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Kapitel 46 / Alleine mit ihr…

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Kapitel 46 / Alleine mit ihr…

Alleine mit ihr...

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Und nun sitze ich wieder hier... Angekettet an der Wand. Mein Torso ist fixiert, sodass jede Bewegung unmöglich ist. Mein Körper fühlt sich taub an, aber das Schlimmste, ist das Gefühl der Ohnmacht, das sich in mir ausbreitet.

Ich bin verloren...

Ich weiß nichtmal, wie ich gefangen genommen wurde. Mein Plan war eigentlich perfekt durchdacht. Ein bisschen stealth, dann Sora befreien. Das war mein Plan.

Entweder hatte ich in der Planung einen fatalen Fehler gemacht, oder jemand hatte mich verraten...

Die Dunkelheit frisst alles um ihr herum. Sie kann ihre eigenen Beine nicht sehen. Die Kälte kriecht durch Yukis Kleidung in die Fesseln, in ihre Knochen. Alles riecht muffig, abgestanden und nach Feuchtigkeit. Jeder Atemzug fühlt sich an, als würde er durch ein verrostetem Rohr kommen.

Meine Gedanken drehen sich im Kreis. Minuten, Stunden, Tage, Wochen... Ich weiß es nicht. Zeit ist hier bedeutungslos, verschwommen. Jeder Moment fühlt sich an wie eine Ewigkeit voller Schmerzen, Demütigung und Ausnutzung.

Dann hört sie ein Kichern, leise und scharf zugleich. Sie hebt den Kopf, ihre Augen glitzern im schwachen Licht.

„Aber hey, jetzt habe ich eine kleine Truppe zusammengestellt... die mir nichts mehr nützt, aber hey. Immerhin etwas." Ihre Stimme zittert, und doch spürt sie, dass ein Funke Hoffnung darin liegt.

Kurz bevor sie wieder einschläft hört sie dumpf ihre Fängerin. Ihre Augen schmerzen und ihr gesamter Körper ist etwas abgemagert. Und sie hat keine Energie irgendwas zu machen.

„Öffnet die Tür!"

Die Tür quietscht, ein Geräusch, das ihr wie Donner in den Ohren hallt. Die Stöckelschuhe schlagen hart auf den Betonboden. Der Lärm ist ohrenbetäubend, aber Yuki darf nicht zeigen, dass es sie trifft.

Ich darf keine Schwäche vor ihrzeigen.

Das Licht eines Scheinwerfers trifft sie direkt und blendet. Ihre Augen, die sich an die Dunkelheit gewöhnt hatte, brennen. Alles verschwimmt. Yuki will sich wegdrehen, will fliehen, aber die Ketten verhindern jede Bewegung.

Sie tritt ein. Ihre Augen kalt, aber ihr Lächeln perfekt inszeniert: niedlich, harmlos, unschuldig.„Was ist los, Ninja? Nicht mehr so Selbstbewusst, wie vor zwei Tagen?"

Sie knipst sanft ihre Wangen. Yuki spürt das Gewicht ihrer Worte. Sie spielt mit ihr, als wäre Yuki eine Puppe.

Schon zwei Tage also... es fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Ich brauche dringend mein Team. Leyla..., Mary..., und auch du, Nyra...

Zwei Wachen stehen hinter ihr, stumm und erwartungsvoll. „Was sollen wir mit ihr machen, Meisterin?", fragt die eine maskierte.

„Wir brechen ihren Körper nicht mehr. Er ist eh nutzlos. Wir brechen, was noch übrig ist: Ihre Bedeutung und ihren Willen." Ihre Worte schlagen wie Messer in Yukis Gedanken.

Sie kommt näher, ihre Stimme wechselt ins schmeicheln: Honigsüß und gleichzeitig giftig. „Was denkst du, wie lange ein Mensch ohne Hoffnung überlebt, Yuki? Lass es uns zusammen herausfinden."

Nun will sie das die Wachen weggehen und gleichzeitig die Tür verschließen sollen.

Ich bin allein mit ihr, und doch fühle ich mich von allen Seiten umzingelt.

„Hattest du wirklich geglaubt, dass deine Freunde dich retten kommen? Wie Naiv du doch bist. Ich sehe es in deinen Augen. Du glaubst immer noch an sie."

„Ich—"

„Sssschhh! Dein schöner Mund ist nicht für solche Worte gedacht." Sie holt ein Stück Panzertape hervor. „Damit du deinen süßen Mund nicht verschmutzt, bekommst du den hier drauf."

Ihr Herz rast, als das klebrige Band über Yukis Lippen gedrückt wird. „Mmppph!"

Sie kämpft gegen den Widerstand, gegen die Fessel, die sie über ihre Stimme legt.

„Du bist so viel hübscher, wenn du schweigst. Du warst damals ein viel süßeres Mädchen als das du heute bist. Damals warst du so loyal zu mir. Ich habe dich sogar dafür geliebt. Du warst so ehrlich, so mitfühlend, so experimentierfreudig mit anderen. Das hatte mir so an dir gefallen."

Die Worte bohren sich in ihr Herz. Die Erinnerungen an vergangene Loyalität, Fehler und Schuld kommen hoch. Yuki kann nicht einmal mehr in ihre Augen schauen, geschweige denn darauf reagieren. Ihre Tränen fließen ohne auch nur zurückgehalten zu werden.

Sie streicht ihr durchs Haar, zwingt ihren Blick mit Yuki. „Schämst du dich? Wie süß du doch bist, mein Schatz. Dafür könnte ich mich Hals über Kopf mich in dich verlieben."

Ich will sie hassen, schreien und beißen. Ich will ihr ins Gesicht spucken, nur damit sie mich nicht mehr so nennt! stattdessen kann ich sie nur anstarren und zuhören... Ich bin Machtlos gegen sie...

Yuki zappelt die ganze Zeit schon mit ihren Beinen, während sie angesprochen wird. „Warum zappelst du? Ich dachte, du wärst ein bisschen stärker geworden seit dem letzten mal."

Sie legt den an der Seite liegenden Hocker auf ihre Beine und setzt sich auf ihn. Vom einen auf den anderen Moment haben ihre Beine keine Bewegungsfreiheit mehr.

„Weiß du, was das Schlimmste ist? Sie hätten dich längst holen können. Seit zwei Tagen. Zwei. Und was haben sie gemacht? Nichts. Sie jagen ihre eigenen Träume nach, ohne dich. Findest du das nicht traurig?"

Sie werden mich holen! Ich glaube immer noch daran! Ich habe zwei loyale Mitstreiterinnen, dazu noch eine loyale Dienerin. Ich werde nicht alleine bleiben!

Sie streicht erneut durch Yukis Haar, diesmal sanft, fast schon beruhigend. Yuki versucht konsequent mit ihrem Kopf ihre Hände auszuweichen.

„Warum wehrst du dich so? Ich dachte, du willst Nähe. Mit jedem Reden. Nach jemandem sehnen, der dich noch nicht vergessen hat."

Yukis Wut steigt weiter. Allerdings schließt sie ihre Augen, um ihre Kontrolle zurückzugewinnen. Doch ihre Herrin lächelt. „Ach... und falls du dich fragst, was deine Mädels machen. Sie sind längst hier. Mutig, aber zur falschen Zeit am falschen Ort. Was soll man da machen, stimmts?"

Yuki öffnet blitzschnell ihre Augen Angstschweiß läuft über ihre Stirn. Sie versucht irgendwie das Band vom Mund zu lösen. Trotz jedem Versuch bleiben die Worte nur in ihrem Hals stecken.

„Du hast richtig gehört. Sie werden bald eintreffen. Niemand kann dich nun mehr retten."

Sie fasst Yukis Schulter an. „Aber ich kann dir helfen. Mit mir an deiner Seite, können wir jedes Ziel was du dir vornimmst erreichen. Du musst es mir nur sagen, dass du es willst."

Alles was sie zu Yuki sagt geht bei einem Ohr rein und vom anderen raus. Sie wehrt sich dagegen, versucht sich gegen den Griff zu lösen, doch sie ist stärker.

„Brave Mädchen bekommen bei uns Decken und Kissen. Manchmal sogar warmes Essen. Willst du etwa keine?" Sie kennt Yukis Erschöpfung, ihre Schwäche, sie spielt damit.

Yuki wendet ihren Blick von ihr ab.

„Verrate mir, was ihr plant. Dann gebe ich Sora zurück. Du willst sie doch, nicht wahr Yuki?"

Yukis Augen öffnen sich erneut. Reflexartig. Alles was sie sagt, will Yuki ignorieren, doch die Angst und die Sorge um Sora drängen sie.

„Danke für die Bestätigung, Yuki Schatz." Sie streichelt ihren Kopf, als wäre sie ein Kind. Aber Yuki versucht ihre Hand wegzuschlagen, ohne Erfolg.

Sie versucht ihre Hand wegzuschlagen, doch versagt...

„Ich bin fürs erste Fertig mit dir. Wenn du weiterhin so ein braves Mädchen bist, dann komme ich bald wieder." Sie lächelt, die Tür fällt ins Schloss, und das Licht des Scheinwerfers erlischt durch das zugegangene Tor.

Ich wollte es grade verraten. Ein paar Sekunden mehr und es hätte gereicht, dass ich alles ihr offenbart hatte. Einfach damit sie etwas hatte. Aber ich biss mir auf die Zunge die ganze Zeit. Ich bin Yuki. Ich habe mich verändert! Ich schweige. Ich bin kalt. Aber ich auch ... allein.