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Kapitel 12 - Gedicht Nummer Drei

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Kapitel 12 - Gedicht Nummer Drei

Bis auf die wiederkehrenden "schwarzen Stiere" und Felsen und Strand für Rocky Beach ergab nichts auch nur einen halbwegs plausiblen Zusammenhang für die Detektive an diesem neuen Gedicht. Nach über einer Stunde ergebnislosen Herumratens löschte Justus alles, was er bisher notiert hatte.

„So wird das nichts. Wir müssen zurück zum Start.", seufzte er.

Peter jammerte. „Ich kann keine Gedichte mehr sehen! Ich bin müde!" Bob stimmte ihm mit einem Nicken zu.

„Okay, es wird Zeit für eine Kuchen- und Kakaopause. Plündern wir Tante Mathildas Schränke.", bestimmte Justus und die Jungs liefen zum Wohnhaus.

Tante Mathilda war so freundlich und bereitete ihnen einen Teller mit Sandwiches zu, die von Justus mit Wasser im Mund zurück in die Zentrale getragen wurden. Bob war mit Gläsern bewaffnet und Peter hielt eine Tüte Milch und Kakaopulver in seinen Händen.

Als Erstes stürzten sie sich kauend und mit Schokorändern an den Mündern auf die erneut aufgetauchten schwarzen Stiere. Justus öffnete den Browser und die drei lasen sich etliche Ergebnisse durch - Artikel über Stierkampf, Märchen mit Stieren oder auch philosophische Abhandlungen. Aber eine Verbindung zu ihrem Fall gab es nicht.

Bob machte gerade seine Brille sauber und Peter verspeiste genüsslich das letzte Sandwich, als Justus plötzlich stutzte. Er war gerade dabei einen Bericht über eine Rinderfarm in Argentinien zu lesen. „Kollegen, ich hab's! Bullen!", sprach er aufgeregt.

Seine beiden Freunde blinzelten ihn ahnungslos an. „Mensch, Leute! Bullen ist das umgangssprachliche Synonym für?"

„Was war nochmal ein Synonym?", nuschelte Peter leise.

„Wörter, die die gleiche Bedeutung haben, Peter.", antwortete Bob und im nächsten Augenblick weiteten sich seine Augen. „Und Bulle bedeutet auch Polizist!"

„Genau, Dritter!"

„Woohw! Also will Mister X uns gerade mitteilen, dass Polizisten aus Rocky Beach mit der Sache zu tun haben?", kam ungläubig vom zweiten Detektiv.

Justus verlor keine Zeit und öffnete die Internetseite des Rocky Beach Police Departments. Er klickte auf das Verzeichnis mit allen dort tätigen Beamten, zu welchen es sogar Bilder gab. Seine Augen schweiften über die Namen und es ergab schnell einen Sinn. „Herrin auf Spanisch bedeutet Donna - Donnatelli, Teufel ist Devil auf Englisch - Inspektor Trevor Devlin, Wald ist Forrest auf Englisch - Frank Forrester, Fort - Jason Fort, König auf Lateinisch Rex - Rex Mitchell.", schoss es aus dem Mund des ersten Detektivs. Peter und Bob waren verblüfft, sie konnten es nicht fassen.

„Dann fehlt noch "weißhäusig". Gibt's das Wort überhaupt?"

„Vielleicht wieder Spanisch, schließlich steht es im selben Satz wie "Herrin des Süden"... Casablanca?", dachte Bob laut und überflog die Liste, doch einen Beamten mit dem Namen gab es nicht.

Auf Justus Gesicht machte sich direkt Entsetzen breit, als ihm ein Gedanke kam. „Leute! Casablanca ist der wohl berühmteste Film mit Humphrey Bogart. Und wir wissen alle, wer ein Poster von ihm in seinem Büro hängen hat."

Peter verschluckte sich an dem letzten Bissen Sandwich und Bob sah aus, als hätte ihn der Blitz getroffen. Justus versuchte ruhig zu bleiben, aber seine Stimme zitterte. „Es ist offenbar nicht nur so, dass Polizisten in diese Diebstahlserie verwickelt sind, einer der Verdächtigen scheint auch noch Inspektor Cotta zu sein."

Eine ganze Weile war es totenstill im Wohnwagen, bis Justus sich durchrang die Stille zu brechen. „Also zusammenfassend steht in diesem Gedicht: Spuren finden bei Polizisten in Rocky Beach. Donnatelli, Cotta, Devlin, Forrester, Fort und Mitchell. Mister X fordert uns auf, Beweise zu finden, die mindestens zwei dieser Polizisten mit den Diebstählen in Verbindung bringen, denn im Gedicht steht "Stiere" also Mehrzahl."

„Aber in welcher Form mischen diese Polizisten da mit?"

„Da gibt es viele Möglichkeiten: Kontakte zur Zulassungsbehörde, Abhören des Polizeifunks, Hilfe bei der Grenzpassage und noch so einiges mehr. Es kann einer Autoknackerbande gar nichts Besseres passieren, als mehrere Polizisten auf ihrer Seite zu haben."

„Was ich nicht verstehe, wieso kann Mr. X es auf die Anzahl Sechs eingrenzen und nennt uns erst jetzt die Namen? Das hätte er gleich tun können.", meinte Peter.

Justus zuckte mit den Schultern. „Ich kann nur mutmaßen. Vielleicht hatte er Angst uns abzuschrecken, wenn er uns direkt so viele Informationen gibt oder er hat die Namen jetzt erst herausgefunden."

Die Detektive wollten keine Zeit verlieren und begannen mit ihren Ermittlungen. Dabei wollten sie zuerst herausfinden, wo alle sechs Polizisten wohnten, denn sie wussten, dass die Spurensuche nicht einfach sein würde. Es handelte sich schließlich um erfahrene Polizisten, die nicht einfach irgendwelche Beweise in der Behörde hinterlassen würden. Also legten sie ihren Fokus auf das Privatleben der Verdächtigen. Peter durchforstete das Telefonregister und Bob studierte den Stadtplan. Zwei Adressen fanden sie heraus und die von Inspektor Cotta kannten sie bereits. Den restlichen Beamten wollten sie einfach nach Hause folgen, denn sie hatten wenigstens die Bilder von der Webseite der Polizei. Doch darum wollten sich die Jungs morgen kümmern. Heute fokussierten sie sich auf Donnatelli und Forrester.

Es war mittlerweile bereits Abends, als Bob durch den westlichen Außenbezirk von Rocky Beach fuhr. Officer Donnatelli wohnte in einem kleinen Haus mit gepflegtem Vorgarten. Allerdings brannte Licht.

„Das ist ungünstig. Wir sollten es bei Forrester versuchen.", meinte Justus.

Peter schluckte. „Und wir müssen wirklich in die Häuser? Ich meine, wir brechen bei Polizisten ein."

„Wir brechen nicht ein, wir verschaffen uns nur gewaltlosen Zutritt ohne etwas zu stehlen oder zu beschädigen. Und wenn wir dadurch die Unschuld beweisen können, haben sie bestimmt Verständnis."

„Na hoffentlich zeigt der Richter auch Verständnis.", murmelte Peter.

Frank Forrester wohnte in einem Mietshaus und auch in seiner Wohnung brannte Licht, doch dieses erlosch nach ein paar Minuten und der Beamte trat auf die Straße. Bob erkannte ihn anhand des Fotos. Er war mittelgroß, hatte kurze Haare und graue Augen. Forrester stieg in ein grünes Auto und fuhr davon.

„Das ist unser Moment. Bob, du schiebst hier Wache. Wenn was ist - Rotbauchfliegenschnäpper!", bestimmte der erste Detektiv. Der Ruf dieses Vogels diente ihnen als Warnzeichen vor Gefahren. Da er in Asien heimisch war, konnten die Jungs nicht durch andere Vogelklänge verwirrt werden. „Los Zweiter, zück schon mal dein Dietrich-Set."

Peter seufzte, denn beim Gedanken in die Wohnung eines Polizisten einzudringen zitterten seine Finger. Dennoch stellte weder die Haustür noch die Wohnungstür ein Problem dar und die Schlösser sprangen nach ein paar Sekunden auf.

Justus trat mit einem zufriedenen Nicken ein und Peter schlich ihm hinterher. Die Wohnung bestand aus drei Zimmern, Küche und Bad. Lediglich der Schein einer Straßenlaterne erhellte etwas den schmalen Flur und das rhythmische Ticken einer Uhr war zu hören. Justus öffnete ein Fenster, um Bobs möglichen Warnruf nicht zu verpassen. Danach machten er und Peter sich in unterschiedlichen Räumen über Schränke, Schubladen und sonstige potenzielle Verstecke für Beweise her. Doch nirgends fanden sich Indizien, die Forrester mit den Diebstählen in Verbindung brachten.

Die beiden Detektive trafen sich an einem Schreibtisch im Wohnzimmer wieder. „Bob hat noch keinen Alarm gemacht, also sollten wir uns noch diese Papiere hier ansehen, bevor wir verschwinden.", schlug Justus vor. Auch die Papiere waren unbrauchbar, aber Justus hatte etwas anderes entdeckt - ein eingerahmtes Foto von Forrester und einer Frau. Er zeigte es Peter.

„Vermutlich seine Freundin. Was ist damit?"

„Schau dir mal ihre Haarfarbe an. Rot, klingelt da etwas bei dir?", grinste Justus.

„Du meinst, Forrester ist unser Mr. X?"

„Kann doch sein. Aber bevor wir uns da weitere Gedanken drüber machen, sollten wir zurück zu Bob gehen."

Peter war nichts lieber als das. Er war immer noch angespannt, weil sie sich in der Wohnung eines Polizisten aufhielten. Zurück im gelben Käfer fiel endlich seine Anspannung ab und sie unterrichteten Bob über das Bild.

„Also Forrester weiß, dass einige seiner Kollegen Dreck am Stecken haben oder sogar selbst die Diebe sind. Er kann selbst nicht ermitteln, weil es zu riskant ist. Dann hat er mehr Probleme am Hals als ihm lieb sein kann. Als Polizist seine eigenen Kollegen verdächtigen? Ziemlich heikle Angelegenheit, also braucht er jemanden, der mit Ermittlungsarbeit Erfahrung hat und außerhalb der Polizei steht. Nämlich uns!", erklärte der erste Detektiv.

„Und damit er selbst nicht in die Schusslinie gerät, falls es auffliegt, bezieht er sich selbst in den Kreis der Verdächtigen mit ein.", ergänzte Peter.

„Dann ist auch klar was die letzten beiden Verse im zweiten Gedicht Aussagen sollten. "Keine schwarzen Stiere" - wir sollten nicht zur Polizei gehen. Und schon gar nicht zu Cotta."

„Ich kann das immer noch nicht glauben. Was ist, wenn Cotta wirklich in die Sache verwickelt ist?", seufzte Bob, der nach dem Umspringen der Ampel wieder auf das Gaspedal trat.

„Wir müssen das Beste hoffen..."

„Forrester ist also in unsere Zentrale eingebrochen, hat das Programm auf den Rechner gespielt und dabei ein Haar seiner Freundin verloren, welches wahrscheinlich an seiner Jacke oder so hing.", fasste Peter zusammen.

„Richtig. Die Gründe für diese ungewöhnliche Kontaktaufnahme bleiben bestehen - die Polizeicomputer werden zentral betreut und seine Kollegen haben viele Möglichkeiten ihn im Blick zu behalten, sollten sie den Verdacht haben, dass er sie im Visier hat. Er muss also höllisch aufpassen. Zu der Theorie passt auch, dass Onkel Titus in der Nacht eine Art Knacken und weitere Stimmen gehört hat. Ich vermute daher, dass er den Polizeifunk abgehört hat, um zu wissen, wo seine Kollegen sind. Wir müssen unbedingt weiter intensiv ermitteln. Für Forrester zählt vielleicht jede Minute."

„Trotzdem benötigen wir dafür vorher ein bisschen Schlaf und Schule ist auch nervenzerrend genug, zumindest für mich.", gähnte Peter.

Der gelbe Käfer machte gerade vor der Einfahrt zum Gebrauchtwarencenter halt und Bob schaltete den Motor ab. „Na ja immerhin hast du doch jetzt eine schöne Aussicht zwei Meter neben dir sitzen. Da sollte deine Motivation für die Schule schon ein bisschen gestiegen sein.", grinste Bob ihn durch den Rückspiegel an.

„Darf ich Liv vielleicht erst mal besser kennenlernen, bevor du mir ständig mit solchen Sprüchen auf die Nerven gehst?!", grummelte sein Freund.

„Immerhin gibst du zu, dass sie für dich eine schöne Aussicht ist. Streng dich an! Wenn du nicht das Gespräch mit ihr suchst, kannst du sie auch nicht kennenlernen."

Ein genervter Seufzer kam von Peter, ehe er die Autotür öffnete und sich mit einem zähneknirschenden „Bis morgen." verabschiedete. Er schwang sich auf sein Fahrrad und fuhr die spärlich beleuchteten Straßen entlang. Dabei kreisten seine Gedanken. Es fiel ihm irgendwie nicht so einfach mit Liv ins Gespräch zu kommen. Äußerlich machte er vielleicht den Eindruck, er hätte ein großes Selbstbewusstsein, aber was sie anging, war er tatsächlich schüchtern, so wie damals bei Kelly. Nur Kelly war eine aufgeschlossene Persönlichkeit, die keine Probleme hatte auf andere Menschen zuzugehen und so den ersten Schritt auf Peter zu machte. Er wusste noch nicht viel über Liv, aber sie war im Gegensatz zu Kelly eher introvertiert. Peter wollte seine neue Klassenkameradin besser kennenlernen, nur hatte er noch keine wirkliche Idee, wie er das am besten anstellen sollte.

Justus hatte sich ebenfalls von Bob verabschiedet, aber er war innerlich unruhig wegen ihres Falls. Er wusste, dass er sowieso nicht schlafen konnte, also ging er noch in die Zentrale und setzte sich an den Computer. Ein paar Möglichkeiten um an die übrigen drei Adressen der Verdächtigen zu kommen hatte er noch und damit befasste er sich jetzt. Tatsächlich gelang es ihm nach über einer Stunde die Anschrift in Santa Monica von Rex Mitchell herauszufinden. Jason Forts Adresse in Pacific Palisades erfuhr er durch ein Online Telefonverzeichnis. Peter war nur die physischen Verzeichnisse durchgegangen. Fehlte also noch Trevor Devlin, um den er sich dann aber morgen kümmern wollte, denn jetzt war es schon wieder deutlich nach Mitternacht und auch wenn ihm die Schule leicht fiel, brauchte auch das clevere Gehirn des ersten Detektivs etwas Regeneration.

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