Kapitel 22 - Polizeipräsidium
Kapitel 22 - Polizeipräsidium
Das Wochenende war endlich da und die einzige Pflicht für die drei Fragezeichen bestand jetzt nur noch in ihrer Aussage gegen die Autodiebe bei der Polizei. Außerdem gab es immer noch ziemlich viele offene Fragen, die sie gerne von Inspektor Cotta beantwortet haben wollten.
Als die Jungs mit ihren Rädern angerollt kamen, wartete Casie bereits vor dem Haupteingang auf sie. „Hey Leute."
„Hey Schwesterherz. Hast ja auf uns gewartet. Gar keine Sehnsucht nach deinem Skinny?", neckte Peter.
Sie streckte ihrem Bruder die Zunge raus. „Erstens kann ich mich beherrschen, Skinny arbeitet schließlich gerade und zweitens hat er eigentlich Streifendienst also weiß ich gar nicht, ob er überhaupt an seinem Schreibtisch sitzt."
„Du und dich in seiner Nähe beherrschen? Ja ne ist klar."
„Halt die Klappe du Neidhammel!", lachte sie. „Und jetzt kommt! Ihr wisst genau, dass Inspektor Cotta es hasst, wenn man unpünktlich ist."
Im Inneren des Reviers war die Luft im Gegensatz zu draußen angenehm kühl. Die Vier begrüßten die Polizistin am Empfang und schauten sich dann nach Inspektor Cotta und Skinny um. Der Inspektor stand am Schreibtisch von Trevor Devlin und unterhielt sich angeregt mit ihm. Er lachte und machte allgemein einen gut gelaunten Eindruck.
„Ich glaube, Cotta ist wieder ganz der Alte.", sagte Bob.
„Zum Glück! Auf so eine Abfuhr wie beim letzten Mal kann ich echt verzichten.", raunte Peter.
Casies Augen scannten den Raum derweil neugierig nach ihrem Freund. Der erste Blick ging zu seinem Schreibtisch, doch der war leer. Auch an Goodweens Platz saß niemand. „Scheint als wäre Skinny noch auf Streife."
Plötzlich schlang sich ein Arm um ihre Taille und zog sie nach hinten. „Nein, ich bin hier, Prinzessin.", hauchte er in ihr Ohr.
Mit einem Kribbeln im Bauch drehte sie sich zu ihm um und als sie in sein Gesicht schaute, konnte sie nicht anders als ihn verliebt anzulächeln. „Da ist ja mein Officer."
Skinny grinste. „Ja, dein Officer muss nur noch schnell die Ausrüstung wegbringen und dann ist Feierabend." Er deutete auf eine große Tasche, die auf dem Boden abgestellt war in der schusssichere Westen und Munition lagen. Oben drauf war eine Schrotflinte Remington 870 geparkt.
„Okay, mach das." Dann stellte Casie sich auf ihre Zehenspitzen und gab ihm einen schnellen Kuss auf den Mund.
Skinny drückte kurz mit einem glücklichen Lächeln im Gesicht ihre Hand, bevor er die Tasche und die Shotgun nahm und vollbepackt zur Ausrüstungsausgabe lief.
Peter bemerkte Casies begehrenden Blick auf ihren uniformierten Freund und lachte. „Nur noch kurz durchhalten für die Aussage Schwesterchen dann kannst du ihn wieder wie einen Labradorwelpen abschlecken."
Theatralisch warf Casie die Hände in die Luft. „Boar du bist so eine Nervensäge!"
Belustigt lachte Peter auf. „Das ist meine Rache für deine dummen Sprüche im Planet Evil." Er legte den Arm um ihre Schulter und drückte sie an sich.
Casie umarmte ihren kleinen Bruder, der allerdings einen ganzen Kopf größer war von der Seite und lachte auch. „Ich hasse dich, weißt du das?"
„Ja, weiß ich und ich hasse dich genau so sehr." Dann drückte er ihr einen schnellen Kuss auf die braunen Haare.
„Ihh lass das! Spar dir das lieber für Liv auf!" Sie kniff ihm in die rechte Seite, kicherte und entfernte sich schnell zwei Meter von ihm aus Angst vor einer Kitzelattacke.
„Blöde Ziege!", grummelte er und Casie pustete ihm amüsiert einen Kuss zu.
Neben ihnen räusperte sich Inspektor Cotta bewusst auffällig, was dazu führte, dass das Geschwisterpaar verstummte und sich weitere gegenseitige Sticheleien verkniff.
„Ich schlage vor, wir gehen in mein Büro." Er setzte sich in Bewegung die Treppe hinauf und die Freunde folgten ihm.
Das Büro des Inspektors war sehr geräumig - ein braunes Sofa aus Leder, ein runder Couchtisch, ein Schreibtisch aus Massivholz mit Drehstuhl, zwei Polsterstühle und mehrere Aktenschränke fanden dort ihren Platz.
Peter und Casie ließen sich auf den Polsterstühlen, die vor dem Schreibtisch standen, nieder und Bob plumpste auf das gemütliche Sofa. Justus bevorzugte es zu stehen, denn so konnte er sich besser umschauen und seine Neugier befriedigen. Cotta setzte sich hinter seinen Schreibtisch, legte seine Unterarme auf diesem ab und schaute die Freunde an. „Also ihr fragt euch ja bestimmt wie es dazu kam, dass ich euch beauftragt habe, richtig?"
„In der Tat Inspektor. So eine rätselhafte Auftragserteilung hatten wir selten.", meinte Justus und griff ein eingerahmtes Foto vom Schreibtisch, welches Caroline Cotta und eine Perserkatze mit rotem Fell zeigte. „Hätten wir Ihre Katze bei unserem letzten Besuch bemerkt, wären wir in Anbetracht des roten Haares in unserer Zentrale von alleine darauf gekommen, dass Sie unser Mister X sind."
„Das ist der Kater meiner Schwester, Mr. Bubbles.", erklärte Cotta.
Bevor der Inspektor zu erklären begann, wie es zu dem Auftrag kam, stieß Skinny noch zu der Gruppe hinzu. Er lehnte sich gegen einen der Aktenschränke, hakte seine Daumen an seinem Waffengürtel ein und spitzte gespannt auf die Hintergründe dieses Falles die Ohren.
„Wir saßen schon lange an den Ermittlungen, als ich vor einiger Zeit herausgefunden habe, dass einige meiner Kollegen beteiligt sein mussten, dafür sprach einfach zu viel: das Wissen der Täter über polizeiliche Interna und Funksprüche, sowie die Fahrweise der Diebe. Aber ich hatte keine Beweise und Ermittlungen gegen die eigenen Kollegen sind riskant, wenn man nichts in der Hand hat. Ich stand alleine da und da ich der leitende Ermittler war, war ohnehin klar, dass die mich im Visier haben. Ich habe eine Spionagesoftware auf meinem Laptop entdeckt, mein Telefon wurde wahrscheinlich abgehört und die Post durchleuchtet. Gängige Kommunikationswege fielen also aus, zumal Donnatelli auch noch unser Systemadministrator war. Irgendwann kam mir dann die Idee mit dem Programm und den Gedichten. Ich inszenierte also ein Verwirrspiel um meine Verfolger abzuhängen, in eure Zentrale einzubrechen und das Programm aufzuspielen. Eigentlich wollte ich euch noch eine Nachricht hinterlassen, aber durch das Alarmieren der Polizei durch deine Tante und deinen Onkel Justus hatte ich dafür keine Zeit mehr.", erklärte er ausführlich.
„Hatten Sie ein Funkgerät bei sich?", fragte der erste Detektiv nach.
„Ja, ich wollte wissen, ob mir jemand auf den Versen ist."
„Die Gedichte waren ganz schön knackig.", ertönte Bobs Stimme von der Seite.
„Die haben mir auch einiges abverlangt, vor allem das Wort "Polizist" nicht verwenden zu dürfen war schwierig und meinen eigenen Namen zu verschlüsseln fiel mir auch nicht leicht."
„Das wäre sogar ziemlich einfach gewesen, nämlich mit dem italienischen Dessert Panna Cotta.", grinste Justus.
Cotta schaute ihn daraufhin nur kurz stumm an. „Wie dem auch sei... Ich dirigierte euch in die Orange Street, weil sich dort nach meinen Ermittlungen ein für die Diebe interessanter Wagen befand. Ich selbst beobachtete in derselben Nacht auf der anderen Seite der Stadt einen Wagen, der jedoch unbehelligt blieb. Als ihr beim Beschatten aber auch nur die Masken zu Gesicht bekommen habt, musste ich euch die Namen der Verdächtigen geben, die ihr beobachten solltet. BEOBACHTEN, nicht einbrechen!"
„Ist ja gut, wir haben es verstanden.", rollte Peter mit den Augen.
„Ich reihte mich in den Kreis der Verdächtigen ein, um meine Kollegen zu verunsichern und euch gleichzeitig aus der Schusslinie zu bringen, schließlich weiß das ganze Department um unsere Zusammenarbeit."
„Deshalb haben Sie uns auch so angeschnauzt.", sagte Peter leicht beleidigt, als er an die unschönen Worte zurückdachte.
„Ich meinte das nicht so, aber die anderen sollten denken, dass zwischen uns dicke Luft herrscht und es weitererzählen. Es hat gut gepasst, dass Kershaw mit dabei stand. Für den ist sowas immer ein gefundenes Fressen."
„Ja, das ist uns mittlerweile bewusst. Erzählen Sie weiter.", forderte Justus.
„Und dann kam die letzte Nacht. Dass ihr den Dieben mit Skinnys Auto eine Falle stellen wolltet, war mir klar als ich den Wagen auf dem Parkplatz der Zulassungsbehörde gesehen habe und mir die Stimme dieser Blondine doch sehr bekannt vorkam." Casie kratzte sich daraufhin verlegen an der Nase. „Aber ich wusste nicht, wie ich euch daran hindern sollte, also bin ich euch gefolgt und merkte dabei, dass noch jemand anderes in einem Auto hinterherfuhr.
„Der dritte Dieb, der kleinere.", vervollständigte Justus. „Der uns jeden Moment ins Visier genommen hätte, wenn Sie ihm nicht zuvor gekommen wären."
„Weiß man schon wer das war?", fragte Bob.
„Ja, ein Officer aus der Polizeibehörde in Mid-Wilshire, der eng im Kontakt zur Grenzkontrolle nach Mexiko steht. Wurde vorhin ebenfalls verhaftet, nachdem Donnatelli und Mitchell ausgepackt haben.", antwortete Skinny.
„Es sind auch noch mehr beteiligt. Devlin allerdings nicht. Die zwanzigtausend Dollar hatte er für den Kauf eines Wohnwagens zu Hause."
„Und das Foto von Ihnen beiden vor dem Ferrari?"
„Das war mein Geburtstagsgeschenk aus dem letzten Jahr - einen Ferrari für einen Tag."
„Wow ein sehr originelles Geschenk.",merkte Bob an.
„Ja, das war mal was anderes.", nickte Cotta.
„Was war eigentlich Donnatellis Grund bei der Sache mitzumachen? Bei Mitchell war es ja bestimmt die Geldnot durch seine Scheidung, oder?", wollte Casie wissen.
„Genau, der hatte nach seiner Scheidung so gut wie nichts mehr und wollte deshalb seine Finanzen mit den Diebstählen ordentlich aufbessern. Bei Donnatelli war es auch des Geldes wegen. Er hatte hohe Kreditschulden, die er so schnell tilgen wollte."
„Da haben die beiden aus Habgier ihr Leben weggeschmissen." Bob schüttelte seinen Kopf voller Unverständnis.
„Ja, das haben sie. Also damit kennt ihr jetzt die ganze Geschichte. Habt ihr noch Fragen? Sonst nehme ich jetzt nacheinander eure Aussagen auf."
„Eine Frage habe ich tatsächlich noch Inspektor. Wieso die Tigermaske im Spülkasten?", fragte Justus mit hochgezogener Augenbraue.
„Die habe ich mir vorsichtshalber zugelegt, falls ich das Versteck der Autodiebe gefunden hätte, um mich so unerkannt umzuschauen."
„Verstehe. Damit haben wir jetzt alle fehlenden Informationen für unser Fallarchiv von Ihnen erhalten."
„Gut, dann schildert ihr mir jetzt mal eure Sichtweise der Geschehnisse.", forderte Cotta und öffnete das Vernehmungsprotokoll auf seinem Computer.
Einer nach dem anderen erzählte dem Inspektor, wie der gestrige Tag abgelaufen war. Bis er alles protokolliert hatte, verging eine gute Stunde.
Anschließend machten sich die Freunde gemeinsam auf den Weg nach draußen.Peter lief neben seiner Schwester her, die ihre Hand mit Skinnys verankert hatte. „Habt ihr morgen Abend schon was vor?"
Casie überlegte. „Nein, nichts geplant. Wieso?"
„Liv und ich gehen morgen Nachmittag am Redondo Beach surfen und Lesley hatte die Idee sich abends dort für einen gemütlichen Abend am Lagerfeuer zu treffen." Auf Casies Gesicht bildete sich ein Grinsen, aber Peter stoppte sie. „Du brauchst jetzt gar nicht so dämlich zu grinsen, wir gehen nur surfen. Und das ist auch gar nicht der Punkt, sondern ob ihr abends auch kommen wollt. Also spar dir bitte einen dummen Spruch."
Casie schmollte. „Ich wollte gar nichts Dummes sagen, nur dass ich mich für dich freue. Ist doch cool, dass du neben Jeffrey und Finley jetzt noch jemand anderes hast mit dem du surfen gehen kannst. Und ja, wir würden sehr gerne kommen, oder Baby?" Sie schaute Skinny an.
„Ja, klar wieso nicht. Hab ja Frühschicht, passt also.", nickte er Peter zu.
„Okay super. Lesley wollte alles mitbringen, was wir brauchen, aber deine Gitarre wäre noch ganz cool."
„Kein Problem, nehme ich mit."
„Gut, dann bis morgen."
Die drei Fragezeichen verabschiedeten sich von Casie und Skinny und stiegen wieder auf ihre Fahrräder. Es war schon spät am Nachmittag und so langsam mussten sie sich für das Konzert in Santa Monica fertig machen.
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