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Kapitel 4 - Déjà-vu

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Kapitel 4 - Déjà-vu

„Hat sich wohl erledigt für mich...", meinte Peter etwas geknickt, woraufhin Justus sich in die Richtung des blonden Mädchens drehte.

„Hm, muss nicht ihr Freund sein, sondern vielleicht einfach nur eine Bekanntschaft. Außerdem... schau dir mal ihren Gesichtsausdruck an. Begeisterung sieht anders aus.", analysierte Justus.

Peter runzelte seine Stirn. Justus' Worte ließen seinen Blick schärfen. „Du hast recht, sie stemmt ihre Arme gegen seine Brust, ganz nach dem Motto "Lass mich los"."

Widerwillig ließ der Mann das Mädchen los, hob entschuldigend seine Hände und schenkte ihr sein charmantestes Lächeln. Sie schien seine Entschuldigung angenommen zu haben, denn die Blondhaarige gab ihrem Gegenüber ebenfalls ein Lächeln, zwar nur ein leichtes unsicheres, aber es war ein Lächeln. Dann deutete er Richtung Bar und sie folgte ihm.

„Schmieriger Typ. Aber er scheint bei ihr nochmal die Kurve bekommen zu haben.", sagte Peter mit einem Seufzen. Trotzdem blieb sein skeptischer Blick noch einige Sekunden länger auf dem "Paar", ehe er sich damit abfand keine Chance bei ihr zu haben und sich wieder Justus zuwandte.

Nicht nur Peter und Justus schien der Typ negativ aufgefallen zu sein, auch Casies Blick lag auf ihm, während sie noch immer eng an Skinny geschmiegt auf der Tanzfläche stand. Sie musterte den Mann neben der blondhaarigen Frau argwöhnisch.Skinny bemerkte ihren Blick. „Hey Süße, bei wem sind deine Augen? Und warum funkeln sie so böse?", fragte er mit einem Schmunzeln.Casie drehte sich daraufhin in Skinnys Arm, sodass ihr Rücken gegen seine Brust gelehnt war und seine Arme fest um ihren Bauch geschlungen waren. Sein Kinn ruhte auf ihrem Kopf und sie stellte sich mit ihm so hin, dass er jetzt auch durch die Menschenmenge zur Bar gucken konnte. „Siehst du den dunkelhaarigen Typen da an der Bar mit dem roten T-Shirt, neben der Blondhaarigen, ein Stück neben Jeffrey? Kommt dir diese Art von Pose irgendwie bekannt vor? Es ist als hätte ich gerade so ein Supermarkt-Déjà-vu..."

Skinny schaute nach den Worten seiner Freundin jetzt ganz genau hin und ja, er erkannte es auch. Der Mann stand ganz dicht vor dem Mädchen. Dabei waren beide seiner Arme seitlich von ihr gegen den Bartresen gestemmt, womit es kein Entkommen für sie geben würde, wenn sie wollte. Ein viel zu geringer Abstand zwischen zwei Menschen, wenn man nicht mindestens in einer freundschaftlichen Beziehung zueinander stand. Genau so hatte Dylan Parks damals vor Casie gestanden und als Skinny an diese Situation dachte, fingen auch seine Augen an düster zu funkeln und das Blut in seinen Adern an zu kochen. „Ja, du hast absolut recht. Die Frage ist nur, ob es für sie okay ist."

„Also wohl fühlt sie sich nicht. Das sehe ich sofort. Sie ist unsicher und traut sich nicht etwas zu sagen. Mir ist das überhaupt nicht geheuer. Der Typ ist richtig schleimig. Guck dir dieses widerliche Grinsen an, der ist definitiv bereit eine Grenze zu überschreiten. Außerdem ist das das Mädchen von vorhin, in die mein Bruder sich glaube ich direkt ein bisschen verknallt hat.", erklärte Casie ihrem Freund nachdenklich. Sie war sichtlich angespannt.

„Okay, Süße. Ich habe eh Durst. Lass uns zur Bar gehen und wenn der Typ Mist versucht, kann ich eingreifen.", schlug Skinny vor.

„Danke, Baby.", sagte sie, bevor sie ihrem Freund einen Kuss gab.

„Na klar! Außerdem ist das jetzt mein Job.", lächelte er liebevoll und ging Hand in Hand mit ihr zur Bar rüber.

Sie stellten sich ganz nach links, Casie wandte ihren Rücken zu dem Paar, sodass Skinny den Mann im Blick behalten konnte. Bei Mandy bestellten sie sich was zu Trinken und machten dann einen auf Smalltalk um nicht zu auffällig zu sein. Mandy wendete sich wieder zu Jeffrey, nachdem sie ihnen ihre Drinks zu geschoben hatte.

Eine ganze Zeit passierte nichts, außer dass der Mann weiterhin super aufdringlich war. Er legte seine Hand auf ihre, doch sie zog sie vorsichtig weg. Ihre Augen wanderten unsicher im Raum umher. Und dann geschah etwas, dass Skinny direkt in Alarmbereitschaft versetzte und sich seine Zähne wütend aufeinander legten. Casie sah an der Reaktion ihres Freundes, dass ihr ungutes Bauchgefühl sich wohl tatsächlich bestätigte und der Mann deutlich zu weit ging. Das Mädchen drehte sich nur kurz zur Tanzfläche um und schaute sich die bewegende Menge an, als ihr "Partner" eine kleine Flasche aus seiner Jackentasche zog. Offensichtlich fühlte er sich unbeobachtet, denn er schüttete unbekümmert ein paar Tropfen der klaren Flüssigkeit aus dem Fläschchen in das Glas seiner Begleiterin. Dann reichte er es ihr mit den Worten „Hier Süße. Trink, bevor die Eiswürfel weg sind." und einem diabolischen Grinsen auf den Lippen.

Sie drehte sich daraufhin wieder zu ihm, lächelte schüchtern und nahm das Glas von ihm in die Hand. Doch bevor sie einen Schluck nehmen konnte, stand Skinny mit einem selbstsicheren Gesichtsausdruck hinter ihr, nahm ihr kommentarlos das Glas ab und gab es an Casie weiter, die ebenfalls an der Seite ihres Freundes hinter dem Mädchen stand. Fragend sah sie Skinny an.

„Oh, da hast du eine ganz schlechte Getränkewahl getroffen. Ich will dich nur vor einem riesigen Fehler bewahren, denn ich glaube in diesem Glas erwartet dich ein kompletter Filmriss."

Sie schaute Skinny und Casie verblüfft an, aber bevor sie passende Worte gefunden hatte, fuhr der Mann auf dem Barhocker neben ihr wie von einer Tarantel gestochen hoch und packte Skinny grob am Kragen. „Was soll der Scheiß du Vollidiot? Das ist meine Freundin nicht deine, also was fällt dir ein, ihr das Getränk aus der Hand zu reißen?!", bellte er ihm entgegen.

Skinny blieb komplett gelassen. „Meine Freundin steht genau hier und ich bin mir ziemlich sicher, dass diese junge Dame nicht deine Freundin ist oder weshalb kippst du "deiner Freundin" K.-o.-Tropfen ins Glas?", fragte er kühl mit einem überlegenen Grinsen.

Diese Äußerung trieb die Wut des Mannes noch höher und er holte zum Schlag aus. Skinny wehrte ihn ohne Mühe mit seinem rechten Arm ab und verpasste ihm stattdessen mit seinem Knie einen Hieb in den Magen. Durch den Schmerz, krümmte sich der Mann und es war für Skinny ein leichtes Spiel den einen Arm auf seinen Rücken zu drehen und ihn so unsanft im Polizeigriff gegen den Bartresen zu drücken.

„Lass mich los du scheiß Wichser!", schrie der Mann, lauter als es die Musik in dem Moment war.

Sein Brüllen verleitete einige Leute dazu ihren Blick auf die Szene an der Bar zu richten. So auch Justus und Peter, die große Augen bekamen. Aber Casie warf ihnen ein sicheres Lächeln zu, um ihnen zu signalisieren, dass alles okay war. Dann wandte sie sich an Mandy, die noch immer mit offenem Mund hinter dem Tresen stand, denn auch sie hatte das Geschehen zusammen mit Jeffrey überrascht verfolgt. Sie fragte die Barkeeperin nach einem Seil oder etwas Ähnlichem zum Fixieren. Das Glas deponierte Casie im gleichen Zug bei ihr als Nachweis für die Polizei. Mandy reichte ihr einen Kabelbinder, den sie an Skinny weiter gab.

Als Skinny den Kabelbinder um beide Handgelenke des Mannes gelegt und festgezogen hatte, zog er seinen Dienstausweis aus der hinteren Hosentasche und hielt diesen dem Mann vor die Nase. „Kannst du lesen? Der scheiß Wichser ist auch noch ein Bulle und geht jetzt mit dir an die frische Luft. Dort holen dich dann gleich seine Kollegen ab und werden dich erkennungsdienstlich behandeln. Beamtenbeleidigung und Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Da kommt ein bisschen was auf dich zu. Also Abfahrt!" Damit führte er ihn selbstsicher und mit festem Griff nach draußen.

Casie wandte sich an das verängstigte Mädchen. „Alles okay bei dir?"

„Ja, danke. Ich habe mich schon die ganze Zeit nicht wirklich wohl bei ihm gefühlt. Irgendwie war er sehr aufdringlich, aber ich habe mich einfach nicht getraut etwas zu sagen.", ihre Stimme zitterte etwas.

„Beruhig dich erstmal. Ich hatte auch schonmal so eine Situation, mir ging es ganz ähnlich wie dir. Wie ist dein Name?", fragte Casie einfühlsam.

„Olivia Morgan, aber nenn mich ruhig Liv."

„Schön dich kennenzulernen, Liv. Mein Name ist Casie. Ist noch jemand hier zu dem ich dich bringen kann?"

„Nein, meine Freundin ist schon los. Aber ich will jetzt ungern alleine sein.", gestand Liv.

„Mein Bruder und seine Freunde sitzen da drüben am Tisch. Wenn du magst, bringe ich dich zu ihnen. Ich komme gleich auch dazu, aber erstmal will ich zu meinem Freund nach draußen. In Ordnung?"

Olivia nickte mit einem dankbaren Lächeln und sie ging mit Casie zu Peter.

Dieser sprang jetzt direkt auf und eilte zu seiner Schwester und dem unbekannten Mädchen. „Casie, was war da los?", fragte er aufgeregt.

„Vermutlich K.-o.-Tropfen. Der Typ hat mich stark an Dylan erinnert, also haben wir ihn im Auge behalten. Und mein ungutes Bauchgefühl hatte wohl recht... Ich gehe zu Skinny nach draußen und warte mit ihm auf Inspektor Cotta. Wärst du so lieb und kümmerst dich um sie?"

„Äh... Ja... Klar... Hey, ich bin Peter. Setz dich doch.", stotterte er etwas überfordert, ehe er Liv zum Tisch begleitete. Er drehte sich kurz zu seiner Schwester um, die ihn liebevoll anlächelte.

Dann ging sie zurück zur Bar und nahm das kontaminierte Glas an sich, mit dem sie ebenfalls nach draußen trat, wo ihr Freund den Mann noch immer fest im Griff hatte. Der wütete weiterhin ungehalten herum, doch Skinny ließ das komplett unbeeindruckt.

Inspektor Cotta kam nach etwa zehn Minuten zusammen mit einem Officer auf den Parkplatz gefahren. „Guten Abend ihr zwei. Wen haben wir hier, Skinny?"

„Der Vogel singt nicht, aber wir haben beobachtet, wie er eine klare Flüssigkeit in dieses Glas gekippt hat.", erklärte er, während er auf das Glas in Casies Hand deutete. „Ich habe ihn nicht durchsucht, weil ich ja nicht im Dienst bin. Aber er hat ein Fläschchen aus der Jackentasche gezogen."

„So ein Blödsinn! Ich habe nichts gemacht!", zischte der Mann.

Cotta nahm das Glas entgegen und befahl dem Officer, den Mann zu durchsuchen und tatsächlich befand sich in seiner rechten Jackentasche ein Fläschchen mit der Aufschrift "Gammahydroxybuttersäure", abgekürzt "GHB".

„Abführen Officer!", befahl Cotta und sein Kollege setzte den wütenden Mann in den Streifenwagen.

Ein bestätigendes Nicken überkam den Inspektor. „Volltreffer, Skinny. Gute Arbeit. Wir nehmen ihn jetzt mit. Wie geht es dem Opfer?"

„Ist in guter Gesellschaft der drei Fragezeichen.", versicherte Casie mit einem Lächeln.

„Okay, dann habt ihr ja alles im Griff. Schönen Abend euch noch."

Damit fuhr der Polizeiwagen wieder vom Parkplatz und nach einem erleichterten Aufatmen und einer schnellen Zigarette gingen Casie und Skinny zurück ins Planet Evil.

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