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Kapitel 27 - Ein bisschen Mut

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Kapitel 27 - Ein bisschen Mut

Glücklich lachend lagen Liv und Peter nebeneinander auf ihren Handtüchern im Sand. Sie hatten sich ihre nassen Neoprenanzüge abgestreift und überließen den Sonnenstrahlen die Aufgabe ihre Körper zu trocknen. Ihre Köpfe drehten sich zueinander und Zufriedenheit und Dankbarkeit über ihre gemeinsame Zeit schwebte zwischen ihnen in der Luft. Sie verloren sich in ihren Augen. Stumm schauten sie einander an, aber das Strahlen ihrer Gesichter leuchtete heller als die Sonne über ihnen und ließ ihre Herzen tanzen.

„Das war wirklich schön. Danke dafür!", sagte Liv sanft.

„Ja, das war es. Nichts zu danken. Ich hoffe, wir machen das öfter?"

„Total gerne! Kannst du mir dann die Königsdisziplin beibringen?", flehte sie mit großen Kulleraugen.

Peter lachte. „Tube-Riding?"

„Ja?"

„Kann ich machen, aber das ist nicht ungefährlich. Ich will nicht, dass du dich verletzt.", erklärte er ehrlich, die Besorgnis deutlich hörbar.

„Ich weiß, aber das wollte ich schon immer lernen. Und du bist der beste Lehrer. Ich habe noch nie jemanden so gut surfen sehen, der kein hauptberuflicher Profi ist, wie dich. Ich verspreche dir, mich genau an deine Anweisungen zu halten."

Eine wohlige Wärme breitete sich in Peters Brust aus. Das hatte noch nie jemand zu ihm gesagt und dann auch noch ausgerechnet sie. Er konnte ihr diese Bitte nicht abschlagen. „Okay beim nächsten Mal bringe ich dir das bei."

„Cool! Ich freue mich."

„Das mache ich aber nur, weil ich weiß, dass du gut bist.", lächelte er.

„Ich bin gut und du bist fantastisch. Kann ich mit leben.", grinste sie und stützte sich auf ihrem Ellbogen auf.

„Jetzt übertreib nicht gleich.", lachte er.

„Das ist nicht übertrieben. Du hast gerade jeden Trick gemacht der existiert. Und du bist nicht einmal vom Board geflogen."

Verlegen strich er sich durch seine noch nassen Haare. „Das... Na ja... Ich surfe ja auch schon sehr lange.", war seine Erklärung für sein Können.

„Du bist ein Naturtalent! Der geborene Profi.", sprach sie begeistert.

„Jetzt hör auf mir so viel Honig um den Mund zu schmieren. Ich mag das nicht.", jammerte er lachend, seine Wangen leicht gerötet. Dabei piekste er ihr in die Seite.

Sie kicherte und dieses Kichern machte Peter positiv verrückt. Liv griff nach seiner Hand, um ihn von weiteren Pieksattacken abzuhalten. „Na gut, mit dem Honig höre ich auf, aber wie wäre es stattdessen mit Eiscreme? Ich schulde dir noch eins."

Sein Blick fiel kurz auf ihre Hand, die seine festhielt. Es fühlte sich so gut an, zu gut. Peter wollte nicht, dass sie losließ und so nahm er seinen Mut zusammen, bereit ein Risiko einzugehen. Er verschränkte seine Finger leicht mit ihren und lächelte. „Eis klingt gut."

Mit dem unerwarteten Druck auf ihre Finger erhöhte sich auch Livs Puls und sie musste gleich dreimal überprüfen, ob sie das träumte. Es war wahr, Peter hatte ihre Hand in seiner verschlossen. Die Überraschung in ihrem Gesicht mischte sich mit Fröhlichkeit. „Okay, dann lass uns mal gucken, wo wir das bekommen können."

„Oben auf dem Pier ist ein Café. Auf dem Weg dahin können wir gleich unsere Sachen ins Auto bringen."

Damit ließen sie sich widerwillig los, zogen sich an und räumten ihre Taschen ein. Die beiden schnappten sich ihre Boards und traten den Weg nach oben an. Die Wärme ihrer Berührung hallte noch eine ganze Zeit nach und Liv spielte mit dem Gedanken wieder nach seiner Hand zu greifen. Das Gefühl war einfach zu schön, schon fast berauschend.

Am Pier war einiges los. Ein kompletter Kontrast zum angenehm leeren Strand. Die Läden waren voll, fast jeder Tisch in den Restaurants besetzt und mit ihnen schlenderten noch viele andere Menschen über den hölzernen Steg.

„Ich bezweifle schon fast, dass wir einen Platz im Café bekommen."

„Da würde ich fast drauf wetten, aber dann gehen wir einfach wieder nach unten an den Strand.", schlug Peter vor.

„Ja, gute Idee. Vielleicht schon zu dem Platz, wo Lesley sich treffen will?"

„Können wir machen. Der ist da unten." Er hielt kurz an und zeigte Liv die Feuerstelle vom Pier aus.

Danach liefen sie weiter zum Café. Eine ganze Touristengruppe kam den beiden entgegen, weshalb Olivia die Nähe zu Peter suchte und ohne nachzudenken wieder nach seiner Hand griff. Kurz zuckte er kaum merklich zusammen, doch dann ließ ihn diese Berührung vollkommen entspannen. Keiner der beiden sagte etwas dazu und so gingen sie Hand in Hand weiter. Das Café war wie bereits vermutet komplett voll. Also holten sie sich ein Eis "to go" und nahmen den Weg zurück zum Strand.

Wieder führte sie eine Treppe nach unten. Dieser Strandabschnitt war kleiner, als der an dem sie surfen waren. Es hatte ein bisschen was von einer Bucht. Bis auf die beiden war niemand da. Vermutlich weil hier schwimmen verboten war, aufgrund der Strömung. Außerdem schlugen die Wellen wild gegen die Steinmauer des Piers. Wassertropfen spritzten aufgrund der Wucht des Aufpralls mehrere Meter durch die Luft, fast wie ein Regenschauer.Peter und Liv genossen die wieder eingesetzte Ruhe, während sie weiter ihr Eis naschten.

„Hier kann man es echt gut aushalten."

„Absolut. War eine gute Idee von Lesley. Nachher mit dem Sonnenuntergang noch, Marshmallowduft und Casies Gitarre... ja, geht deutlich schlechter.", stimmte Peter zu.

„Wie lange sind die eigentlich alle schon zusammen?"

„Casie und Skinny seit über einem halben Jahr und Bob und Lesley haben sogar bald ihr Einjähriges."

„Total schön.", lächelte Liv.

„Ja, Bob hat sich direkt in Lesley verliebt, als er Booksmith betreten hatte, aber es hat eine ganze Weile gedauert, bis sie einander das gestanden haben und ein Paar wurden. Ich erinnere mich noch genau an sein Gesicht, als er danach in die Zentrale kam. Er war komplett aus dem Häuschen, hat gar nicht mehr aufgehört von ihr zu reden. Es war so witzig, weil Justus komplett überfordert war mit Bobs Enthusiasmus." Er lachte losgelöst bei dem Gedanken daran und steckte Liv direkt an.

„Kann ich mir richtig vorstellen. Und du saßt daneben und hattest den Spaß deines Lebens."

„Genau so war es. Bei Casie hingegen war es das Gegenteil. Ich hab immer mehr geahnt, dass sie sich in Skinny verliebt hatte und das war der absolute Horror für mich. Jetzt ist er nicht mehr so, auch dank ihr, aber damals war er der größte Kotzbrocken überhaupt. Wir haben uns ständig seinetwegen gestritten. Es hat etwas gedauert, bis ich Skinny wirklich eine Chance gegeben habe.", erklärte er nachdenklich.

„Sie ist deine Schwester, da ist es doch normal, dass du dir Sorgen um sie gemacht hast. Vor allem wenn er so ein, ich sag mal, Bad Boy war."

Peter lachte auf. „Bad Boy klingt fast zu harmlos für ihn. Er war kriminell."

„Und jetzt ist er Polizist. Die Liebe schreibt manchmal die schönsten Geschichten.", meinte sie mit einem bestärkenden Lächeln.

„Ja, das ist wohl so." Die Liebe hatte auch ihn erwischt und Peter fragte sich, ob es auch eine Geschichte über ihn und Liv geben würde.

Die beiden waren mittlerweile an der Feuerstelle angekommen und hatten sich auf eine der Holzbänke unmittelbar davor gesetzt. Peter hatte sein Eis bereits vernichtet und Liv knusperte gerade den letzten Rest der Waffel.

Eine ganze Weile saßen sie einfach da ohne Worte mit dem Blick auf den Pazifik und dem Duft von Meersalz in der Nase. Die Sonne stand schon deutlich tiefer und würde bald die "Golden Hour" einläuten. Und das bedeutete, dass ihre Freunde zeitnah eintrudeln sollten.

„Wir mussten ja nichts mitbringen, oder?", fragte Peter nochmal nach.

„Nein, hat Lesley extra noch geschrieben. Ich zitiere: Ich und Bob kümmern uns um die Getränke, Marshmallows und Co., Casie um das Musikalische und ihr beiden Hübschen müsst nur heile aus dem Wasser kommen."

Er schmunzelte. „Gut, dann haben wir unseren Teil erfüllt."

Die zwei überbrückten die restliche Wartezeit mit Surfgeschichten. Peter erzählte von seinen Wettkämpfen und Liv hörte ihm gespannt zu, bis sie aus dem Augenwinkel jemanden die schon etwas verwitterte Holztreppe hinunterkommen sah. Ihr Kopf drehte sich in die Richtung und sie erkannte Bob, der eine Kühlbox trug. Sie schien schwer zu sein, denn er pustete ordentlich. Kurz dahinter erschien Lesley mit einer Einkaufstüte über der Schulter und Justus, der ein Kamerastativ mit sich herumschleppte. Peter und Liv schauten ihren Freunden dabei zu, wie sie durch den warmen Sand liefen und immer näher kamen.

„Hallöchen ihr zwei Wasserratten!", grinste Bob.

„Na Packesel!", konterte Peter frech und klatschte mit seinem Kumpel zur Begrüßung ab.

„Huhu!", trällerte Lesley, ließ die Tasche fallen und zog direkt Liv in ihre Arme. „Ich will jedes Detail hören!", flüsterte sie ihrer Freundin aufgeregt ins Ohr.

„Aber nicht in seiner Nähe.", kam leise als Antwort.

„Unter vier Augen natürlich."

Justus begrüßte seine Freunde mit einem einfachen Hallo und stellte sein Kamerastativ auf, um schöne Aufnahmen des Sonnenuntergangs zu machen. Dabei richtete er es millimetergenau aus.Die beiden Mädchen räumten die Einkaufstüte aus und Peter und Bob kümmerten sich um die Feuerstelle.

„Hey Party People!", ertönte es zehn Minuten später fröhlich hinter ihnen. Casie kam mit ihrer Gitarrentasche auf dem Rücken zu ihnen gelaufen.

„Hey Schwesterchen, wo ist dein Schwerverbrecher?", begrüßte Peter sie neckisch, als er bemerkte, dass Skinny nicht bei ihr war.

Casie grinste. „Der kommt ein bisschen später. Er und Goodween haben kurz vor Feierabend noch einen Einsatz bekommen. Aber vielleicht mag mein kleiner Bruder ja so lange Kuschelersatz sein?"

„Na dann komm her du Zwerg!" Peter breitete seine Arme einladend aus und Casie schlüpfte hinein.

Liv musste lächeln. Sie fand es schön, dass sich die beiden so nahestanden.

„Ich will wissen wie das Surfen war! Los sag schon!", murmelte sie nur für ihn hörbar.

„Ziemlich gut.", seufzte er zufrieden.

„Freut mich für dich. Mehr muss ich auch gar nicht wissen." Damit löste Casie sich von ihrem Bruder und legte ihre Gitarre ab.

Zusammen bereiteten die Freunde alles vor. Auf jeder Bank lag eine Marshmallowtüte mit Holzstäbchen, die Kühlbox und Becher standen genau dazwischen perfekt erreichbar für alle, das Lagerfeuer musste nur noch entfacht werden und Casies schwarze Akustikgitarre lag griffbereit neben ihr.

Die Sonne wanderte immer weiter nach unten. Bald würde sie optisch den Pazifik erreichen. Der Himmel schimmerte bereits in einem warmen Orange und die Wellen brachen unkoordiniert vor der Küste. Dazu hörte man entfernt die Menschen auf dem Pier und das Krächzen einiger Möwen. Trotzdem dominierte das angenehme Rauschen des Meeres. So konnte ein schöner Abend mit Freunden beginnen.

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