haben. Zufrieden nickte Gale und wand sich wieder dem Spiegel zu, um an seinem Outfit herum zu fummeln. Es noch etwas zurecht zu ziehen. Das Gespräch war damit also beendet.

„Dann zieh ich mich auch mal an“ Nait lächelt mich warm an, ehe er zur Garderobenstange ging, an dem nur noch unsere Kostüme hingen. Das war der Moment in dem in mir wieder diese besondere Art von Vorfreude aufflammte. Diese Art, die man nur vor Auftritten und Shows hatte. Besonders wenn man sich für diese Show in einem sonst verlassenen Freizeitpark verkleiden konnte. Kurz scannte mein Blick meine Freunde ab. Sebastian knöpfte gerade sein dunkelrotes Hemd zu, dass er zu einem schwarzen Anzug trug und somit als sehr seriöser Teufel durch ging. (Auch wenn ich Flammen Badehosen und einen Haarreifen mit Teufel Hörnern noch mehr gefeiert hätte.) Hardin schmierte sich noch etwas mehr Kunstblut auf die Arme. Gale wirkte als Direktor dieses Zierkuss sehr zufrieden und Hanako zog sich auch gerade ihr Kostüm an. Sie hatte sich dazu entschieden es komplett auszuleben die einzige Frau zu sein. Ihr kurzes Kleid mit passender Korsage, erinnerte ein wenig an eine Ballerina, doch ihr Make-Up das sie sich auftrug hatte eher etwas von einem Clown. Alles an ihr sah perfekt abgestimmt aus und ihre dunklen Haare waren ein wunderschöner Kontrast zu ihrem hellen Kostüm. Sie hatte sich wirklich viele Gedanken dazu gemacht wie sie auf der Bühne herausstechen konnte.

„Wenn du dich nicht langsam anziehst stehst du am Ende in Hoodie und Jeans auf der Bühne“ Dave war neben mich getreten und hatte eine Hand auf meine Schulter gelegt. Wirkte kurz so, als würde er mich genau betrachten. Herausfinden, wie es mir tief im Inneren ging.

„Alles cool bei dir und Nait?“, harkte er dann doch nach. Natürlich hatte er mitbekommen das wir unter vier Augen gesprochen hatten.

„Yeah“, fing ich langsam an und fuhr mir mit den Fingern durch die Haare.

„Tatsächlich alles cool. Mir geht’s auch gut. Ich hab nur die Atmosphäre genossen“, jetzt zuckte ein Grinsen über meine Lippen und ein erleichtertes Lächeln über Daves Lippen.

„Gut so. Also los zieh dich an. Meistens brauchst du immer am längsten“, wiederholte er und schob mich sanft aber bestimmt in Richtung meines Kostüms.

„Ist ja gut man, ich zieh mich schon um“, beruhigte ich ihn lachend und nahm mein Kostüm von der Garderobenstange. The Show must go on, oder so.