Kapitel 60 / Der peinlichste Tag
Kapitel 60 / Der peinlichste Tag
Kapitel 60 / Der peinlichste Tag
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Ich verstehe, wie viele andere, insbesondere Haru auch nicht, warum die Schule so viele Kernelemente hier ändert. Die neue Reputationsapp ist solala, aber... gleich haben wir ein Meeting— Mal schauen was dort gesagt wird.
„Natsu, natsu. Komm mal rüber!"
Ruckartig schreckt sie aus dem Schlaf.
Sie schaut mit etwas verschwommenen Blick in die Richtung woher sie gerufen wird. Ihr Gehört wird langsam schärfer und der Lärm ist für sie unerträglich.
„Was ist denn...?"
Sie schleppt sich zur Tür und schaut hinaus. Eine Menschenmenge steht im Gang. Aber wegen ihrer Größe sieht sie kaum, wer dahinter steckt.
Ich wollte eigentlich nur meine Ruhe haben...
Obwohl gerade Pause ist, sind alle Schüler in den Klassen versammelt. Das Meeting scheint ihnen alle wichtig zu sein.
Dort steht er.
Und Yuki.
Der Blickkontakt trifft sie wie ein Schlag. Die Luft fühlt sich plötzlich schwerer an und dichter. Sie will sofort wieder in den Klassenrau zurück, doch irgendetwas zwingt sie weiter hinzusehen-
Und während sie Haru beobachtet, erinnert sie sich an den Brief, den er vor kurzem bekommen hatte. Dieser komische Brief, in dem stand, dass er ‚entdeckt' wurde. Er hatte ihn weggeschmissen, weil er davon ausging, dass ihn sowieso schon längst jemand durchschaut hat. Und danach kam auch nie wieder etwas.
Immer wenn Haru irgendwas an der Backe hat, versammeln sich alle um ihn herum. Nervig. Aber mich interessiert auch, was er diesmal gemacht hat. Ich hoffe Freya wird ihn dieses Mal nicht die Ohren lang ziehen.
Yukis Verhalten ist vollkommen anders als früher. Das Idol, das sie einmal war, existiert nicht mehr. Das bemerkt schon die Menschenmenge auf einen Blick. Äußerlich dieselbe, aber innerlich komplett verändert. Und Haru steht vor ihr, Hände in den Taschen, neutraler Blick, mit leicht verzogenem Mund. Als würde sie ihn anwidern.
„Und... was willst du von mir, Yuki?"
Seine Stimme trägt noch den Rest der Wut von vor ein paar Monaten. Aber er weiß, dass er sie nicht vor allen zusammenschlagen kann— selbst wenn er es könnte. Und ob er es könnte, weiß er nicht. Denn Yuki sieht... gruselig aus. Anders.
Dann passiert etwas anderes:
Sie errötet.
Und packt seinen Arm. Klammernd. Besitzergreifend. Als würden die beiden komplett alleine sein.
Der gesamte Flur verstummt.
Münder stehen offen.
Selbst seine eigene Gruppe, die ihn sonst immer unterstützt, bleibt still und schmunzeln nur fies.
Harus Wangen verfärben sich ebenfalls. Er versucht, ihren Griff zu lösen, doch ihr Arm ist um ihn geschlungen wie eine Schlinge.
Die Augen von ihr sind geschlossen. Als würde sie ihn genießen.
Er flüstert hektisch zu ihr: „Ist— ...war das dein Plan? Mich vor allen bloßzustellen?"
Keine Antwort kommt von ihr.
Bitte, lieber Gott, lass mich einfach in Frieden. Womit habe ich das verdient?
„Kann mir denn keiner helfen?!"
Seine Besorgnis ist nicht zu überhören. Doch jeder flüstert über ihn oder ein paar haben sogar Fotos von ihm gemacht.
Selbst seine Gruppe kommen ihn nicht zur Hilfe. Denn sie amüsieren sich auch mal Haru in einer so schönen Lage widerzufinden, obwohl der Feind sehr nah ist. Er schaut zu denen rüber... aber sie reagieren nicht und kichern über ihn.
Obwohl seine Wangen wieder langsam normal werden, kommt statt Hilfe nur weiteres Getuschel und Kamerablitze.
Er senkt den Kopf, resigniert, peinlich berührt. Yuki umschlingt ihn nur noch enger.
Fotos, Fotos, Fotos entstehen, als würde es kein Ende mehr nehmen.
„Das ist ein schönes Foto geworden!", hört er jemanden sagen.
Er hebt den Kopf, will protestieren, will das es aufhört— doch zu spät-
„Um dich ein bisschen aufzumuntern, hat Yuki für die Fotos gepost", tritt Freya hervor. Als hätte sie plötzlich die Seiten gewechselt.
Der Blick, den Haru ihr zuwirft, ist eine Mischung aus blanker Enttäuschung und brodelnder Wut. Nur Natsu und Jeanne, die neu dazugestoßen sind, zeigen etwas Mitleid.
Yuki streckt frech die Zunge raus, als Haru sie anblickt und lässt ihn los. Er atmet tief aus, beinahe zittrig. Sein Herz rast, als wäre er gerade einem Herzinfarkt entkommen.
Und Yuki läuft in die entgegengesetzte Menge mit den Händen hinterm Rücken. Ein Gang wird automatisch von der Menge frei gemacht.
Als Abschluss bleibt sie am Ende der Menge kurz stehen und senkt ihren Kopf halb zu Haru rüber. Sie schickt zwinkernd einen Luft Kuss zu ihm rüber.
Er schreckt vor Scham kurz zurück Die Menge bricht in Grinsen und Kichern aus.
Das war das peinlichste... und gleichzeitig das absurdeste, was ich je erlebt habe. Hoffentlich lässt sie mich endlich in Ruhe. Es fühlte sich an als wolle sie in meinem Arm schlafen. ...Und das fühlt sich sehr falsch an.
Er läuft den Gang entlang zum Hof. Ein bisschen Basketball für die Ablenkung. Vielleicht eine Beruhigung von der Sache. Und dann steht ja das Meeting an.
Doch als er den Schulhof erreicht, sieht er auch dort eine neue Menschenmenge, diesmal von der anderen Schule.
Als wären die Mädchen schon nicht genug, sitzen die mir auch im Rücken.
Er geht ganz entspannt laufend zu der ein paar Meter hohen Zaun die, die beiden Schulen voneinander trennen. Theoretisch könnte jeder einfach rüber klettern, aber man macht es natürlich nicht.
Mika ist weit und breit nicht zu sehen. Ob der wohl heute blau gemacht hat?
Er geht zu der Gruppe sich dort aufgestellt hat. Die haben ihn wahrscheinlich seit Anfang des Jahres beobachtet. Denn Haru hatte bemerkt das er nicht nur von den Mädchen immer beobachtet wurde.
Bin ich ebenfalls 'ne Berühmtheit in meiner anderen Schule geworden oder warum?
„Heeey!", begrüßt ihn die Gruppe synchron.
Er stellt sich mit dem Rücken an den Zaun und schaut den Eingang zum Schulhof an. Natürlich haben sich dort alle ebenfalls versammelt.
„Ja? Was wollt ihr?"
Haru wirkt genervt.
„Wie läuft's so mit den Mädels? Alles gut bei dir?"
Er verdreht innerlich die Augen von der Frage.
„Joa schon. Aber... was wollt ihr von mir eigentlich?"
Ein Mädchen was in der Gruppe ist grätscht hinein. Mit der ganzen Gruppe hatte er im letzten Jahr nicht ein Wort ausgetauscht.
„Uns ist nur langweilig. Und wir dachten... das du mal vielleicht vorbei kommen würdest, weil du immer in den Pausen alleine Basketball spielst."
„Mein Sechster Sinn ist wohl immer noch in takt.", antwortet er ganz gelassen.
„Was?"
„Egal."
Der Junge von vorne will wieder mit Haru sprechen. Die anderen drei in der Gruppe bleiben Stumm und hören nur zu.
Er grinst schief, als würde er irgendwas dummes von sich sagen wollen. „Und... hast du schon eine Gattin gefunden?"
Haru atmet aus und hätte sich die Frage schon denken können. Obwohl er Menschen nicht wie ein offenes Buch lesen kann, konnte er dies von zehn Kilometer Entfernung schon riechen.
Doch er antwortet ganz gelassen. Man merkt ihm jetzt an das er das Gespräch so schnell wie möglich beenden will.
„Ne."
Und im Anschluss ohne das Gespräch ernsthaft beenden zu wollen haut er einfach ab. Mit dem Rücken zu denen winkt er ihnen noch zu und läuft zu seinem Basketball.
„Heey! HEY! HAU DOCH NICHT EINFACH AB!"
Haru läuft mit einem amüsierten lächeln zurück in seine Klasse. Durch dieses kurze Gespräch ist seine Moral viel gelassener geworden, für das anstehende Meeting in der Klasse.
Sorry bro. Aber wenn du mir so eine beschissene Frage stellst, dann kann ich nix anderes tun, ebenfalls beschissen darauf zu antworten. Arrividerci, mon garçon.
— Ein paar Stunden später, Im Kult Raum —
Sie sitzt wie immer entspannt auf ihrem Thron. Dieses mal breitbeinig einfach weil sie es kann.„Gibt's irgendwelche News von Yuki? Hat die irgendjemand gesehen?"
Ich habe Yuki lange nicht mehr gesehen. Als würde sie undercover irgendetwas machen. Dieses Adrenalin vor ihr wegzulaufen habe ich schon ein bisschen vermisst.
„Sie hat sich heute mit Haru umarmt."
Sie hat es gesehen, aber ist einfach weiter gegangen weil es sie nicht interessiert. Denn sie weiß das es wieder irgendwas unnötiges gewesen sein muss. Sie findet ihre Zeit zu kostbar, als das sie es für sowas unnötiges verschwendet.
Sie fängt an zu lachen. „Ich hoffe ich habe mich verhört. Als wenn sie ihre Gefühle für ihn noch nicht verloren hat."
„Scheint eben so. Sollen wir was gegen sie tun?"
Ohne darauf zu antworten wechselt sie das Thema. Ganz spontan. „Vergisst nicht für heute Abend hier alles piko-bello zu machen."
Die paar Mädchen die im Raum sind nicken und bereiten schon einmal alles für heute Abend vor. Sie grinst zufrieden und geradewegs in ihr Zimmer.
Schade das ich kein Spielzeug mehr habe, womit ich in den Ferien gespielt hatte. Obwohl ich du Nachts viele schlimme Sachen gesagt hattest war es wie Musik in meinen Ohren. Ich will diese Wut weiter bei dir sehen.