Take a look at the world around you
Take a look at the world around you
Meine ersten Stunden in meinem neuen Leben bestanden aus viel Stille und nicht ausgesprochenen Vorwürfen, seitens perfekt gezupften Augenbrauen. Ich weiß noch wie Chrishell mich nach oben führte. Das Haus war so riesig, dass ich Angst hatte mich zu verlaufen. Der Flur den wir entlang liefen kam mir unglaublich lang vor. Fast endlos.
„Unsere Schlafzimmer liegen auf der anderen Seite. Hier befinden sich die Gästezimmer.“,e rklärt sie mir wie aus dem Nichts. Es fühlte sich schon damals seltsam an, dass sie mich hier unterbrachten. Isoliert und abseits.
„An deinem Zimmer befindet sich ein Badezimmer. Du kannst direkt duschen gehen“, wies sie mich an. Etwas das ich nur schweigend zur Kenntnis nahm. Bis dato wusste ich nicht mal wie die Frau vor mir hieß. Nur das sie offensichtlich die Frau meines Vaters war. Also wagte ich den ersten vorsichtigen Vorstoß für ein gutes Zusammenleben. Ein leises Räuspern verließ meine Lippen.
„Entschuldige, ich bin Jack und du bist?“, versuchte ich all die Höflichkeit aufzubringen, die mir meine Mom und Granny beigebracht hatten. Doch es prallte an ihr ab, wie jeder meiner Versuche über die Jahre, warm mit dieser Frau zu werden. Tja, ich hatte verschissen ehe ich überhaupt eine Chance gehabt hatte.
„Ich bin Chrishell und nicht deine Mutter, falls du auf die Idee kommen solltest ich würde diese Frau ersetzen wollen“, ihre Worte waren hart. Wirklich hart und in ihnen schwang eine Abneigung wieder, die sie mir gegenüber nie abgelegt hatte. Schon damals war mir klar gewesen, dass meine Mom zwar keine besonders gute Mom gewesen war, doch Chrishell war noch mieser in dem Job. (Sie gab sich ehrlich gesagt auch nie wirklich Mühe und so oft wie wir in meiner Pubertät aneinander geraten waren muss ich rückblickend sagen... Respekt das sie mich nicht auf die Straße gesetzt hat. Entweder sie mochte mich doch minimal, oder rechtliche Gründe hinderten sie daran.)
Kaum hatte sich die Tür zu meinem neuen Zimmer geschlossen fühlte ich mich allein und überfordert mit allem. Das Zimmer war groß und hey, ich konnte an sich nicht klagen. Bedenkt wo ich zuvor aufgewachsen war, dass hier war wie in einem Film für mich. Großes Bett. Viel Platz mit großen Fenstern und ein eigenes Bad. Ein Traum für so viele. Doch genau wie der Rest des Hauses war auch mein „Zimmer“ ein steriler Ort ohne Persönlichkeit. Außer man sieht Geld als Persönlichkeit an. Dann hatte es eine Menge davon. Weiße Wände, keine Bilder und es war so zum kotzen eintönig modern. (Etwas das ich schnell ändern würde, aber da sind wir noch lange nicht.)
Meinen Koffer stellte ich neben dem Bett ab. Chrishell hatte mir den Auftrag gegeben zu Duschen. Doch eigentlich war mir immer noch zum heulen zumute. Ich weiß noch wie ich mich in dem Zimmer umsah und danach im großen Badezimmer. Es war beeindruckend. Allein das Badezimmer war doppelt so groß wie unseres. Und weil ich nichts anderes mit mir anzufangen wusste ging ich tatsächlich duschen. Und fuck, diese Regendusche tat es mir dann doch schon an. Kein Schimmel in den Fugen zwischen den Fliesen, immer warmes Wasser und diese verflucht weichen Handtücher.
Kennt ihr es, wenn ihr an einem neuen Ort seit und nicht sicher seit was erlaubt ist und was nicht? Wo man hingehen kann und welche Orte nicht für einen bestimmt sind? So ging es mir nach der Dusche. Ich war mir nicht mal sicher, ob ich mein Zimmer verlassen durfte. Es fühlte sich alles so fremd an. Doch ich war schon immer neugieriger als mir gut tat. Also beschloss ich mein Zimmer zu verlassen und wenigstens den Flur zu erkunden. Chrishell hatte gesagt, dass ihre Schlafzimmer auf der anderen Seite des Flures lagen. Leise und vorsichtig schlich ich auf Socken durch den Flur. Betrachtete immer wieder die abstrakten Bilder an der weißen Wand, mit denen ich nichts anfangen konnte. (Stellt euch eine dieser typischen Katalog Villen im Preissektor über 10 Million Dollar vor und ihr habt ein Bild davon worin ich jetzt lebte. Ich schwöre euch Zillow ist voll davon.) Am Ende des Flures befand sich jedenfalls eine sehr imposante Tür die direkt „Master Bedroom“ schrie. Von dieser Tür würde ich vorerst Abstand nehmen. Ich wollte nicht an meinem ersten Tag auf der Straße landen. Dafür öffnete ich eine Tür, die etwas entfernt von besagter andere Tür war. Und hinter dieser Tür lag ein liebevoll eingerichtetes Jugendzimmer. Was mich mehr überraschte als alles andere. Nichts in diesem Haus schrie nach einem Kind. Außer dieses Zimmer und jetzt ich. Also wer wohnte hier? Ohne es zu wissen hatte ich das Zimmer meines älteren Bruders gefunden, der noch nichts von mir wusste.
Und weil ich eben war wie ich war, sprich neugierig und etwas grenzenlos, betrat ich das Zimmer um mich umzusehen. Auch hier waren die Wände weiß, doch immerhin hingen Poster und Bilder an den Wänden, mit denen ich etwas anfangen konnte. Schon auf dem ersten Blick erkannte ich, dass hier kein Mädchen wohnte, sondern ein Junge. Ein sehr ordentlicher Junge, dessen Interessen beim Sport lagen. Gerade als ich voller Neugier seinen Kleiderschrank öffnete, hörte ich die Tür hinter mir zufallen. Schnell schob ich die Türen des Schrankes wieder zu und drehte mich zur Tür. Da stand er. Mein Bruder, Bryce.
Die Überraschung stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. Er musste gerade von der Schule gekommen sein, den auf seinem Rücken befand sich noch sein Rucksack und seine Kleidung sah eher nach Uniform aus, als nach Alltag. (Ohja, die besonders privilegierten gehen auf eine Schule mit Uniform. Granny hätte so was wie adrett zu seinem Outfit gesagt.)
Hm, was kann ich euch an dem Punkt von meinem Bruder erzählen, ohne zu viel vorweg zu nehmen? Bryce war zwei Jahre älter als ich und Mommy und Daddys ganzer Stolz. Der baldige Erbe eines riesigen Imperiums, mit hervorragenden Schulnoten. Aufgewachsen in diesem goldenen, aber herzlosen Nest. Braune Haare, eine ähnliche Farbe wie meine wir mussten sie also beide von Dad geerbt haben. Graue Augen und schon immer größer als ich. Und wisst ihr was seine ersten Worte zu mir waren?
„Hast du gerade in meiner Unterwäsche herumgewühlt?“, angewidert verzog ich mein Gesicht.
„Warum sollte ich das tun? Und was soll ich mit deiner Unterwäsche tun? Die ist mir eh zu groß“ Yeah, unser erstes Gespräch handelte darüber. Unfassbar oder? Aber damals brach es wenigstens den Damm zwischen uns. Bryce stellte langsam seine Schultasche neben die Tür und schien zu versuchen mich und die Situation einzuschätzen.
„Du bist also... mein Bruder“, schlussfolgerte er langsam und schien eben so unsicher zu sein wie ich.
„Jack“, stellte ich mich eben so vorsichtig vor und hoffte damals inständig, dass er der eine „normale“ Mensch in diesem Irrenhaus war.
„Bryce“, stellte er sich im Gegenzug ebenfalls vor, fügte dann allerdings sehr vorsichtig hinzu:
„Wie geht’s dir? Mom sagte nur was davon das deine Mom...“, er hielt inne und schien nach dem passenden Wort zu suchen. In mir zog sich in dem Moment alles zusammen. Fuck, er hatte gefragt wie es mir ging. Allein diese Frage schien die Mauer zu brechen, die ich die letzten Stunden um mich herum gezogen hatte. Ohne etwas dagegen tun zu können liefen mir die Tränen über die Wangen und ein brüchiges:
„Beschissen“, verlies meine Lippen. Wie sollte es mir schon gehen? Außer absolut beschissen. Mein Bruder schien mit dieser Reaktion meinerseits zwar gerechnet zu haben, doch er wirkte dennoch überfordert damit. Was ich daran merkte, dass er mich sehr zögerlich in den Arm nahm.
„Hey, dass wird schon wieder. Jetzt bist du hier sicher“, versuchte er mich zu trösten. Und egal was noch alles zwischen uns passieren würde, für diese erste Reaktion von ihm war ich mehr als dankbar. Bin ich bis heute. Auch wenn sich unsere Beziehung noch krass wandeln würde.
♫
Das Nait mein, nennen wir es mal Manuskript, lesen durfte hob unsere Beziehung noch mal auf eine neue Ebene des Vertrauens. Immerhin standen da Dinge drin, die außer Coby niemand so detailliert
von mir wusste. Mit jedem Kapitel das er las verstand er mich besser. Auch wenn er es nicht immer ansprach, Nait verstand unglaublich viel und spürte auch all die nicht ausgesprochenen Worte und Gefühle zwischen den Zeilen. (Fuck, wäre er früher in mein.... in unser Leben gekommen, ich glaube dann wären Cob und ich nie so gefallen. Aber wir können die Vergangenheit nicht ändern. Es gibt kein „Was wäre wen“ in der Realität.)
Gerade fühlte sich mein Leben nicht nur überraschend leicht an, sondern auch verdammt ausgeglichen. Etwas das ich ohne Naits Hilfe nie geschafft hätte. Also sollte ich mich vielleicht bei ihm dafür bedanken. Auf meine Art versteht sich. Der Gedanke kam mir, noch ehe sich das verräterische Grinsen auf meine Lippen legte. Ohne weitere Zeit zu verlieren klappte ich meinen Laptop zu und fuhr mir mit den Fingern durch meine grünen Haare. Kurz knackte irgendetwas in mir. Ich hatte schon wieder viel zu lange in dieser Position auf Cobys Bett gesessen. Bel streckte sich auf der Bettdecke, er hatte bis eben noch friedlich neben mir geschlafen. Doch jetzt sah er mich kurz vorwurfsvoll an und sprang vom Bett. Wahrscheinlich würde er sich einen neuen Schlafplatz suchen, oder einfach aufpassen das hier alles mit rechten Dingen zuging.
Meinen Laptop ließ ich zugeklappt auf dem Bett liegen. Bei dem was mir vorschwebte brauchte ich ihn nicht. Leise summend verließ ich Cobys Zimmer und schlich den kurzen Weg zu unserem Schlafzimmer. Wenn ich Glück hatte, dann wäre meine Suche nach Nait schneller beendet als gedacht. Und tatsächlich schien ich Glück zu haben, den die Tür zum Badezimmer war lediglich angelehnt und aus dem Inneren kam nicht nur Musik, sondern auch das Rauschen der Dusche. Besserer Voraussetzungen konnte ich gar nicht haben. So leise wie möglich schlich ich zur Badezimmertür und sah durch den Spalt. Der Wasserdampf füllte den Raum mit warmen Nebel und Naits Playlist dröhnte laut aus der Box auf dem Boden. Mein Blick huschte kurz zur Dusche, unter der mein nackter Freund mit dem Rücken zu mir stand und meine Anwesenheit nicht zu bemerken schien. Perfekte Voraussetzungen.
Fast lautlos befreite ich mich von meinen Klamotten, die ich einfach achtlos auf den Fliesen liegen ließ. Ich würde sie einfach später wegräumen, oder Nait würde es tun weil ich es verdrängt hatte und er sich über meine Unordnung ärgerte. Kaum hatte ich auch das letzte bisschen Stoff auf den Boden fallen lassen, schlich ich schon zur Dusche. Nait schien mich immer noch nicht bemerkt zu haben. Er bewegte sich leicht zur Musik und ich konnte durch das Rauschen des Wasser seine leise Stimme hören. Nait sang oft, wenn er sich unbeobachtet fühlte und allein war. Meist unter der Dusche.
„Hier steckst du“, meine Worte ließen Nait aufschrecken. Ein überraschter Laut verließ seine Lippen und er zuckte in meinen Armen zusammen, die ich von hinten um ihn geschlungen hatte.
„Fuck, J schleich dich doch nicht so an!“, keuchte er überrascht auf und sackte im nächsten Moment mit seinem Rücken gegen mich. Wie von selbst wanderten meine Hände über seinen Bauch, was mir ein leises wohliges Schnurren entlockte. Dicht an seinem Ohr, sodass Nait die dunkle Vibration spüren konnte. Was ihn seinerseits erschaudern ließ. Hmh, er war so herrlich anfällig für mich. Hoffentlich würde sich das nie ändern.
„Wieso nicht? Ich bin so gut darin“, raunte ich verführerisch gegen sein Ohr, während meine Hände weiter auf Wanderschaft gingen. Seinen Körper erkundeten und mit Absicht die interessanten Stellen unterhalb der Gürtellinie ausließen. Nait lehnte sich noch etwas mehr an meinen Körper, völlig entspannt und gleichzeitig angespannt vor aufkommender Lust.
„Trotzdem musst du dich nicht ständig anschleichen“, setzte er noch mal nach, klang allerdings nicht mehr ganz so entschlossen wie noch zuvor. Meine Hände schienen ihm seine Entschlossenheit recht schnell genommen zu haben.
„Oh keine Sorge, dafür werde ich mich noch sehr ausgiebig bei dir entschuldigen“, versprach ich ihm. Naits mögliche Antwort ging allerdings in seinem wohligen Stöhnen unter, als ich damit begann seinen Hals entlang zu küssen. Diesmal gingen meine Hände weiter. Tiefer. Was Nait erneut zum Stöhnen brachte. Meine Finger entlockten ihm sogar einen atemlosen Fluch, der für mich wie eine ganz private, persönliche Trophäe war. Den Nait fluchte nicht oft. Wobei seine Fluchhäufigkeit, seit meinem Auftreten in seinem Leben wohl zugenommen hat.
„Hmh, du freust dich also mich zu sehen“, neckte ich ihn, während meine Finger viel zu langsam, fast schon andächtig über seinen Schwanz glitten.
„Dein Ernst?“, keuchte er, was fast wie ein Lachen klang. Das ihm allerdings im Hals stecken blieb, als mein Griff ein klein wenig fester wurde.
„Mein Ernst“, bestätigte ich und strich mit meiner anderen Hand erneut seinen Bauch nach oben, diesmal weiter über seine Brust bis hin zu seinem empfindlichen Hals.
„Ich wollte mich eigentlich ein wenig bei dir revanchieren. Für deinen Support in der letzten Zeit“, erklärte ich ihm mit dieser verdammt dunklen Stimme auf die er so stand.
„Aber vielleicht haben sich meine Interessen gerade ein wenig gewandelt. Aber wir werden beide auf unsere Kosten kommen. Versprochen“ Ein Versprechen, dass ich mit einer eindeutigen Handbewegung und einem Kuss auf die empfindliche Stelle hinter seinem Ohr besiegelte. Die nächsten paar Stunden würde ich seine Aufmerksamkeit völlig in Anspruch nehmen.