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Kapitel 29 - Lagerfeuerromantik

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Kapitel 29 - Lagerfeuerromantik

Die Sonne war mittlerweile vollständig vom Pazifik verschluckt worden und der Himmel hatte sich in ein Lila-blau verdunkelt. Die lodernden Flammen des Lagerfeuers erhellten die beginnende Nacht und spendeten den Freunden Wärme.

„Ach ist das schön. War doch eine tolle Idee von mir, oder?", fragte Lesley mit einem breiten Grinsen.

Bob küsste ihre Wange. „Du hast immer die besten Ideen."

„Ja, das rundet diesen ohnehin tollen Tag noch mehr ab.", lächelte Liv, die weiterhin Peters Hand hielt und an ihren gemeinsamen Nachmittag dachte.

„Wenn du jetzt noch die Idee hast endlich diese Marshmallowtüte zu öffnen, stimme ich zu.", sagte Skinny mit einem schiefen Grinsen und trank einen weiteren Schluck von seinem Bier.

„Valide Anmerkung. Für Marshmallows hat das Lagerfeuer jetzt die optimale Flammenhöhe und geringste Qualmentwicklung.", meinte Justus.

„Natürlich hatte ich das jetzt vor." Damit schnappte sie sich eine der Tüten, riss sie auf und warf Skinny schon mal die Holzspieße rüber.

Er fing sie mit einer Hand auf und drückte Casie seine Flasche in die Hand. „Halt mal, Süße!" Zwei Stäbchen nahm er aus der Verpackung und reichte sie an Justus weiter. Von Bob bekam er wiederum die heißbegehrten Marshmallows. Mit einem selbstgefälligen Grinsen, genau so eins für das er früher immer bekannt war, steckte er die fluffigen Teile auf die Spitzen der beiden Spieße. „Ich mach dir jetzt den besten Marshmallow deines Lebens!" Casie bekam einen schnellen Kuss, bevor er begann die Süßigkeiten zu rösten. Er nahm die Mission des perfekten Marshmallows für seine Freundin beinahe übertrieben Ernst. Mit voller Präzision drehte er die Spieße über der Flamme. Dabei blieben die Marshmallows perfekt auf den Spitzen sitzen, ohne herunterzurutschen. Und das war schon wirklich eine Kunst.

Casie beobachtete ihn belustigt dabei und auch Peter lachte. „So fokussiert habe ich dich noch nie gesehen."

„Normalerweise lege ich so eine Konzentration auch nur beim Schießtraining an den Tag. Aber bei deiner Schwester mache ich öfter mal Ausnahmen.", antwortete er ohne seine Augen von seiner Aufgabe zu nehmen.

„Hab ich eigentlich schon mal gesagt, dass ich diesen Mann liebe?", fragte Casie immer noch amüsiert.

„Nur ungefähr eine Million Mal.", meinte Peter sarkastisch und hielt, ebenso wie die anderen einen Marshmallow in das Feuer. Die andere Hand war immer noch mit Livs verschränkt, für seine Freunde nur ersichtlich, wenn sie wirklich hinschauen würden.

„Ach doch so wenig? Hm na gut dann nochmal: Ich liebe diesen Mann!"

Zufrieden mit ihren Worten und seinem Werk reichte er ihr eines der Stäbchen mit einem perfekt goldbraun gerösteten Marshmallow. „Hier Prinzessin!"

„Danke, mein Schatz!" Sie pustete kurz und vernaschte die Leckerei dann. „Mhh, oh ja, der ist echt perfekt, außen knusprig karamellisiert und innen schön weich und klebrig. Ich will noch einen!"

„Na dann Stäbchen her!"

Ein Marshmallow nach dem anderen verschwand aus der Tüte und wanderte genüsslich in einen der anwesenden Bäuche.

Als Casie erstmal genügend verputzt hatte, griff sie sich ihre Gitarre und holte ein Plektrum aus ihrer Hosentasche. „So wer hat Lust auf ein bisschen Musik? Ich nehme Wünsche entgegen."

„Lass Skinny anfangen. Dann gehen wir im Uhrzeigersinn.", schlug Bob vor.

„Gute Idee."

„Da muss ich gar nicht lange überlegen. Du weißt welches ich hören will. Unser Lied." Ein sanftes Lächeln lag auf seinem Gesicht. Für die anderen ein seltener Anblick.

Sie erwiderte das Lächeln glücklich. „Okay, dann kommt jetzt hier Sun to me von mgk ." Sie positionierte ihre linke Hand auf dem Griffbrett und begann. Die ersten Akkorde erklangen, dann folgte ihre Stimme.

„5:36 a.m., I was ' bout to start my day . But she lay in there across me , so I stayed anyway . Arms tied , legs numb , and wrapped around my knees . Sweetest of the sunflowers , yeah, you're the sun to me .“

Voller Gefühl sang sie die ersten Strophen, konzentrierte sich auf ihr Spiel und den Gesang. Die anderen schauten und hörten ihr zu und erfreuten sich daran.

„ I don't recall what you were wearing on the first night we met . Besides the subtle clouds around you from my last cigarette . And you come from a good place with a happy family . Only bad you ever done was to see the good in me , mm . But I've been livin ', waitin ' on the day . That the good Lord willin ', send you out my way . I've seen hard times , bad luck , and all that's in- between . Sweetest of the sunflowers , yeah, you're the sun to me .“

Skinnys Blick war voller Liebe und Bewunderung für seine Freundin. Dieses Lied passte eins zu eins auf ihre Beziehung, als hätte er es geschrieben.

„ And I remember being younger , and my mother told me truth . Find someone who grows flowers in the darkest parts of you . Take heed when things get hard and don't you ever turn around . You'll find someone , someday , somewhere that'll grow you to the clouds , oh .“

Mit der gleichen Liebe erwiderte sie seinen Blick, ihre Augen schauten tief in seine, während sie einfach weitermachte.

„ And you walked me home that evening when I could barely walk . And you spoke to me so sweetly on the days I couldn't talk . And now I'm seeing clearly , and I'm growing up so free . Sweetest of the sunflowers , yeah, you're the sun to me . And I've been livin ', waitin ' on the day . That the good Lord willin ', send you out my way . I've seen hard times , bad luck , all that's in- between . Sweetest of the sunflowers , yeah, you're the sun to me . Sweetest of the sunflowers , yeah, you're the sun to me .“

Nach dem letzten Akkord verstummte die Gitarre und die Freunde applaudierten. Skinny zog Casie direkt in einen innigen Kuss, der neben Liebe auch Stolz und Dankbarkeit ausstrahlte.

„So ein Traumpaar die beiden.", seufzte Liv berührt vor sich hin und lehnte ihre Schulter unbewusst etwas näher in Peter. Er hob instinktiv seinen Arm, parkte ihn auf der Rückenlehne der Bank und machte damit Platz für sie.

Lesley nahm ihre Bewegungen wahr und schielte zu ihren beiden Freunden, die wiederum noch auf das ältere Pärchen fokussiert waren. Ihr Plan ging offensichtlich auf und so stupste sie grinsend Bob an. „Es funktioniert! Ich wusste, dass Liv und Peter bei dieser Atmosphäre kuschelbedürftig werden!"Auch Bob schielte jetzt zu den beiden hinüber, die nicht ganz so eng zusammensaßen, wie er und seine Freundin, aber durchaus in ähnlicher Position. Er fing ebenfalls an zu grinsen und flüsterte zurück: „Hast du wirklich gut gemacht!"

„Okay, Justus. Was darf ich für dich spielen?", fragte Peters Schwester, nachdem sie sich von Skinny loseisen konnte.

Er überlegte einen Moment genau. „Also ich finde die Melodie von Hotel California sehr ansprechend."

„Hab ich bis jetzt noch nie gespielt, aber ich versuche es für dich. Muss mir nur eben die Akkorde raussuchen." Sie öffnete eine Internetseite auf ihrem Handy und legte es sich auf die Knie. „Beim Text dürft ihr mich gerne unterstützen."

Dann begann sie mit diesem Lied und zumindest beim Refrain sangen die anderen mit. "Welcome to the Hotel California . Such a lovely place (such a lovely place ) . Such a lovely face . Plenty of room at the Hotel California . Any time of year ( any time of year ) . You can find it here "

Die Stimmung war fantastisch und bei Peters Musikwunsch erhöhte sie sich noch mehr. Ihr Bruder wollte Wonderwall von Oasis hören. Das hatte Casie ihm oft vorgespielt, wenn sie alleine Zuhause waren. Und nach wie vor liebte er es. Ein Lied was auch die anderen kannten und so grölten sie alle gemeinsam den Text in die Nacht.

Am Himmel leuchteten die Sterne, während das Lagerfeuer über den Sand flackerte und ihre Gesichter in oranges Licht hüllte. Der Mond war vollständig aufgegangen und es machte den Eindruck als wäre er heute näher an der Erde. Nach dem Lied erfüllte das fröhliche Lachen der Freunde den Strandabschnitt, übertönte das Rauschen des Meeres. Die chaotischen Wellen hatten sich mittlerweile beruhigt und das Wasser schwappte deutlich ruhiger hin und her.

„Okay, ich brauche eine kurze Trinkpause.", lachte Casie und war ähnlich wie die anderen etwas außer Atem.

„Gute Idee, ich auch!", meinte Liv.

Peter war so freundlich und reichte ihr eine neue Flasche aus der Kühlbox. Dann schaute er in die Runde, alle hatten noch etwas, bis auf Skinny. „Noch ein Bier?", fragte er ihn.

„Das kommt darauf an, ob deine Schwester nachher den Camaro nach Hause fahren will."

Casies Augen fingen an zu leuchten. „Ja Brüderchen, Skinny will noch ein Bier!"

Er lachte. „Die Frau hat entschieden." Die nächste Zigarette wanderte in seinen Mund. Dann nahm er Peter die Flasche ab und öffnete sie mithilfe seines Feuerzeugs, bevor es wieder seinen ursprünglichen Zweck erfüllte.

Justus ging seiner Schwäche für Marshmallows weiter nach und Bob legte seine Arme fester um Lesley. Ihr war trotz des Feuers etwas kalt und das konnte Liv gut nachvollziehen. Auch auf ihrer Haut lag eine leichte Gänsehaut, nur hatte sie im Gegensatz zu ihrer besten Freundin keine menschliche Decke.

„Ich hätte mir eine Jacke einpacken sollen.", murmelte sie kaum hörbar vor sich hin.

Peter bekam es trotzdem mit und lehnte sich näher zu ihr. „Ich habe meine College-Jacke im Auto, wenn du die möchtest."

Ein Glänzen lag in Livs blauen Augen und das war nicht nur das flackernde Lagerfeuer, welches sich darin spiegelte. „Ja gerne. Ich finde es doch etwas frisch mittlerweile."

„Okay, dann hole ich sie dir.", sagte er sanft und stand auf. „Komme gleich wieder.", meinte er knapp zu den anderen und lief los.

Neugierig schaute Lesley erst Peter hinterher, dann zurück zu Liv, die vor sich hin lächelte. „Schatz? Legst du noch Holz nach? Ich schnappe mir Liv mal kurz, auch wenn mir kalt ist." Damit ging sie zu ihrer Freundin hinüber und signalisierte ihr mitzukommen. Liv schlenderte hinter ihr her Richtung Ufer.

„Was ist los?", fragte sie fröstelnd.

„Mir ist auch frisch, aber ich brauche Antworten. Ich sehe eure Blicke ganz genau und dein verliebtes Lächeln. Und gerade hast du dich an ihn gekuschelt. Hast du endlich eingesehen, dass das nicht bloß eine Schwärmerei ist und dass du mehr willst als nur Freundschaft? Seid ihr euch heute Nachmittag näher gekommen? Sag schon!"

Sichtlich nervös kratzte sich Liv am Kopf. „Na ja also schön. Ich bin total in ihn verliebt. Du hättest ihn heute Nachmittag sehen sollen. Er surft so unfassbar gut! Wir hatten richtig viel Spaß und ja wir sind uns schon ein bisschen näher gekommen, wir haben ein paar mal Händchen gehalten. Und gestern nach dem Konzert waren wir noch zusammen spazieren."

Lesleys Augen weiteten sich auf dieses Geständnis. „Oh mein Gott, das ist toll! Dann will er das auch. Ich bin mir sicher! Peter ist nicht jemand der einfach Händchen hält, ohne dass ihm das was bedeutet."

Diese Worte lösten Hoffnung in ihr aus. „Das wäre echt schön, aber ich weiß nicht so ganz was ich jetzt machen soll."

„Nichts besonderes. Sei einfach du selbst. Das kommt von alleine. War bei Bob und mir auch so und bei Casie und Skinny auch. Kein Grund dich zu verstellen. Und wenn du dir unsicher bist, ob du was riskieren sollst, rede mit Casie. Sie kennt Peter am allerbesten und sie weiß definitiv, ob er dich auch so sehr mag."

Liv war sich offensichtlich unsicher, denn sie hatte keine Antwort parat.

Ihre Freundin nahm ihr die Entscheidung ab. „Casie!", rief sie und Peters Schwester schaute zu ihr. Lesley winkte sie rüber und nach einem kurzen Kuss auf Skinnys Wange stand sie auf.

„Alles okay bei euch?"

„Liv braucht deine Expertise."

Casie runzelte die Stirn. „Okay, worum geht's?"

„Um deinen Bruder." Lesley haute sanft gegen Olivias Arm, die Aufforderung Casie einzuweihen.

Sie signalisierte, dass sie zuhörte.

„Also... Ich... Ich finde Peter ehrlich gesagt ziemlich toll. So toll, dass ich mich gefragt habe, ob ich unsere Freundschaft riskieren und ihm meine Gefühle gestehen sollte."

Auf Casies Gesicht bildete sich ein liebevolles Lächeln. „Es zu riskieren würde sich lohnen."

„M-meinst du wirklich?"

„Absolut! Ich weiß, wie er dich im Planet Evil angesehen hat. So hat er bis jetzt nur seine Ex-Freundin angesehen."

Olivias Gedanken kreisten. Man konnte es in ihrem Kopf förmlich rattern hören. Casie strich ihr beruhigend über den Arm, drückte bestärkend ihre Hand. „Du musst es auch gar nicht so endgültig machen, wenn dir das schwerfällt. Es gibt viele Möglichkeiten ihm klarzumachen, was du fühlst, das müssen keine Worte sein. Sei einfach locker und lass dich von deinem Herzen leiten. Es weiß genau was zu tun ist, vertraue darauf."

Diese Worte gaben Liv den letzten Rest Mut ihre Gefühle für ihn zuzulassen, nicht mehr dagegen anzukämpfen, indem sie alles hinterfragte oder ihren Wunsch nach seiner Nähe unterdrückte.Sie griff mit der einen Hand Lesleys Arm und mit der anderen Casies. Dann zog sie die beiden in eine feste Umarmung. „Danke euch!"

„Na klar. Wir sind immer für dich da.", versicherte die Älteste.

„Genau!", bestätigte Lesley.

Die Mädchen standen ein paar Minuten lang so in ihrer Umarmung da.

„Jetzt lasst uns wieder zu den Jungs gehen, sonst stellen die noch Fragen. Und dann spiele ich ein Lied für dich, meine Sister in Law.", grinste Casie.

Liv kicherte. „In Ordnung."

„Hach, ich liebe euch zwei!", schmunzelte Lesley.

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