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Kapitel 52 / Im Rampenlicht

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Kapitel 52 / Im Rampenlicht

Im Rampenlicht

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— Zur gleichen Zeit oben —

„Was ist los?"

„Natsumi, komm mal! Guck mal, wer da ist."

Natsu zieht die Schultern hoch, als sie ans offene Fenster tritt, und blinzelt in die Sonne, die über dem Hof flimmert. Dort steht Haru, den Ball fest in den Händen, an der Mittellinie. Sein Körper flüssig, ryhtmisch, als würde er gegen jemanden spielen, der nur in seinem Kopf.

Hast du Langweile bekommen, Haru? Aber nächste Woche sind eh Weihnachtsferien, und ich hab gerade sowieso nichts zu tun. Dann kann ich dir wenigstens mal zuschauen.

Das vorherige Mädchen neben ihr stupst sie leicht. „Ehh... was?"

„Guck mal ihn an! Guck mal, wie er spielt! Ich will auch so einen Freund haben."

Natsu runzelt die Stirn und schüttelt kurz den Kopf.

Einen Freund, hm? Niemals darüber nachgedacht, wenn ich ehrlich bin. Ich bin einfach an die Schule gekommen um meinen Abschluss zu machen, was auch üblig ist. Aber seitdem er hier ist, ist alles anders geworden. Als meinen Meister mag ich ihn. Er ist würdig und hat sich gemacht. Ich will und werde hautnah erleben was wir in dieser Schule entdecken werden.

„Man sieht von hier oben, dass es ihm Spaß macht", flüstert Natsu fast zu sich selbst. „Im Rampenlicht zu stehen, das ist ihm vertraut. Sein Lächeln... es ist ansteckend."

Sie lehnt sich gegen den Fensterrahmen, die Hände locker auf dem kühlen Holz. Ein kleines Lächeln huscht über ihr Gesicht, während sie beobachtet, wie Haru den Ball dribbelt, seine Schultern geschmeidig bewegen und der Wind sein Haar ein wenig zerzaust.

„Natsu! Natsuuuu! Träum nicht!"

Sie zuckt zusammen und fasst sich an den Kopf. „War ich schon wieder in—"

„Natsu, Natsuuuu! Träum nicht."

Sie fasst sich am Kopf und fragt: „War ich schon wieder in—"

„JA! Du verpasst alles. Guck!"

Die Szene wechselt zum Basketballplatz. Runde sechs. Er richtet sich auf, drückt die Finger gegen den Ball, die Augen glühen vor Konzentration.

Ich bin ein Junge. Und ich mache gerne Jungssachen.

Ein tiefer Atmezug. Ein Schritt nach links. Schneller Crossover. Der Gegner reagiert zu spät. Mika denkt, er könnte seine Bewegung vorhersagen, doch Haru ist schon durch.

Er wirft den Ball hoch, fängt ihn wieder auf, und prüft blitzschnell die Schussbahn.

Ich habe immer das gesamte letzte Jahr die Gardinen mir angesehen und mich gefragt: Was ist dahinter?

Er ist jetzt frei. Links vom Korb. Freie Schussbahn.

Ich wollte mir Freunde suchen und die letzten drei Jahre Schule genießen. Dass ich genau diese Schule wählen konnte, fühlte sich an wie ein Geschenk von Gott. Und es gefällt mir.

Doch Schatten bewegt sich schneller als erwartet. Mika stellt sich ihm in den Weg. Ein harter Schritt, die Wand zieht sich vor ihn. Haru spürt den Druck, aber sein Herz poch vor Aufregung.

Seit dem ‚Vorfall' sind vier Monate vergangen, und ich habe mich nie so gut gefühlt. Freya, danke, dass du mich immer wieder hochgezogen hast. Ich schule dir noch was.

Er dribbelt, zieht eine Finte, versucht einen Durchbruch, aber keine Lücke. Kein Raum. Alles blockiert.

Und das ich mal die Schule mögen, gar in der Schule übernachten werde, war auch kompletter Zufall. Ich dachte mir schon das es geil wird — ich hatte natürlich auch diese Zweifel, weil es halt eine ungewohnte Umgebung war, aber ich habe mich gut daran gewöhnt. Es ist nicht mehr so schlimm wie vor ein paar Monaten. Denn ich war dauerhaft rot geworden, hab mich unter Druck gefühlt, weil ich der beste sein musste und irgendwie so ähnliche Sachen hatten mich von innen aufgefressen. Ohne Sinn.

Ein Blick. Kein Zögern. Nur die Sekunde, in der alles entschieden wird.

Ich liebe diese Schule. Und ich würde die Schule mehr lieben, wenn ich bis zu den Abschlussprüfungen alles hier gelöst habe. Ich hätte mir gewünscht, dass ich hier drei Jahre wäre und nicht zwei, aber was soll man machen. Ich werde das Potential dieser zwei Jahre Schule vollständig ausschöpfen!

Dann, ein kurzer Drop-Step. Der Ball zwischen seinen Beinen. Er senkt den Körperschwerpunkt, gleitet unter Mikas ausgestreckter Hand hindurch.

Eine Sache noch zur Schule. Sie ist gigantisch. Gigantisch schön eingerichtet. Etwas japanischer und mädchenhafter. Ich hatte mich bei der Schulatmosphäre deswegen immer sehr vertraut gefühlt.

Er senkt den Körperschwerpunkt und glitt unter der ausgestreckten Hand des Gegners durch—

Und das Zimmer? Das Zimmer ist das geilste Geschenk was ich je bekommen habe. Einfach ein Luxus Zimmer in der Schule. Hat man das schon irgendwo gesehen? ...Nichtsdestotrotz muss ich immer nach vorne Blicken. Ich habe das Fundament in fast jedem Bereich bekommen und muss es nur noch beibehalten. Ich muss weiter aufleveln, bis ich alles gelüftet habe!

Ein Drive, zu schnell und zu tief für Reaktion. Haru spürt den Puls im gesamten Körper und den kalten Wind. Sein Herz rast.

Und der schwarze Umschlag? Ich weiß immer noch nicht was es damit auf sich hat. Aber hey, ist das nicht das spannende an dem ganzen Abenteuer? Ich hatte gewisse Erwartungen an der Schule und ich habe nach ein paar Wochen gemerkt, dass ich mir vieles anders vorgestellt hatte.

Ein stilvoller Sprung. Hoch. Die Fingerspitzen streifen das Netz.  Der Ball springt leicht vom Brett. PUNKT!

Bis zum ende des Schuljahres will ich ein Mysterium aufdecken. Und im dritten Jahr werde ich Vollgas geben mit meinem Trupp!

Er landet, die Knie beugen sich. Der Wind wirbelt Blätter in den Platz. Sein Atem ist das einzig hörbare für ihn.

Ich fühle mich grad einfach so geil! Es brodelt, es kocht, alles passiert in mir! Ich kann's nicht einmal beschreiben. Jede Art von positiven Gefühlen überrennt mich. Denn, ich chille hier Adrenalin geladen, spiele gegen meinen besten Freund Basketball, denke über die vergangenen Wochen und Monate nach und bin gleichzeitig einfach stolz auf mich.

Die Mädchen am Fenster fangen an zu applaudieren. Ein Raunen geht durch die Menge. Haru realisiert, dass er tatsächlich vor Menschen spielt. Dass bis zum Ende jede Bewegung, jeder Sprung, jeder Wurf von Augen beobachtet wird.

Das die Mädchen mir sogar zugeschaut haben, macht mich sogar noch glücklicher als der eigentliche Korb. Das ich mal auf so eine coole Schule wechseln werde ist glaube ich ein Geschenk von oben. Und ich bedanke mich dafür.

Er guckt auf die Uhr und geht zurück zur dritten Stunde, die schon gestartet hatte. Mit seinem Ball und den nun leeren Fenster geht er rein. Der Ball auf dem Boden tupfend in der linken Hand und seiner Flasche Wasser in der anderen.

Ich hab jetzt Sport. Mal sehen wie ich da abschneiden werde.— Boah neeeee, wir müssen ja tanzen, ach du scheiße...

Er lacht leise, schüttelt den Kopf und geht weiter den Flur entlang. Die Blicke wieder auf ihn gerichtet beim vorbeigehen.

[„Wo bist du??"]

„Ich komme ja schon. Chill noch'n bisschen"

Irgendwie fühlt sich heute alles so leicht an. ...Wenn jeder Tag so wäre, wär das Leben nicht so kompliziert wie man immer sagt.