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Kapitel 11 - Grummeliger Inspektor

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Kapitel 11 - Grummeliger Inspektor

In der Zwischenzeit waren die drei Fragezeichen bei Justus zu Hause eingetroffen. Tante Mathilda hatte eine große Portion Spaghetti gekocht, die genüsslich von den Jungs verputzt wurde. Anschließend stapften sie in ihre Zentrale und beratschlagten sich über den gestrigen Abend und fassten die wesentlichen Informationen zusammen.

„Also Mr. X hat recht gehabt mit der Orange Street und dem Mercedes."

„Zwei Männer mit Tigermasken, die sehr professionell vorgegangen sind. Einen Mercedes S in so kurzer Zeit zu knacken und zu starten ist definitiv nicht einfach. Das waren keine Amateure.", erklärte Justus. „Wir sollten Mr. X mitteilen, dass die Diebe auf der Pineapple Road nach Westen gefahren sind. Möglicherweise haben sie dort ein Zwischenversteck für die gestohlenen Autos."

„Das ist nicht gerade viel. Die Bilder sind nichts geworden und Stimmen haben wir auch keine.", murmelte Peter.

„Aber wenn Mr. X uns das bestätigt, wäre das ein Anfang und er informiert uns dann sicher, wie es weiter gehen soll.", kam optimistisch von Bob.

Justus sah seine beiden Freunde an. „Dann heißt es jetzt dichten, Kollegen! Eure Kreativität ist gefragt."

„Übel, übel, sprach der Dübel und verschwand in der Wand."

Irritiert schaute Justus Peter an. „Was soll das sein?"

„Na meine Kreativität.", grinste der zweite Detektiv belustigt und bekam dafür ein Augenrollen seines Freundes.

Eine gute Stunde tüftelten die Jungs an dem Gedicht herum. Es war schwierig für sie in Bildern zu denken und in Reimen zu formulieren. Nicht sonderlich zufrieden stellte Justus ihr Werk letztendlich auf den Desktop des Computers.Dann beschlossen sie Inspektor Cotta einen Besuch abzustatten. Die Polizei befasste sich mit dem Fall und Cotta hatte ihnen schon oft geholfen, also wollten sie ihn einweihen.

Mit ihren Fahrrädern fuhren die drei Fragezeichen zum Police Department von Rocky Beach. Die amerikanische Flagge wehte erhaben über der Eingangstür an einem Fahnenmast im Wind. Sie verschlossen die Räder vor dem Haupteingang. Hinter ihnen standen einige abfahrbereite Streifenwagen und der Besucherparkplatz war gut mit Autos gefüllt. Auch ein ihnen nur allzu bekannter Chevrolet Camaro SS stand in einer der Parklücken, dessen Hyper-blue-metallic-Lack in der Sonne funkelte.

Die Freunde schritten durch die Glastür ins Innere und wurden von hektischer Betriebsamkeit begrüßt. Mehrere Beamte liefen umher, beschäftigt mit Papierkram, ihren Funkgeräten oder einem Becher heißen Kaffees in der Hand.

An einem der hinteren Schreibtische saß ein blondhaariger junger Mann, dessen Kopf von seiner rechten Hand gestützt wurde und seine blauen Augen konzentriert auf den Computerbildschirm vor ihm blickten. Seine linke Hand tippte währenddessen auf der Tastatur herum.Für die drei Detektive war es nach wie vor ein ungewohntes Bild ihren einstigen Erzfeind Skinny Norris in der schwarzen Polizeiuniform des LAPD zu sehen, ehrlich arbeitend an einem Schreibtisch und nicht in Handschellen im Verhörraum sitzend mit seinem sonst gewohnten missbilligenden Gesichtsausdruck.

„Ich glaube an Skinny Norris als Policeofficer werde ich mich nie gewöhnen können.", nuschelte Bob vor sich hin.

„Irgendwann Bob. Ich hab auch nie gedacht, dass ich Skinny als den Freund meiner Schwester akzeptieren könnte. Und mittlerweile bin ich sogar dankbar, dass sie ihn an ihrer Seite hat. Sachen gibt's...", grinste Peter und setzte sich in Bewegung Richtung Schreibtisch. Bob und Justus blickten sich kurz an, ehe sie ihrem Freund folgten.

„Officer Norris, wie läuft's?", kam von Peter mit einem breiten Grinsen.

Das ließ Skinny etwas überrascht von seinem Computer aufschauen, doch dann formte sich auch auf seinem Gesicht sein ikonisches freches Grinsen. „Schisser Shaw und seine Satzzeichen. Bis auf eine Menge ermüdenden Papierkram nicht viel. Was verschafft dieser Polizeibehörde euren Besuch?", antwortete er neckisch.

„Wir wollen zu Inspektor Cotta, wegen eines Falls."

Skinny lachte nervös. „Na ob das so eine gute Idee ist?"

„Wieso?"

„Mit dem ist heute gar nicht gut Kirschen essen. Hat mir vorhin fünf Minuten vor meinem eigentlichen Feierabend mit einem mürrischen Gesicht diese Akten auf den Tisch geschmissen und „Überstunden für dich!" gegrummelt.", seufzte Skinny. „Also ich bezweifle, dass er sich freuen wird euch zu sehen."

Justus musste lachen. „Vielleicht hast du einfach wieder was angestellt, was ihm nicht gepasst hat. Ist es immer noch ungewohnt für dich, vernünftig für dein Geld zu arbeiten?"

Skinnys Gesicht wurde ernst. Er verstand sich mittlerweile durch Casie zwar besser mit den Dreien, aber Justus' überhebliche Art ging ihm trotzdem noch auf den Keks. „Weißt du Dickerchen, du solltest echt mal lernen deine vorlaute Klappe zu halten, wenn du keine Ahnung hast wovon du überhaupt redest! Mein Abschluss an der Polizeiakademie spricht für mich. Du wärst nicht mal im Vorfeld durch den Sporttest gekommen."

Peter und Bob schauten sich an und verstanden sich beide ohne jegliche Worte, weshalb Bob sich an Justus wandte und ihn kommentarlos am Arm Richtung Treppenaufgang zog. Der war etwas überrumpelt von der abrupten Geste seines Freundes, denn eigentlich wollte er zurück kontern, was Peter und Bob aber unbedingt verhindern wollten.

Peter wandte sich wiederum an Skinny. „Nichts für ungut. Hast du eine Ahnung, wieso Cotta schlecht drauf ist?"

Sein Gegenüber zuckte mit den Schultern. „Vermutlich einfach Stress. Neben dem Alltagsgeschäft halten uns diese Autodiebe ganz schön auf Trapp."

„Habt ihr schon irgendwelche Anhaltspunkte zu denen?", fragte Peter interessiert.

„Das sind laufende Ermittlungen. Dazu darf ich keine Details nennen, aber wie du vielleicht mitbekommen hast, haben die gestern wieder zugeschlagen."

„Ja, davon habe ich gehört. Die haben echt Nerven aus Stahl. Na gut, ich will dich nicht weiter von der Arbeit abhalten. Wir probieren mal unser Glück bei Cotta. Grüß mir meine Schwester.", lächelte Peter freundlich und ging los.

„Mach ich. Viel Erfolg.", antwortete Skinny und widmete sich wieder seinen Berichten.

Die drei Freunde gingen die Treppe hinauf und kamen vor Cottas Büro zum Stehen. Die Tür stand offen, aber am Schreibtisch saß niemand. Den einzigen Menschen, den sie in diesem Büro sahen, war der amerikanische Schauspieler Humphrey Bogart, der in Form eines Posters an der hinteren Wand über einem Aktenschrank hing.

Justus scannte den Flur ab und erspähte den Inspektor in der Kaffeeküche neben zwei weiteren Beamten stehen. „Da hinten ist er. Holt sich wohl einen Kaffee. Kommt Kollegen."

Cotta streifte die Detektive mit einem kurzen Blick, als er sie durch die Glasscheibe näher kommen sah, wandte sich dann aber direkt wieder seinen Kollegen zu. „Ich glaube, Skinny hatte recht. Begeistert sieht der wirklich nicht aus.", nuschelte Peter leise.

Justus schenkte Peters Skepsis keine Bedeutung und begrüßte die drei Beamten mit einem höflichen „Guten Tag". Den einen Beamten kannten sie nicht, aber den anderen dafür leider schon - Inspektor Kershaw, der die drei Fragezeichen absolut nicht leiden konnte und dies auch jetzt wieder deutlich auf seinem Gesicht abzulesen war.

„Hallo.", antwortete Cotta knapp, während die anderen beiden nur stumm nickten. Der Gesichtsausdruck des Inspektors hatte etwas Missmutiges und er sagte auch nichts weiter, keine Neugier darüber was die Jungs auf dem Herzen hatten. Er wandte sich einfach wieder seinen Kollegen zu und setzte die Unterhaltung mit ihnen fort.

Die Freunde kamen sich gerade wie Luft vor oder auch wie lästige Insekten. Sie hatten Cotta zwar schon öfter mit schlechter Laune und etwas schroff erlebt, aber so kannten sie ihn dann doch nicht. Unschlüssig standen sie einfach nur da. Cottas Art hatte sie verunsichert und so wagte keiner von ihnen es das Gespräch abermals zu unterbrechen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit blickte der Inspektor wieder zu ihnen und sein „Wollt ihr zu mir?" klang eher wie „Seid ihr immer noch da?"

Die Art wie Cotta diese Frage stellte, ließ selbst das Selbstbewusstsein des ersten Detektivs erlöschen. Schon fast kleinlaut sagte Justus: „Ja, wir wollen mit Ihnen über eine Sache reden."

Ein ironisches Grinsen formte sich auf dem Gesicht des Beamten. „Lasst mich raten... Ihr seid auf ein rätselhaftes Geheimnis gestoßen, hinter dem die finstersten Verbrecher stecken, mit denen wir es jemals zu tun hatten?"Seine beiden Kollegen lachten, Kershaw mit einem zusätzlichen Hauch von Schadenfreude, während die Detektive Cotta unschlüssig anblinzelten. Und Cottas Sarkasmus verließ erneut seinen Mund. „In Moment besteht dieses Geheimnis zwar nur aus einer alten Blechdose, in der sich eine grüne Spielzeugkröte befindet, aber bestimmt seid ihr da was ganz Großem auf der Spur. Vielleicht die Landung von außerirdischen Fröschen? Na?"

„Inspektor Cotta, haben wir etwas falsch gemacht?", traute Bob sich zu fragen.

„Das hier..." Er machte eine ausholende Armbewegung. „... ist kein Teil eures Abenteuerspielplatzes. Hier arbeiten Polizisten, klar? Nur weil ihr euch in eurem Blechcontainer langweilt, können wir hier nicht alles stehen und liegen lassen um euren Flausen hinterherzujagen!", zischte er.

Ihnen blieb die Luft weg und in Peters Brust entstand ein Mix aus Wut und Fassungslosigkeit. Selbst die anderen Beamten waren verwundert über die brachialen Worte ihres Kollegen, wobei in Kershaws Augen definitiv Zustimmung zu erkennen war.

„Wir können ein anderes Mal wiederkommen.", meinte Justus knapp aber so beherrscht wie möglich.

„Nein, könnt ihr nicht! Verschont mich mit euren Kindereien! Und auch meinen anderen Kollegen geht ihr nicht auf die Nerven, klar? Die haben ebenfalls alle genug zu tun.", brummte Cotta.

Die drei hatten genug gehört und verließen das Gebäude stumm auf kürzestem Weg. Draußen atmeten sie tief durch und Peter ließ sich auf die oberste Treppenstufe vor dem Eingang sinken. „Was zum Teufel stimmt mit dem nicht?!"

Auch Bob verstand die Welt nicht mehr und ließ sich seufzend neben Peter sinken. „Ich bin immer noch wie vor den Kopf gestoßen. Das war doch nicht Cotta!"

„Kindereien und das wir uns nur langweilen. Pfff.", spuckte Peter wütend.

„Er muss irgendwelche Sorgen oder Probleme haben. Das war doch nicht nur Stress durch die Arbeit!", meinte Bob.

„Kein Grund uns so anzupflaumen!"

„Wir waren wohl gerade die besten Blitzableiter in der Nähe, an denen er seinen Dampf ablassen konnte. An seinen Kollegen kann er sich schlecht so dermaßen abreagieren, schließlich muss er täglich mit ihnen arbeiten.", schlussfolgerte Justus.

Sie schwangen sich wieder auf ihre Fahrräder und radelten zurück zum Schrottplatz. Offensichtlich mussten sie auf Cottas Hilfe verzichten, denn sie hatten keine Lust auf noch so eine Abfuhr.

„Wem können wir uns dann mitteilen, wenn wir Hinweise auf die Diebe finden sollten? Kershaw hätte eh kein Interesse an einer Zusammenarbeit und der andere Kollege machte auch nicht den Eindruck.", grübelte Bob.

„Was ist mit Skinny oder einem anderen Department?", wollte Peter wissen.

„Skinny sollten wir daraus lassen. Er ist in der Ausbildung und das setzt er nicht aufs Spiel, schon gar nicht für uns. Außerdem ist Cotta sein Vorgesetzter da wird Skinny nichts tun, was ihn verärgern könnte. Und um uns an ein anderes Department wenden zu können, benötigen wir hieb- und stichfeste Beweise. Sonst schmeißt man uns da auch raus."

Justus bewegte die Maus und der Desktop entsperrte sich. Sie hatten Post. Bob stellte sich hinter seinen Freund und Peter forderte Justus noch immer niedergeschlagen auf, die Zeilen vorzulesen.

„Schwarze Wolken ohne Zahl, Stiere überm Meer. Spuren auf dem Himmelssaal finden kein Gehör. Herrin eines heißen Südens weißhäusig und zart. Teufels Atem ihn verbrennt, Wald weht wild und hart. Fort! Hinweg! So klingt der Schall. Könige erbleichen. Felsen, Steine überall, Strand nicht zu erreichen."

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