Kapitel 4 / Der Umschlag
Kapitel 4 / Der Umschlag
Der Umschlag
______
Es sind jetzt schon vier Wochen vergangen. Es verbleiben noch zwei Wochen der Sommerferien. Seit dem eigenartigen aufeinander treffen mit meiner Schwester habe und hatte ich versucht ein paar Sachen zu machen, die noch neu für mich sind. Aber das macht gerade nichts zur Sache, denn…
Mika ist wieder zurück aus dem Urlaub! Mal gucken was wir in den nächsten Tagen machen werden.
Er schnappt sich seinen Basketball aus dem Keller und geht geradewegs in den Garten zum Korb.
Die Luft ist angenehm kühl. Ein sanfter Wind weht und der Sonnenuntergang ist zu wild.
Was will man mehr? Es ist einfach entspannend bei so einem Wetter Basketball im Garten zu spielen. Einfach nur den Klang vom abtupfenden Ball hören und das Geräusch, wenn er vom Korb abprallt.
Während ich den Ball dribbelte, geht mir Mikas Nachricht durch den Kopf.
[Wenn ich zurück bin, dann werden wir jeden Tag draußen sein]
[Ok?]
Jeden Tag locker nicht. Aber mindestens ein Tag mit ihm wäre schon eine gute Abwechslung zu meinem sonst so Monotonen Alltag. Mal schauen was der planen wird.
Die ganzen Sommerferien lässt mich auch der Gedanke an die Mädchenschule nicht los.
Denn vor ein paar Tagen habe ich etwas erhalten. Einen Brief.
Dort stand folgendes drauf:
[Sehr geehrter Herr Takahashi, ]
»Wir freuen uns darauf sie in unserer Schule begrüßen zu dürfen. Wie sie sicher wissen, handelt
es sich hierbei um eine reine Mädchenschule. Wir lasen sie herzlich ein, dass sie einen Tag vor dem Schulbeginn, an die Schule kommen. Dabei zeigen wir ihnen unsere komplette Schule,
dem verschiedenen Fächern, die sie belegen können und natürlich erhalten sie dort eine Überraschung.
Wir sind uns bewusst, dass es ein äußerst seltener Fall ist einen Jungen bei uns aufzunehmen und bitten um ihr Verständnis.
Schöne Ferien und mit freundlichen Grüßen,
Ihre zukünftig neue Schule«
Es ist schon komisch das ein Brief von der Mädchenschule kommt. Doch der crazy shit kommt jetzt: Der Umschlag war schwarz. SCHWARZ! Ich habe noch nie jemanden gesehen der einen schwarzen Brief bekommen hatte.
Die Postbotin schaute mich sogar verwirrt an, als ich den Brief abnehmen wollte.
„Was hast du gemacht, dass du so einen Briefumschlag bekommst?“
Er kratzte sich nervös am Kopf.
„Ehhh…, ich weiß selber nicht…?“
Da hörte der Spuck auch nicht auf. Ich musste das meinen Eltern ja auch noch erklären.
„Wer war das? Hast du was bestellt oder so?“ wollte sofort meine Mutter wissen.
Er schüttelte den Kopf.
„Nein ich habe nicht—“
Sie sah runter auf meine Hand.
In dem Moment konnte ich wohl den Brief nicht vor ihr verstecken.
Sie rief direkt Papa zu mir.
„Hast du irgendwas Kriminelles gemacht, dass du so einen Brief erhältst?“ fragte er mit ernster Stimme.
„Nein! Ich hab doch selber keine Ahnung, warum der Brief schwarz ist. Ich schwöre ich habe nix getan.“
„Gib mal den Brief und lass ihn zusammen lesen.“
Sie gingen ins Wohnzimmer und öffneten den Umschlag.
Er sah den Brief und überflog ihn.
„Sehr geehrter… Mädchenschule… laden ein… Fächer belegen und Wunsch… zukünftige Mädchenschule.“
Er rief sofort Mama zum Wohnzimmer.
„Schatz! Haru wechselt auf eine Mädchenschule und die wollen das er ein Tag vor Schulbeginn dahin schonmal geht!“
„Psshht, nicht so laut! Ruka darf das nicht hören!“ zischte ich panisch.
Aber es war zu spät…
„Was?!“
Mama kam angerannt.
„Wie hast du das denn geschafft?“ fragte sie mit Neugier.
„Ich weiß es doch selber nicht. Mein Lehrer hat das ganz zufällig vor dem Schulschluss vor dem ganzen Kurs gesagt.“ antwortete ich frustriert.
Ruka kam dann auch ins Wohnzimmer.
„Wer wechselt auf eine Mädchenschule?“
„Na, dein Bruder!“ sagte mein Vater stolz.
„Ihhh du Peversling!“
Sagt die richtige… Egal.
Meine Mutter tat nie halbe Sachen und warnte mich deswegen direkt.
„Mach nix unanständiges dort Haru. Sonst wirst du was erleben.“
„Natürlich nicht, Mama.“
— Zurück zur Gegenwart —
„Man!“
Frustriert er sich und wirft den Ball zu feste gegen den Korb. Der Ball prallt perfekt gegen Harus Gesicht.
Besser kann’s nicht laufen.
„Ahhh!“
Ich glaub das wars mit Basketball für heute,
„… Zum Glück ist dieser peinliche Moment schon hinter mir.“, sagt er erleichtert.
Ich gehe glaube mal rein. Es ist schon dunkel geworden.
Nach der Dusche, legte sich Haru in sein Bett und versuchte ein bisschen zu relaxen.
Daraufhin will er sofort zurück zu seiner Gedankenwelt.
Doch genau in dem Moment hört er wie seine Zimmertür aufgeht.
Es war Ruka. Wer auch sonst?
Sie lehnt sich am Türrahmen an mit verschränkten Armen und einem teuflischen Grinsen.
„Na? Bereitet sich der Peversling sich schon auf seine neue Schule vor?“
„Ich bin kein Peversling, du Zicke!—“, Und wirft ihr einen wütenden Blick zu. „—Und hör auf zu lauschen!“
„Ich habe garnicht gelauscht!“
Sie versucht weiterhin die Unschuldige zu spielen und setzt sich an den Rand meines Bettes.
„Aber mal ehrlich, warum haben die dich ausgewählt? Glaub du wirklich das war Zufall?“
Haru verdreht die Augen, bevor er anfängt zu sprechen: „Wie oft soll ich‘s noch sagen? Ich weiß es nicht!“
Vielleicht haben die irgendwas mit mir vor? Oder… sie haben einfach freie Plätze.
„Vielleicht wirst du dort ein Experiment. Ein Versuchskaninchen.“, Sie versinkt dabei in lachen, während sie es sagt.
Ich wurde zunehmend wieder genervter wegen ihr.
„… Was willst du eigentlich von mir?“
Sie zuckt mit den Achseln.
„Nur sicherstellen, dass du dich nicht dort blamierst. Du bist ja auch mein großer Bruder. Und außerdem—“
Sie fängt an zu kichern.
„…Es ist einfach zu witzig!“
„Noch so‘n Spruch, Schädelbruch! Haben wir uns verstanden?“
„Okay, okay. Ich bin schon weg.“
Sie rennt aus seinem Zimmer ohne die Tür zuzumachen.
Seufzend starrt er die Decke an.
„Eine Mädchenschule hm … mal gucken, ob es die Hölle sein wird.“
Doch meine Gedanken lassen mich nicht in Ruhe. Was, wenn es wirklich nicht so schlimm wird? Vielleicht könnte ich dort endlich mal verstehen, wie Mädchen ticken. Ich meine, das ist eine Gelegenheit die alle tausend Jahre mal passiert.
Mein Handy summt plötzlich und reist mich aus meinen Gedanken.
Ich richte mich auf und blickte aufs Handy.
Eine Nachricht von Mika.
[Bro ]
[Ich habs meinen quzengs erzählt ]
[Die sagen du bist ne Legende ]
Ich lese die Nachricht und starre ungläubig auf den Bildschirm.
Ja, kann schon sein. Aber ich weiß nicht…
[Kann schon sein ]
Keine fünf Sekunden später vibrierte mein Handy erneut.
Er schickt mir eine Sprachnachricht.
„Wie du weißt nicht? Du bist wirklich der falsche—“, spricht er enttäuscht. „—Aber das Ding ist, vielleicht wirst du da wie ein König behandelt, weil einziger Junge und so, checkste?—“
Haru stoppt die Audio und erinnert sich an die Worte von Herr Winter. Der hatte auch irgendwie sowas gesagt.
Daraufhin grinst er vor sich hin und lässt es weiter abspielen.
„—Dazu noch … ehh … bitte vergiss uns nicht, die Jungs, die immer an deiner Seite standen. Verkauf uns bitte nicht für Mädchen.“
Die Audio endet.
[Bro ]
[Ich werde euch niemals vergessen ]
Aufeinmal lauscht Ruka wieder.
„Verkauf uns nicht an die Mädels, oder so? Was hörst du da? Willst du irgendein Image wieder gerade biegen?“
„Was juckt dich das junge?! Kannst du mich einmal nicht belauschen?“
Er springt vom Bett ab und schubst sie aus’m Zimmer raus.
„Jo, jo! Ganz ruhig, Legende, oder besser gesagt, Jungesverkäufer!“ sagt sie kichernd bevor ich die Tür verschloss.
Anschließend legt er sich hin und schläft in ein paar Sekunden ein.