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Kapitel 53 / Kälte im Blut

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Kapitel 53 / Kälte im Blut

Kälte im Blut

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— In der Gegenwart —

Der gewöhnliche Kerker Geruch ist nicht mehr zu riechen für Yuki. Ihre Nase hat sich daran gewöhnt. An die Fesseln, an die dunkle Umgebung, und an das kalte Klima.

Nur das Geräusch der Ketten hallt ab und zu wie eine Warnung daran, dass sie noch am leben ist.

Ein Tropfen Wasser fällt von der Decke und trifft ihren Handrücken. Sie zuckt leicht zusammen, Selbst so etwas Kleines fühlt sich hier an wie ein Schlag.

Vor einer Woche wollte sie, dass Yuki ihre Eltern anruft. Damit sie denken, ihre Tochter sei einfach nur bei einer Freundin. Irgendwo draußen in Sicherheit.

Aber es sind schon zehn Tage vergangen. Seit dem Überfall. Seit diesem Abend, die alles gebrochen hat.

Wo bleiben die...?

Ich dachte, sie würden mich sofort holen. Ich dachte, ich wäre jemand, den man retten will. ...Bin ich etwa doch nur eine irrelevante Person in einem irrelevanten Leben...?

Ihre Kleidung ist zerissen, überdeckt von Staub, Dreck, und den Blutresten vom Überfall. Man hat sie gewaschen, aber nur so, dass keine Käfer sie besudeln. Nicht, dass sie sich menschlich fühlt.

Ihre Lippen sind gerissen. Sie schmeckt die kalte Luft. Ihre Stimme rau, wenn sie flüstert: „Hatte sie vielleicht doch recht...? Kommen die wirklich nicht hier hin um mich zu retten?"

Ein Zittern läuft über ihre Schultern. Sie zieht die Knie an, soweit die Fesseln es zulassen.

Es ist... so kalt. Ich friere. Ich bin allein. Ich bin ein niemand mehr.

Ein Tropfen fällt auf ihren Hals.

Sie blinzelt, und lacht leise. Bitter.

Wäre ich nur stark gewesen. Hätte ich mich gewehrt. Hätte ich sie einfach angeschrien. Dann wäre ich bestimmt an einen anderen, besseren Weg gegangen...

Doch stattdessen... hat sie geschwiegen und alles akzeptieren müssen.

Dann— Schritte. Leise zuerst, dann jede Sekunde immer deutlicher. Zwei. Nein, drei. Und eine Stimme, die sie nie vergessen kann.

„Hi. Wie gehts dir?"

Sie spürt, wie sich ihr ganzer Körper verkrampft. Jeder Muskel zieht sich zusammen, als wolle es schreien.

Wie kannst du mit so einem gelächel mir noch unter die Augen treten, du Monster!

„..."

„Was ist los... bist du müde?" Die Stimme klingt warm, fast fürsorglich. „Ich wollte dir doch nur sagen, dass du ein gutes Mädchen doch geworden bist."

Von wegen gutes Mädchen. Als hätte ich die Möglichkeit gehabt. Du hast mich regelrecht gezwungen Dinge zu machen, die ich nicht wolle.

„Wenn du nichts zu sagen hast... dann gehe ich."

Yuki schweigt. Und blickt auf den Boden. Ihre Arme in der Höhe und ihr Nacken schmerzt.

Geh doch. Geh, bevor ich dich zerreiße!!

Aber sie bleibt sie im Raum. Natürlich bleibt sie dort.

Bevor sie es sagen wollte, scheint es so als wäre die Zeit angehalten worden. Von ihr aus fängt der Raum sich an in ein himmliches Blau zu färben. Es sieht so aus als wäre dort jemand...

Ich kenne doch diese Farbgebung... das ist doch...—

Man hört laute und langsame Schritte die von außerhalb der Tür kommen.

Dann erscheint sie

Yukis altes ich tretet wieder zum Vorschein. Wie es vor ein paar Tagen schon einmal passiert war.

„Du bist doch...!"

„Ja! Ich bin es."

Ihre Stimme klingt klarer als Yukis eigene. Wie ein Echo, das stärker ist als das Original.

Sie lächelt. Nicht sanft, sondern entschlossen.

„Ich hatte dir versprochen, dass wir uns wiedersehen. Aber nicht so."

„Ich wollte dich treffen, wenn du frei bist. Nicht hier unten."

Es kommt näher. Der Raum fängt an leicht zu flimmern. Ein kalter, frischer Wind weht.

Yuki wird ein blauer Umhang umgelegt. Dünn, aber sauber.

„Das ist nicht viel... aber fürs Erste reicht es."

Yuki spürt den Stoff. Der Kragen schützt ihren Hals.

Aber das Gefühl von Wärme... es ist das erste Mal seitdem, dass sie nicht friert.

„Das ist nicht viel... aber das sollte fürs erste dir genügen."

„...Warum gibst du das mir?—"

„Weil ich dich oben sehen will! Ich bin zu dir zurück gekommen, ... weil ich dieses Leid nicht mehr ertragen konnte. Ich will dich sehen, wie du diesem Weib hier den Garr ausmachen wirst!"

Ihr Herz schlägt schneller und es ihre Augen weiten sich... als hätte sie einen Schicksalsblitz gesehen.

Ihre Motoren laufen wieder warm und sie versucht aus ihrer Unterwürfigen Rolle auszubrechen.

„Du kannst dich auf mich verlassen!", ruft Yuki.

Auch das letzte mal hast du mich mit deinen Reden stärker gemacht. Ich danke dir! Ich weiß zwar nicht wer genau du bist... aber das du sowie ich aussiehst und wie mich anhörst gibt mir genug Vertrauen meinerseits.

Sie zieht an den Ketten. Sie klirren laut. Die Haut reißt ein bisschen auf, Blut läuft über ihre Handgelenke. Aber sie zieht weiter. Ihre Zähne gefletscht, Tränen in den Augen.

Ich will hier raus. Ich will leben. Ich will kämpfen. Ich will sie sehen und ihr zeigen, dass ich noch da bin.

Aber die Fesseln geben nicht nach. Noch nicht.

Diese Dinger... sind aus einem Metall, das kein normales Schloss besitzt. Ein Meisterwerk. Als würde ein höheres Wesen diese Fesseln gemacht haben.

Sie sinkt zurück in den Boden und atmet schwer.

Ihr Spiegelbild— Ihr altes Ich schaut sie fest an.

„Ich zähl auf dich."

Yuki nickt, fast automatisch. „Und ich... auf dich."

Dann verblasst sie, löst sich auf wie Nebel. Nur der Umhang um ihr bleibt zurück.

„Warte!" Yukis Stimme bricht. „Wie soll ich hier rauskommen?"

Ein Lächeln von ihr. Die Zeit läuft wie gewohnt weiter.

„Hab ich doch gern gemacht für dich."

Die Tür schließt sich.

Sie blickt an sich herab. Blut. Kälte. Und der Geruch von Eisen.

Aber auch... ein kleiner Funke.

Ich weiß nicht wann, aber eines Tages... werde ich hier rauskommen. Und dann wird sie sehen, was sie geschaffen hat.

Sie lehnt den Kopf zurück. Ein letztes Zittern geht durch ihren Körper.

Dann lächelt sie schwach.

Danke... ich weiß, dass du irgendwo da bist. Und wenn du wiederkommst, dann kämpfe ich mir dir.