Kapitel 18 - Überzeugungsarbeit
Kapitel 18 - Überzeugungsarbeit
Nach dem Gespräch in der Zentrale machte Casie sich auf den Weg nach Hause.Von Weitem schon sah sie ihren Freund mit einer glimmenden Zigarette in der rechten Hand vor der Tür stehen. Die linke Hand steckte dabei lässig in der Tasche seiner Jeans und der ausgestoßene Rauch schwebte kurz nach jedem Zug vor ihm in der Luft, ehe er sich auflöste.
Als Skinny seine Freundin erblickte, empfing er sie mit einem Lächeln auf seinen Lippen und einem liebevollen „Hey Süße."
Casie ging freudig auf ihn zu und gab seiner Wange einen schnellen Kuss. „Heeey, ich muss gleich mal was mit dir besprechen, aber rauch in Ruhe auf. Ich warte drinnen."
Neugierig, worum es wohl ging, schaute er ihr kurz hinterher, rauchte den letzten Rest zu Ende und folgte ihr dann ins Innere. „Also, was willst du mit mir besprechen?"
Casie klopfte mit ihrer Hand auf den leeren Platz neben ihr auf dem Sofa. Skinny setzte sich und spitzte die Ohren. Sie griff nach seiner Hand und begann dann zu reden. „Ich war vorhin auf dem Schrottplatz, weil Peter mich angerufen hat. Die Jungs machen sich Sorgen um Cotta."
Skinny war etwas verwirrt. „Ja, der hat in Moment wohl irgendwelche Sorgen seiner Laune nach zu urteilen, aber das habe ich den Dreien letztens schon auf dem Präsidium gesagt. Was wollen sie deswegen von dir?"
„Meine Hilfe oder eigentlich unsere Hilfe, nur wollen sie dich wegen der Ausbildung da lieber raushalten."
„Was hat meine Ausbildung mit Cottas schlechter Laune zu tun?"
Casie atmete tief ein und aus. „Na ja... sie haben die Befürchtung, dass Cotta in der Diebstahlserie dieser Luxusautos mitmischt."
Skinny zog die Augenbrauen hoch. „Das ist doch totaler Quatsch! Wie kommen die auf so einen Blödsinn? Die kennen Cotta doch, bei sowas würde der nie mitmachen."
„Ich glaube, da sind wir uns alle einig, aber es gibt leider Hinweise und Indizien die dagegen sprechen. Jemand hat sich anonym an die Jungs gewandt und die Vermutung geäußert, dass Polizisten an den Diebstählen beteiligt sind. Sechs deiner Kollegen stehen unter Verdacht, darunter auch Cotta. Laut ihrem anonymen Auftraggeber haben die Diebe Kontakt zur Zulassungsbehörde. Anhand der Neuzulassungen suchen sie sich ihr nächstes Ziel aus. Die drei vermuten, dass ihr "Mr. X" ebenfalls Polizist ist und sie aus Selbstschutz beauftragt hat, schließlich will niemand gegen seine eigenen Kollegen ermitteln. Darum wollen sie dich da auch rauslassen und haben sich an mich gewendet. Ich habe zugesagt ihnen zu helfen, aber ganz ohne dich kann ihr Plan nicht funktionieren..." Casie blickte ihren Freund unsicher an.
„Was für Indizien sollen denn Cotta bitteschön belasten? Das kann kaum etwas Aussagekräftiges sein! Ich halte das für völlig absurd!" Skinny wehrte sich vehement gegen den Gedanken, dass sein Vorgesetzter bei kriminellen Machenschaften mitmischte.
„Die Jungs waren bei ihm Zuhause und haben mit seiner Schwester gesprochen. Justus hat sich währenddessen im Haus umgeschaut und genau so eine Tigermaske, wie sie die Diebe benutzen, versteckt im Spülkasten der Toilette gefunden."
Stumm blickte er Casie einfach nur an. Es war schwer für ihn zu glauben. „Okay also wenn das wirklich stimmt, brauch es trotzdem etwas mehr an Beweisen."
„Ja... also da komme ich dann wohl ins Spiel." Sie kratzte sich an der Nasenspitze und blickte Skinny dann in die Augen.
„Was sollst du ihrer Meinung nach tun?", fragte er mit ernster Miene.
„Ich soll zur Zulassungsbehörde fahren, ein Auto anmelden und das dann leichtsinnig auf einem Parkplatz abstellen, der weder überwacht noch besonders gut besucht ist, damit die Diebe unbehelligt zuschlagen können."
Skinny fing an zu Lachen. „Du hast gar kein Auto und außerdem klauen die nur teure Fahrzeuge. Du wärst für die also völlig uninteressant."
Casie räusperte sich und zog sich rüber auf seinen Schoß. Ihren linken Arm legte sie dabei um seinen Nacken und mit der anderen kraulte sie liebevoll die blonden Haare auf Höhe seines Hinterkopfes. „Mein Freund hat aber ein Auto, was für die Diebe interessant wäre. Es ist ein blauer Chevrolet Camaro SS mit hubraumstarkem V8-Motor und einem Sportfahrwerk, dazu 20-Zoll Carbonfelgen und einer Beschleunigung von 0 auf 100 in 4,4 Sekunden durch sagenhafte 455 PS."
Skinnys Kopf schoss daraufhin abrupt ein ganzes Stück zurück. Er starrte Casie an und schüttelte energisch den Kopf. „Nein! Auf gar keinen Fall!"
„Schatz, bitte!", flehte sie.
„Nein! Weißt du wie teuer dieses Auto ist?"
„Ja, etwa 50.000 Dollar und passt damit perfekt in das Beuteschema der Diebe.", sagte sie unschuldig. Der Blick ihres Freundes war immer noch Todernst. „Komm schon Baby! Ihr beißt euch die Zähne an diesem Fall aus, kein Wunder, wenn Polizisten involviert sind und damit schön wissen wie der Ermittlungsstand ist. Da braucht es den Überraschungseffekt. Die rechnen doch niemals damit, dass es eine Falle ist. Und wenn Cotta unschuldig ist, dann müssen wir was tun. Du weißt genauso gut wie ich, was er schon alles für uns getan hat. Deinem Auto wird nichts passieren, er bekommt einen Peilsender und eine Kamera ins Cockpit um die Diebe zu überführen."
Ein lauter Seufzer kam aus seinem Mund. Ihm gefiel es gar nicht seinen Sportwagen, sein Baby in Gefahr zubringen und seine Freundin im schlimmsten Fall gleich mit. Er verdankte Cotta einiges, ohne ihn und ohne Casie wäre er womöglich immer noch auf der schiefen Bahn, aber durch die beiden hatte er einen Job, den er liebte und eine aussichtsreiche positive Zukunft vor sich. So gab er schlussendlich nach. „Okay, aber nur unter zwei Bedingungen."
„Welche?"
„Du fährst absolut vorsichtig! Du bist die Beschleunigung nicht gewohnt, also bitte ganz viel Gefühl auf dem Gaspedal. Und zweitens will ich dabei sein, wenn ihr euch auf die Lauer legt. Denn ich will weder, dass dir was passiert noch dass die mein Auto zu Schrott fahren!"
Zufrieden zog sie Skinny in einen festen Kuss. „Einverstanden und ich verspreche dir aufzupassen."
Mit einem simplen „Okay" griff er in seine Hosentasche, zog seinen Autoschlüssel hervor und übergab ihn widerwillig an seine Freundin.
„Danke, mein Schatz!", trällerte sie und verschwand dann für ihr Make-Over im Schlafzimmer.In einer engen schwarzen High-Waist-Jeans, schwarzen schicken Stiefeln mit etwas Absatz und einem figurbetonten blauen Oberteil mit Strasssteinen trat sie zwanzig Minuten später zurück in den Wohnraum.Wüsste Skinny nicht, dass das da gerade seine Freundin vor ihm war, hätte er sie nicht erkannt. Vermutlich lag das an den plötzlichen blonden Haaren und den blauen Kontaktlinsen in ihren Augen.
„Na was sagst du zu meiner Typveränderung?"
Er musterte sie von oben bis unten. „Wow, du bist kaum wiederzuerkennen. Ich wusste nicht mal, dass du eine Perücke besitzt. Blond steht dir zwar auch, aber normal gefällst du mir besser."
„Die hatte ich mal für eine Halloweenparty bestellt. Färben würde ich mir die nie so."
Skinny nahm Casies Hand und drehte sie daran einmal im Kreis. „Aber diese Jeans darfst du gerne öfter tragen.", grinste er frech und biss sich auf die Unterlippe.
„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.", zwinkerte sie und zog ihn mit ihrer Hand an seinem T-Shirt in einen innigen Kuss.
„Aber ohne diese Perücke. Das fühlt sich nämlich total wired an.", lachte er.
Casie stieg in sein Lachen mit ein. „Okay, aber jetzt müssen wir los. Ach und ich fahre! Ist schließlich gleich mein Auto.", kicherte sie, woraufhin Skinny nur gespielt genervt seine Augen verdrehte.
Den PS-starken Sportwagen durch Rocky Beach zu lenken bereitete Casie enorme Freude. Es war das erste Mal, dass Skinny sie fahren ließ und insgeheim hatte sie schon lange auf diesen Tag gewartet, denn auch sie hatte sich schnell in dieses Auto verliebt. Für ihren Freund wiederum war es das erste Mal, dass er in seinem eigenen Auto auf dem Beifahrersitz saß. Sein Körper war dabei steif wie ein Brett in den Sitz gedrückt. Casie die Kontrolle über sein Baby zu geben fiel ihm nicht leicht.Erst als sie vor dem Zaun zum Gebrauchtwarencenter hielt und der bullige Motor verstummte, löste sich allmählich seine Anspannung.
„Und war das jetzt so schlimm mich fahren zu lassen?", wollte sie wissen.
„Ja, ehrlich gesagt schon."
„Angsthase!"
„Ich nenne es eher: Risiko minimieren."
„Du tust ja so als wickle ich die Karre um den nächsten Baum. Dabei fährst du immer wie der letzte Henker!", grummelte sie beleidigt.
„Okay, solltest du mir eine Macke ins Auto machen, stelle ich dir die Reparaturkosten in Rechnung. Dann bist du hoch verschuldet, Zicke!"
„Mach doch, Blödmann!", brummte sie mit verschränkten Armen.
„Tue ich auch und jetzt komm, Blondie!"
„Selber Blondie!"
Wie ein bockiges Kind stapfte Casie auf den mit Schrott bedeckten Wohnwagen zu und trat ein. Skinny folgte ihr lachend. Er liebte es immer noch sie zu provozieren.
„Wow! Wer bist du und was hast du mit meiner Schwester gemacht?", fragte Peter ironisch, als er die Verwandlung seiner Schwester bestaunte. Auch Justus und Bob waren überrascht von der "neuen" Casie und sich sicher, dass sie mit diesem Look unerkannt bleiben würde.
„Hat zufällig jemand einen Snickers? Der Blondschopf hier ist nämlich eine ganz schöne Diva.", kommentierte Skinny mit einem Grinsen von der Seite.
„Das Einzige, womit er recht hat ist, dass ich schön bin. Ansonsten ist der nur neidisch, weil ich dem Camaro im Gegensatz zu ihm Klasse verleihe.", konterte sie selbstbewusst.
Belustigt über seine Freundin ließ er sich neben Peter in den alten Sessel fallen. Dieser war etwas irritiert durch diesen kleinen Schlagabtausch. „Ist alles gut zwischen euch?"
„Bestens! Casie ist nur ein bisschen hochmütig, weil sie heute zum ersten Mal in ihrem Leben ein richtiges Auto fahren darf." Das Grinsen lag immer noch auf seinem Gesicht.
„Und Skinny ist ein absolutes Weichei, zerfressen von der Angst seinem Statussymbol könnte etwas passieren!"
„Dann bin ich eben ein Weichei, so what." Er zuckte mit den Schultern. Dann drehte er sich zu Justus. „Also er bekommt einen Peilsender und eine Kamera, richtig?"
„Richtig. Liegt schon alles hier bereit. Über Bobs Laptop können wir dein Auto dann jederzeit orten und über die Kamera sogar live dabei sein. Nachdem Casie bei der Zulassungsbehörde war, werden wir das installieren. Heute Abend parkt sie den Camaro dann auf dem Parkplatz an der 31sten Ecke Wilshire-Road. Der ist dann meistens leer und es gibt keine Sicherheitskameras in der näheren Umgebung. Perfekte Bedingungen also für die Diebe. Dort legen wir uns dann auf die Lauer und beobachten den Diebstahl. Mit den Kamerabildern und dem Standort gehen wir dann zur Polizei und der Fall ist gelöst.", erklärte der erste Detektiv zuversichtlich.
„Gut, dann hoffen wir mal, dass es auch genau so kommt und diese Typen den Köder schlucken."
Damit war der Plan für alle formuliert und "Operation Antilope" konnte starten...
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