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Kapitel 31 - Synchroner Herzschlag

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Kapitel 31 - Synchroner Herzschlag

Liv dachte sie träumt, dabei küsste Peter sie gerade wirklich. Es war ein sanfter Kuss, der dennoch begleitet war von purer Hingabe. Vor einer Sekunde schaute sie noch in seine braunen Augen und jetzt waren ihre eigenen Lider geschlossen, während sie seine weichen Lippen auf ihren spürte.Das Gespräch mit Casie und Lesley hatte ihr zwar Mut und Hoffnung gemacht, aber dass sie sich eine halbe Stunde später in dieser Situation mit ihm wiederfinden würde, hätte sie niemals für möglich gehalten.Ihr ganzer Körper war so mit dem Gefühl auf ihren Lippen beschäftigt, dass sie nicht mitbekam, wie Casies Gesang und Gitarrenspiel zum Ende gekommen war. Alles, was für sie gerade zählte, war dieser wunderschöne Moment mit Peter. Sie wollte einerseits nicht, dass dieser Kuss endete und doch wollte sie wissen, ob er für Peter genau so viel bedeutete.

Langsam löste sie sich von ihm, aber nur so weit wie nötig, um sein ganzes Gesicht betrachten zu können. Seine Augen öffneten sich, fingen aber direkt wieder ihre blauen ein. Der Blick war sanft und voller Wärme. Auf Olivias Gesicht bildete sich ein glückliches Lächeln und als Peter das sah, machte sein Herz direkt den nächsten freudigen Satz gegen seine Brust. Erleichterung flutete seinen Körper und auf seinem Mund formte sich ebenfalls ein breites Strahlen.

Er hatte alles richtig gemacht, in dem er seine Angst über Bord geworfen und seinen ganzen Mut zusammengenommen hatte. Dieser Kuss löste all seine Bedenken in Luft auf. Er war angekommen, bei dem Menschen der seit Sekunde Eins sein Herz erobert hatte. Für ihn war der heutige Tag der beste seit... ja eigentlich der beste seines gesamten Lebens.

Ein schrilles Quieken von Lesley ließ die beiden wieder realisieren, wo sie eigentlich waren. Leicht erschrocken drehten sie ihre Köpfe und blickten in fünf grinsende Gesichter. Ihre Wangen glühten ohnehin bereits durch die Situation und wurden jetzt unweigerlich noch ein bisschen röter. Sie lösten sich zwar aus ihrer innigen Haltung, aber ihre Hände fanden ein weiteres Mal an diesem Tag zusammen.

„Oh mein Gott! Endlich!" Total aus dem Häuschen hüpfte Lesley durch den Sand.

„Recht hat sie.", bestätigte Bob und prostete den beiden zu.

„Es war nur eine Frage der Zeit. Ich habe eine Wahrscheinlichkeitsrechnung aufgestellt, wann dieser Zustand eintreten würde. Du hast meine Prognose sogar übertroffen, Zweiter." Justus hatte wieder diesen typischen selbstzufriedenen Gesichtsausdruck.

„Och, Just, halt den Mund und verdirb nicht die Romantik.", lachte Lesley und kuschelte sich wieder zurück in Bobs Arme.

Casie hatte ihre Gitarre auf den Schoß gelegt und strahlte über das ganze Gesicht. „Ich wusste, dass dieser Abend ein ganz besonderer wird. Das ist total schön. Ich freue mich unglaublich für euch." Sie spürte einen Arm um ihre Schulter und blickte hoch zu ihrem Freund. Skinny zog Casie ein Stück näher an sich und blickte zu Peter hinüber. „Schisser Shaw hat Mut bewiesen.", neckte er ihn liebevoll.

„Hey! Ich bin immer mutig, Norris.", protestierte Peter lachend und setzte sich mit Liv zurück auf die Bank. Sie lehnte sich an ihn und schloss die Knöpfe seiner College-Jacke. Gemütlicher konnte es jetzt gar nicht mehr werden.

Die Stimmung am Strand war noch gelöster und vertrauter. Nach dem anstrengenden Fall mit den Autodieben tat diese Normalität allen gut. Sie redeten weiter über den heutigen Tag, Casie spielte noch ein paar leise Akkorde und dabei genossen die Paare ihre Zweisamkeit. Nur Justus hatte niemanden neben sich. Sein Blick war nachdenklich in die Flammen gerichtet, während er geistesabwesend an einem Marshmallow knabberte.

„Alles gut bei dir, Just?", fragte Bob. „Sieht so aus, als würde dein Gehirn schon wieder auf Hochtouren laufen."

Justus schreckte kurz aus seinen Gedanken auf und rückte seine imaginäre Krawatte zurecht. „Ich habe lediglich über die Effizienz unserer aktuellen Freizeitgestaltung nachgedacht, Bob. Und... nun ja. Ich gestehe, dass die plötzliche Übermacht an... Paardynamiken in unserem engeren Kreis mathematisch faszinierend, wenn auch für den rationalen Detektivalltag potenziell ablenkend ist."

„Übersetzung: Er fühlt sich wie das fünfte Rad am Wagen.", meinte Skinny unverblümt. Casie boxte ihm mahnend in die Seite.

„Keine Sorge, Justus.", sagte Liv mit einem warmen Lächeln und drückte Peters Hand. „Dein perfektes Gegenstück wartet bestimmt auch irgendwo. Jemand, der es intellektuell mit dir aufnehmen kann."

Justus schnaubte leise, schien aber insgeheim über das Kompliment nachzudenken.

Das Feuer brannte langsam nieder, das Rauschen des Pazifiks wirkte beruhigend. Die Nacht schritt weiter voran und gegen drei Uhr morgens entschieden die Freunde sich dazu den Heimweg anzutreten.Casie verstaute ihr Instrument zurück in der großen Gitarrentasche und Lesley sammelte die Becher und leeren Flaschen ein. Gemeinsam verließen sie anschließend den Strand und gingen die Treppe zurück nach oben.

Dort trennten sich ihre Wege, denn alle hatten an unterschiedlichen Orten geparkt: Skinny auf dem Touristenparkplatz am Pier, Bob am Straßenrand und Peter in der kleinen versteckten Zufahrt nahe des Surfspots.

„Das war ein verdammt schöner Abend mit einem noch schöneren Ausgang.", meinte Lesley und ihr Blick lag dabei auf ihrer besten Freundin, die von Peters Arm um ihrer Taille gehalten wurde.

Casie nickte glücklich. „Ich stimme dir voll zu." Dann trat sie auf ihren Bruder zu und umarmte ihn kurz von der Seite. Sie gab ihm einen geschwisterlichen Kuss auf die Schläfe und lehnte sich zu seinem Ohr. „Bin stolz auf dich. Du hast alles richtig gemacht. Sie ist super! Lass sie bloß nicht gehen!" Auch Liv bekam eine Umarmung von ihr. „Am Ende kommt das zusammen, was zusammen gehört. Wenn was ist, ich bin immer für euch beide da. Klar?"

„Danke, Schwesterchen."

Nach einem kurzen Zwinkern ging sie zurück zu Skinny und klaute den Autoschlüssel aus seiner Jackentasche. „Und jetzt ab nach Hause. Gute Nacht Leute."

Auch die anderen verabschiedeten sich endgültig und verschwanden in der Nacht.

Mit Olivia fest im Arm und einem wohlig warmen Gefühl in der Magengegend schlenderte Peter mit ihr zum MG.

„Dann bringe ich meine Freundin mal nach Hause.", grinste er.

Liv kicherte glücklich. „Ja, obwohl deine Freundin eigentlich gar nicht nach Hause will."

„Ich will dich auch nicht loslassen, aber ich möchte keinen Ärger mit deiner Mom."

„Na gut es ist wirklich schon spät.", musste sie zugeben.

Die beiden stiegen in den Wagen und Peter fuhr los.Der MG brummte zufrieden vor sich hin, während seine beiden Insassen sich immer wieder verliebte Blicke zuwarfen. Die Straßen waren um diese Uhrzeit komplett leer, nur ihre Autoscheinwerfer erhellten die Küstenstraße. Die Palmen und Laternen am Straßenrand zogen schnell an ihnen vorbei. Wenn Peter nicht schalten musste, ruhte seine Hand auf ihrem Bein. Sein Daumen zeichnete sanfte Kreise auf ihre Haut.

„Ich kann das hier immer noch nicht ganz glauben." Livs Hand legte sich über seine.

„Geht mir auch so. Dich zu küssen war das Mutigste und Beste was ich je getan habe. Nicht mal hinter irgendwelchen Gangstern her rennen war so nervenaufreibend.", sagte er mit einem Lachen.

„Ich bin verdammt froh, dass du es getan hast." Sie festigte den Griff um seine Hand.

Vor dem Haus von Familie Morgan kam der MG zum Stehen und Peter schaltete den Motor aus. Er drehte sich zu Liv, legte seine Hand an ihre Wange und beugte sich zu ihr. Mit einem breiten Lächeln schloss sie die Lücke zu ihm. Dieser Kuss war nicht mehr vorsichtig, sondern fest und überzeugt.

Seine Stirn ruhte für einen Moment an ihrer. „Ich helfe dir noch mit dem Surfbrett bevor ich fahre."

„Okay.", hauchte sie und küsste ihn ein weiteres Mal.

Es fiel beiden sichtlich schwer sich voneinander zu lösen. Das Gefühl war einfach zu schön. Aber sie mussten. Die Nacht war schon fast vorbei und die Morgendämmerung würde nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Peter schnallte ihr Surfbrett ab, während Liv ihre Strandtasche von der Rücksitzbank griff. Gemeinsam gingen sie durch das Gartentor und Peter parkte das Brett auf der Terrasse.

„Das war der schönste Tag meines Lebens.", schwärmte Liv und kuschelte sich ein letztes Mal zum Abschied an seine breite Brust.

„Dem kann ich nur zustimmen." Er drückte sie fest an sich und platzierte einen Kuss auf ihrem Scheitel. „Hast du nachher schon was vor?"

„Nein, ich wollte nur mit Georgie eine Runde joggen gehen."

„Oh das klingt gut. Was dagegen, wenn ich mitkomme?"

„Blöde Frage! Natürlich nicht." Ihr Kinn ruhte an seiner Brust, als sie zu ihm aufschaute.

Dieses Mal gab es einen Kuss auf die Nasenspitze. „Gut, dann würde ich sagen am späten Nachmittag? Erst sollten wir ein bisschen Schlaf nachholen."

„Ja, perfekt. Dann müssen wir uns nicht mehr durch die Mittagshitze kämpfen."

„Genau. Okay, dann breche ich mal auf." Widerwillig ließ er sie los. „Schlaf schön, träum von mir und dann sehen wir uns später.", sprach er mit einem Grinsen.

„Oh das mache ich bestimmt. Du hoffentlich auch."

„Natürlich, Süße."

"Süße", das klang für Liv wie Musik in den Ohren. Die beiden teilten einen letzten innigen Kuss, bevor Peter zurück in den MG stieg und nach Hause fuhr.

Liv blieb noch einen Moment im Garten stehen. Glücklich wie noch nie zuvor in ihrem Leben schaute sie einfach vor sich hin. Nach einem zufriedenen Seufzer betrat sie das dunkle Haus und schlich leise in ihr Zimmer. Ihr Hund schlief auf dem Teppich vor dem Kleiderschrank, doch erwachte als sie ihr Nachtlämpchen anschaltete. Er war zu faul zum Aufstehen und so begrüßte Liv ihn im Liegen.

„Hallo Mäuschen, hast du mich vermisst? Ich hatte heute einen absolut perfekten Tag mit Peter."

Georgies Schwanz klopfte rhythmisch auf den Boden vor Freude und mit gehobenem Kopf schnupperte er ausgiebig an der Jacke, die Livs schmalen Körper verschluckte. Erst da fiel ihr auf, dass sie vergessen hatte Peter die Jacke zurückzugeben. Viel zu wohl fühlte sie sich darin und hätte sie am liebsten nie wieder ausgezogen.

Mit einem Lächeln im Gesicht strich sie über die weißen Buchstaben "PS" auf der linken Vorderseite. Kurz zog sie den Kragen hoch bis unter die Nase und atmete seinen Geruch ein. Es roch nach einer frischen Meeresbrise, spritziger Zitrone und Adrenalin vom Spielfeld. In dieser Jacke fühlte Liv sich sicher, genau wie in seinen Armen. Trotz, dass er nicht mehr physisch anwesend war, hatte sie durch die Jacke das Gefühl, er wäre direkt hinter ihr.

„Ich bin jetzt einfach die Freundin von Peter Shaw. Ha, das ist so verrückt.", kicherte sie.

Viele Mädchen an der Schule fanden Peter toll, aber das er jetzt in einer Beziehung mit ihr, dem Neuzugang aus San Francisco war, machte sie tatsächlich ziemlich stolz.

Nachdem sie sich umgezogen und die Zähne geputzt hatte, kroch Olivia mit kompletter innerer Erfüllung unter ihre Bettdecke. Das Kissen gab leicht nach als ihr Kopf darauf lag. Mit seiner College-Jacke im Arm fiel sie in einen erholsamen Schlaf, der diesen wunderschönen Tag perfekt abrundete.

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