Kapitel 13 - Gespräch und Einladung
Kapitel 13 - Gespräch und Einladung
Am nächsten Morgen trafen sich die drei Fragezeichen wie immer am Fahrradparkplatz der Schule. Justus informierte seine Freunde darüber, dass er gestern noch zwei weitere Wohnanschriften herausgefunden hatte und nur noch die von Inspektor Devlin fehlte, wobei er auch schon eine Idee hatte, wie er an diese kommen würde. In der Pause wollte er seine Idee umsetzen.
Zuvor stand allerdings noch der Unterricht an. Olivia saß bereits auf ihrem Platz als Justus und Peter ins Klassenzimmer kamen. Ihr Blick lag kurz auf dem sportlichen Detektiv, was dieser allerdings nicht bemerkte. Lesley und Bob waren noch nicht da und so saßen die beiden streng genommen gerade nebeneinander. Mit einem Lächeln und einem sanften „Guten Morgen." begrüßten sich die zwei.
„Wie läuft's mit eurem Fall?", fragte Liv interessiert in leisem Ton.
„Wir konnten schon einiges herausfinden, aber mehr darf ich nicht sagen. Justus ist bei Ermittlungsergebnissen immer sehr pingelig.", grinste Peter.
„Verstehe.", lächelte Liv.
Damit endete ihr kleiner Plausch auch schon, denn kurz darauf kamen Lesley und Bob Hand in Hand ins Klassenzimmer und nahmen ihr beim Hinsetzen die Sicht auf Peter, weshalb sie stattdessen in ihren Rucksack griff und das Schulbuch herauszog.
Justus rief in der Pause mit verstellter Stimme und falschem Namen bei der Polizeibehörde an und erkundigte sich nach Devlin. Unter einem Vorwand versuchte er mit ihm verbunden zu werden, doch die Polizistin am anderen Ende der Leitung teilte ihm mit, dass Devlin heute im Streifendienst sei und er es sonst kurz vor Ende der Frühschicht noch einmal probieren sollte. Dieses Telefonat war aufschlussreich genug für Justus. Peter kannte die Frühschichtzeiten durch Skinny und sie hatten ein Bild des Beamten, also bräuchten sie sich nur zum Schichtende vor dem Präsidium auf die Lauer legen und Devlin nach Hause folgen.
Da Justus weg war und Bob und Lesley sich gerade auf eine der Bänke gesetzt hatten, wollte Olivia den Moment nutzen, um Peter ungestört nach den Surfspots zu fragen. Seit ihrem Umzug hatte sie ihr Brett noch nicht wieder in die Hand genommen und das wollte sie am Wochenende gerne ändern.
Ein bisschen nervös war sie, als sie sich dazu durchrang ihn anzusprechen. „Ähm Peter? Hast du vielleicht eine Minute für mich?"
Er dachte kurz sich verhört zu haben, denn er hätte nicht gedacht, dass sie ein Gespräch mit ihm suchen würde. Innerlich fröhlich über diesen Umstand drehte er sich zu ihr. „Na klar, was gibt's?", fragte er so locker wie möglich.
„Ich war ja gestern mit Lesley und deiner Schwester in der Bibliothek und da kamen wir aufs Surfen zu sprechen. Casie meinte, du surfst auch und würdest gute Spots kennen, an denen es nicht so überlaufen ist. Darum wollte ich mal fragen, ob du mir vielleicht einen davon verraten könntest?", fragte Olivia ihn nervös und rieb sich über den Nasenrücken.
Peter war ziemlich überrascht. „Du surfst?"
Liv lächelte verlegen. „Ja, tue ich, schon seit ich Klein bin. Ich bin hier aber noch nicht dazu gekommen und ehrlich gesagt haben mich die Massen an Leuten im Wasser an den üblichen Strandabschnitten auch ein bisschen davon abgehalten."
„Cool, das hätte ich ehrlich gesagt gar nicht erwartet. Aber klar, ich kann dir gerne ein paar Orte zeigen. Ich mag es nämlich auch überhaupt nicht, wenn man sich gefühlt mit anderen um eine Welle prügeln muss."
Olivia lächelte dankend. „Das wäre echt super. Wie lange surfst du denn schon?"
„Auch seit Kind an. Casie und ich waren schon immer total verrückt nach Wasser, nur wurde es bei mir das Surfbrett und bei ihr der Taucheranzug. Hab dann auch recht früh angefangen Wettkämpfe zu surfen, weil es mir so einen Spaß gemacht hat. Dadurch habe ich auch meinen besten Freund Jeffrey kennengelernt.", erklärte Peter fröhlich.
Liv sah seine braunen Augen dabei aufleuchten und ihr wurde bei dieser Fröhlichkeit in Peters Gesicht ein bisschen warm ums Herz. „Es ist schön zu sehen, dass du offenbar die gleiche Leidenschaft fürs Surfen verspürst wie ich. Ich habe nie an Wettkämpfen teilgenommen, also kann ich bestimmt noch einiges von dir lernen.", grinste sie.
„Jetzt bin ich ziemlich neugierig auf dein Können.", grinste er ebenfalls. „Wie sieht es am Wochenende bei dir aus? Bis dahin haben wir unseren Fall hoffentlich abgeschlossen."
„Passt bei mir. Bis auf euch und meine Freundin aus L.A. kenne ich hier eh niemanden mit dem ich mich verabreden könnte. Da ist mein Terminkalender doch ziemlich leer.", witzelte sie über sich und ihren minimalistischen Freundeskreis.
„Okay, dann würde ich sagen Samstagnachmittag?"
„Ja, klingt gut.", lächelte Olivia freudig und Peter erwiderte es.
Das Ende ihres Gesprächs war eine perfekte Punktlandung, denn Justus war bereits wieder bei Lesley und Bob angekommen und winkte die beiden zu sich rüber.
„Peter, wann beendet Skinny regulär seine Frühschicht?", fragte sein Freund ohne Umschweife.
„Vierzehn Uhr, wenn ich mich richtig erinnere. Wieso?"
„Perfekt, weil Devlin ebenfalls Frühschicht hat. Es muss sich also nur einer von uns an ihn dranhängen.", erklärte Justus.
„Das kann ich machen. Ich muss eh noch zu Rock Plus, weil ich Plakate für das Konzert der Hula Whoops aufhängen soll. Die Agentur liegt ja gleich gegenüber vom Polizeipräsidium.", bot Bob an.
Damit war ihr nächster Schritt beschlossene Sache und Bob machte sich nach der Schule direkt auf den Weg nach Hause, um sein Fahrrad gegen seinen Käfer zu tauschen. Bevor er sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Polizeigebäudes auf die Lauer gelegt hatte, verteilte er noch schnell wie von seinem Chef Sax Sandler gefordert, die Konzertplakate der Rockband in der Straße. Um kurz nach vierzehn Uhr kamen die ersten Beamten aus dem Revier gelaufen. Darunter auch Skinny Norris, der sich draußen direkt eine Zigarette angezündet hatte und dann zu seinem Sportwagen geschlendert war. Etwa fünf Minuten nach ihm kam dann auch Trevor Devlin die Eingangstreppe hinuntergelaufen.
Lange musste Bob ihm nicht folgen, denn er wohnte ebenfalls in Rocky Beach. Der dritte Detektiv wollte sich auf den Weg zur Sunset Road machen, als ihm auffiel, dass Devlins Wohnung ganz in der Nähe der Pineapple Road lag und auch die Straße, in die der Mercedes verschwunden war, direkt im Umkreis lag. Also entschloss er sich dazu, genau diese Straße vorher noch entlangzufahren. Sie führte in eine ärmliche Gegend, genau gegenteilig zur Orange Street, obwohl diese gar nicht so weit weg war. Wieso die Diebe in genau diese heruntergekommene Gegend gefahren waren, konnte Bob sich nicht erklären.
Er hatte gerade vor dem Gebrauchtwarencenter geparkt, als sein Handy klingelte. „Bob Andrews?"
„Hey Bob, hier ist Jelena.", ertönte eine fröhlich klingende weibliche Stimme.
„Oh hey Jelena. Schön von dir zu hören. Wie geht's dir?"
„Ganz gut so weit. Und dir?"
„Mir auch. Wir arbeiten gerade an einem neuen Fall. Ich wollte dich eigentlich diesbezüglich anrufen.", sagte Bob und man konnte klar das unausgesprochene "Aber" am Ende hören.
Jelena lachte auf. „Aber, lass mich raten, dein Chef hat es dir verboten, oder?" Das Wort "Chef" sprach sie besonders überspitzt aus, denn sie konnte den ersten Detektiv nicht leiden. In ihren Augen war Justus Jonas viel zu sehr von sich selbst überzeugt.
Bob druckste herum. „Na ja... also... ja irgendwie schon..."
„Wusste ich es doch... Erzählst du mir trotzdem, worum es geht?"
„Also unser Computer wurde gehackt. Irgendjemand hat ein illegales Programm aufgespielt und ich wollte dich eigentlich fragen, wie man das entfernen kann.", erklärte das dritte Fragezeichen.
„Verstehe. Aus der Ferne ist das schwierig zu beurteilen, dafür müsste ich mir den Computer anschauen um zu wissen welches Programm aufgespielt wurde, aber das möchte dein Freund natürlich nicht, daher kann ich da so tatsächlich nicht weiterhelfen, wenn Justus sich weigert.", meinte Jelena und Bob konnte ihr Augenrollen beim Aussprechen des Namens heraushören.
„Sollte er seine Meinung ändern, sage ich dir Bescheid."
„In Ordnung. Wieso ich eigentlich anrufe: Du weißt doch, dass mein Vater an der Musikschule in Santa Monica arbeitet und dort findet am Freitag ein Classic Konzert statt. Da du ja ein großer Musikfan bist, wollte ich dich fragen, ob du und auch gerne Lesley und die anderen Lust hättet zu kommen? Mein Dad würde sich sehr freuen euch mal wiederzusehen. Er ist euch immer noch sehr dankbar nach der Sache mit Vanderhell."
„Ja, also ich würde sehr gerne kommen und Lesley bestimmt auch. Zu Peter und Justus kann ich jetzt noch nichts sagen, aber ich werde sie fragen. Solange du nicht böse bist, wenn Justus mitkommt?", lachte Bob.
„Mein Dad wünscht sich, dass ihr kommt. Da stelle ich meine Meinung mal hinten an.", lachte Jelena ebenfalls.
„Okay, ich melde mich dann bei dir, sobald ich eine Antwort habe."
„Super. Dann hören wir uns und lass dich von deinem Chef nicht unterbuttern. Grüß Peter und Lesley."
„Mach ich. Tschau Jelena." Kurz saß er noch vor sich hin schmunzelnd aufgrund dieses Telefonats in seinem Auto. Dann stieg er aus und betrat die Zentrale, in der Justus und Peter schon warteten. Bevor er seine Beobachtungen darlegte, fragte er die beiden nach dem Konzert.
Peter verzog etwas das Gesicht. „Es ist echt lieb, dass sie fragt, aber klassische Musik ist so überhaupt nicht meins."
„Ich bin mir sicher, dass Jelena nichts dagegen hätte, wenn Liv auch mitkommt. Würdest du es dann in Erwägung ziehen?", grinste Bob.
Peters Mund war zu einer Linie zusammengepresst und er pustete laut aus der Nase. Seine Arme verschränkte er vor seiner Brust und weigerte sich zu antworten.
Bob lachte auf seine Reaktion und wandte sich dann an Justus. „Was ist mit dir?"
„Ich kann mir etwas Schöneres vorstellen, als meinen Freitagabend in der Nähe von Jelena Charkova zu verbringen. Klassische Musik beeinflusst zwar nachweislich das Immunsystem positiv und fördert Kreativität und Konzentration, nur kann ich so schnell nicht abwägen, ob diese positiven Effekte die Begegnung mit ihr überwiegen.", sprach Justus nüchtern und doch leicht gereizt.
Bob seufzte laut auf die Reaktion seiner Freunde. „Ihr beide seid verdammte Weicheier! Du traust dich offenbar nicht das Mädchen deiner Träume anzusprechen und du kannst dein Ego nicht mal für einen Abend beiseiteschieben!", kam unverblümt aus seinem Mund. „Bis morgen brauche ich eine Antwort... überlegt es euch einfach. Bis dahin kümmern wir uns weiter um die Autodiebe."
„Wie auch immer...", grummelte Justus. „Wir haben jetzt alle Adressen beisammen."
„Und in welcher Reihenfolge wollen wir vorgehen?", fragte Peter.
„Am besten können wir uns heute Nacht im Schutz der Dunkelheit umsehen, daher sollten wir jetzt ein Mittagsschläfchen machen und uns heute Abend um acht Uhr wieder hier treffen."
„Dann mache ich hier ein Nickerchen. Meine Mom ist zu Hause und hat Besuch von einer Freundin aus San Diego. Bei dem Kaffeeklatsch werde ich eh kein Auge zubekommen.", erklärte Peter und zog den zweiten Sessel näher zu sich, um dort seine Füße hochzulegen.
Bob schaute etwas betrübt. „Bei mir wird das nichts mit Schlafen. Dad entrümpelt die Garage und ich musste ihm versprechen ihm dabei zu helfen. Aber ich schaffe das schon, auch ohne Nickerchen."
„Okay, dann bis heute Abend, Kollegen." Damit ging Justus ins Wohnhaus rüber und haute sich in seinem Zimmer aufs Ohr.
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