Kapitel 5 - Das blonde Mädchen
Kapitel 5 - Das blonde Mädchen
Casie und Skinny bahnten sich zusammen den Weg zurück durch die Menschenmenge, welche im Rhythmus der Musik ihre Hüften schwangen. Ihre Freunde saßen nach wie vor an dem Tisch und Liv unterhielt sich angeregt mit Lesley. Die beiden schienen sich gut zu verstehen, ihren lachenden Gesichtern nach zu urteilen. Peter redete mit Bob und Justus. Jeffrey war noch immer bei Mandy.
„So da sind wir wieder. Der Typ sitzt jetzt schön bei Cotta im Streifenwagen.", erklärte Casie mit einem zufriedenen Lächeln.
Am Tisch war nicht mehr genügend Platz für die beiden, weshalb sich Casie auf Skinnys Schoß setzte und er seine Arme um ihren Bauch legte.
Liv wandte sich an die beiden. „Vielen Dank nochmal! Peter hat mir gerade erzählt, dass du Polizist bist. War ziemlich beeindruckend, wie du ihn festgenommen hast."
„Kein Problem. Ich bin noch in der Ausbildung, aber für ihn hat es gereicht.", lachte Skinny.
„Ich mag mir gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn ich das getrunken hätte und ihr es nicht gesehen hättet...", kam es nachdenklich von Liv.
Casie gab ihr ein aufrichtiges Lächeln. „Es ist alles gut gegangen, also versuch da am besten nicht drüber nachzudenken. Zu viel Denken macht es manchmal nur unnötig schlimmer..."
Liv schaute Casie unsicher an. „Darf ich fragen, wer dieser Dylan war, von dem du gesprochen hattest?"
Skinny biss die Zähne zusammen und Casie merkte wie seine Muskeln verkrampften. „Schon gut, Baby.", sprach sie sanft zu ihrem Freund. Dann wandte sie ihren Blick zu Liv. Alle am Tisch waren ruhig. „Er hätte mich fast umgebracht. Auch er wollte mehr von mir, aber ich habe mich gewehrt, was mir aber nur ein bisschen mehr Zeit verschafft hat. Nur weil diese tollen Menschen hier zusammen mit der Polizei im richtigen Moment kamen, bin ich noch am Leben.", erzählte sie nachdenklich.
Liv schluckte. „Oh mein Gott, das tut mir so leid. Entschuldige meine Frage."
„Schon okay. Ich komme mittlerweile damit klar und bin einfach dankbar noch hier zu sein mit meinen Freunden an meiner Seite.", lächelte sie in die Runde. „Und jetzt würde ich gerne mehr über dich erfahren. Wohnst du hier in Rocky Beach?"
„Ja, aber erst seit Kurzem. Ich bin mit meinem Hund Georgie und meiner Mutter hergezogen. Sie hat hier ihren eigenen Blumenladen aufgemacht, in der Ventura Road. Ursprünglich komme ich aus Rocky Beach, aber wir sind, als ich klein war, nach San Francisco gezogen. Na ja und jetzt halt wieder zurück. Ich habe Montag meinen ersten Schultag an der Rocky Beach High, für das letzte halbe Jahr um den Abschluss zu machen."
Peter lächelte sie an. „Cool, vielleicht kommst du ja zu uns in die Klasse. Wir vier sind nämlich auch im letzten Jahr." Er deutete auf sich, Justus, Bob und Lesley.
„Dann laufen wir uns bestimmt öfter mal über den Weg. Ich arbeite bei Booksmith. Das ist auch in der Ventura Road.", erklärte Lesley mit einem Strahlen.
Liv lächelte ebenfalls. „Würde mich auf jeden Fall sehr freuen. Seid ihr alle hier aufgewachsen?"
„Ja, wir sind alle waschechte Rockies. Außer Skinny.", meinte Peter.
„Na ja also ich würde Rocky Beach am ehesten als meine Heimat bezeichnen. Hier wohne ich bis jetzt am längsten und hab hier alles, was ich brauche.", entgegnete Skinny und festigte seinen Griff um Casie noch ein bisschen mehr, die sich noch enger an ihn kuschelte.
„Ihr seid echt ein schönes Paar. Genau wie ihr zwei.", meinte Liv und deutete auch auf Lesley und Bob.
Lesley bedankte sich und lehnte sich verträumt an Bobs Schulter.
Peters Blick wanderte kurz zwischen den Paaren am Tisch hin und her. Liv hatte recht, sie passten alle wunderbar zueinander und er hoffte, dass er bald vielleicht auch mit jemandem so vertraut irgendwo sitzen würde. Seine Gedanken waren dabei bei Liv, aber er wollte erstmal ganz vorsichtig sein, er kannte sie schließlich nicht wirklich und nur ein schönes Äußeres war nicht alles.
Justus warf auch einen Blick in die Runde und war derselben Meinung wie Peter, nur mit dem Unterschied, dass er sich manchmal nicht sicher war, ob er so eine Vertrautheit mit jemandem irgendwann haben würde. Er wusste, dass er öfter mal komplizierter war als der Durchschnitt, aber so war er eben und er würde sich niemals verstellen, nur um jemandem zu gefallen.Mit der Zeit war er bei Frauen vorsichtig geworden, vor allem durch den Fall "Das Erbe des Meisterdiebs" durch den er damals Brittany kennengelernt hatte. Sie war eine Schauspielerin, die Victor Hugenay, ein gewiefter französischer Kunstdieb, extra engagiert hatte, damit der erste Detektiv seine Nase nicht in seine Pläne steckte. Brittany hatte ihn so um den Finger gewickelt, dass er beinahe seinen kompletten Verstand verlor, denn er hatte sich wirklich in sie verliebt. Aber für sie war das Ganze nur ein Job und so nutzte sie Justus Gefühlslage scharmlos aus. Es hat lange gedauert, bis Justus mit diesem Fehler seinerseits umgehen konnte. Seitdem lässt er ungern Menschen näher als nötig an sich heran und Vertrauen aufzubauen fällt ihm schwer.
Seine Gedanken waren gerade ziemlich laut und Lust auf feiern hatte er schon den ganzen Abend nicht, also entschied er sich dazu, den Weg nach Hause anzutreten. „Okay Leute, es ist schon spät. Ich werde mich jetzt nach Hause begeben. Habt noch einen schönen Abend."
„Tschau, Just. Es war schön, dass du mitgekommen bist. Wir sehen uns dann morgen.", sagte Peter und auch die anderen verabschiedeten sich von ihm.
Mit seiner warmen Jacke um seine Schultern schritt er durch die frische Nacht in Richtung Sunset Road.
Auch Bob und Lesley verabschiedeten sich kurz danach. Lesley war von den vielen Tänzen schon ziemlich müde.
So blieben noch Casie, Skinny, Peter und Liv am Tisch sitzen. Jeffrey war den ganzen Abend bei Mandy an der Bar.
„Wo genau wohnst du denn in Rocky Beach?", wollte Peter von Liv wissen.
„Im Wohnviertel nahe dem Zentrum. Fünf Minuten Fußweg bis zum Kino und zum Blumenladen meiner Mutter. Und ihr?", erzählte sie.
„Offensichtlich ganz in der Nähe von dir. Von mir sind es auch nur fünf Minuten bis zum Kino, Booksmith und Co.", lächelte Peter.
„Oh wie toll, vielleicht magst du mich dann auf dem Nachhauseweg begleiten?", fragte Liv freundlich.
„Ja klar, kein Problem.", lächelte er.
Casie stupste Skinny liebevoll in die Seite, um ihm zu signalisieren, dass sie jetzt auch losgehen sollten, damit die beiden sich noch ein bisschen besser kennenlernen konnten. Skinny verstand seine Freundin sofort.
„Also wir wohnen im wunderschönen Little Rampart und dahin gehen wir jetzt auch wieder zurück.", sagte er mit einem Grinsen.
Casie stand von seinem Schoß auf, nahm seine Hand und lächelte ihren Bruder bestärkend an. „Habt noch einen schönen Abend. Und es war nett dich kennenzulernen, Liv. Vielleicht sieht man sich ja mal wieder, würde mich freuen. Und du schreibst mir, wenn du Zuhause bist, Brüderchen. Klar?", ermahnte sie Peter fürsorglich, der nur mit den Augen rollte.
„Würde mich sehr freuen. Und danke nochmal. Euch auch noch einen schönen Abend und kommt gut nach Hause.", entgegnete Liv mit einem Strahlen.
Dann traten Casie und Skinny ihren Heimweg an.
Liv wandte sich wieder an Peter. „Deine Freunde und deine Schwester sind wirklich sehr nett. Bin sehr dankbar, dass ich nach dem Vorfall bei euch bleiben durfte."Sie war froh und erleichtert, dass alles gut gegangen war und Casie und Skinny zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Auch, dass sie Liv direkt an ihren Tisch gebeten hatten und ihr damit Sicherheit gaben, fand sie nicht selbstverständlich.Zwar war sie hier geboren, aber komplett eingelebt hatte sie sich noch nicht ganz in Rocky Beach. Die Bekanntschaft mit Peter und den anderen beruhigte ihre Ängste durch diesen Umzug aber erheblich und in ihr stieg Hoffnung auf, mit ihnen vielleicht neue Freunde gefunden zu haben.
„Ja, sie sind alle absolut wunderbar. Und kein Problem. Klingt vielleicht ein bisschen komisch, aber wir sind mit solchen Vorfällen bestens vertraut.", Peter kratzte sich etwas verlegen am Kopf.
Olivia schaute ihn fragend an. „Wie meinst du das denn?"
Mit einem nervösen Lächeln zog Peter die Visitenkarte der drei Fragezeichen aus seiner Hosentasche und überreichte sie Liv. Diese schaute sich die Karte in ihrer Hand genau an. „Die drei Detektive, ???, wir übernehmen jeden Fall. Erster Detektiv Justus Jonas. Zweiter Detektiv Peter Shaw. Recherchen und Archiv Bob Andrews... Wow, also mit sowas hab ich jetzt überhaupt nicht gerechnet. Dann ruft man euch einfach an und ihr nehmt Ermittlungen auf? Wie die Polizei?"
Ein Nicken kam von Peter. „Ja, genau. Wenn du irgendwas Ungewöhnliches beobachtet hast oder selbst einen Fall für uns hast, kannst du einfach anrufen und wir überprüfen, ob es etwas zu ermitteln gibt. Dabei arbeiten wir auch eng mit der Polizei zusammen. Meine Handynummer steht auch auf der Rückseite, falls in unserer Zentrale gerade niemand ist. Also wenn dich was bedrückt, ruf einfach an.", erklärte er freundlich.
Liv lächelte ihn an. „Vielen Dank! Das ist gut zu wissen."
„Sehr gerne."
„Wollen wir dann auch los? Ich bin ziemlich erschöpft nach diesem turbulenten Abend."
„Ja klar, ich muss nur noch kurz zur Bar, mich von meinem besten Freund verabschieden."
„Okay, ich warte hier."
Peter stand auf und ging ein letztes Mal zu Jeffrey. „Hey Kumpel. Wollte mich von dir verabschieden. Die anderen sind schon alle los und ich gehe jetzt auch."
„Oh echt? Dabei ist es doch noch gar nicht so spät. Aber okay, wie du möchtest. Komm gut nach Hause. Wir sehen uns." Es war drei Uhr nachts, die Definition "spät" traf wohl jeder anders.
„Du auch!", antwortete Peter und lehnte sich mit einem Grinsen näher zu Jeffreys Ohr. „Übertreib's nicht mit ihr."
Auf dessen Gesicht formte sich auch ein Grinsen, noch breiter als das von Peter. „Mal sehen..."
Dann ging er zurück zu Liv und die beiden verließen gemeinsam das Planet Evil.
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