Die Grube
Die Grube
Ihr Körper warf einen großen Schatten auf der Straße.
Sie hatte ihre Kapuze tief ins Gesicht gezogen, ihre Kopfhörer auf und eine Zigarette zwischen ihre Lippen.
Ari war den halben Tag in den Slum unterwegs um einen Job zu finden, aber als ausgestoßene war das einfacher gesagt als getan.
Sie kam an einigen Bewohnern vorbei die sie abstoßend ansahen was ihr ein Grinsen auf ihren Lippen bescherte.
#Und Rudo glaubt wirklich das in jedem Gegenstand eine Seele ist? Nicht mal die Menschen hier besitzen eine.” Dachte sie und zog an ihre Zigarette.
Der Rauch stiegt mit tanzenden Bewegungen in die Luft.
Sie bog ab weil sie zu dem Haus von Regto wollte um mit Rudo zu reden.
Anscheinend war er wieder im Müll unterwegs und wäre fast erwischt worden.
Irgendwie verstand sie ihn ja.
Die Menschen werfen so viel weg nur weil es leicht beschädigt oder nicht mehr gebraucht wurde.
Aber das er sich deswegen immer wieder in Gefahr brachte verstand sie einfach nicht.
Ari verstand vieles nicht.
Sie wohnte an einem Ort wo es einfache Blechhütten gab und dennoch achteten die Leute das nirgendwo Müll auf den Straßen liegt.
Als ob es ein Unterschied machte.
Der ganze Ort war Müll und die Menschen die hier lebten auch.
Ihr Blick schweifte zu den Häusern und dann zurück auf die leeren Straßen.
Das war ungewöhnlich, eigentlich waren um diese Zeit die meisten unterwegs.
Sie zuckte mit den Schultern , warf ihre Zigarette auf den Boden und trat sie aus.
#Vielleicht werfen sie schon wieder so eine arme Sau in die Grube.#
Die Grube…
Ein seltsamer Ort.
Die Leute hier entsorgen ihren Müll in dem tiefen Loch und Verbrecher, ohne zu wissen was sich da unten befindet.
Regto hatte ihr immer verboten dort hinzugehen, da es zu gefährlich war und dennoch war Ari schon oft da.
Sie fragte sich was dort unten, außer ein haufen Müll noch sein kann.
Sie wusste auch das die Menschen hier Ari bestimmt gerne in die Grube schmeißen würden und es sogar probiert hatten als sie 5 Jahre alt war.
Ihre Mutter war eine Drogensüchtige Prostituierte.
Eines Tages war Ari, die eigentlich Arielle hieß , zu viel und ihre Mutter stellte sie neben einer Mülltonne ab mit den Worten.
“Du kommst dahin wo du hingehörst.”
Dann verschwand sie.
Als sie gefunden wurde, wollte niemand sie aufnehmen und so beschlossen die Bewohner sie zu “entsorgen” wie sie es nannten und zerrten sie zur Grube.
Doch bevor man sie reinwerfen konnte kam Regto und rettete sie.
Er nahm sie bei sich auf und kümmerte sich um sie.
Irgendwann kam er dann mit Rudo , der zu ihren kleinen Bruder wurde.
Auch er wurde von den Menschen hier verstoßen weil sein Vater ein Mörder war.
Sie hat nie verstanden was das mit Rudo zutun hatte.
Seitdem beschützt und kümmert sie sich um ihn.
Ihr blick glitt nach oben und sah Chiwa, ein braunhaariges Mädchen das ungefähr in Rudo's Alter war.
“Wenn das nicht Rudo's kleine Freundin ist. “ grinste Ari.
Doch als das Mädchen näher kam sah sie ihre Tränen.
“Rudo ist nicht mehr mein Freund.” Sagte Chiwa trotzig.
“Warum nicht? Weil er wieder im Müll unterwegs war , oder was?”
Chiwa sah sie an, Tränen rollten ihre Wangen hinunter.
#Hier stimmt was nicht.# dachte Ari und zog ihre Kapuze von ihren Kopf.
“Chiwa, was ist los?”
Sie ging zu den Mädchen und sah ihr direkt in die Augen.
“Rudo wurde in die Grube geworfen.” Sagte sie leise und Ari erstarrte.
“Was? Warum?”
“Weil er Regto umgebracht hat.”
Eiskalt lief es Ari's Rücken runter.
“Er soll was?”
“Er hat ihn getötet und wurde dabei erwischt. “
Schrie das Mädchen.
Ari packte ihre Schultern.
“Niemals! Glaubst du wirklich das Rudo den einzigsten Menschen der ihn liebte und akzeptierte umbringen würde?”
“Er hat es getan!”
“Dann bist du genau so dumm wie die anderen Idioten hier.”
Sie stieß Chiwa weg und ging an ihr vorbei.
Ihre Gedanken rasten.
#Nein! Rudo hat ihn niemals umgebracht! Niemals.#
Sie ging richtung Grube und sah vom weiten schon die ganzen Menschen die sich das Spektakel angesehen haben.
Ari schlängelte sich an ihnen vorbei um näher zum Abgrund zu kommen.
“Hey! Pass doch auf! Es ist eh schon vorbei.” Grinste ein Kerl.
Ari ignorierte ihn, nein sie ignorierte alle.
Rudo war jetzt noch der einzigste Mensch in ihren Leben dem sie vertraute.
Ihr kleiner Bruder.
Ihre Schritte wurden schneller und dann sprang sie in die Grube hinab.
Ohne zu wissen das diese Entscheidung ihr komplettes Leben auf den Kopf stellen wird.