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Kapitel 15 - Eiscreme und Ladenhopping

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Kapitel 15 - Eiscreme und Ladenhopping

Während die drei Fragezeichen mit ihren Ermittlungen weitermachten, beschlossen Lesley und Olivia den Nachmittag zusammen zu verbringen.

Auf ihren Fahrrädern fuhren sie die Küstenstraße entlang Richtung Strand. Die Sonnenstrahlen erwärmten dabei ihre Haut und doch hinterließ der Fahrtwind eine angenehme Kühle.Als sie die letzten Meter der Straße hinunterrollten, war bereits das Rauschen der Wellen zusammen mit dem Treiben der Menschen zu hören. Am Fahrradständer war kaum noch Platz und erst nach ein paar Minuten des Suchens fanden die beiden Freundinnen jeweils eine Lücke, um ihre Drahtesel anzuketten.Sie ließen kurz ihren Blick schweifen - Kinder tollten im Sand herum, einige bauten Burgen, einige ließen bunte Drachen steigen. Andere Menschen wiederum lagen entspannt in der Sonne, spielten Volleyball oder aßen Snacks. Eine Schar Möwen kreiste am Himmel und lauerte auf genau solche Snacks. Heruntergefallenes Essen der Touristen war eine einfache Nahrungsquelle für diese Tiere geworden.

Lesley beäugte die Silbermöwen skeptisch. „Wehe die klauen mir gleich mein Eis aus der Hand!"

„So dreist sind die bestimmt nicht."

„Darauf würde ich nicht wetten. Manche Touristen füttern die Möwen regelrecht. Also an Pommes, Eis und Co. sind die schon gewöhnt."

„Hier gibt es schon so viele potenzielle Ziele, ich habe Hoffnung, dass die uns zufriedenlassen. Heute ist der Strand ja wieder besonders voll.", Liv schaute Richtung Meer. „Da ist auch kaum noch eine Welle frei... Ich bin froh, dass Peter mir am Wochenende einen seiner Geheimspots zeigt. Hier würde mir im Wasser schnell der Spaß vergehen."

Als Liv die Wochenendpläne mit Peter erwähnte spitzte Lesley die Ohren. „Du hast Casies Rat also befolgt und Peter gefragt?"

„Ja, gestern in der Schule. Wir haben uns für Samstag verabredet. Da hat er mir auch erzählt, dass er ab und zu Wettkämpfe surft. Er muss echt was auf dem Kasten haben, da kann ich bestimmt was lernen."

„Dann ist das ja ein Date.", neckte Lesley.

Liv verdrehte die Augen. „Quatsch! Es ist ein freundschaftliches Treffen." Sie wollte nicht weiter auf die Verabredung mit Peter eingehen. Ja, sie fand ihn durchaus attraktiv, aber wenn sie das Lesley gegenüber zugeben würde, müsste sie sich das jeden Tag von ihr anhören und da sie das vermeiden wollte, wechselte sie das Thema. „Komm! Es wird Zeit für unser Eis und dann möchte ich gerne mehr über diese Jelena wissen."

„Gut, für's Erste gebe ich mich damit zufrieden, aber ich will danach genau wissen wie eure gemeinsame Surfstunde war.", grinste sie.

Liv seufzte theatralisch und setzte sich dann in Bewegung zum Eisstand. Lachend folgte Lesley ihr.

Mit zwei Kugeln fruchtigem Eis in einer knusprigen Waffel steuerten die Freundinnen eine Bank im angrenzenden Park an. Eukalyptusbäume, Palmen und riesige Feigenbäume säumten die teils weitläufigen Rasenflächen und hinterließen große schattige Felder. Dies war der beste Ort, um das Dahinschmelzen der Leckerei in ihren Händen etwas zu verlangsamen und sich ohne großen Lärm im Hintergrund unterhalten zu können.

„Also wie muss ich mir diese Jelena vorstellen?", fragte Liv, während sie ihre tropfende Eiscreme bändigte.

„Wie Justus in weiblich.", kicherte Lesley. „Nein, im Ernst. Sie ist sehr intelligent und selbstbewusst. Dazu ehrgeizig und musikaffin, aber auch unglaublich freundlich. Außer man verhält sich ihr gegenüber wie Justus, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie dich nicht mag."

„Wie verhält Justus sich denn ihr gegenüber?"

„Er ist ziemlich großkotzig in ihrer Gegenwart. Will nicht akzeptieren, dass sie ihm vom Intellekt und Scharfsinn durchaus das Wasser reichen kann. Für ihn ist sie sowas wie Konkurrenz.", erklärte das Mädchen mit den lockigen Haaren.

„Oh verstehe, dann könnte es Freitag also zu gewissen Spannungen zwischen den beiden kommen."

„Da würde ich drauf wetten. Der ein oder andere verbale Schlagabtausch findet bestimmt statt."

„Wie hast du sie denn kennengelernt?", wollte Liv jetzt wissen.

„Durch Bob. Du weißt ja, dass er bei Rock Plus arbeitet und sein Chef hatte ihm damals eine Eintrittskarte für die Privatvorstellung eines Geigers aus Europa namens Vanderhell geschenkt, weil ein Kunde von ihm abgesagt hatte und somit die Karte noch übrig war. Dieses private Konzert fand in der Villa von Familie Charkova statt. Da hat er dann Jelena kennengelernt. Wie es der Zufall so wollte, ging es bei dem Konzert nicht mit rechten Dingen zu und die Jungs stellten Ermittlungen an. Seitdem sind Justus und Jelena sich eher spinnefeind.", beschrieb Lesley die Hintergründe.

„Und wie verstehen Peter und Jelena sich?", hakte sie vorsichtig nach. Sie hatte jetzt schon öfters gehört, dass der zweite Detektiv recht beliebt bei der Damenwelt war, was Olivia natürlich nicht wunderte. Sie selbst empfand ihn ja auch als gutaussehend und sympathisch.

„Die zwei verstehen sich gut, aber sind sich charakterlich schon sehr unähnlich. Also keine Sorge, funken würde es zwischen ihnen eher nicht.", grinste Lesley breit.

„Darüber habe ich mir auch gar keine Sorgen gemacht.", stellte Liv klar.

„Natürlich nicht." Der Sarkasmus sprudelte nur so aus diesen zwei Wörtern.

Olivia pustete die Luft in ihrer Lunge einmal tief aus. „Wie auch immer... Ich freue mich Jelena kennenzulernen und bin auf das Konzert gespannt."

„Das wird cool. Ich freue mich auch schon darauf. Vor allem auch mal wieder was von Bob zu haben."

Ein mitfühlendes Lächeln bildete sich auf den Lippen des blondhaarigen Mädchens. „Die Ermittlungen fordern ihn ganz schön ein. Ist es bei Fällen der drei immer so, dass ihr euch dann nur in der Schule seht?"

„Meistens schon. Es kommt natürlich auf den Fall an, aber ist es wirklich was Ernstes, liegt der Fokus komplett auf den Ermittlungen und der Lösung. Bob ist mit Leib und Seele gerne Detektiv, genau wie Justus. Peter ist der einzige von ihnen, der wirklich auch mal froh ist, wenn es keinen Fall gibt.", schmunzelte ihr Gegenüber und doch lag etwas Nachdenkliches in ihrem Blick.

Dass Lesley Bob gerade vermisste, merkte Olivia sofort und ihr kam eine Idee, wie sie ihre Freundin etwas aufheitern konnte. „Wir sollten ins Zentrum fahren und uns für Freitagabend etwas Schickes zum Anziehen kaufen. Schließlich gehen wir auf ein Classic Konzert, da muss man doch elegant auftauchen, findest du nicht? Und danach schauen wir im Blumenladen meiner Mutter vorbei und stellen einen schönen Strauß zusammen. Das macht super viel Spaß und bunte, gut riechende Blumen boosten die Laune ungemein.", schlug sie mit einem breiten Strahlen vor, was auch Lesley ansteckte und sie einverstanden nickte.

Olivia sprang voller Elan von der Bank hoch und streckte ihrer Freundin die Hand aus. Lesley nahm sie und wurde mit Schwung hochgezogen. Die beiden Mädchen lächelten sich an und liefen dann den Weg zurück zu ihren Fahrrädern.

Der Weg vom Strand ins Zentrum war blitzschnell zurückgelegt und so fanden sich die zwei in einem modern eingerichteten, zweistöckigen Laden für Abend- und Ballkleider wieder.Staunend schauten sie sich um. Überall hingen Kleider in den unterschiedlichsten Farben und Ausführungen - für jeden Anlass etwas dabei.Das Zischen der automatischen Schiebetür beim Betreten des Ladens hatte dafür gesorgt, dass eine Frau mittleren Alters mit einem freundlichen Lächeln die beiden begrüßte und fragte, wie sie ihnen helfen konnte. Olivia erzählte ihr von ihren Konzertplänen und ihrem preislichen Budget, woraufhin die Frau bat ihr zu folgen.Sie gingen die marmorierte Treppe mit Gold verziertem Geländer hinauf in den zweiten Stock, vorbei an traumhaften Hochzeitskleidern rüber zu den Abendkleidern. Anhand der geäußerten Preisspanne suchte die Verkäuferin den beiden Freundinnen einige Modelle heraus - von schlicht bis glitzernd, kurz bis lang, figurbetont bis locker war alles dabei.

„Probiert in Ruhe durch. Ich bin unten an der Kasse, wenn ihr Hilfe braucht.", sprach die Mitarbeiterin freundlich und ließ die zwei alleine.

Ein Kleid war schöner als das andere und doch hatten beide Mädchen schnell einen Favoriten. Während Lesley sich in ein Smaragdgrünes One-Shoulder-Kleid aus Chiffon verliebt hatte, sprang Liv ein knielanges, dunkelblaues Cocktailkleid ins Auge. Mit den Roben ihrer Wahl huschten beide in eine Umkleidekabine.

Der samtig weiche Stoff legte sich wie eine zweite Haut über Olivias Körper und als sie sich selbst im Spiegel betrachtete, huschte ihr ein Lächeln auf das Gesicht. Sie fühlte sich schön und war erstaunt wie gut dieser Blauton mit ihren blonden Haaren harmonierte. Das Oberteil war schlicht bestickt und figurbetont. Der Rock hing locker nach unten und erzeugte damit das typische Bild eines A-Linien-Kleides. Zufrieden strich sie mit der Hand über eine der Rockfalten, ehe sie sich umdrehte und den Vorhang der Kabine aufzog. Sie war auf Lesleys Meinung gespannt und auch neugierig wie ihre Freundin aussah. Fast gleichzeitig öffnete sich der Vorhang der anderen Kabine und bei dem Anblick vor Olivias Augen verließ ein anerkennendes „Wow!" ihren Mund, der danach vor Staunen leicht offen stand.

Lesley lachte unsicher auf ihre Reaktion. „Mit "Wow" meinst du dich selbst, oder? Das Kleid ist der Wahnsinn und sieht absolut perfekt an dir aus!"

„Danke, aber hast du DICH mal im Spiegel gesehen? Du siehst fabelhaft aus und dieses Grün ist ein Traum an dir!"

„Ja, habe ich und ich finde das Kleid auch echt schön. Meinst du, Bob würde es gefallen?", fragte sie zögerlich.

„Und ob! Dem wird es die Sprache verschlagen! Nimm es, bitte!", flehte Liv und legte dabei ihre Handflächen aneinander.

Diese Reaktion entlockte ihrer Freundin ein Kichern. „Gut! Aber nur wenn du deins auch kaufst! Ich will Peters Reaktion darauf nämlich sehen!", provozierte sie mit einem schelmischen Grinsen.

So ganz schaffte Liv es nicht ein Pokerface aufzusetzen. Ihr Mund betrog sie, indem sich ihre Mundwinkel unbewusst etwas nach oben zogen. „Ich hatte in der Kabine schon vor es zu kaufen, aber für mich selbst und nicht für jemand anderes."

„Trotzdem wird er auch denken, dass du wunderschön darin aussiehst." Lesley wollte keine Widerworte hören, weshalb sie ihre Freundin mit dem Ellbogen am Arm anstupste, ihr zu zwinkerte und dann schnell zurück in der Umkleidekabine verschwand.

Kopfschüttelnd aber dennoch mit einem Schmunzeln ging Olivia ebenfalls zurück in die Kabine, um sich umzuziehen.

Mit strahlenden Gesichtern und ihren Errungenschaften über dem Arm hängend schritten sie die Treppe hinab zurück ins Erdgeschoss und ein paar Minuten später mit jeweils einer Tüte in der Hand aus dem Laden.

Ihr nächster Halt war jetzt die Ventura Road und der Blumenladen von Mrs. Morgan, aber nicht ohne das Lesley mit Liv noch kurz einen Abstecher zu Booksmith machte, um ihr zu zeigen, wo sie arbeitete. Von außen ließ sich die Gemütlichkeit des Bücherladens schon erahnen. Die Fassade des Gebäudes war oben geziegelt und unten wo sich der Laden befand Moosgrün vertäfelt. Über dem Ladenschild und den Schaufenstern rankte sich Efeu wild an der Mauer entlang. Zwei Topfpflanzen und ein Aufsteller aus Holz mit den neu erschienenen Büchern der Woche zierten den Bereich vor der Eingangstür.Beim Öffnen der Tür ertönte ein verspieltes Glockenklingeln und warmes oranges Licht trat den beiden Mädchen entgegen. Drinnen drehte Lesley sich mit ausgebreiteten Armen im Kreis und präsentierte ihre Arbeitsstelle. „Hier arbeite ich.", sprach sie mit Stolz in der Stimme.

Überall standen meterhohe Bücherregale und alles war mit Holz ausgekleidet. Auf der rechten Seite rundete eine Leseecke bestehend aus einem Holztisch mit zwei gepolsterten Sesseln, die zum Verweilen einluden, das Bild ab. „Ich kann verstehen, dass du hier gerne arbeitest. Der Laden ist total cozy.", schwärmte Liv.

Der Besitzer des Ladens, Mr. Smith stand an den Türrahmen des Hinterzimmers gelehnt da und blickte die beiden Freundinnen mit einem Lächeln an. „Schön, dass dir mein Laden gefällt junge Dame. Und mit Lesley habe ich auch eine wunderbare Mitarbeiterin."

„Oh Hallo Mr. Smith.", begrüßte Lesley ihren Chef, den weder sie noch Liv beim Hineinkommen bemerkt hatten, obwohl er natürlich da sein musste, wenn seine einzige Mitarbeiterin frei hatte. „Das ist meine Freundin Olivia. Sie ist neu hier und da wollte ich ihr Ihren schönen Laden nicht vorenthalten."

„Schön Sie kennenzulernen Mr. Smith. Ihr Laden ist wirklich toll. Ich komme bestimmt öfter mal vorbei. Durch den Blumenladen meiner Mutter bin ich sowieso häufiger in der Straße."

„Ah so schließt sich der Kreis. Deine Mutter habe ich bereits kennengelernt. Die schönen Topfpflanzen vor der Tür habe ich bei ihr gekauft.", sprach er mit einem Lächeln, ehe das Telefon im Hinterzimmer klingelte und Mr. Smith sich so von den beiden verabschiedete.

Die Freundinnen verließen den Buchladen ein paar Minuten später, folgten dem Gehweg hundert Meter nach rechts und standen dann vor "Floral Symphony". Der Name war in kursiven Buchstaben geschrieben und prangerte begleitet von Blumenmustern über der Tür. Durch die große Glasfront konnte man ins Innere schauen und erblickte ein Meer aus bunten, ganz unterschiedlichen Blumen.

„Dann bin ich jetzt dran mit der Führung.", grinste Liv und räusperte sich. Mit freudiger einladender Stimme sprach sie: „Herzlich willkommen bei Floral Symphony, dem tollsten Blumenladen in ganz Kalifornien, wo alle floralen Träume wahr werden.", und hielt Lesley die Eingangstür auf. Diese kicherte daraufhin und betrat den Laden als Erste.

Mrs. Morgen arbeitete gerade an einem Blumengesteck, als sie von ihrer Tochter begrüßt wurde. „Hey Mom, darf ich dir meine Freundin Lesley vorstellen?"

Ihre Mutter kam hinter dem Tresen hervor und reichte ihr die Hand. „Hallo Lesley. Freut mich sehr dich kennenzulernen.", sprach sie freundlich.

„Freut mich auch, Mrs. Morgan."

„Oh nicht so förmlich. Nenn mich doch bitte einfach Melissa."

„Okay, gerne.", lächelte Lesley.

„Mom? Wir wollten einen Blumenstrauß zusammenstellen. Dürfen wir das?", fragte Liv mit großen Kulleraugen.

„Natürlich. Tobt euch aus, aber räumt danach bitte alles wieder an seinen Platz."

Mit den Worten „Machen wir!" ging Liv hinter die Theke und bereitete alles vor. Lesley schaute sich im Laden um und nahm sich die Schnittblumen, die ihr am besten gefielen - Rosen, Goldrute, Sonnenblumen, Zitronengras, Strandflieder, Craspedia und Matthiola. Mit ihrer Ausbeute ging sie zurück zu Olivia, die ihr lächelnd die Blumen abnahm und sie abwechselnd leicht schräg aneinander legte. Zwischendurch wurde der Strauß dabei immer mal wieder gedreht, bis er mit einem letzten prüfenden Blick von oben fertig an seine neue Besitzerin übergeben wurde. Lesley hielt ihre eigene Kreation, einen kunterbunten wunderbar duftenden Strauß in ihren Händen, den sie nach einem schönen Nachmittag mit ihrer Freundin mit nach Hause nahm.

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