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Kapitel 17 - Der Plan

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Kapitel 17 - Der Plan

„Ich werde umgehend Bob verständigen. Wir machen uns sofort auf die Suche nach Peter.", versprach Justus Mrs. Shaw am Telefon.

„Danke Jus..." Urplötzlich verstummte Mrs. Shaw und Justus hörte im Hintergrund wie sich eine Tür öffnete.

„Peter?! Oh Gott sei Dank! Wo bist du gewesen? Wir waren krank vor Sorge!", drang es durch den Hörer gefolgt von einem weiteren Schwall aus besorgten, glücklichen, mahnenden und erleichterten Worten.

Dann vernahm er die Stimme seines Freundes. „Alles okay, nichts passiert. Tut mir leid."

Justus informierte seine Tante, dass Peter wieder da war, während dieser von seiner Mutter den Hörer überreicht bekam.

„Gott sei Dank ist er wieder da. Aber du hast mir immer noch nicht gesagt, ob ihr wieder irgendeinen Unsinn angestellt habt!", polterte Mathilda.

Justus lächelte nur unschuldig mit den Worten „Peter wartet." und deutete auf das Telefon.

„Die drei Sargnägel solltet ihr euch nennen." war der letzte Kommentar seiner Tante, bevor sie genervt zurück ins Schlafzimmer stapfte.

„Hallo Just.", drang es durch den Hörer.

„Zweiter! Was ist passiert?"

„Ich hatte einen... Unfall.", sprach er zögerlich und ließ Justus damit wissen, dass er nicht ungestört sprechen konnte.

„Verstehe. Dann schlaf jetzt. Wir sehen uns später."

„Okay. Und Just... ich möchte das mit der Antilope erklärt haben.", sprach Peter eindringlich. Nochmal wollte er sowas wie vorhin nicht erleben. Wenn Justus einen Plan hatte, war es höchste Zeit dafür.

„Gut. Ich erkläre es euch nachher."

Damit gab Peter sich vorerst zufrieden. Die beiden tauschten Gute-Nacht-Wünsche aus und legten sich nach diesem nervenaufreibenden Tag in ihre Betten.

Völlig geistesabwesend quälte sich der zweite Detektiv durch den Schultag. Die Gespräche seiner Freunde zogen einfach an ihm vorbei. Nicht mal Liv schaffte es seinen Fokus auf sich zu ziehen und normalerweise ließ Peter sich sehr leicht durch sie ablenken. Aber ihn beschäftigte ununterbrochen die Begegnung mit dem Tiger. Er versuchte sich an Details zu erinnern. Details, die ihn und die Jungs zu der Identität des Tigers führen würden. Aber da war einfach nichts.

Er starrte Löcher in die Luft, als Olivia ihn nach der Schule am Fahrradständer aus seiner Trance holte. „Peter? Kommst du?", fragte sie und blickte den Jungen vor sich irritiert an.

„Wie? Was?", fragte er verdattert.

„Kommst du hab ich gefragt."

„Oh, ja, natürlich. Sorry." Er schüttelte sich kurz, beugte sich dann etwas runter um das Schloss an seinem Fahrrad zu öffnen und zog es am Lenkrad festhaltend aus der Halterung.

Sie schaute ihm dabei zu und bemerkte seine Anspannung. Gut kannte sie Peter noch nicht, aber sie merkte, dass ihn irgendwas beschäftigte. „Ist alles in Ordnung bei dir? Du bist heute so abwesend.", sprach sie besorgt.

„Ich habe nicht gut geschlafen. Der Fall nimmt mich ziemlich mit. So kompliziert war es lange nicht mehr.", meinte er ehrlich.

„Du darfst mir gerne davon erzählen, wenn es dir hilft."

Peter überlegte. Normalerweise redete er bis jetzt immer nur mit seiner Schwester oder den Jungs über ihre Fälle. Es war schließlich nicht immer ungefährlich und die wenigsten hatten deshalb Verständnis für die Arbeit der drei Fragezeichen. Alleine wenn er dabei an seine Eltern dachte: Wie oft hatte sein Vater mit ihm deswegen geschimpft und wie oft hatte er Casie um ein Alibi gebeten damit es keinen Ärger gab. „Na ja, also ehrlich gesagt hatte ich gestern Nacht auf dem Weg nach Hause eine unschöne Begegnung mit wahrscheinlich einem unserer Verdächtigen. Auf jeden Fall weiß derjenige, dass wir ermitteln und war dementsprechend nicht begeistert davon."

„Ach du Scheiße! Hat der dich bedroht? Warst du bei der Polizei? Das ist eine absolut ernste Angelegenheit, Peter."

„Er hat mit einer Pistole vor meinem Gesicht herumgefuchtelt, aber abgesehen davon hat er nur versucht mir Informationen zu entlocken. Und nein, die Polizei ist das größte Problem in der ganzen Sache. Wir sind völlig auf uns alleine gestellt. Justus hat irgendeine Idee, aber bis jetzt ist er mit der Sprache noch nicht rausgerückt. So viel ist sicher - ich werde das Surfen am Samstag mehr als brauchen. Ich hoffe, der Spuk hat bis dahin ein Ende.", seufzte Peter.

Liv lächelte ihn zuversichtlich an. „Ihr schafft das. Ihr seid schließlich die drei Fragezeichen! Aber passt bitte auf euch auf. Und am Samstag werde ich mir alle Mühe geben, dich auf Trab zu halten. Ich will schließlich was lernen und da brauche ich einen fokussierten Lehrer.", grinste sie.

Seine Laune hob sich durch ihre Worte enorm. „Oh ich bitte drum. Das wird kein Larifari-Wellenreiten. Du wirst aus dem letzten Loch pusten und froh sein, wenn ich dich aus dem Wasser entlasse."

„Gut so. Es soll ja keine Langeweile aufkommen." Liv setzte sich auf den Sattel ihres Fahrrads und stellte einen Fuß auf der Pedale ab. „Und jetzt komm. Wer zuletzt am Kino ist, schuldet dem anderen ein Eis nach dem Surfen." Damit fuhr sie los und ließ einen überrumpelten Peter zurück, der daraufhin ebenfalls stark in die Pedale trat, denn diesen kleinen Wettstreit und die Chance auf ein Eis ließ er sich nicht entgehen.

Schnell hatte er sie eingeholt und war auf gleicher Höhe mit ihr. Aber nur wenige Sekunden denn dann trampelte er noch energischer und ging in Führung. „Sieh zu du lahme Schnecke! Oder gibt's du schon auf?", stichelte er.

„Na warte!" Ihr Kampfgeist war geweckt.

„Ne, warten tue ich bestimmt nicht.", sagte er lachend und setzte sich weiter ab.

Olivia gab sich alle Mühe an Peter dranzubleiben. Hintereinander sausten sie durch die Straßen von Rocky Beach. Aber sie hatte keine Chance gegen ihn, er war einfach schneller.Als Liv um die letzte Ecke vor dem Kino bog, lehnte ihr Gegner bereits lässig mit beiden Armen abgestützt auf dem Lenker und grinste sie triumphierend an. „Da bist du ja endlich.", neckte er und tippte mit seinem Zeigefinger auf die imaginäre Armbanduhr an seinem Handgelenk.

Gespielt beleidigt machte sie neben ihm Halt. „Dieses Mal hast du vielleicht gewonnen, aber mein Tag kommt." Liv verschränkte ihre Arme vor der Brust und streckte ihm beleidigt die Zunge raus, was Peter laut auflachen ließ. „Sport ist mein Spezialgebiet. Es wird schwierig für dich mich da zu schlagen."

„Schwierig heißt nicht unmöglich. Ich gebe nicht auf."

„Gut, dann freue ich mich schon aufs nächste Mal. Jetzt muss ich aber leider los, sonst reißt Justus mir den Kopf ab."

„Okay, ich muss auch los mein Hund ist sehr eigen was seinen Nachmittagsspaziergang angeht.", kicherte sie. „Viel Erfolg bei eurer Verbrecherjagd. Wir sehen uns morgen."

Damit trennten sich ihre Wege, doch ihr kleiner Wettstreit hatte bei beiden für gute Laune und der Anblick des jeweils anderen für ein leises Kribbeln gesorgt, welches zwar unbemerkt blieb, aber dennoch da war.Liv verbrachte den Nachmittag gemütlich mit ihrem Hund und einem guten Buch Zuhause im Garten, während Peters Konzentration sich wieder den Autodieben widmete.

Nachdem er seine beiden Freunde nochmal genau über die unschöne Begegnung gestern Nacht aufgeklärt hatte, wollte er endlich Justus genauen Plan erfahren. „Hat Mr. X sich inzwischen gemeldet?"

„Ja und es ist so, wie ich vermutet habe: Die Diebe haben Kontakt zur Zulassungsbehörde. Von da erhalten sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Informationen über lohnenswerte Fahrzeuge und kundschaften dann aus, welche sie am einfachsten stehlen können.", erklärte Justus.

„Also der Plan mit der Antilope. Wie sieht der aus?"

„Das will ich jetzt aber auch wissen."

„In der Theorie recht simpel. Wir benötigen ein teures Auto. Das wird unsere Antilope, unser Köder."

Peter lachte sarkastisch auf. „Klar wir schütteln uns einfach einen Sportwagen aus dem Ärmel. Total easy."

„Wir nicht, aber deine Schwester.", sagte Justus nüchtern und gelassen.

„Wie soll Casie..." Der zweite Detektiv unterbrach sich selbst, als ihm dämmerte, worauf Justus hinaus wollte. „Moment! Du denkst an Skinnys Camaro?"

Auch Bob stand Justus Gedankengang skeptisch gegenüber. „Den gibt Skinny uns niemals und dafür schon gar nicht."

„Ich bin mir sicher, dass er zustimmt, wenn Casie an Bord ist."

Peter schüttelte pessimistisch den Kopf. „Selbst wenn er ihr das Auto gibt wie ködern wir die Diebe damit? Das sind Skinnys Arbeitskollegen die wissen, dass er so ein Auto fährt. Zumindest weiß Inspektor Cotta das und der kennt Casie außerdem."

„Wir sind im Großraum Los Angeles. Diese Art von Fahrzeugen nämlich Muscle Cars oder auch Pony Cars, zu denen der Chevrolet Camaro SS zählt, sind hier häufig vertreten. Alles, was sie tun muss, ist den Camaro auf sich zuzulassen und damit Cotta sie nicht erkennt, falls er ihr begegnet, sich einem kleinen Make-Over zu unterziehen."

„Boar ich weiß nicht. Da verlangen wir ganz schön viel." Peter war immer noch nicht überzeugt.

„Wir wollen diesen Fall doch aufklären und es geht dabei um Cotta. Das erfordert nun mal besondere Maßnahmen."

Peter überlegte und schaute Bob an, der seine rechte Schulter kurz hochzog. „Versuch macht klug und Fragen kostet nichts."

„Da hast du dir ja zwei tolle Redewendungen parat gelegt.", rollte der zweite Detektiv mit den Augen. Aber auch er wollte diese Diebe dingfest machen und hoffentlich Cottas Unschuld beweisen. Er war immer da, wenn die drei Fragezeichen in der Klemme waren. Jetzt wollten sie diesen Gefallen erwidern. Cotta war im Laufe der Zeit zu einem Freund und Verbündeten der Jungs geworden und Freunde ließ man nicht im Stich. „Na gut, ich rufe sie an."

Nach ein paar Mal Tuten nahm Casie ab. „Hey Brüderchen, was gibt's?"

„Hey. Hast du gerade Zeit und könntest in die Zentrale kommen? Wir brauchen deine Hilfe bei unserem Fall. Es ist sehr wichtig.", erklärte er.

„Okay das klingt ernst. Ich stehe eh gerade an der Bushaltestelle. Bin in etwa 15 Minuten da, in Ordnung?"Peter bejahte und beendete dann das Telefonat.

Ungeduldig warteten die drei Freunde auf Casies Ankunft.In gebückter Haltung trat das braunhaarige Mädchen eine Weile später durch das "kalte Tor" in die Zentrale ein. „Das Aushilfsfragezeichen meldet sich zum Dienst. Also was gibt's?", fragte sie und machte dabei den militärischen Gruß, indem sie ihre ausgestreckte Hand an die Stirn hielt.

Justus räusperte sich bevor er Casie die Details zu ihrem Fall erzählte. Ihre Bitte an sie erwähnte er da noch nicht.

„Ich verstehe. Also falls ihr euch von mir nähere Informationen dazu erhofft muss ich leider passen. Skinny erzählt wohl wie sein Arbeitstag so war, aber über Ermittlungsdetails reden wir nicht. Ich weiß nur, dass die Polizei wohl ziemlich im Dunkeln tappt.", erklärte Peters Schwester.

„Das wundert mich nicht, wenn sechs Verdächtige selbst Polizisten sind. Aber nein, wir brauchen dich als Köder.", sprach der erste Detektiv jetzt ganz offen.

Casie schaute die Jungs irritiert nacheinander an. „Wie soll ich diese Typen bitteschön ködern? Soll ich ihnen schöne Augen machen, oder was?"

„Indirekt?", lachte Peter nervös.

„Sprich Klartext, Bruderherz!"

„Eigentlich dachten wir... na ja..." Er druckste herum. „Skinnys Camaro könnte ihnen schöne Augen machen."

Casie blinzelte verdutzt. Dann fing sie lauthals an zu lachen. „Das ist nicht euer Ernst! Ihr wollt, dass ich Skinny bequatsche damit er mir den Camaro leiht?"

„Genau genommen wollen wir, dass du den Camaro bei der Zulassungsbehörde auf dich zulässt. Wichtig dabei ist, dass du dein Äußeres etwas veränderst, damit dich niemand erkennt und erwähne unbedingt, dass du noch keine Garage für das Auto hast und er deswegen auf einem öffentlichen Parkplatz steht.", meinte Justus nüchtern, als hätte Casie bereits zugestimmt.

Sprachlos blickte sie Justus an, dann Bob und zum Schluss Peter, der schließlich das Wort ergriff. „Ich weiß, das klingt total abgedroschen, aber wir würden dich nicht darum bitten, wenn wir eine bessere Idee hätten. Wir wollen diesen Fall aufklären, auch weil es um Inspektor Cotta geht."

Casie überlegte und atmete dann laut aus. „Scheiße, okay, ich mach's!"

„Wirklich?", fragte Peter überrascht.

„Ja, wirklich. Aber ich kann nichts versprechen. Skinny liebt dieses Auto abgöttisch. Ob er ihn mir gibt, keine Ahnung und wenn ich ihm sage, dass der Camaro als Köder fungieren soll, weiß ich nicht, ob er lacht oder schreit. Fest steht, er macht uns alle einen Kopf kürzer, wenn der Wagen auch nur einen winzigen Kratzer bekommt und er bringt uns definitiv um, wenn die Diebe entkommen."

„Die werden nicht entkommen! Ja, sie sollen ihn stehlen, aber das ist ja genau der Punkt. Wir statten den Camaro mit einem Peilsender und einer Kamera aus, so können wir ihn jederzeit orten und mit den Kamerabildern die Diebe überführen.", erklärte Justus mit fester Stimme.

Immer noch skeptisch nickte sie schließlich mit dem Kopf und gab ihr Okay.

„Danke Casie, dass du mitmachst.", sagte Bob.

„Würde es nicht um Cotta gehen hätte ich nein gesagt, aber er hat schon so viel für uns getan. Damals bei meiner Entführung hat er direkt gehandelt und Skinny hat ihm auch viel zu verdanken mit der Ausbildung. Wenn wir ihn so vielleicht entlasten können, dann bin ich dabei."

„Dann hoffen wir mal, dass Skinny das genau so sieht."

„Ich versuche ihn zu überzeugen."

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