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Kapitel 50 / ich brauch ‘nen Gelben

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Kapitel 50 / ich brauch ‘nen Gelben

Ich brauch 'nen Gelben

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— Währenddessen in der gleichen Etage, aber anderes Klassenzimmer —

Die Tür zu der Klasse knarrt ein wenig, als Fesarina die Klasse betritt. Sie sitzt vorne rechts, nahe der Tür. Die Beine lässig übereinandergeschlagen, die Arme dazu verschränkt. Ein Kaugummi knistert zwischen ihren Zähnen und ihre Augen verfolgen halbherzig die Lehrerin, halb bei ihr, halb schon woanders.

Ihre Noten sind gut, nicht erstklassig, aber gut genug, um sich nicht anstrengen zu müssen. Warum auch? Warum mehr investieren, wenn die Welt einem ohnehin zu Füßen liegt?

Niemand nennt sie beim echten Namen. Nicht einmal ihre Leibgardistinnen wissen mehr als den Decknamen, den sie ihnen gegeben hat: Fesarina. Seit Nyra weg ist, sind sie eine weniger. Für die Schule, die Handlanger, die Beschützer ist sie eine Fugur, ein Titel und ein Versprechen von Kontrolle.

Sie lehnt den Kopf leicht zurück, der Chignon sitzt perfekt, die blonden Haarspitzen blitzen im Licht.

Danke Cleo für deine Mühen. Aber leider, bist du jetzt überflüssig geworden. Schade aber auch.

In ihrem Kopf spielt sie das Szenario durch: Donnerstag 17 Uhr, und was immer Yuki plant.

Es ist ja eh gerade Dienstag in der zweiten Stunde. Und bis zum angeblichen Überfall sind es ja noch drei Tage. Aber nur, wenn man den heutigen Tag dazu rechnet. ...Ich bin gespannt, mein Schatz. Ich freue mich schon darauf. Natürlich werde ich dir das Leben so schwer machen wie möglich.

Kein Zucken betrübt ihr Gesicht. Nur ein dünnes Lächeln bildet sich kurz.

Die Lehrerin beendet die Stunde. „Hausaufgaben bis morgen, bitte." Ein Routineton, der für die meisten ausreicht. Für sie bedeutet er nichts.

Solange ich es nicht selber tun muss, ist mir alles egal. Einer meiner... kann das übernehmen. Solange ich sie füttere, gehorchen sie mir auf Schritt und Tritt. Solange sie eine schöne Show planen wird, kann ich mir ja ihre Strafe gegebenenfalls vermindern. Denn mir, entgeht nichts! Und das weißt du hoffentlich am besten Yuki.

Die Pause beginnt. Fesarina erhebt sich geschmeidig und geht die Treppe hinab. Wie auch im Normalfall wird sie auf Schritt und Tritt beobachtet wie auch verfolgt. Denn sie braucht auch Zeit für sich alleine. Manchmal fühlen sich die Plaudereien in der Pause überflüssig an.

Den Pausenhof oder den Schulhof meiden? Menschenmengen, Unsicherheit, und zu viele Präsenzen sammeln sich auf einem Fleck. Nicht mein Ding. Wer in der Schule ein Privatzimmer besitzt, meidet den Flur. Warum auch nicht?

Unten, am Treppenabsatz, ruft eine Mädchenstimme hinter ihr her. Sie bleibt stehen, dreht sich mit jener lässigen Unnahbarkeit, die ihr zur zweiten Haut geworden ist.

„Was wollt ihr?"

„Lust, am Samstag mit uns auszugehen?" Die Stimme ist bemüht Sympathie auszustrahlen.

„Sorry, aber ich habe Samstag schon etwas vor. Vielleicht geht's beim nächsten Mal."

Sie sagt es ihr mit der Stimme eines Engels. Danach dreht sie sich um und verschwindet in der dunklen Ecke der ersten Etage.

Sie ist aber nicht dumm. Denn Fesarina hat gewartet bis das Mädchen weggegangen ist, damit das Geheimnis bis zum Ende ihrer Schullaufbahn erhalten bleibt. Denn sonst befürchtet sie, dass es ein kostenloser Pausenraum sein wird. Und das will sie nicht wahrhaben.

Während sie in den Kultraum geht, erscheint Cleo vor der Treppe die nach unten führt. Denn Cleo spürt eine dicke Luft, die von unten aus nach oben kommt.

Als würde die Herrin etwas planen. Aber sie weiß es nicht. Denn sie ist unberechenbar für Cleo.

Was hast du vor? Wenn sie schon jetzt gegen Yuki plant... Bis Donnerstag werde ich alles tun, um Yuki zu schützen. Danach... weiß ich nicht mehr weiter. Man sagt ja Reichtum verändert Leute und sie haben damit Recht gehabt. Nicht bei jedem, aber bei Menschen die mit einem Gehirn wie einer Erbse an die Sache rangehen. Das war mein Fehler.

„Willkommen Meisterin."

Zwei von ihnen Untergebenen hocken im Raum. Handys grell vor den Gesichtern. Hände, auf den Stuhllehnen und die Füße ausgestreckt.

„Könnt ihr mir für morgen einen Krankenschein besorgen?" Fühle mich etwas schlapp."

Fesarina spricht kurz und Präzise. Sie hat heute zwei Stunden gehabt. Genug um gelangweilt zu werden. Der Unterricht reizt sie nicht. Die Anforderungen sind zu niedrig. Sie weiß, dass sie mehr könnte. Aber es macht keinen Spaß, wenn sie jedes Mal zeigen muss, wie überlegen sie ist.

„Klar, kriegen wir hin." Einer der beiden zuckt die Schultern und scrollt weiter.

Ihr Zimmer hinter dem Thron ist wie immer ordentlich. Ein kleiner luxuriöser Rückzugsort mitten im Schulgebäude. Recht vom Eingang steht ihr Queen Size Bett. Und links ein Holztisch mit Drehstuhl, daneben eine Truhe für Schulmaterial. Vor dem Bett ein Kleiderschrank, sorgfältig ausgewählt, wenn sie länger dort übernachten will. Daneben: das „Zuchthaus", wie sie es benannt hat.

Sie tritt hinein, zieht die Schuhe aus und lässt sich aufs große Bett fallen. Die Decke ist weiß und die Stille unüberhörbar.

Donnerstag. Etwas Großes muss her, etwas mit Wucht. Etwas, das Yuki nicht nur überrascht, sondern direkt zerstört.

Ein kleiner Wettstreit mit sich selbst beginnt: Was lässt sie am meisten erschüttern? Öffentliche Demütigung? Ein persönlicher Verlust? Etwas, das ihr den Boden unter den Füßen wegzieht? Die Vorstellung entzündet ein kaltes Funkeln in ihren Augen.

Ich will, dass sie bricht. Nicht nur verliert. Ich will, dass sie erkennt, wer hier die Regeln schreibt.

Sie schließt die Augen. Bis zum Abend bleibt ihr Zeit, zu überlegen. Bis Donnerstag mehr. Bis dahin Schlaf, zehn Minuten nur, ein sogenannter Power-Nap. Dann Pläne skizzieren, Leute anweisen, die Fäden ziehen.

Draußen, auf dem Flur, flüstert Cleo noch einmal in den Schatten. „Ich werde es wieder gutmachen, Yuki. Ich weiß wie." Ihre Stimme ist klein, aber voll mit Entschlossenheit. Darauf wartet Fesarina nur: auf den Moment, in dem alle Karten offen auf dem Tisch liegen, und sie lächelnd die höchste setzt.