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Kapitel 6 - Sonne und Strand

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Kapitel 6 - Sonne und Strand

Der Nachthimmel war sternenklar und die Baumwipfel bewegten sich leise im Wind. Dennoch war es frisch.Der Weg zur Wohnsiedlung dauerte etwa fünfzehn Minuten zu Fuß. Liv und Peter redeten nicht mehr viel, aber das war für beide auch vollkommen in Ordnung.

Am Haus von Familie Morgan angekommen, drehte sich Liv zu Peter um und verabschiedete sich lächelnd mit den Worten. „Danke für heute Abend und für's nach Hause bringen."

„Sehr gerne. Hat mich gefreut dich kennenzulernen. Wir sehen uns dann wohl am Montag in der Schule."

„Ja, vermutlich. Also bis Montag."

„Bis Montag.", sagte Peter mit einem Lächeln, bevor er den Gehweg weiter voranschritt, nur noch ein paar hundert Meter von seinem Zuhause entfernt.

Auf leisen Sohlen schlich er die Treppe hinauf in sein Zimmer, um seine Eltern nicht zu wecken. Er zog sich um und ließ sich dann mit einem hörbaren Ausatmen auf sein Bett fallen. Schnell tippte er eine Nachricht an Casie ein, so wie sie es sich von ihm gewünscht hatte.

Der Abend war mit mehr Drama verlaufen, als er sich das vorgestellt hatte. Andererseits war bis jetzt immer irgendein Drama gewesen, wenn er das Planet Evil besucht hatte. Trotzdem war Peter zufrieden, schließlich hatte er tatsächlich jemanden kennengelernt.Mal schauen, wo diese Begegnung hinführen würde, aber sie verstanden sich ja schon mal gut.Mit diesen positiven Gedanken konnte er ohne Probleme in den Schlaf finden.

Als Liv die Haustür hinter sich geschlossen hatte, begrüßte sie ihr Golden Retriever mit wedelndem Schwanz in seinem Körbchen liegend. Ihre Mutter schlief schon. Zusammen mit ihrem Hund huschte sie in ihr Zimmer, zog sich ihren Pyjama an und kuschelte sich in ihr Bett. Georgie legte sich neben sie, mit seinem Kopf auf ihrem Bauch. In Gedanken versunken kraulte sie ihm über das braune flauschige Fell. „Was für ein aufregender Abend...", nuschelte sie zu sich selbst, ehe sie ihre blauen Augen schloss und durch die kuschelige Nähe ihres Hundes in den Schlaf driftete.

Da Sonntag war und Peter nichts Besonderes geplant hatte, blieb er gemütlich bis elf Uhr im Bett liegen. Dann stand er auf und streckte seine Arme ausgiebig in die Luft. Aus seinem Kleiderschrank zog er eine kurze Sporthose und ein Tanktop hervor.

„Wer feiern kann, kann auch joggen gehen.", motivierte sich der zweite Detektiv.

Nachdem er sich umgezogen und eine Kleinigkeit gegessen hatte, griff er nach seinen Kopfhörern und startete seine Lieblingsplaylist. Als er aus dem Haus trat, wehte ihm der leichte Wind um die Nase. Die Sonne schien durch die Blätter des Baumes im Vorgarten der Nachbarn hindurch. Zufrieden atmete er einmal tief durch, ehe er sich in Bewegung setzte Richtung Strand. An der Promenade joggte er immer am liebsten. Dort zirkulierte die Luft am besten und kühlte die Temperatur auf ein angenehmes herunter, sodass Joggen in der Mittagszeit kein Problem darstellte.

Liv schlief ebenfalls bis zum späten Vormittag. Da ihre Mutter wusste, dass sie gestern Abend mit einer Freundin aus ihrer Kindheit feiern war, ließ sie ihre Tochter ausschlafen. Etwas gerädert streckte Liv alle viere von sich und gähnte laut. In ihrem Zimmer erhellten die Sonnenstrahlen den braunen Parkettboden und fielen auf das Ende ihres Bettes, wodurch ihre nackten Füße, die unter der Decke hervorguckten angenehm gewärmt wurden. Sie rieb sich mit ihren Fingern die Augen und blinzelte einige Male. Es dauerte einen Moment, bis sich ihre Augen an die Lichtverhältnisse gewöhnt hatten. Georgie war nirgends zu sehen. Ihre Mutter musste ihn wohl morgens für einen Spaziergang aus dem Zimmer gelassen haben.Ein paar Minuten saß sie einfach ruhig auf der Bettkante, bevor ihre Füße sie ins Badezimmer führten und sie sich fertig machte. In einem türkisfarbenen luftigen Sommerkleid ging sie die Treppe hinunter in die Küche.

„Guten Morgen, mein Schatz.", begrüßte ihre Mutter sie.

„Hey Mom.", lächelte sie. Ihr Hund tapste freudig auf sie zu und lehnte sich für seine tägliche Portion Kraulen an ihre Beine. „Dir auch einen guten Morgen, Schmusebär."

„Du hast ja ganz schön lange geschlafen. Wann warst du denn wieder zu Hause?", fragte ihre Mutter, während sie ihrer Tochter einen Tee machte.

„Kurz nach drei, glaube ich."

„Wie war es denn?"

Liv zögerte einen Moment. Sollte sie ihrer Mutter von dem Vorfall erzählen?„Ähm... also... es war eigentlich ganz gut."

„Eigentlich?", ihre Mutter zog neugierig eine Augenbraue hoch.

„Ja... Na ja... da war so ein Typ, der war ziemlich aufdringlich. Hab mich nicht so wohlgefühlt, aber ein Mädchen und ihr Freund kamen mir zur Hilfe und dann habe ich den Rest des Abends bei ihr und ihren Freunden verbracht. Und die waren alle verdammt nett, sind auch in meinem Alter und gehen auch auf die Rocky Beach High."

Der Ausdruck in den Augen ihrer Mutter war alarmierend. „Was für ein Typ? Der hat dich doch nicht angefasst, oder?"

„Nein, er hätte es vielleicht, ist aber durch die beiden zum Glück nicht dazu gekommen."

„Die haben den danach doch hoffentlich rausgeworfen, oder?!", fragte sie ernst.

„Er wurde sogar verhaftet.", sagte Liv und kratzte sich nervös am Kopf.

„Na Gott sei Dank! Ich mag mir nicht ausmalen, was dir da alles hätte passieren können." Verzweiflung klang aus ihrer Stimme.

„Es ist ja alles gut gegangen, Mom. Mach dir keine Sorgen. Mir geht's gut.", lächelte Liv und gab ihrer Mutter eine Umarmung. „War Georgie schon draußen?", lenkte sie ab.

„Heute Morgen um acht. Aber er könnte glaube ich noch eine Runde gebrauchen, wenn ich mir ihn so anschaue.", lachte ihre Mutter mit dem Blick auf den Hund, der sein Spielzeug im Maul hatte und es wie wild durch die Gegend schleuderte.

Liv lachte ebenfalls amüsiert. „Ja, er scheint noch ordentlich Energie zu haben." Dann wandte sie sich an ihren Hund. „Hey Georgie, was hältst du von Strand?" Bei dem Wort "Strand" ließ er sein Spielzeug fallen, schaute sie erwartungsvoll an und neigte seinen Kopf nach rechts. Das war definitiv ein "Ja" auf hundisch.

„Na dann komm!", sagte Liv, griff sich die Schleppleine, zog sich ihre Schuhe an und lief durch die Mittagssonne Richtung Strand. Dort gab es extra einen Abschnitt nur für Hunde. Als ihr Hund den Sand sah, fing er an zu ziehen. Er tapste ungeduldig auf der Stelle hin und her bis Liv ihn abgeleint hatte. Dann schoss er auch schon los über den Sand Richtung Meer.

Während ihr Hund im Wasser herumsprang, um das geworfene Stöckchen zu holen, schaute Liv sich um - der Strand war voll, was kein Wunder war an einem Sonntag und dann auch noch bei den Wetterbedingungen. Viele Menschen lagen dösend auf ihren Handtüchern am Strand, andere schwammen, surften oder saßen auf den Bänken an der Promenade.

Beim Blick Richtung Promenade, genauer gesagt auf den Gehweg, erkannte sie ein bekanntes Gesicht. Es war Peter Shaw, der gerade eine Pause von seiner Joggingeinheit zu machen schien, denn er verlangsamte sein Tempo, ging einige Meter und machte anschließend Dehnübungen. Liv überlegte kurz ihm zu winken, entschied sich dann aber dagegen. Sie wollte ihn bei seiner Sporteinheit nicht stören, außerdem kannten sie sich ja auch eigentlich gar nicht. Trotzdem lag ihr Blick kurz auf ihm. Ihr fiel auf, dass er ziemlich gut trainiert war, seine definierten Oberarme kamen in dem Tanktop sehr zur Geltung. Seine von der Sonne braun gebrannte Haut glänzte vom Schweiß und auch seine Haare waren einerseits deswegen verklebt und andererseits lagen sie dadurch so auf seinem Kopf, dass der Wind sie nicht durcheinander wirbeln konnte.Peter setzte seinen Weg kurze Zeit später fort und Livs Augen folgten ihm dabei. Erst ein Stupser von Goergies kalter Hundenase an ihr Bein, ließ sie ihren Blick wieder vor sich wandern. Ihr Hund ließ den Stock fallen, tänzelte hechelnd ein paar Schritte nach hinten und wartete auf den nächsten Wurf. Mit einem Lachen hob Liv den Stock auf und warf ihn in hohem Bogen zurück ins Meer.

Zurück Zuhause sprang Peter unter die Dusche. Es tat so gut wie das Wasser seine Muskeln entspannte und der Schweiß heruntergewaschen wurde. Das klebrige, stinkige Gefühl war verschwunden und seine Haut fühlte sich frisch und geschmeidig an. Eine Nachricht von Justus erschien auf seinem Handy mit der Bitte zum Schrottplatz zu kommen. Er schmiss sich in eine kurze Basketballshorts, ein simples T-Shirt und seine weißen Sneaker. Dann griff er sich seinen Autoschlüssel und lenkte seinen roten MG zur Sunset Road auf das Gelände des Gebrauchtwarencenters T. Jonas.Die übliche Geräuschkulisse von Kreissäge, Klopfen auf Metall und Tante Mathildas unverkennbarer Stimme begrüßten ihn nach dem Aussteigen. Bobs gelber Käfer stand ebenfalls akkurat geparkt auf dem staubigen Schotterplatz.

Wahrscheinlich waren seine beiden Freunde bereits in der Zentrale und so steuerte auch er auf den Berg aus Schrotteilen zu, der den darunter liegenden Wohnwagen versteckte. Er öffnete die Tür des alten Kühlschranks, der ihr geheimer Eingang war und trat in gebückter Haltung ein.

„Hey Kollegen.", begrüßte Peter seine Freunde. Bob saß auf dem Schreibtischstuhl und Justus nachdenklich mit einer Flasche Cola in der Hand auf einem der alten Sessel.

„Hey, Kumpel. Wie war dein Abend gestern noch so?", fragte Bob neugierig und wackelte mit den Augenbrauen.

„Was willst du jetzt hören? Ich bin eine halbe Stunde später auch nach Hause gegangen. Also viel passiert ist nicht mehr, nachdem ihr gegangen seid.", erklärte Peter mit einem Schulterzucken.

„Hast du Liv's Nummer bekommen?", grinste Bob.

Peter seufzte genervt. „Nein, wieso auch? Wenn du sie anrufen willst, musst du sie wohl morgen in der Schule fragen, aber ich bezweifle, dass Lesley das so gut findet.", antwortete er schnippisch.

„Wooohw, sei doch nicht gleich so empfindlich. Ich mach doch nur Spaß." Bob hob beschwichtigend die Hände.

„Erst nervt meine Schwester mich damit und jetzt du. Aber falls es dich beruhigt Dritter, Ich habe ihr unsere Karte gegeben, für den Fall der Fälle."

Bob nickte nur mit einem leichten Schmunzeln.

„Aber lass du doch mal hören! Hast du mit Lesley noch im Bett weitergetanzt?", grinste Peter jetzt und Bobs Gesicht wurde rot.

„Zweiter! Diese Frage erscheint mir sehr unangebracht!", ermahnte Justus ihn.

„Sei nicht so prüde, Erster. Außerdem muss Bob einstecken können, wenn er schon austeilt!" Peter verschränkte die Arme vor der Brust.

Bob schluckte nervös und war immer noch rot wie eine Tomate. „Justus hat recht. Das geht dich überhaupt nichts an und diese Frage werde ich nicht beantworten!"

„Macht nichts. Dein Gesicht hat die Antwort schon gegeben.", lachte Peter.

Justus grummelte genervt. „Kann ich euch jetzt endlich von dem Zwischenfall gestern Nacht erzählen?"

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