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Kapitel 23 - Dresscode elegant

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Kapitel 23 - Dresscode elegant

Die Jungs entschieden sich dazu, sich gemeinsam bei Familie Jonas für das Konzert fertig zu machen. Aber da sie zu fünft nach Santa Monica mussten, wollten Peter und Bob vorher schonmal ihre Autos holen. Im gleichen Zug nahmen sie direkt ihre Klamotten mit. Peter war sich unschlüssig, was genau er anziehen sollte und packte deswegen einfach mehrere Sachen ein. Bob würde ihm schon dabei helfen, der wusste schließlich wie man dort am besten auftauchte.

Während seine beiden Kollegen noch bei sich zu Hause waren, stand Justus vor seinem offenen Kleiderschrank und überlegte. Ihm erschien ein Anzug für diesen Anlass am passendsten. Aber war es das wirklich oder wäre es doch zu viel und eine schicke Jeanshose mit Hemd wäre besser? Eigentlich freute er sich auf den Abend, aber die Einladung kam von Jelena, mit der er sich nun mal überhaupt nicht gut verstand und das trübte dann doch seine Laune. Ratlos kaute er auf seiner Unterlippe, bis Tante Mathildas Stimme von unten ertönte. „Justus! Peter und Bob sind hier!"

„Schick sie nach oben!", rief er zurück.

Die Schritte seiner Freunde waren auf der Treppe zu hören und wurden immer lauter, je näher sie der Zimmertür kamen. Dann klopfte es.

„Kommt rein."

Bob und Peter erwartete ein Klamottenchaos im Zimmer. „Scheint mir, als wüsstest du auch nicht recht was du anziehen sollst.", lachte Peter.

„Ich konnte noch keine qualifizierte Entscheidung treffen. Meine Erfahrungswerte tendieren zum Anzug, aber bei genauerer Betrachtung im Hinblick auf die Gastgeberin geht meine Überlegung doch in Richtung Hemd."

Bob schüttelte amüsiert den Kopf. „Dass die Einladung von Jelena kommt, ändert nichts am Anlass, Justus. Es ist immer noch ein Konzert mit klassischer Musik, wo Mann üblicherweise im Anzug erscheint." Seinen Anzug legte er dabei demonstrativ auf dem Bett ab.

Peter stellte seine Sporttasche, in die er sämtliche Klamotten einfach hineingestopft hatte, auf den Schreibtisch und öffnete den Reißverschluss. Er kramte seine schwarze Anzughose und sein weißes Hemd heraus, strich durch den unsachgemäßen Transport entstandene Falten mit seiner Hand ein wenig glatt und nickte.

Wieder konnte Bob nicht anders als seinen Kopf zu schütteln und zu lachen. Manchmal waren seine beiden besten Freunde echt wie kleine Kinder.

Derweil hatten sich auch Lesley und Olivia getroffen, um zusammen ihre Haare und Make-up zu machen. Ihre Kleider lagen ordentlich ausgebreitet auf dem Bett in Livs Zimmer.Lesley stand vor dem Spiegel und versuchte ihre braunen Locken für eine Hochsteckfrisur zu bändigen.Olivia war gerade dabei ihren Eyeliner aufzutragen. Sie schminkte sich selten so extrem wie heute und einen Lidstrich zu ziehen war für sie immer noch die absolute Königsdisziplin. Das rechte Auge war fertig, aber für die linke Seite brauchte sie mehrere Versuche. Einmal war sie abgerutscht, ein anderes Mal war der Strich zu dick geworden und jetzt war sie bei Versuch Nummer Drei.

„Wie können einige Mädels sich das jeden Tag antun? Ich drehe gleich durch!", schrie sie frustriert auf und griff sich das nächste Abschminktuch aus der Box um den Wing am Ende nochmal neu zu machen.

„Mich musst du nicht fragen, ich kann das auch nicht nachvollziehen. Dafür wäre mir meine Zeit morgens echt zu kostbar. Ich bin und bleibe Team Mascara."

„Ja, ich definitiv auch.", murmelte Liv hoch konzentriert.

Ein paar Sekunden später klickte sie den Deckel des Eyelinerstifts zu und betrachtete endlich ihr Endergebnis genau im Spiegel. „Nicht perfekt, aber das muss reichen."

Lesley drehte ihren Kopf zu ihrer Freundin. „Sieht doch super aus! Ich hätte das nie so hinbekommen." Sie friemelte mit einem Bobby Pin in ihrer Hand herum.

Schmunzelnd zog Liv eine Augenbraue hoch. „Brauchst du Hilfe?"

„Ja, bitte! Ständig fällt mir diese blöde Strähne wieder raus."

Olivia kam der verzweifelten Bitte nach. Sie stellte sich hinter ihre Freundin, nahm ihr die Haarklammer ab und befestigte die letzte Locke für sie.

„Danke! Du bist ein Schatz."

„Dafür sind Freundinnen da."

Jetzt fehlten nur noch ihre Kleider und die Schuhe und sie waren bereit von den Jungs abgeholt zu werden.

„Wer fährt eigentlich mit wem?", fragte Liv, während sie ihre Füße in die blauen Pumps zwängte.

„Ich hab jetzt einfach mal entschieden, dass Justus und ich bei Bob mitfahren und du bei Peter. Die Jungs wissen auch schon darüber Bescheid." Lesley biss sich auf die Innenseite ihrer Wange, um ein Kichern zu unterdrücken, denn sie wusste schon genau wie Olivia sie gleich anschauen würde.

Und sie lag richtig. Auf dem Gesicht ihrer Freundin war Nervosität zu erkennen, aber auch ein kleines bisschen Unmut über diese Entscheidung, ohne dass sie mitbestimmen durfte. Nicht dass sie lieber mit Bob gefahren wäre, aber so ganz alleine mit Peter? Andererseits würde sie morgen auch den Nachmittag mit ihm alleine verbringen. Also vielleicht doch eine gute Gelegenheit sich darauf vorzubereiten.

„Glaub ja nicht Cupid spielen zu müssen!", brummte Liv.

„Mach ich nicht!", versicherte Lesley, doch eigentlich hatte sie genau das vor. Zumindest so ein bisschen. Nur nicht in Form eines kleinen geflügelten Jungen mit Pfeil und Bogen.

„Gut! Und jetzt ein letzter Outfit-Check. Haben wir alles? Können wir so gehen?"

Die beiden Freundinnen standen nebeneinander vor dem Spiegel und betrachteten sich.

„Du siehst umwerfend aus und ich finde mich auch gar nicht schlecht."

„Nicht schlecht ist deutlich untertrieben. Wir sehen beide verdammt gut aus!", grinste Liv.

Es klingelte an der Haustür. Die Jungs waren da. Schnell griffen beide Mädchen ihre Handtaschen vom Bett und schritten freudig die Treppe runter. Lesley öffnete mit strahlendem Gesicht die Haustür und blickte in die Gesichter der drei Detektive.

„Wow! Du siehst fantastisch aus!", sagte Bob mit dem Blick auf seine Freundin. „Und du natürlich auch Liv!"

„Danke mein Schatz. Ihr aber auch. Die Anzüge stehen euch. Gibt den drei Fragezeichen leichte James Bond Vibes."

„Mit dem Unterschied, dass wir Detektive sind und James Bond ein Geheimagent.", kommentierte Justus.

Peter schaute derweil Liv an. Und sie ihn. Beide schenkten sich ein einfaches Lächeln, doch innerlich waren die Gedanken gerade alles andere als einfach.Olivias Herz schlug auf einmal verhältnismäßig schnell. Peter sah in normalen Klamotten bereits gut aus, aber im Anzug? Next Level!Er wiederum musste sich bemühen sie nicht anzustarren, denn in diesem Kleid sah Liv noch bezaubernder aus als ohnehin schon.

„Wir sollten dann los. Jelena wollte vor der Musikschule auf uns warten."

„Ich kann es kaum erwarten.", raunte Justus sarkastisch.

„Ich bin mir sicher, sie freut sich auch sehr dich zu sehen, Erster." Bob schlug seinem Freund auf die Schulter und schob ihn Richtung Käfer.

Lesley blickte zu Liv und Peter, trällerte ein „Bis gleich!" und hüpfte ebenfalls zum Auto ihres Freundes.

„Wollen wir dann auch?", fragte Peter sanft.

„Ja, lass uns gehen."

Sie zog die Haustür zu und die beiden machten sich auf zum MG.

„Ziemlich cooles Auto. Passt zu dir."

„Danke, habe ich von Justus Tante und Onkel geschenkt bekommen. Ich hatte von uns dreien als Erstes den Führerschein und so waren wir nicht mehr auf irgendjemanden angewiesen."

„Ich habe leider noch keinen Führerschein, aber ein eigenes Auto zu haben ist doch bestimmt Freiheit pur."

„Auf jeden Fall. Für Rocky Beach reicht das Fahrrad vollkommen, aber unsere Fälle führen uns doch öfter mal nach Los Angeles. Na ja und Jelena jetzt nach Santa Monica.", lachte Peter.

„Ich bin schon sehr gespannt auf sie. Lesley hat mir ein bisschen was über sie erzählt und das klang sehr interessant."

„Ihr werdet euch gut verstehen. Ich freue mich auch darauf, sie mal wieder zu sehen. Leider mag Justus sie ja nicht, sonst würde man sich bestimmt öfter mal treffen."

„Ja, das hat man gerade schon gemerkt. So hätte ich Justus eigentlich gar nicht eingeschätzt. Er ist doch sonst immer so... professionell."

Peter grinste. „Professionell ist gut ausgedrückt. Aber wenn's um sie geht, ist er wie ausgewechselt. Dann würde ich ihn eher als "passiv-aggressiv" beschreiben. Dabei würden die zwei sich eigentlich perfekt ergänzen - beide totale Computerfreaks mit einer Vorliebe für klassische Musik."

„Vielleicht müssen sie sich einfach nur besser kennenlernen um zu bemerken, dass sie ein gutes Team wären.", überlegte Liv.

„Aber wie soll das gehen, wenn alle Worte die sie wechseln verbale Faustschläge sind? Dafür müssten wir sie wahrscheinlich zusammen einsperren."

„Also in Büchern funktioniert Forced proximity ganz gut.", kicherte Liv.

„Forced was?" Peter verstand nur Bahnhof."

„Das ist ein beliebtes Erzählmittel in Romanen. Zwei Charaktere, die sich nicht ausstehen können oder einander aus dem Weg gehen, werden durch äußere Umstände gezwungen, auf engstem Raum miteinander auszukommen und das führt oft dazu, dass aus Abneigung Liebe wird.", erklärte sie.

„Ah okay. Ich hab's nicht so mit Büchern, aber ob das im echten Leben funktioniert bezweifle ich."

„Ein Versuch wäre es wert."

Peter nickte mit einem Lächeln im Gesicht und konzentrierte sich wieder auf die Straße. Die Sonne war schon ein ganzes Stück hinuntergewandert und tauchte den Himmel in goldenes Licht. Rocky Beach lag hinter ihnen und die Skyline von Los Angeles war immer besser zu erkennen. Olivia sah aus dem Beifahrerfenster, während die Welt an ihr vorbeizog und aus dem Radio "What You Know" von Two Door Cinema Club klang. Die Fahrt mit Peter war angenehm und sie hatte das Gefühl, ihn schon lange zu kennen. Ihre innere Haltung war geprägt von Gelassenheit und Vertrauen.

Die Fahrt dauerte noch zehn weitere Minuten, bis der MG auf den Parkplatz vor der Musikschule einbog. Viele Leute hatten schon ihren Weg hierher gefunden und strömten elegant gekleidet in das moderne Gebäude mit der weißen Fassade und der großen Fensterfront. Der gelbe Käfer von Bob stand in einer Parklücke zwei Reihen vor ihnen. Ihre Freunde waren gerade dabei auszusteigen.

Peter bewegte den Schalthebel auf P und schaltete den Motor ab. „Da wären wir die Dame."

„Danke der Herr fürs sichere Herbringen."

„Jederzeit!"

Die beiden schenkten sich ein kurzes Lächeln und stiegen dann ebenfalls aus. Sie liefen auf ihre Freunde zu, wobei der unterschiedliche Gemütszustand deutlich zu erkennen war. Lesley und Bob strahlten sich an, während sie ihren Arm bei ihm eingehakt hatte. Justus hatte seinen Mund zu einer schmalen Linie zusammengepresst. Ihm graute es etwas vor dem Wiedersehen mit Jelena.

„Zieh nicht so ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter, Erster!"

„Bei drei Tagen regnerischen Wetters in Kalifornien wäre meine Laune sogar deutlich gehobener.", zischte er.

„Kommt jetzt!"

Damit setzten sich die Freunde in Bewegung. Die hohen Schuhe der Mädchen klackerten dabei synchron über den Asphalt und der lauwarme Abendwind ließ den unteren Teil der Kleider leicht flattern.

Vor dem Eingang der Musikschule wartete Jelena bereits. Das Mädchen mit den dunkelblonden Haaren und blauen Augen trug ein dunkelrotes Abendkleid und ihre Hände lagen gefaltet in ihrem Schoß.

Olivia war überrascht und auf einmal etwas nervös, denn ein wichtiges Merkmal an Jelena hatten ihre Freunde nicht erwähnt. Sie lehnte sich im Laufen ein Stück zu Peter rüber. „Ich wusste nicht, dass sie im Rollstuhl sitzt."

Peter schaute sie verständnisvoll an. „Das ist auch gar nicht wichtig. Jelena mag es nicht, wenn man sie deswegen irgendwie bemitleidet. Sie ist eine starke Persönlichkeit, mach dir keine Gedanken deswegen." Er tätschelte kurz im Gehen ihren Rücken, um ihr die Unsicherheit zu nehmen. Ein kaum merkliches Zucken löste diese Berührung in Liv aus.

Auf Jelenas Gesicht lag ein freundliches Lächeln, als die fünf vor ihr stehen blieben.

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