LNCrawler

Kapitel 54 / Die Schwelle

Hinter Den Gardinen — www.fanfiktion.de · All chapters

Kapitel 54 / Die Schwelle

Die Schwelle

______

Yuki ist immer noch in den Fesseln.

Die Tür öffnet sich. Zwei schwarze gestalten stellen sich vor ihr.

Was wollen die von mir...?

Fast zwei Wochen waren schon fast vergangen. Eine Woche aus Erniedrigung, Stille und Schmerz. Eine Woche ohne Stimme, ohne Hoffnung, ohne Kontakt zur Außenwelt.

Die beiden treten näher. Der Sschatten der größeren erinnert Yuki an Nyra, vielleicht etwas kleiner und dünner aber fast gleich. Die andere ist jene, die sie stets gefüttert hatte. Nur das leuchten der Iris sind im Dunkeln sichtbar: die eine in einem kalten Lila, die andere in glühendem Orange.

Ohne Vorwarnung greifen sie zu. Yukis Handgelenke werden gegeneinandergeschlagen. Der Schmerz fährt wie ein Blitz durch ihren Körper. Danach binden sie sie erneut, fester als zuvor.

Wofür... das alles...?

Dann lösen sie die übrigen Fesseln, heben sie hoch und tragen sie über der Schulter aus dem Raum raus.

Zum ersten Mal spürt Yuki wieder frische Luft. Ihre Haut prickelt, als der Gestank der Zelle von ihr abfällt. Sie atmet tief ein und hustet. Die Luft fühlt sich an wie ein vergessener Traum, zu schön, um echt zu sein.

Während sie getragen wird, flackern Erinnerungen auf, der Überfall, der Kampf in diesem Blindspot, die Gesichter ihrer Kameraden. Alles verschwimmt. Zwei Wochen... und sie erkennt sich selbst nicht mehr. Ihr Körper ist nur noch eine Karte aus blauen Flecken.

Als Yuki aus dem Raum herausgetragen wird, sieht man wie angeschlagen sie ist. Man sieht wie ihr Gesicht ein paar blaue Flecken hat, ihre Arme Flecken von dem ganzen versuchten Befreiungen und ihre Sohlen wie sie Blasen haben. Dazu noch sind ihre selben schmutzigen Klamotten von ihr noch an ihr.

Sie wird vor ihrem Thron gebracht. Nicht als nette Geste, sondern was mit Yuki gemacht werden soll.

Yuki kann nichts mehr denken. Diese Luft, die Behandlung und alles drum und dran, haben sich in ihrem Kopf eingebrannt. Sie ist nicht mehr die selbe. Eine Person, wo ihre Mimik fast komplett verschwunden ist.

Sie sitzt dort.

Ihre Augen: blutrot. Ihre Stumme ruhig, fast gelangweilt. Dazu noch liegt ein aufgeschlagenes Buch auf ihrem Schoß.

Yuki wird auf den Boden gelegt, als wäre sie nur noch eine wandelnde Leiche.

„Yuki", beginnt sie, ohne den Blick zu heben. „Ich habe dich fast zwei Wochen hier festgehalten. Und weißt du, was ich dabei gelernt habe?"

Yukis Haar wird gegriffen, zieht ihren Kopf hoch, bis sich beide Augen treffen.

„Du bist langweilig geworden."

Ein kaltes Lächeln.

„ich hatte nicht eine Sekunde Spaß mit dir."

Spaß...? Du hast mich gebrochen. Geschlagen. Gequält. Und das... nennst du Spaß?!

„Bringt sie weg", sagt die Frau schließlich. „Ich will sie nie wieder sehen."

Daraufhin wird sie hinausgetragen. Aus dem Raum. Und direkt auf den Boden geworfen. Als wäre sie nur ein Stück Müll, was keinen Wert mehr besitzt.

Ihr Körper schmerzt überall. Ihre Kleidung schmutzig. Dazu noch besteht ihr Schädel nur noch als Brei. Nichts richtiges funktioniert mehr.

Ich... muss.. nach oben...

Sie beginnt zu kriechen. Langsam. Zentimeter für Zentimerter. Jeder Temzug auf der Treppe tut weh.

Während sie die Treppen hinaufkriecht erinnert sie sich an den Vorfall von Gestern.

Ein Tag wie jeder andere. Das fade Essen, die leeren Worte, die Versuche, sie zu brechen.

Doch Nach all dem wollte sie noch etwas dazu wissen. Etwas wichtiges. Denn jemand ist seit Tagen nicht mehr aufgetaucht.

„Weißt du etwas darüber, Yuki? Denn ich mache mir große Sorgen um sie."

Ihr Ton klingt ehrlich, doch Yuki sieht das flasche Glitzern in ihren Augen.

Mit trockener Stimme und einem halboffenen Auge antwortet Yuki: „Sie ist... mein Eigentum jetzt."

Dann spuckt Yuki ihr mitten ins Gesicht. Ohne Angst. Ohne auch nur zu zögern.

Sie wird perfekt auf die Wange getroffen.

Einen Moment braucht sie es zu realisieren. Direkt danach bebt ihre Stimme vor Zorn.

„Ein Köter wagt es, mich zu beschmutzen... und meine Leute an sich zu reißen?."

Sie schnippt mit den Fingern.

„Wache!"

Die beiden Wächterinnen erscheinen, dieselben, die Yuki jetzt hinausgetragen hatten.

„Macht, was ihr wollt mit ihr. Ich habe keinen Nutzen mehr für sie."

Daraufhin fällt dei Tür zu. Nur Dunkelheit. Nur Atem. Nur das Knacken der Finger.

Yuki im selben Atemzug hat die selbe Mimik noch. Sie bereut keinesfalls ihre Entscheidung. Doch sie weiß das sie gleich den einen oder anderen Schlag kassieren wird.

—In die Gegenwart —

Die Luft hier draußen erfüllt ihre Lungen.

Ferien... alle entspannen sich. Nur... ich bin hier.

Ihre Augen füllen sich langsam.

Ich möchte wieder wie damals leben. Ich möchte nicht mehr auf dieser Schule bleiben. Ich will weg von ihr. Ich will zurück zu meinem alten ich.

Doch sie hat vergessen wie sie damals ohne ihr gelebt hat. Ihre Erinnerungen sind verschwommen an die Zeit von vorher.

Ich musste... selbst meine Mama anlügen, dass... es mi-mi-mir g-gut...

Ihre vollen Augen fangen an sich zu leeren.

Ihre Stimme bricht.

I-i-ich wollte... d-d-doch nur b-b-bei ihm bleiben. Doch ich h-h-habe nicht geschafft meine M-mission z-z-z-zu Ende zu bringe.

Hätte ich die... Mission niemals erst... e-entworfen.

Sie ist in der ersten Etage angekommen. Mit mühevoll, schweren Anläufen hat sie es geschafft. Sie atmet erst einmal ein. Denn ihr Herz rast und ihr Brustkorb schmerzt vor den ganzen Treppenstufen.

„I-ich m-muss... stärker... WERDEN!" keucht sie

Nun versucht sie sich aufzustellen. Doch ihre Beine sind Taub, ihre Arme schmerzen bei jeder Bewegung und sie kann nicht klardenken.

Sie fällt zurück auf den Boden, keuchend, etwas blutverschmiert, halb bewusstlos.

Das erneute aufstellen geht nicht. Sie schafft es nicht hochzukommen. Ihr Körper gehorcht ihr nicht.

In Folge dessen dreht sie sich um und legt sich mit aufgeschlagenen Armen auf den Boden hin. Sie hechelt nach Luft, als wäre es das einzige was sie noch am Leben hält.

Warum versteht mich niemand...? Bin ich etwa so falsch... in dieser Welt? Seit dem Jahresbeginn, ist alles... so anders.

Sie kann die tropfenden Tränen nicht unterdrücken. Ihre Gedanken kreisen nur noch um alte Zeiten. Sei es in der Mittelschule, oder allgemein die Zeit außerhalb der Schule.

„... Ich hoffe wenigstens... hat er seinen Spaß.", flüstert sie, ehe sie ihren Kopf zur Seite legt.

Dann schläft sie ein.

Langsam. Friedlich.

Als wüsste sie, dass jemand kommen wird.

Auf dem kalten Schulboden.