Kapitel 2 - Das Planet Evil
Kapitel 2 - Das Planet Evil
Nachdem Peter und seine Schwester ihre Disco-Pläne final getroffen hatten, spielten sie noch einige Stunden weiter.
Gegen drei Uhr nachts verabschiedeten sie sich in ihre Betten. Peter war absolut zufrieden und schlief mit Vorfreude auf die Verabredung im Planet Evil ein.
Am nächsten Morgen wurde er durch das Vogelgezwitscher vor seinem Fenster geweckt. Dazu strahlte die Sonne in ihrer ganzen Pracht.
Er streckte seine Arme über seinem Kopf in die Höhe und gähnte ausgelassen, bevor er sich aufsetzte und sich für den Tag fertig machte.Gut gelaunt hüpfte er die Treppe runter und entdeckte seine Schwester vor einer Schüssel Müsli und einer Tasse Kaffee am Esstisch. Peter tat es ihr gleich und die beiden genossen den ruhigen Morgen im Hause Shaw.
Ganz anders ging es währenddessen im Hause Jonas zu. Justus hatte sich ausnahmsweise mal keinen Wecker gestellt, weshalb Tante Mathilda ihn unsanft mit Rufen die Treppe hinauf weckte. „Justus! Justus Jonas! Aufstehen! Wie lange willst du noch im Bett liegen?"
Justus entwich ein genervtes Grummeln und er unterdrückte das Bedürfnis sich sein Kopfkissen gegen die Ohren zu drücken und Tante Mathilda zu ignorieren. „Wieso darf man in diesem Haus eigentlich nicht einmal ausschlafen?", nuschelte er zu sich selbst.Verschlafen rieb er sich durch die Augen, ehe er sich langsam in seinem Bett aufsetzte.Beim Gedanken an heute Abend verschlechterte sich seine Laune noch ein bisschen weiter. Er bereute es Peter zugesagt zu haben. Partys und Discotheken waren einfach nicht so sein Ding. Gefühlt war er bei sowas immer der Einzige, der die Nerven behielt und nicht die Kontrolle über das Leben verlor.Bis jetzt war Justus nur ein einziges Mal im Planet Evil gewesen und das war aufgrund eines Falls mit einem mysteriösen Satan-DJ ohne Kopf. Doch heute Abend ging es nicht um einen Fall, sondern darum mit seinen Freunden abzuhängen.
Er zog sich frische Klamotten an, stiefelte ins Badezimmer und danach ging er nach unten in die Küche. Dort stand seine Tante am Herd und machte Rührei zum Frühstück.Als sie ihren Neffen bemerkte, stemmte sie ihren Arm in die Hüfte. „Sag mal, da bist du ja endlich. Es gibt viel zu tun auf dem Schrottplatz. Dein Onkel ist schon zu einer Haushaltsauflösung nach Los Angeles gefahren, während du noch seelenruhig geschlafen hast."
„Es ist Samstag Tante Mathilda. Da wollte ich wenigstens ein bisschen länger schlafen. Außerdem ist es doch erst neun Uhr. Noch genug Zeit für mich die neu eingetroffenen Möbel zu säubern. Aber zuvor hätte ich gerne erstmal Frühstück. Ich habe einen Bärenhunger." Er rieb sich über seinen Bauch, der dadurch wie auf Kommando grummelte.
„Na gut. Hier ist dein Rührei und dein Toast. Aber danach wird geklotzt und nicht gekleckert!", wies seine Tante ihn an.
„Ist ja gut.", murmelte Justus.
Bis zum Abend schuftete er wie von seiner Tante gewünscht auf dem Schrottplatz. Ziemlich gerädert von der körperlichen Arbeit, sprang er unter die Dusche und machte sich, wie seine Freunde, für ihr Treffen fertig. Justus entschied sich für ein rot-schwarz kariertes Holzfällerhemd, welches er offen über einem schwarzen T-Shirt trug und eine blaue Jeanshose.Die Haustür zog er mit einem schweren Seufzen hinter sich zu und lief die Straßen von Rocky Beach entlang.
Peter stand in einem hellblauen kurzärmligen Hemd, schwarzer Jeanshose und blitzblank leuchtenden weißen AirForce1 Sneakern vor dem Spiegel in seinem Zimmer und musterte sich. Mit einem zufriedenen Nicken zu sich selbst machte er sich auf den Weg zu seinem besten Freund Jeffrey.
Der großgewachsene, durchtrainierte Junge mit den blonden längeren Haaren, sonnengebräuntem Teint und strahlenden weißen Zähnen öffnete Peter mit seinem charmanten Lächeln die Tür. „Hey Bro, bist du bereit für einen fantastischen Abend?", fragte er freudig.
Peter lachte auf diese Begrüßung. „Ja bin ich. Du auch wie es scheint."
„Auf jeden Fall.", bestätigte Jeffrey, griff sich seine Jacke von der Garderobe und zog sich diese über sein weißes eng anliegendes T-Shirt, welches seinen definierten Oberkörper umspielte und schloss sich seinem besten Freund Richtung Planet Evil an.
Das Planet Evil war neben dem Cox die einzige Discothek in Rocky Beach. Aber Peter mied das Cox bewusst, da er dort auf dem Parkplatz mal entführt wurde und weil er dort immer zusammen mit Kelly war.Zwar war der Eintrittspreis ins Planet Evil mit sagenhaften 30 Dollar ein stolzer Preis für einen Abend, aber die Getränke waren immerhin nicht so teuer.
Gegen zwanzig Uhr fanden sich die Freunde nach und nach auf dem Parkplatz vor dem Planet Evil ein. Lesley und Bob waren die ersten. Die Luft war frisch und hinterließ auf Lesleys nackten Beinen eine Gänsehaut. Gerade kam ihr der kurze Rock nicht als beste Klamottenwahl vor. Etwas zitternd kuschelte sie sich deshalb in Bobs Arme, während sie auf die anderen warteten. Bereits zwei Minuten später kam ein bereuend guckender Justus auf sie zu. Jeffrey Palmer und Peter folgten kurz darauf und die Spätzünder waren wieder mal seine Schwester und ihr Freund.
Peter guckte Casie kopfschüttelnd an.
„Was? Guck mich nicht so an! Der da ist schuld!", rechtfertigte sie sich und stupste Skinny an.
„Gar nicht wahr. Casie hat ewig im Bad gebraucht. Ich hatte sogar noch Zeit für eine Zigarette.", lachte ihr Freund.
„Ja, das klingt mir sehr nach ihr.", bestätigte Peter und auch Casies Äußeres ließen darauf schließen, dass Skinny die Wahrheit sagte.Ihre braunen schulterlangen Haare waren gelockt, ihre braunen Augen waren nicht nur mit Mascara, sondern auch mit Liedschatten und Eyeliner geschminkt und auch "klamottentechnisch" hatte sie sich ordentlich in Schale geworfen - enger schwarzer Rock, dunkelgrünes Paillettentop, welches unter ihrem schwarzen Mantel herausguckte und schwarze Stiefel. "Farblich" war sie damit super auf Skinny abgestimmt.Der war ebenfalls wie immer in dunklen Farben gekleidet - schwarze enge Röhrenjeans, schwarzes Hemd und Lederjacke. Das einzig "helle" an ihm waren der Nietengürtel, silberne Ringe an seinen Händen, silberne Kette und silberner Ohrring im linken Ohr. Auch seine Haare strahlten mittlerweile wieder in einem hellblond und nicht wie vor ein paar Monaten noch in seinem natürlichen rotblond mit blau gefärbtem Pony. Durch seine Polizeiausbildung wollte Skinny etwas "unauffälliger" sein, was seine Haarfarbe anging, auch wenn er sich nach wie vor gerne ausprobierte und seinen eigenwilligen Stil liebte.
„Petze!", murmelte Casie ihrem Freund zu, der lachte und ihre Hand in seine nahm.
Die Freunde stellten sich in die lange Schlange am Eingang. Alleine durch die Schlange war ersichtlich, dass die Discothek wieder sehr gut besucht sein würde.Von drinnen dröhnte schon die elektronische Musik, die langsam immer lauter wurde, je näher sie dem Türsteher kamen. Einer nach dem anderen bezahlte den Eintritt und bekam als Nachweis einen Planeten mit Hörnern als Stempel auf den Handrücken gedrückt - das Logo des Planet Evil, welches auch als Neonschild über dem Eingang hing.
Drinnen ging es zuerst eine Treppe runter zur Garderobe, wo die Gruppe ihre Jacken gegen eine kleine Pfandgebühr hinterlegten und ihre Outfits jetzt alle in vollem Glanz erstrahlten. Jeder von ihnen hatte sich ordentlich für den Abend herausgeputzt.
Während Peter und Bob auf die anderen warteten und Richtung Treppe blickten, traf es den zweiten Detektiv plötzlich wie ein Schlag. Die Zeit um ihn herum schien sich zu verlangsamen, es fühlte sich für ihn an wie in Zeitlupe, als ein Mädchen, augenscheinlich in seinem Alter, mit hellblonden langen Haaren, blauen strahlenden Augen und einer sportlich schlanken Figur die Treppe hinabschritt. Peter blieb komplett die Spucke weg. Alles um ihn herum verlor an Bedeutung, seine Augen waren komplett auf das Mädchen gerichtet.Sie hatte seinen Blick nicht bemerkt und lief unbekümmert an ihm und Bob vorbei.
So bekam Peter durch den verschobenen Fokus auch nicht mit, dass seine Schwester und Skinny mittlerweile neben ihm standen. Casie bemerkte sofort, dass Peter gerade geistig nicht anwesend war und so folgte sie seinem Blick. Als sie das Mädchen ebenfalls sah, formte sich ein breites Grinsen auf dem Gesicht seiner Schwester, denn sie kannte ihren Bruder und wusste direkt, dass er sich gerade Hals über Kopf auf den ersten Blick verliebt hatte. Nur ein Mädchen hatte er bis jetzt so angeschaut und das war Kelly damals.
Sie lehnte sich näher an ihren Bruder und flüsterte ihm ins Ohr. „Brüderchen, Aufwachen! Du fängst schon an zu sabbern."
Peter erschrak und schaute Casie an, als wäre sie ein Gespenst. Sie lachte aufgrund seines Gesichtsausdrucks. „Ohhh, dich hat es ja mal voll erwischt! Das war ganz offensichtlich dein "Klick", wovon du gestern noch gesprochen hast. Sie ist wirklich ziemlich hübsch, dazu absolut dein Typ." Casie grinste frech.
„Was redest du da für einen Unsinn? I-ich hab doch nur kurz geguckt.", versuchte Peter die Situation herunterzuspielen, aber sie bemerkte die Unsicherheit in seiner Stimme.
„Du hast sie angestarrt! Ja schon fast ausgezogen mit deinem Blick. Du hast dich sowas von verknallt.", stichelte sie.
Peters Mund ging kurz auf für einen Konter, doch ihm fielen keine Worte ein, also schloss er seinen Mund direkt wieder und erntete damit das nächste Kichern von seiner Schwester. „Ich hab recht und das weißt du auch." Sie legte den Arm um seine Schulter. „Aber genau aus dem Grund sind wir ja auch hier. Um Spaß zu haben und ich gehe dir bei der Jagd nach ihrer Telefonnummer bestimmt nicht auf den Keks. Mein Objekt der Begierde ist nämlich dieser gutaussehende Typ." Dabei wandte sie sich kurz zu Skinny, musterte ihn und biss sich auf die Unterlippe.
„Gut, dann nimm dir dein Objekt der Begierde und hör auf mich zu ärgern!", grummelte Peter und schob seine Schwester in Skinnys Arme. „Hier, nimm die Nervensäge von mir weg!", zischte er theatralisch dem Blondhaarigen zu, welcher amüsiert auf das Geschwisterpaar lachte.
„Ist mein Bruder nicht süß, wenn er verlegen ist? Komm Baby, Peterchen hat eine Mission und uns ruft jetzt die Tanzfläche." Damit drückte sie Skinny einen schnellen Kuss auf die Lippen und zog ihn hinter sich an der Hand die Treppe hoch.
„Hat Casie gerade Tanzfläche gesagt? Also da will ich jetzt auch hin.", meinte Lesley mit einem Hundeblick an ihren Freund, woraufhin Bob Peter wiederum einen entschuldigenden Blick zuwarf, bevor auch er mit seiner Freundin die Treppe hinauf ging.
Justus war mittlerweile auch bei seinem Kollegen angekommen und beide seufzten synchron. Jeffrey war als Letztes so weit und legte beide Arme grinsend um seine Freunde neben ihm. „Bleiben noch wir drei Singels. Also los Jungs, die Jagd ist eröffnet!", trällerte er.Justus sah Peter genervt an. Er wäre am liebsten direkt wieder nach Hause gegangen, aber 30 Dollar einfach so aus dem Fenster geworfen zu haben, erschien ihm dann doch schwachsinnig, also ließ er sich zusammen mit Peter von Jeffrey die Treppe hinauf schleifen.
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