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Kapitel 14 - Beschattung

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Kapitel 14 - Beschattung

Die drei Fragezeichen machten sich am Abend als erstes auf den Weg nach Santa Monica. Sie wollten bei Rex Mitchell vorbeischauen. Der gelbe Käfer fuhr über dem Highway der nur noch minimal am Horizont zu sehenden Sonne entgegen.

Mit genügend Abstand zum großen Haus im mexikanischen Stil parkte der Wagen. Justus und Peter wollten sich bei Mitchell umsehen, während Bob, wie gestern bereits, Wache schieben sollte.

Die beiden Detektive schlichen durch den Garten Richtung Veranda. Das Haus mit der weißen Fassade und den runden Fenstern lag unbeleuchtet vor ihnen. Peter öffnete die Tür und sie traten ins Wohnzimmer ein. Der Schein der Taschenlampe wanderte durch das große Zimmer, welches ziemlich leer war. Lediglich ein Fernseher, Sessel und einige Bücher befanden sich darin.

„Zieht der gerade um?"

Justus Blick schweifte durch die umliegenden Räume. „Hier stehen keine Kartons. Aber ja, das Haus ist nur sehr spärlich eingerichtet. Vielleicht hat er gerade eine Scheidung hinter sich."

„Das wäre doch ein Motiv. Schließlich sind Scheidungen teuer.", merkte Peter an.

Justus nickte nachdenklich und machte sich dann daran, sich weiter umzusehen. Doch sie fanden nichts, was den Verdacht von Mr. X in irgendeiner Form erhärtet hätte. Also verließen die beiden Detektive das Haus wieder und gingen zurück zum Käfer.

Der nächste auf ihrer Liste war Jason Fort, welchen sie anhand des Fotos auf der Webseite als den Polizisten gestern bei Cotta und Kershaw in der Kaffeeküche identifizieren konnten. Er wohnte in einer neuen Doppelhaushälfte in Pacific Palisades.Drinnen brannte Licht, weshalb die drei Fragezeichen einige Zeit im Auto sitzen blieben und warteten. Doch vergeblich, Jason Fort verließ das Haus nicht mehr und erst durch ein lautes Gähnen von Bob entschieden sich die drei dazu aufzubrechen.

„Dann fahren wir jetzt bei Devlin vorbei. Vielleicht haben wir da mehr Glück.", entschied Justus und ihre nächtliche Beschattungstour durch Rocky Beach und Umgebung ging weiter.

Wieder entwich ein Gähnen Bobs Mund, woraufhin Peter seinen Freund skeptisch beäugte. „Hältst du noch durch? Du bist schon den ganzen Tag auf den Beinen."

„Ja, keine Sorge. Ist nur gerade ein toter Punkt.", versicherte der dritte Detektiv.

Dass Devlin nicht zu Hause war, wusste Justus durch einen Anruf in der Polizeibehörde. Er wurde für die Nachtschicht Nachberufen und so hatten die Jungs freie Bahn.

Bob legte sich unterhalb eines Fensters auf die Lauer, da er von hier eine bessere Übersicht hatte und seine Freunde direkt warnen konnte, wenn dies nötig war. Zwischen zwei Büschen fand er seinen Platz. Peter und Justus waren währenddessen die schmale Eingangstreppe hinaufgegangen. Der zweite Detektiv ging vor der Tür in die Hocke und führte mit ruhiger Hand seinen Dietrich im Schließzylinder umher, bis die Tür nachgab und den Weg ins Innere bahnte. Devlins Haus war besser geschützt, als die der anderen, denn die Hintertür war mit einem Spezialschloss gesichert und die Fenster waren vergittert.

Bevor die beiden das Haus betraten, lauschte Justus kurz in die Nacht hinein - in weiter Ferne bellte irgendwo ein Hund, ansonsten war es komplett still um sie herum.Die beiden Detektive kamen sich in Devlins Haus wie im Gebrauchtwarencenter von Justus Onkel vor, denn die Möbel waren vom Stil komplett unterschiedlich zusammengewürfelt und in zahllosen Regalen stand jede Menge Krimskrams.

„Ich sehe den Wald vor lauter Bäumen hier nicht. Wenn das so weiter geht, kann ich mir nicht einmal mehr merken, wer wo wohnt.", stöhnte Peter überfordert.

„Versuch dir so viel wie möglich einzuprägen. Manchmal sind es die nebensächlich erscheinenden Dinge.", sprach Justus ruhig.

„Du bist auch mit einem fotografischen Gedächtnis gesegnet."

Justus ließ diesen Satz unkommentiert und widmete sich wieder den Schubladen und Schränken im Haus. Doch nach einiger Zeit kam auch das von Peter erwähnte fotografische Gedächtnis an seine Kapazitätsgrenze. Devlin hatte so viel Kram, dass es jede Menge Verstecke gab.

Aber Peter hatte Glück, als er sich in einem der Küchenschränke umsah. Unter einem Stapel Geschirrtücher fand er etwas sehr Verdächtiges - Bündel um Bündel von hundert Dollar Noten. Kurz dachte er zu halluzinieren bis seine Finger einen der Bündel griffen und über die einzelnen Scheine fuhren.

„Just! Das musst du dir angucken! Devlin hat in seiner Schublade..."

Bevor Peter seinen Satz beenden konnte, hörten beide Detektive einen Schlüssel in der Tür drehen. Sie reagierten direkt, knipsten ihre Taschenlampen aus und gingen in Deckung. Peter huschte ebenfalls ins Schlafzimmer und verschwand unter dem Bett. Justus versteckte sich im Kleiderschrank.Mucksmäuschenstill verharrten sie an Ort und Stelle, während Schritte im Flur Richtung Küche zu hören waren. Nach ein paar Minuten fiel dann die Tür zurück ins Schloss und die beiden Fragezeichen wagten es wieder zu atmen. Justus schaltete seine Lampe ein, während er immer noch im Schrank saß. Dabei fiel der helle Strahl auf einen Karton mit Fotos und das oberste Bild ließ den ersten Detektiv kurz erstarren - Travor Devlin posierte darauf vor einem schicken roten Ferrari. Neben ihm stand Inspektor Cotta, der ebenfalls cool in die Kamera grinste. In Justus löste dieses Foto Unbehagen aus, denn im Kontext zu den Autodiebstählen sah dieses Foto alles andere als gut aus.

Sein Gesicht war etwas bleich, als er den Schrank verließ und auf Peter traf, der sein Versteck ebenfalls verlassen hatte. „Verdammt, warum hat Bob uns nicht gewarnt? Zum Glück war der Typ nur kurz in der Küche. Ich will hier raus. Dass Devlin eine Menge Bargeld in der Küchenschublade liegen hat, ist für mich verdächtig genug.", raunte Peter angespannt.

Justus war gedanklich immer noch bei seiner eben gemachten Entdeckung. Alles, was er sagte war: „Ja du hast recht. Lass uns gehen."

Draußen sahen die Freunde sich nach Bob um und entdeckten ihn zwischen den beiden Büschen vor dem Fenster. Nur war der dritte Detektiv geistig nicht mehr im Hier und Jetzt, sondern im Land der Träume.

„Von wegen nur ein toter Punkt.", grummelte Peter und verschränkte seine Arme vor der Brust.

Justus seufzte, ging in die Hocke und rüttelte sanft an Bobs Schultern. „Hey Dritter! Aufwachen!"

Der Junge mit den blonden Haaren schreckte daraufhin hoch. „Wie? Was?", murmelte er verdattert, ehe er seine Brille richtete und seine beiden Freunde überrascht ansah. „Oh Gott! Bin ich eingeschlafen?"

„Offensichtlich! Und Devlin kam nach Hause. Hast super aufgepasst!", zischte Peter sarkastisch.

„Mist! Tut mir furchtbar leid!", entschuldigte Bob sich eindringlich.

„Ist ja nochmal gut gegangen. Lasst uns hier abhauen!"

Ausgeschlafen und in aller Ruhe wollten die Freunde über die gestrigen Geschehnisse reden, also trennten sich nach der Beschattung ihre Wege und kreuzten sich am nächsten Morgen in der Schule wieder.Aber ausgeschlafen war tatsächlich relativ, denn Bob sah immer noch komplett fertig aus. Dunkle Schatten lagen unter seinen blauen Augen und auch einige Haare standen leicht von seinem Kopf ab.

Peter konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken. „Hat es heute Morgen nicht mal zum Haare kämmen gereicht?"

„Sehr witzig Mr. Ich-brauch-eine-Stunde-im-Bad-für-meine-Haare.", grummelte der dritte Detektiv.

„Ich achte halt auf mein Äußeres.", zuckte er mit den Schultern.

„Perfekt aussehen muss man nur, wenn man sonst nichts kann.", kam zynisch von Bob und sorgte dafür, dass Peters Mund kurz sprachlos offen stand.

Doch der zweite Detektiv fing sich schnell wieder und maulte zurück. „Du musst dich gar nicht um dein mittelmäßiges Äußeres kümmern. Dein Charakter ist viel schlimmer."

„Trotzdem habe ich eine Freundin und du nicht."

„Könnt ihr mal aufhören euch wie ein altes Ehepaar zu verhalten und euch auf die Ermittlungen konzentrieren?", schritt Justus ein.

„Die Frage musst du nicht an mich stellen. Ich bin gestern nicht während einer Observierung eingeschlafen.", zuckte Peter genervt mit den Schultern.

„Das hältst du mir jetzt ewig vor, oder?"

„Gut möglich. Das war schließlich ziemlich brenzlig."

„Das weiß ich und es tut mir leid, okay?"

Bevor Peter weiter herummaulen konnte, ergriff Justus das Wort. „Schwamm drüber, Bob. Das hätte uns auch passieren können." Dann wandte er sich an Peter. „Also du bist dir sicher, dass du da unter den Tüchern mindestens zwanzigtausend Dollar gesehen hast?"

Der zweite Detektiv nickte. „Niedrig geschätzt. Das waren etliche dicke Bündel Hunderter."

„Gründe, so viel Geld Zuhause zu haben gibt es aber genug."

„Ja schon, aber wenn derjenige im Verdacht steht Autodiebstähle zu begehen und es dann auch noch ein Foto gibt, das ihn mit einem anderen Verdächtigen neben einem Ferrari zeigt, macht mich das nachdenklich.", erwiderte Justus.

„Und das war wirklich Cotta?"

„Definitiv und das Bild war noch nicht sehr alt."

Bob schaute seine Kollegen bestürzt an. „Aber auch dafür gibt es doch plausible Erklärungen." Die Aussage hörte sich eher nach einem Wunsch an.

„Ich hoffe es, aber wir dürfen die Augen nicht verschließen nur weil wir Angst haben etwas Unangenehmes zu entdecken."

Die drei Freunde blickten sich nachdenklich an, ehe die Schulglocke sie aus ihren Gedanken riss. Der Unterricht würde jeden Augenblick beginnen und so trotteten sie Richtung Klassenraum.

Lesley und Liv saßen schon auf ihren Plätzen, als die Jungs sich zu ihnen gesellten. Bob fiel beim Blick auf seine Freundin die Einladung von Jelena wieder ein. „Jelena hatte mich gestern angerufen und lässt fragen, ob du Lust hast am Freitag mit zur Musikschule nach Santa Monica zu kommen. Dort findet ein klassisches Konzert statt."

„Ja klar. Ich habe Jelena schon ewig nicht mehr gesehen.", meinte Lesley vorfreudig.

„Gut, dann sage ich ihr Bescheid." Bob drehte sich zu Liv. „Du darfst übrigens auch gerne mitkommen. Genau wie Peter und Justus."

Innerlich verdrehten seine beiden Freunde die Augen, wobei Peter auf Livs Antwort gespannt war. Diese sah den Jungen mit der Brille überrascht an. „Ähm danke für die Einladung, aber ich kenne diese Jelena doch gar nicht. Bist du dir sicher, dass es okay wäre, wenn ich mitkomme?"

„Natürlich! Sie freut sich bestimmt über ein neues Gesicht.", meldete Lesley sich von der Seite. „Jelena ist super nett. Ihr werdet euch gut verstehen."

„Super nett... eher super eingebildet.", murmelte Justus, was Liv jetzt irritiert zu ihm schauen ließ.

Doch Bob winkte ab. „Hör nicht auf Justus. Er kann es nur nicht ab, wenn jemand ähnlich intelligent ist wie er."

„Mein IQ ist deutlich höher als ihrer und genau damit hat sie ein Problem, nicht ich.", sprach der erste Detektiv selbstsicher.

Bob seufzte, blickte dann wieder zu Liv. „Also was sagst du?"

„Okay, ich komme gerne mit. Klassische Musik ist zwar nicht so meins, aber um so mehr ich von der Umgebung hier kennenlerne, desto besser. Und gegen eine neue Bekanntschaft habe auch ich nichts einzuwenden.", strahlte Olivia.

„Sehr schön. Jungs, was ist jetzt mit euch?"

„Also gut, du kannst mich mit einplanen.", kam zögerlich von Peter. Nur wegen Liv rang er sich letztendlich dazu durch, zuzusagen, was Bob sofort begriff und breit anfing zu grinsen.

„Just?"

„Eins ist klar: Ich komme nur wegen der Musik mit und nach dem Konzert trete ich direkt den Heimweg wieder an.", grummelte das erste Fragezeichen.

Damit war das Programm für Freitagabend beschlossene Sache und Bob informierte Jelena per Textnachricht über ihre Zusage.

Nach der Schule machten sich die drei Detektive auf den Weg zu den Häusern von Jason Fort und Robert Donnatelli.Cotta wollten sie sich bis zum Schluss aufsparen, in der Hoffnung bei den anderen etwas Verdächtiges zu finden. Vielleicht war es auch ein stückweit die Angst, noch mehr belastende Indizien gegen Cotta zu finden, denn da gab es schon so einige - er hatte sich verändert, seine Größe passte zu einem der Diebe, seine Vorliebe für teure Autos und engen Kontakt zu einem Polizisten, der zwanzigtausend Dollar in der Schublade liegen hatte.Diese ganzen Hinweise verdrängten sie fürs Erste und konzentrierten sich auf die anderen beiden Verdächtigen.

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