Kapitel 58 / Das Halbjahreszeugnis
Kapitel 58 / Das Halbjahreszeugnis
Das Halbjahreszeugnis
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Am selben Tag suchen sie die gesamte Bibliothek in ihrer Freizeit ab. Regal für Regal.
Als hätten sie nichts Besseres zu tun.
Draußen tobt der kalte Wind, das Wetter ist sowieso nichts für Basketball. Also war er gezwungen mit ihr dort rumzusuchen.
„Ich mache das auch nicht gerne Haru by the way. Ich würd auch gerne chillen."
Hört er dumpf an der anderen Seite der Bibliothek. Zu deren Glück war nun niemand dort, sodass sie leise reden durften.
Aber Hauptsache ist es hier auch mal warm, im Gegensatz zu vorhin. Das ist mal 'ne schöne Abwechslung.
Haru fährt mit den Fingern über den Rücken eines alten Buches und versucht, die Stimmung etwas aufzulockern.
„Ein bisschen fühlt sich das hier an wie Hogwarts, findest du nicht?"
Freya lächelt flüchtig. „Jetzt, wo du's sagst... unsere Schule ist ja eh schon so ein Mythos wie Hogwarts."
Nach einer halben Stunde müssen sie sich eingestehen, dass sie nichts gefunden haben. Gar nichts.
Sie haben sogar die Beschreibungen an den Regalen genutzt, um den Suchradius einzugrenzen. aber trotzdem: kein Hinweis, kein Dokument, kein einziges Zeichen, das sie weiterbringen könnte.
Mit müden Schritten steigen sie die Treppen hinauf zum letzten Unterricht von heute.
„Hat wohl nix gebracht, was?", murmelt er.
„Du hast echt meine Zeit verschwendet mit dieser Sucherei", sagt Freya, halb genervt, halb amüsiert.
Er atmet erleichtert auf. Wenigstens sieht sie es ähnlich.
Aber während er an den Automaten neben der Treppe geht, schweifen seine Gedanken ab.
Was ist eigentlich mit den Erst-, Dritt- und Viertklässlern? Das ich in der Oberschule vier Jahre und nicht drei wie normalerweise gehen muss ist geil eigentlich. Ein Jahr länger Schule und ein Jahr länger Mysterien nachjagen. Wie gesagt, die anderen Jahrgänge die sind irgendwie passiv eingestellt. Ich sehe sie zwar, aber irgendwie kann man mit den keine Freundschaften schließen.
Trotzdem... die anderen Jahränge wirken seltsam passiv. Er sieht sie zwar auf den Fluren, aber Freundschaften schließen?
Unmöglich.
Immer wenn er versucht, sich ihnen zu nähern, zischen sie ab, als wäre er etwas Fremdes.
Dabei ist er doch nur ein Junge. Einer von vielen.
Oder leben die Mädchen hier in einer anderen Welt?
Sein Jahrgang war auch am Anfang so ähnlich, aber nach ein paar Monaten hat es sich verringert bis es irgendwann garnicht mehr so war.
— Währenddessen in dem Kultraum —
Sie sitzt auf ihrem Platz. Immer, wenn die Pause anbricht, zieht sie sich hierher zurück.
Natürlich achtet sie darauf, dass niemand sieht, wie sie durch diese Tür verschwindet.
Die meisten denken, sie gehe in die Bibliothek oder bleibe allein im Klassenraum.
„Ich habe zwar keine Schulprobleme", murmelt sie, „aber dass sie mitten im Schuljahr ein neues System einführen... ist schon heftig."
Als hätte sie nicht schon genug zu bewältigen.
Mir ist langweilig. Obwohl ich ganze Hände voll zu tun habe.
„Dieser Junge ist so langweilig", flüstert sie in den leeren Raum hinein.
„Ich habe keinen Spaß daran, ein Haustier zu zähmen. Ich will eine Raubkatze. Etwas... Echtes."
Vom letzten will ich erst garnicht anfangen. Der war eh für die Tonne.
Obwohl ich mit der Direktorin am jenen Abend über ihn geredet hatte:
Sie lehnt sich zurück und denkt an das Gespräch mit der Direktorin. An dem Abend vor den Weihnachtsferien.
Der Wind weht stark. Die Direktorin steht auf dem Dach. Und sie, in einem schwarzen Umhang, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen.
Ihre Stimme klingt ruhig, aber schneidend. „Über was wolltest du mit mir sprechen? Ich habe längst Feierabend."
„Es geht um den Jungen, Haruki... oder wie auch immer der heißt."
Die Direktorin verschränkt die Arme. Ihre Haare flattern im Wind.
„Was ist mit ihm?"
„Ich will Informationen über ihn. Ich brauche sie."
„Ich dachte, er sei dir nicht würdig genug." Ihre Augen verengen sich. „Woher der Sinneswandel?
Normalerweise würde sie niemals nach Informationen über jemanden intensiv nachfragen. Ganz zu schweigen von einem Jungen.
„Gib mir sie einfach!"
Die Direktorin atmet aus, nachdem sie einen intensiven Blickkontakt geführt haben. „In Ordnung. Du bekommst es. Aber du musst dich gedulden. Ich habe Termine, Besprechungen... und die Abschlusstufe steht an. Ich gebe dir ungefähr einen Monat, bis du's bekommst."
Ein Lächeln zieht über ihre Lippen. „Drei Wochen reichen. Aber... ich hasse Warten."
Zwei Wochen später, als die Schule wieder anfing, liegt er nachts im Bett.
Das Zimmer ist still. Er ist allein, wie immer.
Er lässt keine der Mädchen hier übernachten, auch wenn sie ihn täglich darum bitten.
Er bleibt standhaft.
„Ich habe nichts herausfinden können", murmelt er in die Dunkelheit. „Nicht einmal in der Bibliothek."
Er dreht sich auf den Rücken und blickt an die Decke. „Es ist, als wolle das Geheimnis gefunden werden, und sich gleichzeitig vor mir verstecken. Das fuckt mich übels ab."
Das frustiert ihn.
Und wir bekommen ja heute ebenfalls unsere Zeugnisse. Und übernächste Woche ist ebenfalls die Prüfung. Ajajaj. Hoffentlich werde ich nicht so ein schlechtes Zeugnis bekommen. Ich hoffe es. Ich bete dafür.
Vor ein paar Tagen hatte uns noch unsere Lehrerin eine weitere Information gegeben bezüglich das unsere Schule sich ändert. Denn sie hatte gesagt, dass wir am Ende wohl Leistungskurse wählen müssen. Wo ich mir denke: Like, warum ändert ihr soviel an der Schule aufeinmal? Es fühlt sich an als würde die Schule Stimmungsschwankungen haben.
Und bezüglich zu der Prüfung wird man ja fast garnicht lernen können. Es muss wohl oder übel mit Freestyle bestanden werden. Aber die nächste Prüfung wird eine stinknormale Klausur sein wurde uns ebenfalls am selben Tag mitgeteilt.
Ich checke diese Schule immer weniger. Aber was ich checke ist, dass ich eine wichtige persönliche Nachricht an jemanden übergeben habe.
Wo ich aber darüber nachdenke fehlen die Mädels mir auch ein bisschen. Manchmal fühlt man sich doch alleine hier. Mal gucken. Vielleicht drücke ich ja ein Auge zu beim nächsten mal.
Am nächsten Tag sitzt er an seinem Platz und beobachtet wie seine Lehrerin den Raum verlässt.
„Freistunde", murmelt er. „Aber nichts zu tun. Gleich zwar Zeugnisse, aber ja."
Die Schüler aller Jahrgänge versammeln sich in ihren Klassen. Außer die Viertklässler, die ihr Halbjahr schon abgeschlossen haben.
Bei ihnen stehen schon die Abiturprüfungen bald an.
Nach und nach werden die Namen verlsen.
Lachen, Jubel, gelegentliches Kreischen entsteht quer durch die gesamte Etage.
Es gibt keine schlechte Zeugnisse. Keine Enttäuschungen— zumindest keine lauten Enttäschungen.
Nach der Freistunde versammeln sich alle Schüler aller Jahrgänge in deren Klassen, außer die viert Klässler. Denn sie haben ihre Zeugnisse schon vor den Ferien bekommen und machen dementsprechend mit dem regulären Unterricht weiter. Weil sie schon im Mai ihre Abiturprüfungen stattfinden werden.
Normalerweise ist es bei einer Zeugnisausgabe so, dass es mal schlechte und gute Zeugnisse es gibt. Doch hier ist es anders. Es gibt keine schlechten. Ich bin ja relativ am Anfang, aber die Mädels vor und hinter mir hatten eigentlich ein gutes Zeugnis. Sie schreien, kreischen rum wie es auch bei meiner alten Schule der Fall war.
Selbst Freya hat ein gutes Zeugnis. Kein Wunder. Sie liebt diese Schule. Und sie ist Teil seiner kleinen Gruppe.
Haru hält sein Zeugnis in der Hand.
Die Noten sind schon seit dem letzten Schuljahr keine Worte mehr. Sowas wie ‚Befriedigend' oder ‚Ausreichend' gibt es nicht mehr.
Nur noch Zahlen. Punktbewertungen.
Kalt. Mechanisch.
Er seufzt beim Anblick. „Die schönen Zeiten sind wohl vorbei."
[— Halbjahres Zeugnis 2023 —]
Name: Haruki Evanor
Geburtsdatum: 22.12.2006
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Sprachliche Fächer
Deutsch = 5
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Türkisch = 8
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Biologie = 6
Chemie = 4
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Geschichte = 7
Sozialwissenschaften = 8
Politik = 6
Weitere Fächer
Sport = 13
Informatik = 5
Kunst = 10