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What creates my own madness

Harlekin — www.fanfiktion.de · All chapters

What creates my own madness

Für einige war es absurd, unnötig und komplett übertrieben so extrem viel Zeit in ein Kostüm, oder eine Bühnenshow zu stecken, die nur einmal so existieren würde. Aber nicht für mich. Für mich war es eine Herausforderung dieses eine Mal perfekt zu machen. Unvergesslich. Atemberaubend. Ich kann ja auch nichts dafür wenn andere ihre Ansprüche so runterschrauben. Ha, nicht mit mir!

Worauf ich hinaus wollte, andere hätten unser Bühnenbild für diese eine Show als zu viel bewertet. Plus die Mühe die ich mir mit meinem Kostüm gemacht hatte. Aber hey, ich liebe Halloween. Ich liebe gruseligen Scheiß und ich liebe es mich kreativ auszuleben. Muss ja keiner Wissen das einige Blutflecken unserer Requisiten echtes sind, weil ich mich aus versehen beim zusammen basteln geschnitten hatte und das einfach benutzt hab. Echtes Blut sieht eben echter aus als naja unechtes. (Nur Nait weiß es und der war erst schockiert ehe er meinte, dass früher immerhin auch echte Skelette in Filmen benutzt wurden weil es günstiger war. Also war wohl auch mein kostenloses Blut okay.) Unsere Kulisse war im übrigen eine Mischung aus Alptraumhaften Zirkus und Irrenanstalt. Als hätte sich der Joker komplett auf der Bühne ausgetobt und vielleicht war auch genau das meine Inspiration. Für den grün Haarigen Prince of Crime hab ich mich schon immer interessiert. Seit ich als Kind auf einem meiner endlosen Touren durch die Stadt mal in einem Comic Laden gelandet bin. Aber das ist ein anderes Thema. (Schreib ich bestimmt auch noch mal drüber, den Comics und der grün haarige kriminelle Clown war öfter Thema bei mir und Coby. Er verglich mich gern mit ihm und überrascht es noch jemanden, dass meine grüne Haarfarbe damals genau deswegen auf seinem Mist gewachsen sind? Nein? Mich auch nicht. Ich wäre ein hervorragender Joker. Also falls irgendwann noch mal eine Produktionsfirma nach einem Kandidaten für diese ikonische Rolle sucht.... findet mich! HAHA)

Auch mein Kostüm war von meinem Lieblingsschurken inspiriert und Nait hatte sich dazu entschieden mit seinem Kostüm mein Gegenpart zu sein. Ein Harlekin mit dieser cool lustigen Bommelmütze mit den Glöckchen daran. Schon als er es mir vor wenigen Tagen präsentiert hatte, konnte ich die Finger nicht von den kleinen Glöckchen lassen. Wie eine Katze vor einer Katzenangel mit Glocke, musste ich immer wieder daran herumspielen. Halb aus Spaß und halb um ihn zu ärgern.

„Würde ich dir so draußen auf der Straße begegnen ich würde rennen“, kommentierte Sebastian mein Kostüm und mein Make-Up, dass ich gerade vor einem Spiegel in der Garderobe perfektionierte.

„Danke. Klingt aus deinem Mund wie ein teuflisch gutes Kompliment“, grinste ich zufrieden und verwischte das dunkel rote Make-Up an meinem Mundwinkel noch etwas. Diesmal hatte Nait mir verboten echtes Blut zu nehmen. Einmal war also genug für ihn. (Versteht mich nicht falsch, ich weiß wie das rüber kommt. Ich liebe es einfach nur Dinge so echt wie möglich aussehen zu lassen. Da bin ich einfach speziell und hab nicht genügend gesunden Menschenverstand. Oder eben genug kreative Freiheit. Sucht euch was aus.)

Nach dem wir uns alle fertig gemacht hatten ging der Rest plötzlich verdammt schnell. Was kein Wunder war, da Nait und ich so spät gekommen waren. Im Nu waren wir verkabelt und alles für unseren Auftritt vorbereitet. Vor uns spielten zwei andere Band, kleiner als wir aber genau so motiviert. Danach kamen wir und direkt nach uns als Hauptakt, Ice Nine Kills. Blanke ungefilterte Vorfreude überrollte mich bereits als wir hinter der Bühne auf unsere Plätze gingen und darauf warten, dass die Crew unser Bühnenbild zu ende aufgebaut hatte. Gerade hatten wir noch ein paar Worte mit der Band vor uns gewechselt, doch jetzt standen wir alle in den Startlöchern. Nait stand wie immer an meiner Seite, nur war er diesmal noch aufgeregter als sonst. Den er würde mit auf die Bühne kommen und Teil der Show sein. Leider nicht musikalisch, aber immerhin hatten wir ihn dazu überreden können mit uns auf die Bühne zu kommen.

„Mir ist übel vor Nervosität“, stöhnte der Blonde neben mir und atmete geräuschvoll aus. Drückte meine Hand noch etwas mehr, die er schon seit einigen Minuten so krampfhaft festhielt.

Zwischen all der Aufregung blitzte kurz ein Bild von Coby vor meinem Inneren Auge auf. Wie er vor Auftritten gewesen war. Nicht so nervös wie Nait, sondern genauso aufgeregt und voller Energie wie ich. Und dennoch so verdammt ruhig, dass es auf mich abfärbte. Jetzt war ich in der Position auf jemand anderen abzufärben. Auf Nait. (Danke Cob, dass du mir das beigebracht hast.) Wie von selbst rutschte meine Hand in seinen Nacken und kraulte sanft seine Haut. So hatte es Coby immer bei mir getan, damit ich ruhiger wurde und auch Nait schien sich unter meinen Fingern zu beruhigen.

„Das wird großartig. Weißt du warum du keine Angst haben muss?“, fragte ich ihn und ein schelmisches Grinsen schlich sich auf meine Lippen.

„Hm?“, fragte er und sah in meine blauen Augen.

„Weil du da gleich raus gehst und eine Rolle spielst. Du trägst ein Kostüm, wie eine Rüstung und es ist egal was du tust, es wird als gewollter Teil deiner Rolle angesehen. Außerdem hast du mich. Was soll passieren?“, meinte ich und hob zum Ende hin grinsend eine Augenbraue. Den im Ernst, was sollte passieren? Ein leichtes Schmunzeln zuckte über seine Lippen.

„Stimmt was soll schon passieren? Ich hab vorhin auch schon das Gespräch gemeistert, über das ich mir so heftig den Kopf zerbrochen habe“

„Eben“, stimmte ich ihm zu und zog ihn flink näher, um mir noch einen Kuss abzuholen. Den keine 10 Sekunden später hörten wir unser Signal. Gingen einige wenige Lichter auf der Bühne an und die anderen setzen sich in Bewegung. Ganz in ihrer Rolle.

Jeder hatte sich überlegt wie er auf die Bühne kommen würde. Gale machte den Anfang. Er schritt mit ausgebreiteten Armen auf die Bühne und verbeugte sich tief vor dem Publikum, zog dabei elegant seinen Zylinder. Es folgte Hardin der sich dafür entschieden hatte mit seinem Bass in der Hand auf die Bühne zu schlendern und eine tiefe Melodie dabei zu spielen. Die Melodie, die ohne Probleme zu unserem ersten Song übergehen konnte und zu der Hanako auf die Bühne tanzte. Gespenstisch elegant bewegte sie sich über die Bühne, gefolgt von Sebastian in dessen Armen sie sich drehte. Das Ganze schien ihr eine Menge Spaß zu machen, den sie lächelte die gesamte Zeit über breit.

„Ohman, warum hab ich mich hinreißen lassen“, murmelte Nait fast lautlos, doch ich verstand ihn gerade noch so da er meinen Lippen immer noch so nahe war. Doch dann löste er sich von mir, zwinkerte mir zu und schnappte sich mein Mikro, dass er mir gleich feierlich auf der Bühne überreichen wollte. Wie gebannt beobachtete ich ihn dabei, ehe ich meine Augen für den Bruchteil einer Sekunde schloss und tief durch atmete. Mich kurz auf das konzentrierte was ich gleich abliefern wollte.

Und dann setzte ich mich in Bewegung, schritt erhobenen Hauptes auf die Bühne. Spürte wie sich meine komplette Ausstrahlung veränderte. Aggressiver wurde. Unberechenbar wurde. Chaotischer wurde. Was ein breites spöttisches Grinsen auf meine Lippen zauberte. Nait verbeugte sich leicht, als er mir das Mikro reichte und ich es ihm aus den ausgebreiteten Händen nahm. Meinen Fuß an eine der Boxen stemmte, die am Bühnenrand standen und diese mit einem kraftvollen Tritt von der Bühne beförderte.

„Hey, ihr Clowns! Bereit für ein wenig Anarchie!“, begrüßte ich die feiernde Meute unter uns, die grölend antwortete. Nait starrte kurz der Box nach, wechselte einen Blick mit Gale der wahrscheinlich schon die Standpauke von Dave hören konnte. Dann jedoch mit den Schultern zuckte und es wohl unter „Was haben wir erwartet?“, abtat und sich von meiner Energie anstecken ließ. Wie der Rest der Band und die Menschen die bereit waren diese heidnische Nacht mit uns zusammen zu feiern. Dieses Halloween hatte gute Chancen in meiner Top Drei zu landen!

♫

Wenn ich über Coby nachdenke ist mein Kopf voller Gedanken. Voller Erinnerungen an ihn. Manche davon sind nicht mal meine. Nein, es sind seine Erinnerungen, die er mir so oft erzählt hat, dass es sich mittlerweile so anfühlt als wären es meine eigenen. Verrückt oder? Ob es ihm wohl ähnlich ging? (Fuck, ich hätte ihn zu gern gefragt. Cob? Gings dir auch so? Oder bin ich nur der Verrückte unter uns?)

Worauf ich hinaus wollte, ehe es philosophisch wurde, unsere Beziehung war nicht von Anfang an so. Wie den auch? Beziehungen müssen sich entwickeln und dazu brauch es Vertrauen und besonders Zeit. Coby sah mir stets direkt an wenn etwas los war. Ich brauchte ein wenig Übung, um es auch bei ihm zu sehen. Wahrscheinlich einfach, weil ich es gewohnt war auf niemanden achten zu müssen, während er immer auf andere achten musste. Oder es versucht hat. Meine Assoziation mit ihm und dem Löwen kommt nicht von nirgendwo. Ich meine was sagt es allein schon über uns aus, dass er der Löwe war und ich der Tiger? Rudeltier gegen Einzelgänger. Fuck, ich kann die Liste noch ewig weiterführen. Mit allen Unterschieden und Gemeinsamkeiten. Den hey, beides sind am Ende des Tages auch nur Katzen die große Pappkartons lieben.

Das erste Mal, als ich ihm ansah das es ihm nicht gut ging, war nur wenige Tage nachdem er mich an den Kaffee herangeführt hatte. Es war allerdings auch nicht zu übersehen. Wir wollten uns nach der Schule im Park treffen und danach zu ihm gehen. Zum ersten Mal. Was mich, zugegeben, aufgeregt machte. Vielleicht merkt man da, dass ich nicht sonderlich oft bei so was wie Freunden war. Okay yeah, ich war eigentlich nur bei Maddox. Jedenfalls war ich diesmal derjenige der wartend an einer Mauer lehnte. Weil ich Zeit hatte und nichts besseres zu tun, hatte ich uns bereits zwei Kaffee besorgt. Doch Jacoby kam und kam nicht. Was ungewöhnlich für ihn war, da er da überraschend zuverlässig und pünktlich war. (Seine Unpünktlichkeit kam tatsächlich erst durch mich... eine der Eigenschaften die er von mir übernommen hatte. Und okay ja, wir kamen auch wegen mir oft zu spät. Den Schuh muss ich mir wohl oder übel anziehen.)

Ich hatte ihn auch schon zwei Mal geschrieben und gefragt wo er bliebe. Doch keine Antwort. Als er endlich in Sicht kam, atmete ich erleichtert aus. Ein paar Sorgen hatte ich mir am Ende schon gemacht.

„Hey Sonnenschein, da bist du ja....“, fing ich an, hielt allerdings inne als er näher kam. Seine Lippe war aufgeplatzt und an seinen aufgeplatzten Knöcheln klebte noch Blut.

„Fuck, hast du dich geprügelt?“, beendete ich meinen Satz dann überrascht und eventuell ein wenig besorgt. Diese Seite von ihm hatte ich weder kennengelernt, noch kommen gesehen. Er schnaubte gereizt und sah hoch in meine Augen. Blanke Sturheit funkelte in seinem Blick, gemischt mit etwas Trotz.

„Wenn interessierst“, fuhr er mich gereizt an. Einen Tonfall den ich nicht von ihm gewöhnt war und der mich direkt anspannte. Gerade erinnerte er mich verdammt stark an mich selbst. Nur stand ich diesmal auf der anderen Seite.

„Mich“, erwiderte ich, deswegen auch etwas schärfer als gewollt. Ich meine, hey ich war verdammt gut im Streiten. Und wenn er mir so kam... dann switchte ich auch auf Angriff.

Wieder schnaubte Jacoby und wischte sich etwas frisches Blut von der Lippe.

„Als ob“, zischte er zurück. Aus der blanken Sturheit in seinem Blick wurde etwas, dass ich am ehesten mit Schmerz deuten würde. Und wenn ich eines damals nicht war, dann war es diplomatisch klug. Das kommt erst noch. Wie zwei angriffslustige Raubkatzen starrten wir uns jetzt an. Cobys Blick Stur und Verletzt und meiner Spöttisch, um keine Angriffsfläche zu zeigen.

„Oh du hast dich geprügelt. Stellt sich mir nur die Frage warum. Und mit wem“, stichelte ich, wollte ihn aus der Reserve locken. Oder unterbewusst diesen Druck nehmen. Durch Provokation. Ich wollte sein Ventil sein. Weil ich selbst nie eines hatte. Ein leises Knurren löste sich aus seiner Kehle. Wahrscheinlich lag es an meinem spöttischen Tonfall. Schneller als ich reagieren konnte holte er aus und donnerte seine, eh schon lädierte, Faust neben meinem Kopf an die Mauer. Ohne Rücksicht auf seine eigene Faust. Auf den Schmerz den er spüren würde.

„Geht dich halt einfach einen scheiß Dreck an“, zischte er, wirkte gleichzeitig allerdings auch so verdammt verloren. Als er seine Faust neben meinem Kopf an die Wand schlug, zuckte mein Körper kurz zusammen. Gleichzeitig strömte Aderalien durch ihn und belebte mich. Gab mir das, was ich brauchte. Das Gefühl Dinge richtig intensiv wahrzunehmen. Die Zuckerwatte, die sich ständig über meine Gedanken und Emotionen legte löste sich mit Cobys Schlag und Nähe schlagartig auf. Meine Nerven fühlten sich dadurch blank und empfindlich an. Und fuck, ich genoss es mit jeder Faser meines Körpers.

„Ohhh das seh ich anders. So wie du drauf bist scheints auch mein Problem zu sein. Was war der Auslöser? Ein Arsch der über deine Frisur gelacht hat?“, zog ich ihn weiter auf. Wollte das er es einfach raus ließ. Diesen Rausch genau so intensiv spürte wie ich. Ich konnte spüren wie sich sein Körper anspannte. Er war mir so nahe, dass ich seine Hitze auf meiner Haut spüren konnte.

„Halt deine scheiß Klappe, Jacky“, knurrte er. Sein Körper zitterte vor Anspannung und ich konnte es so, so gut verstehen. Wollte ihn damit nicht allein lassen.

„Sorry, dass ist etwas das ich einfach nicht kann“, setze ich noch einen drauf. Ich spürte das er etwas sagen wollte, dass die Anspannung in ihm wuchs. Und genau das war der Moment, in dem ich meine Arme fest um ihn schlang und ihn in eine Umarmung zwang. Wovon er so überrascht war, dass er es einfach zuließ. Auch wenn er es wahrscheinlich gerade gar nicht wollte. Komplett perplex hing er in meinen Armen. Ließ zu, dass ich ihn umarmte. Ehe er langsam seine Arme um mich legte und tief ausatmete. Die Anspannung aus seinem Körper wich.

„Hoffe der Penner hat mehr eingesteckt als du“, raunte ich ihm scherzhaft zu. Auch meine Anspannung wich aus meinen Knochen. Hinterließ ein angenehmes Kribbeln in mir.

Jacoby lachte leise auf, bei meiner dämlichen Frage.

„Hat er. Auch wenn meine Finger scheiße wehtun. Gitarre spielen wird heute nichts mehr“, scherzte er ebenfalls, ehe ich spüren konnte wie sich wieder etwas in ihm veränderte. Er legte seinen Kopf, fast schon kraftlos, auf meine Schulter.

„Ein Typ aus meiner Schule hat mich provoziert. Eigentlich total dumm, dass ich drauf eingegangen bin. Er nannte mich Verlierer und all so was. Meinte meine Eltern wollten mich aus guten Grund nicht. Das hat mich so getriggert das ihm jetzt ein Zahn fehlt“, murmelte er etwas beschämt. Seine Eltern schienen auch bei ihm so eine Sache zu sein, doch ich traute mich nicht nach zu harken. Vielleicht müsste ich dann über meine reden. Was ich absolut nicht konnte. Vielleicht würde ich damit bei ihm eine Tür öffnen, die er nicht öffnen könnte. Also schlug ich nicht das Thema „Eltern“ und die offensichtliche Frage „Hey, warum triggert dich das so? Was ist mit deinen Eltern?“, sondern sagte stattdessen:

„Versteh ich. Ich hab mal einem Typen aus meiner Schule einen Bleistift ins Bein gerammt, weil er sich meinen Zeichenblock angesehen hat und meinte ich sei komplett gestört und einem anderen hab ich mal fast das Ohr abgebissen, weil er sagte meine Stimme klingt scheiße. Ich dachte ohne Ohr muss er mich ja nicht hören“ Eine Info mit der Jacoby nicht gerechnet hatte. Er schwieg, löste sich dann etwas von mir. Sah mir tief in die Augen und harke völlig ernst nach:

„Linkes oder Rechtes Ohr?“ Tja, jetzt starrte ich ihn schweigend an, ehe wir beide lachen mussten. Total absurd. Total daneben. Genau richtig für uns.

„Links“, beantworte ich ihm die Frage dann.

„Ah okay gut zu wissen. Darf ich deine komplett gestörten Bilder mal sehen?“, fragte er dann wirklich nach. Nachdenklich biss ich auf meine Lippe. Durfte er?

„Yeah darfst du. Wenn du bleibst weiss ich, dass wir wirklich Freunde sind“, scherzte ich, wobei ich es eigentlich sehr ernst meinte. Und er schien es zu sehen. Den ein wissender Blick legte sich in seine Augen.

„Ich zeig dir dafür später meine Texte. Wenn du bleibst weiß ich, dass du es ernst meinst“, erwiderte er und schielte dann zu den Kaffeebechern, die noch auf dem Boden standen und unseren Streit unbeschadet überstanden hatten.

„Welcher ist für mich?“, fragte er dann nach und ich tippte mit meiner Schuhspitze auf einen der Becher.

„Der da“

Wenig später liefen wir Seite an Seite durch die Straßen, auf den Weg zu Jacoby nach Hause. Oder eher zu Andy. Was der Typ zu sein schien, bei dem er zur Zeit wohnte. Wieder so eine Tatsache die mich unglaublich neugierig machte, ich mich allerdings nicht traute nach zu fragen. Man war ich scheiße in dieser Freundessache... kein Wunder das Maddox nicht mehr mein Freund sein wollte.

„Du darfst ruhig fragen“, riss Jacobys amüsierte Stimme mich plötzlich aus meinen Gedanken. Blinzelnd sah ich von meinem Kaffeebecher zu ihm hoch. Setzte eine unschuldige Miene auf.

„Wie kommst du drauf?“, harkte ich nach und tat so als würde ich nicht wissen was er meinte.

„Alter, du siehst aus als ob deine Gedanken dich gleich auffressen“, lachte er und schüttelte den Kopf über mich.

„Also wo vor hast du Angst?“ Was eine gute Frage war. Wovor hatte ich Angst? Ablehnung? Das er von mir dachte ich sei gestört? Was ich war. Habs schriftlich. Sollte ich einrahmen. Er war stehen geblieben und sah mich mit erhobener Augenbraue an. Also blieb auch ich stehen und fuhr mir mit meiner freien Hand durch die Haare. Suchte nach den passenden Worten.

„Schätze mal davor, dass du genervt von mir bist und mich stehen lässt. Oder mich für seltsam hälst“, gab ich dann tatsächlich zu. Wobei meine Stimme leiser klang als ich gern hätte.

„Du bist seltsam“, stellte er nüchtern fest.

„Und ich auch. Was der Grund ist warum wir hier sind“, stellte er klar, schien kurz nicht zu wissen was er noch sagen sollte. Doch dann kam er näher und wuschelte durch meine Haare, die eh schon von meiner eigenen Hand ganz durcheinander waren.

„Hör auf ständig drüber nachzudenken was ich von dir denke. Ich werds dir schon sagen und dich trotzdem nicht sitzen lassen“

Seine Worte rührten mich und gleichzeitig trafen sie mich da wos wehtat. Ohne Vorwarnung, weswegen sich langsam Tränen in meinen Augen sammelten. Ich wurde einfach viel zu oft sitzen gelassen und abgeschoben. So oft, dass ich einfach nicht auf seine Worte vertrauen konnte.

„Wie soll ich mir da sicher sein? Menschen sagen ständig so was und am Ende tun sies trotzdem. Warum solltest du anders sein?“, warf ich ihm mit fast schon brüchiger Stimme vor. Und ich dachte wirklich, dass er über meine heftige Reaktion lachen würde. Wie alle anderen, wenn ich mich verletzlich zeigte. Wenn ich so offen war. Eine Lektion die ich besonders in der Schule gelernt hatte. Doch er lachte nicht. Stattdessen sah er mich mit einem Blick an, der wirklich verstand.

„Weil ich weiß wies sich anfühlt und ich nicht so sein will“, auch seine Stimme war leiser, brüchiger, als zuvor.

„Ich kann dir auch keine Gründe nennen, warum du grad mir vertrauen solltest, oder kannst. Aber ich kanns dir beweisen oder? Also frag was du fragen willst und sag wenn meine Fragen zu weit gehen. Schätze wenn uns sonst keiner zuhörst, sollten wir immerhin einander zuhören“ Und fuck, er meinte jedes beschissene Wort ernst. Er hatte selbst seine Lektionen bekommen. Wusste wie es sich anfühlte wenn niemand einen schreien hörte. Und er war fest entschlossen nicht so zu sein wie alle anderen. Er wollte zuhören. Und das ausgerechnet bei mir. Als schien auch er zu spüren, dass da irgendwas besonderes zwischen uns war.

Trotzdem dauerte es noch zwei Schlucke Kaffee und eine gesamte Straßenlänge, ehe ich mich traute ihn tatsächlich zu fragen. Fuck, war ich gebrandmarkt.

„Wer ist dieser Andy bei dem du wohnst und warum wohnst du bei ihm?“ Es viel mir unglaublich schwer ihn das zu fragen. Was aus heutiger Sicht kaum vorstellbar ist oder? Ich meine wir redeten normal über ALLES. Jeden noch so absurden, verwerflichen Gedanken. Ich sprach bei Coby ohne nachzudenken Dinge an, die würde ich bis heute bei keinem anderen ansprechen, nicht mal nach langer Überlegung. Er biss etwas nervös auf seine Unterlippe. Anscheinend war es für ihn doch nicht so einfach drüber zu sprechen, auch wenn er gesagt hatte ich sollte fragen.

„Okay yeah ich hätte damit rechnen sollen das du nachfragst, aber jetzt bin ich kurz überrascht davon“, scherzte er, so wie ich in solchen Situationen oft scherzen würde. Doch dann drehte er seinen Kaffeebecher nervös zwischen den Fingern und fing tatsächlich an zu erzählen.

„Andy ist ein paar Jahre älter als ich. Hab ihn vor einigen Monaten erst kennengelernt und im Grunde, naja er hat mich bei sich aufgenommen. Davor saß ich auf der Straße“, gestand er mir. Sein Blick traf meinen, fast schon vorsichtig und testend auf meine Reaktion.

„Hat dir deine Mommy nicht beigebracht nicht mit Fremden mit zu gehen?“, neckte ich ihn mit einem frechen Grinsen und nippte an meinem Kaffee.

„Hat sie mal, aber daran halte ich mich nicht und deine?“, drehte er erleichtert grinsend den Spieß um. Was einen kurzen, minimalen Stich in meiner Brust auslöste, ehe ich tief Seufzte.

„Hat sie nicht, oder seh ich so aus als hätte mir das jemand gesagt? Mom wars... egal wo ich war und mit wem. Und meine Stiefmom ist erleichtert wenn ich weg bin. Sie würde Entführern wahrscheinlich noch extra Lösegeld mitgeben wenn sie mich trotzdem behalten“ Meine Antwort versuchte ich ein wenig scherzhaft zu verpacken. Wobei es eigentlich die traurige Wahrheit war. Was Jacoby direkt zu merken schien. Den er legte mir die Hand auf die Schulter und zog mich sanft weiter. Während er seinen Kopf schüttelte.

„Yeah so wirkst du auch. Sonst hättest du dich von mir ferngehalten als du in mich rein gelaufen bist. Kann wohl von Glück reden, dass dir das keiner gesagt hat. Oder bisher entführt hat. Vielleicht sollte ich das mal tun. Einfach so und von dem Extralösegeld deiner herzlosen Stiefmom kaufen wir uns n Haus am Strand oder so“ Jacoby war schon immer meisterhaft darin gewesen so ernste Situationen mit Scherzen aufzulockern. Sein Humor war einfach genau so schwarz wie meiner, weswegen wir uns deswegen wohl nie böse waren. Andere wären bei seinen Worten empört. Ich fing stattdessen an zu lachen, lehnte mich beim Gehen leicht an seine Seite.

„Klingt nach einem Plan. Sollten wir dran festhalten ehrlich“, scherzte ich locker und hey, in diesem Moment fühlte sich dieses Thema auch einfach leichter an, als es eigentlich war.

♫