Kapitel 5 / Der besondere Tag
Kapitel 5 / Der besondere Tag
Der besondere Tag
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Bin heute mal früher aufgestanden als sonst. Um 8 Uhr.
8 UHR!
Garnicht meine Zeit. Vorallem nicht in den Sommerferien. Normalerweise stehe ich immer so gegen 12 oder 13 Uhr auf. Doch heute ist ja der große Tag mit Mika.
Heute steht aber auch ein Ganzkörpertraining an.
Aber soll ich zum Gym, oder in den Park?
Gym macht mir immer Spaß, aber seit ein paar Monaten machen mir auch Körpergewichtsübungen unnormal viel Spaß.
Ich glaube ich hole mir ‘ne Münze.
So. Kopf ist Gym, Zahl ist Park.
Er wirft die Münze hoch… fängt sie in seiner Hand. Dann klatscht er sie auf seinen Handrücken und hält den Atem an.
Bitte Gym, gym, gym.
Er entfernt langsam die andere Hand von seinem Handrücken.
Und…
Und…
GYM!!!!
Er springt vor Freude hoch und schreit so laut, dass sogar die Nachbarschaft es gehört hat.
„Haru? Ist alles okay, Schatz? Bist du krank?“
„Ups… Nein Mama. Mir gehts sehr gut.“
Er schnappt sich seine Sporttasche und latscht entspannt zum Gym, was nur 10 min. zu Fuß entfernt ist. Während des Laufens kann Haru nur daran denken, dass er vielleicht meine Gewicht wieder erhöhen kann. Dieser Gedanke zaubert ihn jedesmal ein Lächeln.
Im Gym angekommen, bemerkt er, dass es angenehm leer ist.
Perfekt!
Also, schnell Trainingsklamotten angezogen, Handtuch, Flasche und abgehts in den Freihantelbereich.
Das beste ist, dass fast niemand im Freihantelbereich außer 2 oder 3 Leute.
Einfach perfekt!
Konnte deshalb alle Geräte benutzen ohne zu warten, Ich starte mit den Beinen mein Workout.
Erst habe ich mein Kniegelenkt an der Beinbeugermaschine aufgewärmt und meine Beinbeuger vorbelastet, damit ich danach schön schwere Squats an der Multipresse machen kann.
Nach den zwei Sätzen Beinbeuger geht es dann zu den Squats.
Also, tief einatmen, Spannung aufbauen und halten, und runter.
Direkt nach den Squats sind meine Beine durch. Ich muss schon Überlegen wie ich noch Nachhause kommen soll. Dabei hat der eigentliche Tag nichtmal angefangen.
Nach den Beinen habe ich meine Schultern am Kabelturm erstmal aufgewärmt. Ein bisschen mehr Zeit ins Warm-up zu investieren, ist mir lieber als Schmerzen während des Workouts.
Weiter geht es zum Bankdrücken, Heute will ich versuchen 55 Kilo zu drücken.
Ich legte die Gewichte auf, setzte mich hin und konzentrierte mich.
„Und… eins…, zwei…, drei…“
Das Gewicht geht überraschend leicht nach oben.
Perfekt!
Beim Latzug habe ich mir vorgenommen, 70 Kilo zu ziehen.
Ich setze mich hin, greife die Stange und fange an zu ziehen.
Und…
Nichts.
Ich hänge immer noch an 65 Kilo fest.
„Egal, nächstes Mal!“, murmelt er, während ich die Stange zurücklege.
Zum Abschluss des Workout sind die Arme dran.
Bizeps-Curls und Trizeps-Pushdowns.
Nach guten eineinhalb Stunden ist er fertig, sowohl körperlich als auch mental.
Meine Beine fühlen sich so aufgepumpt an, dass ich beim Heimweg aussehe, als hätte ich 20 Kilo mehr auf den Rippen.
— Dann Zuhause —
„Mama, du weißt nicht, wie krass ich heute im Gym geplatzt bin!“, ruft er voller Begeisterung.
„Ja, ja, du und dein platzen. Geh schnell in die Dusche.“, ruft sie aus der Küche zurück.
Haru grinst. Jetzt stellt er seine Tasche in sein Zimmer und geht direkt ins Bad.
Nach der Dusche fühle ich mich, wie neugeboren. Zeit mich fertig zu machen.
— Draußen —
Als ich beim Treffpunkt angekommen bin, und paar Minuten warten musste, werde ich zunehmend genervter.
„Junge… wo bleibt der schon wieder?“
Ich setze mich auf die Bank im Park.
„Immer ist der zu spät.“
Er schaut mich um und vertieft wieder in Gedanken.
Übermorgen ist der große Tag:
Mein erster offizieller Schritt in die Mädchenschule. Aber morgen steht erstmal der inoffizielle Tag an.
Er atmet laut ein.
„Boah, ich hab kein Bock dahin. Warum ich? Warum nicht jemand anderes? … Hauptsache die Mädchen sind dort nicht wie Ruka. Das wäre schon ein Geschenk.“
— 10 Minuten später —
Endlich sehe ich Mika in der Ferne.
Er rennt leicht außer Atem auf mich zu und winkt.
„Hi, bro! Sorry, dass ich zu spät bin.—“, sagt er während er ununterbrochen nach Luft schnappt.
„—Ich bin gerade erst aufgestanden.“
Ohne es auffällig zu zeigen schaut Haru ihn völlig verloren an.
„Echt jetzt?“
„Ja mann. War ‘ne harte Nacht. Aber egal, lass uns schwimmen gehen!“
Mika grinst danach und klopft ihn auf die Schulter.
— Kurze Rückblende —
[Ey ]
[Wir gehen morgen Schwimmen ]
[Danach können wir spontan bei mir grillen ]
[Was sagst du? ]
[Klingt chillig ]
[Dann lass uns beim Grillen ‘ne kleine Party machen für den besonderen Schulwechsel ]
[Und als Entschuldigung das wir nicht wie versprochen jeden Tag draußen waren ]
[Alles gut! ]
— Zurück in die Gegenwart —
— Im Schwimmbad —
Als wir den Eingang vom Schwimmbad erreich, sagt Haru erleichtert: „Endlich.“
Die Sonne brennt vom Himmel. Der Gedanke gleich ins kühle Wasser zu springen, ist unbeschreiblich.
Wir grinsen beide Breit, als wir die Tickets bekommen.
„Heute wird legendär, Mika!
Das wird ein Tag unvergesslicher Tag.“, sagt ich mit voller Begeisterung.
„Hoffen wir mal. Aber lange nicht so legendär wie dein Schulwechsel.“, entgegnet er lachend.
„Musst du mich daran erinnern?“
Er schlägt mir auf den Rücken.
„Entspann dich bro!“
Kaum haben wir uns umgezogen und wir sind schon am Highlight des Freibades.
Sofort beginnt Mika mit seinen Aktionen.
Er steht oben auf dem Dreier, streckt die Arme in die Luft und schreit: „Schau her, Leute! Der größte Schwimmchampion aller Zeiten springt gleich ins Wasser!“
„Mika… du bist peinlich auf ernst.“
Ich versuche mir mein Lachen zu verkneifen. Aber wegen diesen Momenten liebe ich dich auch.
Er zieht eine Grimasse und springt mit einem riesigen Bauchklatscher ins Wasser. Das Platschen ist so laut, dass sich mehrere Badegäste zu Mika umdrehen.
Haru klettert hoch auf den Dreier und will es auch probieren.
Er schüttelt den Kopf. Nimmt Anlauf und springt ganz normal vom Dreier runter.
Als Haru wieder auftaucht schwimmt Mika, wie ein Irrer auf ihn zu und spritzt Wasser in sein Gesicht.
„Bro! CHILL!“
„Was ist?“
„Hast mich auseinander genommen!“
„Willkommen im Krieg, Haru! Niemand ist sicher!“
Kurz darauf beginnt er wieder wie wild zu planschen.
Es dauert nicht lange, bis wir eine Wasserschlacht anfingen, die so heftig ist, dass der Bademeister irgendwann auf uns reagiert.
„Hey, Jungs! Nicht so wild, sonst gibts Ärger!“
Wir hören kurz auf, schauen uns unschuldig an. Nur um Sekunden später wieder loszulegen.
Jetzt stehen sie unter den Wasserrutschen.
„Wetten, ich bin schneller als du?“
„Du kannst nicht mal geradeaus laufen junge. Wie willst du da schneller als ich rutschen?“
„Challenge accepted!“
Oben angekommen, schauen sie sich kurz an.
Bevor Haru „Los“ sagen kann, hat Mika schon mit einem lauten „WUHUUU!“ sich die Rutsche runtergestürzt.
Er legt schnell hinterher und rutscht sofort hinterher.
„Wie ist der Typ so schnell?“, ruft Haru während das Wasser ihn immer weiter beschleunigt.
Am Ende der Rutsche landen beide fast zeitgleich im Wasser.
Mika taucht auf und grinst: „Haru, ich habe gewonnen!“
„Was laberst du?! Das ist‘n Unentschieden!“
Daraufhin spritzt ich Wasser ihn ins Gesicht.
„Traust du dich?“
Er zeigt auf den Zehner.
„Pfff, als ob das ein Problem wäre.“
Unten sieht es nicht so krass aus. Doch Oben angekommen… sieht es aber anders aus.
Haru schluckt.
Okay Haru, nicht nach unten schauen!
„Beeil dich mal, Opa!“ rief Mika von unten.
„Ich komm ja schon!“ rief ich zurück und sprang.
Für einen kurzen Moment fühlt er sich wie ein Vogel, bevor er mit einem lauten Platschen ins Wasser eintaucht.
Als ich auftauche, sehe ich, wie Mika unten applaudiert.
„Respekt! Ich dachte, du kneifst.“
„Als ob.“
Als wir uns irgendwann auf die Liegewiese legen, um die Sonne zu genießen, meint Mika plötzlich: „Weißt du, Haru, vielleicht sollte ich auch die Schule wechseln. Dann können wir zusammen die Mädchenschule erobern.“
Ich drehe meinen Kopf zu ihm.
„Träum weiter. Wenn du da wärst, würden die dich direkt irgendwo einsperren und was weiß ich was mit dir machen.“
Er lacht laut auf: „Denkst du das wäre schlimm?“
Er fragt es vollkommen ernst.
„Man kann es so sehen und so. Aber meine Meinung nach wäre es natürlich schlimm! Was ist das für eine Frage?“
„Ach… egal. Erzähl mal aber morgen, wie es so sein wird, ok?“
„Ok“
Sie geben sich daraufhin einen Fistbump.
Den beiden wurd‘s ein bisschen zu langweilig und sie tauchen wieder ins Wasser. Nur um dort zu entspannen.
Während sie uns entspannen, überlegen die beiden auch gleichzeitig, was die als nächstes machen sollen.
„Hey, Ihr zwei! Habt ihr Lust, mit uns Wasserball zu spielen?“
Ich drehe mich um und sehe eine Gruppe von etwa fünf Leuten, die einen aufgeblasenen Wasserball hochhalten.
Mika grinst sofort Breit.
„Klar, warum nicht? Haru und ich sind das beste Team! Stimmts, bro?“
„Äh… sicher.“
Mika packt mich Arm und zieht mich aufs Spielfeld.
„Okay, Jungs.—“
Sagt der Typ mit einer auffälligen Sonnenbrille, der anscheinend der Anführer ist.
„—Wir machen zwei Team. Ihr beide gegen uns beiden. Mal sehen, ob ihr mithalten könnt.“
„Ha, das wird ein Spaziergang.“, prahlt Mika, während ich skeptisch die Größe der anderen Typen anmustert.
Ich glaube die gehen jeden Tag ins Gym.
Der Typ mit der Sonnenbrille wirft den Ball hoch und das Spiel beginnt.
Mika ist wie ein Sturm einfach. Er schwimmt hin und her und schreit ständig.
„Haru, pass. Pass! Pass!“
Ich schnappe mir den Ball und warf ihn zu Mika. Er versucht direkt aufs Tor zu zielen.
Doch kurz vor dem Tor springt der andere hoch und blockt den Ball mit einer Hand ab.
„Wow, ihr seid nicht schlecht.“, sagt Haru.
Was könnte man für eine Strategie hier entwickeln? Hmm…
„Nicht schlecht?—“, sagt Mika während er grinst.
„—Haru, wir zeigen denen jetzt, was wir Genies draufhaben!“
Beim nächsten Angriff gelingt es mir den Ball zu erobern und an Mika weiterzuleiten.
Er stürmt nach vorne, täuscht einen Schuss an und warf den Ball schließlich mit voller Wucht ins Tor.
„TOOOOOR!!!“
Er triumphiert und schreit so laut, sodass sogar der letzte es hörte.
Die anderen applaudieren.
„Nicht schlecht, nicht schlecht.—“
Sagt der Anführer.
„—Aber das ist nur der Anfang.“
Je länger das Spiel dauerte, desto intensiver wurde es. Mika und ich fanden langsam unseren Rythmus und arbeiteten immer besser zusammen. Die Gegner jedoch sind hartnäckig gewesen und schafften es einige Tore zu erzielen.
„Haru, das ist der Moment!“
Die letzte Runde beginnt.
Es steht Unentschieden, und das nächste Tor würde den Sieg bringen.
Der Ball kam direkt zu mir, und ich schwamm so schnell ich konnte Richtung Tor.
Der Gegner versuchte mich zu blocken, doch Mika taucht plötzlich aus dem Nichts auf und rief:
„Hier, Haru! Pass zu mir!“
Ich werfe den Ball in einem hohen Bogen zu ihm und er setzt zu einem kraftvollen Sprung an. Der Ball fliegt ins Tor und das Wasser spritzt in alle Richtungen, als Mika triumphierend auftaucht.
„Ja, Mann! Wir haben gewonnen!“, schreit er, während ich zu ihm schwimmt.
Die Gegner lachen.
„Okay, okay, ihr habt gewonnen. Respekt, Jungs. Das war ein gutes Spiel!“
„Danke.“
„Das war so geil einfach, Haru.“
Sagt er während wir aus dem Becken rausgingen. Wir legten uns hin, weil wir fix und alle waren.
„Ja, aber ich werde morgen glaube ich Muskelkater haben.“
Direkt danach lasse ich mich aufs Gras fallen.
Mika lacht.
„Das war es wer, Bro. Und außerdem so ein Sieg motiviert für alles, sogar für eine Mädchenschule, oder?“
„Kannst du mal leise sein?“ reagierte ich währen ich meine Augen schloss.
Er kichert und lässt sich auch fallen.
„Ach, was ich nicht alles tun würde um da zu sein, stimmt Haru? Haru?“
Er richtet sich auf und hört ein schnarchen von ihm.
„Mal gucken, was dich da morgen erwartet. Bro, du musst mir alles erzählen.“
Nach einem langen Tag im Schwimmbad schleppen Mika und Haru sich zurück zu Mikas Haus. Die Sonne ist bereits untergegangen und die warme Sommernacht verspricht eine angenehme Atmosphäre für die Grillparty.
Haru zieht seinen nassen Rucksack von seiner Schulter.
„Junge, sieben Stunden im Wasser. Ich schwör, ich bin komplett durch.“
„Das war erst die Aufwärmphase bro.—“, äußert er sich grinsend.
Er öffnet die Tür zu seinem Garten.
„—Jetzt gehts erst richtig los!“
Der Geruch von Holzkohle und marinierter Fleischsoße begrüßt uns, als wir den Garten betreten. Mika hat offenbar schon ein paar Freunde eingeladen, die um einen kleinen qualmenden Grill stehen. Einer von ihnen, ein Typ, namens Taro, drehte gerade die ersten Spieße um.
„AH, da sind die Wir dachten schon, ihr seid ertrunken.“ rief Taro.
„Sehr witzig.—“ sagt Mika.
„—Holt euch‘nen Teller, wie legen gleich los.“
Ich schnappe mir einen Teller und fülle ihn mit allem, was ich erreichen konnte — gegrillte Spieße, Maiskolben und bisschen Salat. Mika setzt sich neben mir auch eine der Gartenbänke und biss in ein Stück Fleisch.
Mika beginnt zu reden…
„Also, wie fühlt es sich an, bald der einzige Typ auf einer Mädchenschule zu sein?“
Ich verdrehe die Augen.
„Mann, frag nicht. Ich hab echt keine Ahnung, was mich erwartet.“
Die anderen hören unser Gespräch und stimmen laut lachend ein.
„Bruder, du wirst ein Star sein.“
„Alle werden dich anstarren.“
„Genau.“
„Du musst uns auch alle Details erzählen, okay? Alle Details!“
„Was ist das hier, ein Spionageauftrag?“ fragte ich genervt.
Mika hob seinen Arm und legte ihn um mein Hals lachend.
„Immer noch der Haru den ich seit Anfang an kenne.—“
„—Natürlich ist das ein Auftrag.“
„Und vergiss nicht die Nummern der Mädels zu nehmen.“
Je später der Abend wird, desto ausgelassener wird die Stimmung. Mika hat Musik aufgedreht, und ein paar der Jungs finden an, Witze zu reißen und alberne Tanzmoves zu zeigen.
„Hey, Haru!—“
Er übergibt mir ein Mikrofon.
„—Karaoke-Runde! Dein Einsatz!“
„Nie im Leben.“
Doch die anderen feuerten mich ebenfalls an wie Mika.
Ich schnappe mir das Mikrofon und wähle ein Lied aus, das ich halbwegs singen kann. Natürlich vergesse ich in der Hälfte der Strophe den Text, und alle lachen sich schlapp, aber irgendwie hab ich viel Spaß gehabt.
„Das war ein geiler Tag.“ murmelte Mika, während wir uns auf den Plastikstühlen zurückzulehnen. Die anderen sind entweder schon gegangen oder lagen irgendwo verstreut auf Decken und Kissen.
„Ja.—“ und blickt dabei in den Sternheims.
„—Ich glaube ich brauche das öfter. Einfach so chillen und an nichts denken.“
Vielleicht meint Ruka so welche Tage.
Mika nickt.
„Wird schwierig, Bro. Ab übermorgen bist du offiziell einer von ihnen.“
Nach der Bemerkung schlug ich auf seine Schulter sanft.
Kurze Stille.
Danach lachen beide, als würde der Tag niemals enden wollen.
„Willkommen in deinem neuen Leben, Haru.“