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Lifestyle and obsession

Harlekin — www.fanfiktion.de · All chapters

Lifestyle and obsession

Andys Wohnung war ganz anders als die Villa der Whitleys oder Maddox zu Hause. Andys Wohnung fühlte sich eher an wie die meiner Mom. Chaotisch, zusammengewürfelt, kreativ. Was kein Wunder war, den der Typ hatte erst vor kurzen sein eigenes Tattoostudio eröffnet. Was sich praktischerweise direkt unter seiner Wohnung befand. Wie auch immer er daran gekommen war. Wahrscheinlich gute Kontakte und eine große Priese Glück. Wir waren durch die Seitentür hineingekommen, dessen Treppe direkt in die Wohnung führte. Coby meinte wir sollten Andy lieber nicht bei der Arbeit stören. Er würde schon hochkommen wenn er Pause hatte und solange hätten wir unsere Ruhe.

„Fuck, ich liebe es hier“, stieß ich komplett ungefiltert aus, als wir uns in Andys chaotische Küche gesetzt hatten, um eine Kleinigkeit, ergo Sandwichs, zu essen.

„Dein Ernst?“, lachte Jacoby und schob mir einen Teller mit einem Erdnussbutter Sandwich zu. Sah sich vielsagend in der kleinen und vor allem alten Küche um. Die Hängeschränke passten nicht zu den Unterschränken. Der Herd war alt und könnte uns um die Ohren fliegen. Die Kräuter auf der Fensterbank waren eingegangen, aber noch nicht im Müll gelandet als hätte noch jemand Hoffnung für sie. Und eine schiefe Lichterkette hing über dem Fenster.

„Komplett. Zwar glaub ich das die Küche in meinem goldenen Knast ungefährlicher ist, aber da hast du Schiss überhaupt was schmutzig zu machen. Man sieht jeden Fleck auf teurem importierten Marmor“, erklärte ich ihm Augen rollend.

„Hier siehst du vor Flecken den billigen Granit nicht mehr“, war sein trockener Kommentar, ehe er sich mit seinem Sandwich gegenüber von mir an den Tisch setze. Plötzlich unglaublich neugierig wirkte.

„Das muss so verrückt sein in so einer Villa zu leben. Wann komm ich in den Genuss deiner Regendusche?“, fragte er und wackelte vielsagend mit den Augenbrauen. Brachte mich damit zum Lachen, auch wenn ich spürte das er es ernst meinte. Neugierig auf die Welt war, in die ich hineingerutscht war und die er nur von außen sah. Doch ich hatte nicht das Gefühl, dass er mich deswegen ausnutzen würde.

„Woher willst du wissen, dass ich ne Regendusche im Badezimmer hab?“

„Haben die Dinger ab 1 Million nicht alle eine?“, meinte er nur grinsend.

„Punkt für dich“, stimmte ich ihm dann doch zu und fügte noch hinzu:

„Vielleicht nehm ich dich mal mit, wenn keiner da ist. Ich will dir meine Familie nicht antun“

„Schade. Sie würden mich bestimmt von ganzen Herzen hassen“, lachte er und sorgte mit seinem Humor dafür, dass das ganze Thema leichter für mich wurde. Und hey, es würde recht behalten. Sie würden ihn von ganzen Herzen hassen und trotzdem würden wir öfter in meinem Zimmer abhängen als wir jemals dachten. (Kommt überraschend oder? Wir würden natürlich noch mehr Zeit bei Andy verbringen, seien wir mal ehrlich, ist abzusehen das ich hier auch bald wohnen würde. Aber yeah, wir waren auch öfter bei mir und genossen die Vorteile von Geld.)

„Also deine Songtexte“, griff ich das Thema wieder auf, wegen dem wir uns eigentlich treffen wollten. Immerhin waren wir seit ein paar Tagen offiziell eine Band und Below Zero würde nicht von allein bekannt werden.

„Hat noch nie jemand gesehen, also ist meine Meinung das sie verdammt gut sind eher.. objektiv“, gestand er mir. Wobei mir nicht entging wie genau er mich beobachtete. Als würde er doch noch mal abwägen, ob ich es wirklich wert war seine tiefsten Gedanken zu lesen. Diesen Blick auf sein rohes Herz überstehen würde, oder danach abhauen würde.

„Weinst du wenn ich Kritik äußere?“, neckte ich ihn mit diesem frechen Grinsen, dass er wirklich zu mögen schien. Den jedes Mal leuchtete etwas in seinen Augen auf, wenn ich so grinste. Ganz leicht, aber vorhanden. Er wog den Kopf hin und her und riss eine Ecke seines Erdnussbutter Sandwichs ab.

„Sehr wahrscheinlich würde ich dir was hartes an den Kopf werfen und deine Leiche danach verstecken“, ging er auf meinen Scherz ein. Doch dann sah er etwas nachdenklich auf das Stück Sandwich zwischen seinen Fingern.

„Keine Ahnung. Ich glaube es würde mich treffen und ich bräuchte kurz Zeit, um das nicht persönlich zu nehmen“, gestand er mir dann und sah jetzt doch wieder in meine Augen.

„Gehts dir da anders mit?“ Gute Frage. Ich hatte lange niemanden mehr etwas von mir gezeigt, dass mich verletzen könnte.

„Ich hab lange niemanden mehr tiefer in mich sehen lassen. Müsste ich ausprobieren. Es... gab lange keinen mehr der sich wirklich für meine Gedanken interessiert hat“ Meine Antwort fiel ehrlicher aus als gedacht. Er nickte verstehend und fuhr sich mit den Fingern durch die Haare.

„Yeah, fühl ich. Die meisten interessiert es nicht wirklich. Sie tun nur so, aber ihr Interesse ist meist nur oberflächlich“, meinte er, steckte sich einen weiteren Bissen in den Mund und stand auf. Nuschelte dann kauend was davon, sein Notizbuch holen zu wollen und verschwand schneller aus der Küche, als ich seine Worte überhaupt entschlüsselt hatte. Und so schnell wie er auch verschwunden war, so schnell kam er wieder in die Küche. Ein schwarzes, leicht zerknicktes Notizbuch in den Händen, auf dem einige Aufkleber bekannter Bands klebten.

„Okay also, nichts davon ist ein fertiger Song. Es sind nur Ideen, Gedanken die mal mehr und mal weniger zusammenhängen“, fing er an mir zu erklären. Setzte sich dabei auf den Stuhl neben mich und rückte noch etwas näher ran. Kurz zögerte er, es war nur ein minimales Stocken in seiner Bewegung, doch dann legte er sein heiliges Notizbuch vor mich und lehnte sich zurück.

„Es steht dir frei mein Genie zu lesen“, grinste er und wenn jemand spürte, dass er seine Unsicherheit hinter diesem Grinsen verbarg, dann ich.

Andächtig wanderte mein Blick über die Aufkleber.

„Als hättest du darin ne Doktorarbeit über angewandte Physik, oder die Karte nach Atlantis“, neckte ich ihn, um ihm etwas den Druck zu nehmen.

„Vielleicht hab ich das ja“, schnaubte er und biss ganz leicht auf seine Lippe. Kaute auf ihr herum während ich seine Notizen aufschlug und anfing seine unsaubere Handschrift zu lesen. Die kurzen Zeilen, die nur aus wenigen Worten bestand. Die langen Gedanken, die zwar keine Melodie besaßen, aber in denen eindeutig Gefühle mitschwangen. Alles war roh und ehrlich, sodass mir immer wieder leichte Schauer über den Rücken liefen. Den fuck, ich verstand ihn. Wusste was er meinte. Wie er sich beim schreiben gefühlt hatte. Spürte, was er gespürt hatte. Und das traf mich verdammt unerwartet. Besonders eine Textzeile fesselte mich.

I just wanna be heard

Loud and clear are my words

Comin' from within' man,

tell'em what you heard

It's about a revolution

In your heard and in your mind,

you can't find the conclusion

Lifestyle and obsession

„Fuck, das ist gut“ Ich legte das Notizbuch wieder auf den Tisch und kratze leicht über meinen Handrücken. Spürte Jacobys verblüfften Blick auf mir. Damit hatte er wohl trotz seiner großen Worte nicht gerechnet.

„Was?“

„Fuck, das ist gut. Wirklich gut. Es ist roh. Es ist kraftvoll. Es tritt dir in den Arsch“, teilte ich ihm meine Gedanken zu seinen Worten mit. Etwas nervös, weil es auch mich verwundbar machte. Doch gleichzeitig fühlte es sich richtig an es ihm zu sagen.

„Und ich steh auf den Teil der anderen in den Arsch tritt“, jetzt legte sich doch ein Grinsen auf meine Lippen.

„Klar ist das gut. Wie gesagt erzittere vor meinem Genie“, lachte der Blonde dann, fast schon erleichtert, auf.

Meine positiven Worte schienen ihn zu beflügeln, den er setzte sich etwas gerader hin und atmete leise aus, ehe er anfing sie zu singen. Oder eher zu rappen. Den er schien noch keine Melodie zu diesen Gedanken gefunden zu haben.

„ It's about a revolution. In your heard and in your mind, you can't find the conclusion “ Wie gebannt starrte ich ihn dabei an. Das mein neuer Freund Talent hatte wusste ich schon, doch es fesselte mich jedes Mal aufs neue. (Etwas das sich übrigens nie ändern würde. Cob würde mich immer mit seiner Präsenz und seiner Stimme fesseln. Mit seiner Energie, die in allem mitschwangen was er tat. Fuck, dass ist etwas das mir mit am meisten fehlt.)

Während er rappte trommelten meine Finger nachdenklich, aber im Takt seines Flows auf der Tischplatte.

„Daraus lässt sich wirklich was machen“, wiederholte ich nachdenklich. Begegnete Cobys aufgeregten Blick.

„Willst du meine Gitarre?“, fragte er mich wie aus dem Nichts und stand bereits auf, nahm sein Notizbuch in die Hände.

„Komm lass uns in mein Zimmer umziehen“, schlug er vor, wobei es weniger ein Vorschlag war und eher eine bereits entschiedene Tatsache.

Ich musste mich richtig beeilen ihm zu folgen.

„Was hast du es plötzlich so eilig man?“

„Häh? Hier entsteht grad was großes man. Ich nutze nur den Moment“, lachte er und ging vor in eines der Zimmer, die vom offenen Wohnzimmer abgingen. Es war kleiner als mein eigenes Zimmer, aber verdammt gemütlich. Ein großes Bett, das ungemacht am Fenster stand. Ein alter dunkelroter Sessel in der Ecke neben einem kleinen Regal das voll gestellt war mit allem möglichen Zeug. Ein Kleiderschrank, dessen Tür schief in den Angeln hing und eine Lichterkette direkt über dem Bett. Auch hier passten die Möbel nicht recht zusammen und allein diese Tatsache sorgte direkt dafür, dass ich mich wohlfühlte. Vielleicht lag es aber auch an den vielen Postern an der Wand und der Tatsache das es Coby gehörte und ich alles was ihn betraf direkt zu mögen schien. Mein Freund hatte sein Notizbuch aufs Bett geworfen und sich daran gemacht seine E-Gitarre an den kleinen und vor allem alten Verstärker anzuschließen.

„Fuck das ich mich unbedingt heute prügeln musste und deswegen nicht spielen kann“, brummte er unzufrieden vor sich hin. Doch auch diese Tatsache konnte seiner Begeisterung keinen wirklichen Dämpfer verpassen. Mit leuchtenden Augen reichte er mir seine abgenutzte schwarze Gitarre.

„Spiel“

„Ist ja schon gut“, lachte ich und ließ mich auf seinem Bett nieder, nahm die Gitarre die er mir hinhielt. Strich über die Saiten, die dank mir brandneu waren. Durch meine Finger zuckte ein erwartungsvolles Kribbeln und ich spielte die einzelnen Saiten an, um zu sehen ob sie verstimmt waren. Anders als Maddox Gitarre damals schien Jacoby viel wert auf eine gut gestimmte Gitarre zu legen.

„Dachtest du ich lass sie ungestimmt in der Ecke versauern?“, spottete er und ließ sich neben mir auf seinem Bett nieder.

„Vielleicht“, neckte ich ihn und spielte in meinem Kopf seine Songzeilen erneut ab. Jacoby atmete laut und dramatisch auf.

„Was eine Beleidigung, mein Freund“, meinte er, schien es allerdings nicht wirklich ernst zu meinen.

„Immer wieder gern. Sing die Stelle noch mal, Cob“, murmelte ich gedankenverloren. Meine Augen hatte ich auf die Saiten der Gitarre gerichtete, als würden sie mir eine Melodie geben.

„Von Anfang bis Ende“, fügte ich hinzu. Er schmunzelte leicht bei meinem Ton, doch dann fing er an seine Zeilen erneut zu rappen und danach zu singen. Er probierte sie auf verschiedene Arten aus und ich lauschte ihm einfach. Versuchte nicht nur seinen Vibe zu finden, sondern auch eine Melodie dazu. Bisher hatte ich noch nie Worte zu meinen Melodien gehabt, oder hatte versucht auf Songzeilen eine passende Melodie zu finden. Also war das Ganze genau so neu für mich, wie es wohl für ihn war. Ich brauchte einen Moment, um überhaupt einen Anfang zu finden. Nur wenige aufeinanderfolgende Töne. Genau so roh wie seine Worte. Coby verstummte als er am Ende der Zeile angekommen war, doch ich spielte die wenigen Töne erneut. Wiederholte sie ohne seine Worte.

„Klingt nicht übel“, lautete sein Urteil nachdenklich. Er betrachtete meine Finger, die über die Saiten glitten.

„Yeah, ist aber noch sehr dünn“, gab ich zu und fuhr mir mit der Hand durch die Haare. Dachte über seine Worte nach.

„Schließ mal deine Augen“, wies ich ihn dann an. Jacoby sah mich amüsiert an, doch tat was ich von ihm wollte. Er schloss seine Augen.

„Was wird das?“, harkte er nach.

„Ich will das du einfach mal kurz nur zuhörst und mir dann ehrlich sagst wies war“

„Puh, dachte schon ich muss gleich meinen Mund auf machen, oder so“, scherzte er, wofür ich ihn sanft gegen den Arm boxte.

„Idiot“, brummte ich, ehe ich mich innerlich darauf vorbereitete meine Gedanken mit ihm zu teilen.

Erneut fing ich an die Melodie von eben zu spielen. Etwas schneller als eben noch. Ich spielte die Tonfolge einmal durch, ehe ich sie wiederholte und anfing dazu zu singen. Nicht zu rappen, so wie Coby es getan hatte, weil er noch keine Melodie dazu hatte. Vor ihm zu singen fiel mir leichter als gedacht. Vielleicht weil er die Augen geschlossen hatte, oder weil einfach er es war vor dem ich meinen Einfall sang.

„ There's no money.... There's no possession... Only obsession... I don't need that shit... “, ich war so auf meine Worte konzentriert, dass ich nicht bemerkte wie er seine Augen geöffnet hatte und mich ansah. Dabei beobachtete wie ich sang.

„ Take my money “

„ Take my obsession “, Jacoby ergänzte meine Worte einfach. Überrascht starrte ich ihn an, nickte dann allerdings zustimmend. Es passte. Ich legte etwas mehr Kraft, mehr Aggression in die Melodie und nickte ihm zu. Was Jacoby direkt richtig deutete und seine Zeilen rappte. Sie diesmal allerdings meiner Melodie anpasste. Es klang immer noch roh, aber nicht so übel wie gedacht.

„Wenn wir noch ein bisschen mehr Zeit und Liebe hineinlegen könnte das echt was werden“

„Echt was werden? Fuck, Jacky was ne Untertreibung!“ Jacoby lachte begeistert auf und wuschelte mir durch die Haare.

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